Kriminaltherapeutische Behandlung in Ochsenzoll
Forensische Psychiatrie Ochsenzoll
Kriminaltherapeutische Behandlung in Ochsenzoll
Individuelle Risikofaktoren erkennen und Rückfällen vorbeugen
Viele Einzel- und Gruppenangebote in der Forensischen Psychiatrie Ochsenzoll haben einen kriminaltherapeutischen Schwerpunkt. Neben der Behandlung psychischer Erkrankungen geht es darum, individuelle Faktoren zu erkennen, die mit Delinquenz und Rückfallrisiken in Zusammenhang stehen können, Verantwortung für das eigene Verhalten zu fördern und neue Handlungsstrategien zu entwickeln.
Die kriminaltherapeutischen Angebote finden in einem strukturierten therapeutischen Rahmen statt. Zum Behandlungskonzept gehören standardisierte Therapieprogramme ebenso wie Langzeitpsychotherapien und die Behandlung komorbider psychischer Erkrankungen.
Unser Behandlungsansatz
Forensisch-psychiatrische Behandlung richtet sich nicht allein auf eine psychiatrische Diagnose. Im Behandlungsverlauf werden auch individuelle Risiko- und Schutzfaktoren sowie diejenigen Verhaltens- und Denkmuster betrachtet, die für die weitere Entwicklung und das Rückfallrisiko relevant sein können.
Dazu gehören je nach individuellem Bedarf Einzel- und Gruppenangebote. Ziel ist es, dass Patient:innen Zusammenhänge zwischen Erkrankung, Verhalten und persönlichen Risikofaktoren besser verstehen und geeignete Strategien für einen stabileren Umgang mit belastenden oder risikorelevanten Situationen entwickeln. Die Behandlungsplanung ist eingebettet in den Gesamtverlauf aus Diagnostik, Risikoanalyse und Rehabilitation.
Therapieprogramme und Behandlungsbausteine
Das Sex Offender Treatment Programme richtet sich an Patient:innen, die Sexualstraftaten begangen haben. Ziel ist es unter anderem, die Motivation zur aktiven Rückfallvermeidung zu stärken, Verantwortung für das eigene Tatverhalten zu übernehmen und individuelle Risikofaktoren herauszuarbeiten.
Darauf aufbauend sollen Strategien für ein persönliches Risikomanagement entwickelt werden. Ein weiterer Bestandteil des Programms ist die Auseinandersetzung mit der Perspektive der Opfer.
Die Dialektisch-Behaviorale Therapie – Forensik (DBT-F) ist eine für den forensisch-psychiatrischen Kontext angepasste Form der Dialektisch-Behavioralen Therapie. Sie wurde ursprünglich für die stationäre Behandlung von Straftäter:innen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung und/oder antisozialer Persönlichkeitsstörung entwickelt.
Im Mittelpunkt stehen unter anderem Emotionsregulation, Impulskontrolle, Stresstoleranz, Achtsamkeit und soziale Kompetenzen. Im forensischen Setting werden diese Inhalte insbesondere dort relevant, wo impulsives oder aggressives Verhalten, geringe Selbststeuerung oder Schwierigkeiten im Umgang mit Frustration eine Rolle spielen.
Die forensische Anpassung berücksichtigt dabei stärker als die klassische DBT auch fremdaggressives Verhalten und deliktrelevante Risikofaktoren. Patient:innen sollen problematische Verhaltensmuster und auslösende Situationen besser erkennen, alternative Handlungsstrategien erlernen und ihre Fähigkeit zur Selbststeuerung verbessern.
Das Metakognitive Training wird insbesondere bei psychotischen Erkrankungen eingesetzt. Patient:innen beschäftigen sich dabei mit Denkstilen und kognitiven Verzerrungen, die die Entstehung oder Aufrechterhaltung falscher Überzeugungen bis hin zu Wahnerleben begünstigen können.
Die Teilnehmenden lernen, eigene Problemlösungs- und Bewertungsmuster kritischer zu betrachten, alternative Einschätzungen zu entwickeln und die Inhalte des Trainings auf Alltagssituationen zu übertragen.
Das Reasoning & Rehabilitation Programm (R&R) setzt bei kognitiven Voraussetzungen von Verhalten an.
Trainiert werden insbesondere Fähigkeiten, die für Selbststeuerung und angemessenes Handeln in sozialen Situationen relevant sind. Dazu gehören Problemlösefähigkeiten, soziale Wahrnehmung und soziale Kompetenz, kreatives Denken sowie die Auseinandersetzung mit Werten und Einstellungen.
Das Programm arbeitet dabei nicht die individuelle Lebensgeschichte oder Persönlichkeitsproblematik auf, sondern konzentriert sich gezielt auf diese kognitiven Fähigkeiten.
Psychoedukation unterstützt Patient:innen dabei, ihre psychische Erkrankung und deren Auswirkungen besser zu verstehen. Ziel ist es, Wissen über die eigene Erkrankung aufzubauen und dadurch einen aktiveren Umgang mit Symptomen, Behandlung und möglichen Krisen zu ermöglichen.
Wenn es sinnvoll und möglich ist, können auch nahestehende Personen einbezogen werden. Dadurch soll das gegenseitige Verständnis für Erkrankung und deren Auswirkungen auf das Zusammenleben verbessert werden.
Im sozialen Kompetenztraining werden Fertigkeiten vermittelt und praktisch erprobt, die für einen angemessenen Umgang mit anderen Menschen wichtig sind. Damit können Patient:innen Verhaltensmöglichkeiten für zwischenmenschliche Situationen erweitern und neue Strategien für den Umgang mit Konflikten und sozialen Anforderungen entwickeln.
Motivational Interviewing dient der Förderung von Veränderungsmotivation. Die Gesprächsführung soll Patient:innen dabei unterstützen, eigene Gründe für Veränderungen herauszuarbeiten und Ambivalenzen im Hinblick auf Behandlung oder Verhaltensänderungen zu bearbeiten.
Auch dieses Verfahren gehört zum bestehenden kriminaltherapeutischen Angebot in Ochsenzoll.
Die Akupunktur nach dem NADA-Protokoll ist ein standardisiertes Verfahren, bei dem bis zu fünf festgelegte Punkte am Ohr akupunktiert werden. In der Forensischen Psychiatrie Ochsenzoll wird sie als ergänzender Behandlungsbaustein unter anderem bei Patient:innen mit Suchterkrankungen und weiteren psychischen Störungen eingesetzt.
Ziel ist nicht die Behandlung einer psychischen Erkrankung allein durch Akupunktur. Das NADA-Protokoll wird vielmehr ergänzend in ein umfassendes psychiatrisches und psychotherapeutisches Behandlungskonzept eingebunden. Im bestehenden Ochsenzoller Behandlungsangebot werden insbesondere psychische Stabilisierung, Stärkung und Beruhigung als mögliche Effekte beschrieben.
Das Verfahren wird international sowohl in stationären als auch in ambulanten psychiatrischen und suchttherapeutischen Einrichtungen eingesetzt.
Zum Behandlungsangebot gehören außerdem Langzeitpsychotherapien sowie die Behandlung komorbider Störungen.
Damit können neben der unmittelbar im Vordergrund stehenden Erkrankung auch weitere psychische Störungen in die Behandlung einbezogen werden.
Was soll die kriminaltherapeutische Behandlung erreichen?
Die unterschiedlichen Programme verfolgen nicht alle dasselbe Ziel. Gemeinsam ist ihnen jedoch, dass sie Patient:innen dabei unterstützen sollen,
- individuelle Risiko- und Schutzfaktoren besser zu verstehen,
- Verantwortung für das eigene Verhalten zu übernehmen,
- problematische Denk- und Verhaltensmuster zu erkennen,
- Selbststeuerung und soziale Kompetenzen weiterzuentwickeln,
- Veränderungsmotivation zu fördern und
- Strategien zur Rückfallvermeidung aufzubauen
Welche Therapieprogramme und Behandlungsbausteine eingesetzt werden, richtet sich nach der individuellen Erkrankung, dem bisherigen Verlauf und dem jeweiligen Behandlungsbedarf. Die kriminaltherapeutische Behandlung ist dabei Teil eines umfassenden forensisch-psychiatrischen Behandlungsprozesses.