
Gutartige Prostatavergrösserung
Die benigne Prostatahyperplasie (BPH), auch bekannt als gutartige Prostatavergrößerung, ist eine häufige Erkrankung, die vorwiegend Männer im fortgeschrittenen Alter betrifft.
Benigne Prostatahyperplasie
Sie leiden unter einer vergrößerten Prostata (BPH) und möchten sich behandeln lassen, wissen aber noch nicht genau, welche Behandlungsoptionen es gibt bzw. welche die richtige für Sie ist?
Mit unserer Entscheidungshilfe möchten wir Sie bei den ersten Schritten hin zu einer Behandlung unterstützen und Ihnen einen Überblick über die Vorteile, Optionen und Risiken der unterschiedlichen Behandlungsmöglichkeiten geben, aber auch darüber, was passiert, wenn sie Nichts tun würden.
Jede Behandlung hat Vor- und Nachteile und ist mit Risiken verbunden. Welche Option für Sie die beste ist, hängt unter anderem von Ihrer persönlichen Situation und Ihren Präferenzen ab.
Daher sollten Sie sich als erstes folgende Fragen stellen:
Die Antworten auf diese Fragen sind so individuell wie Sie! Ihr Urologie bzw. Ihre Urologin wird in einem ausführlichen Gespräch gemeinsam mit Ihnen die für Sie bestmögliche Behandlung finden.
Ihre aktive Beteiligung ist mitentscheidend für den Erfolg Ihrer Behandlung!
BPH ist die Abkürzung für „benigne Prostatahyperplasie“ (gutartige Prostatavergrößerung). Dahinter verbirgt sich eine gutartige Vermehrung von Prostatagewebe.
Die Prostata ist ein Organ unterhalb der Blase, sie umschließt die Harnröhre und produziert einen Teil des Ejakulats (Samenergusses), das dann im Rahmen des Orgasmus nach vorne aus dem Penis heraus geleitet wird.
Die gesunde Prostata eines jungen Mannes hat ein Volumen von ca. 20 Millilitern. So Beschwerden beim Wasserlassen durch das Prostatawachstum entstehen, wird dies auch als „benignes Prostatasyndrom“, kurz BPS, bezeichnet.
Eine vergrößerte Prostata ist kein Krebs und erhöht auch nicht Ihr Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken!
Die Vergrößerung der Prostata ist bei vielen Männern Teil des natürlichen Alterungsprozesses. Dabei führen mehrere Faktoren – vor allem hormonelle Veränderungen – zu einem vermehrten Wachstum des Prostatagewebes. In vielen Fällen wächst die Prostata nicht nur nach außen, sondern kann sich auch nach innen ausdehnen, wodurch in der Folge die Harnröhre verengt wird.
Die gutartige Prostatavergrößerung geht gehäuft mit einem höheren Lebensalter einher. Sie kann bereits ab dem 40. Lebensjahr auftreten, bei Männern zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr sind nahezu 50 Prozent betroffen. Bei den 60- bis 80-Jährigen leiden 75 Prozent unter einer BHP und bei über 80-Jährigen sogar 90 Prozent.
Eine vergrößerte Prostata ruft nicht unbedingt Beschwerden hervor. Das Auftreten von Symptomen hängt vor allem davon ab, ob durch das Gewebewachstum der Prostata die Harnröhre verengt wird oder nicht.
Durch eine verengte Harnröhre ist der Harnfluss verlangsamt, die Blase kann dann nicht mehr vollständig entleert werden.
Bei den möglichen Symptomen unterscheidet man Speicherstörungen (Drangbeschwerden) und Entleerungsstörungen (Widerstand beim Wasserlassen).
Zunächst stellen wir Ihnen ausführliche Fragen zu Ihrer Krankengeschichte, Ihrem Medikamentenplan und Ihren Symptomen. Hieran schließen sich in der Regel die körperliche Untersuchung, eine Ultraschalluntersuchung sowie einige Blut- und Urinuntersuchungen an. Außerdem werden wir Ihnen Fragebögen zur Erfassung und Einteilung Ihrer Beschwerden aushändigen.
Therapeutisch stehen zwei unterschiedliche Behandlungsansätze zur Verfügung. Man unterscheidet hierbei eine operative Therapie von einer nicht-operativen (konservativen) Therapie. Beide Therapieverfahren haben unterschiedliche Vorteile.
Gerade zu Beginn der Beschwerden werden in der Regel zunächst Medikamente eingesetzt, um die Symptome zu lindern. Wir werden Ihnen die Wirkung, aber auch mögliche Nebenwirkungen in Ruhe erläutern.
Folgende Medikamentengruppen werden für die Behandlung von Beschwerden beim Wasserlassen eingesetzt:
Sollten bei Ihnen wiederkehrende Harnwegsinfekte, ein akuter Harnverhalt oder wiederholte Blutabgänge aus der Harnröhre vorliegen, sollte Ihre Prostata in der Regel operativ verkleinert werden. Gleiches gilt z.B. auch bei einer erheblichen Behinderung des Harnabflusses oder bei starken Beschwerden, die nicht ausreichend auf Medikamente ansprechen. Andere Gründe für eine operative Therapie können z.B. eine Unverträglichkeit der Medikamente (bzw. ausgeprägte Nebenwirkungen) oder eine deutliche Verschlechterung bzw. Einschränkung der Lebensqualität sein.
Für die operative Behandlung der BPH gibt es eine Vielzahl verschiedener Verfahren. Sie unterscheiden sich im Zugangsweg (z. B. durch die Harnröhre) und in den verwendeten Instrumenten. Ihre Urologin bzw. Ihr Urologe berät Sie über die für Sie optimale Operationsverfahren, sofern Sie sich für eine chirurgische Behandlung entscheiden.
In Abhängigkeit von z.B. der Größe und Form der Prostata, Ihrem Blutungsrisiko (z.B. bei Einnahme von Blutverdünnern) oder auch möglichen Nebenwirkungen kommen einige Verfahren eher für Sie in Frage als andere Verfahren. So individuell Ihre Krankheitsgeschichte und Ihre Prostata ist, so individuell solle eine operative Therapie mit Ihnen ausgewählt werden.
Häufige operative Verfahren:
Wir besprechen die unterschiedlichen Operationsmethoden mit Ihnen, legen Ihnen die Vor- und Nachteile sowie die Risiken der Methoden dar und erläutern Ihnen gern, warum welche Methode bei Ihnen besonders geeignet (oder vielleicht auch ungeeignet) ist.
Sowohl eine operative Versorgung als auch eine konservative Therapie sind mit spezifischen Risiken bzw. Nebenwirkungen verbunden. Diese hängen unter anderem auch von Ihrem individuellen Gesundheitszustand ab.
Ihr Urologe bzw. Ihre Urologin wird Ihnen ausführlich die allgemeinen und individuellen Risiken der jeweiligen Behandlungsoption erklären und gemeinsam mit Ihnen das Für- und Wider abwägen.
Im Folgenden finden Sie einige Punkte, die jedoch keinesfalls vollumfänglich alle Risiken wiedergeben. Sobald Sie sich für ein Therapieverfahren (oder auch dagegen) entschieden haben, wird Ihnen das betreuende therapeutische Team die spezifischen Risiken und Nebenwirkungen der von Ihnen gewählten Behandlungsoption ausführlich erläutern.
Wenn Sie weitere Informationen zu den aufgeführten Medikamenten wünschen, möchten wir Sie an dieser Stelle auf die jeweiligen Beipackzettel verweisen. Die meisten der genannten Nebenwirkungen sind mit Beendigung der Therapie rückläufig. In diesem Fall ist jedoch auch davon auszugehen, dass die Beschwerden Beschwerden beim Wasserlassen durch die vergrößerte Prostata wieder zunehmen.
Mögliche Nebenwirkungen sind z.B. Herz-Kreislaufbeschwerden wie niedriger Blutdruck oder orthostatische Beschwerden (Beschwerden beim Aufrichten/Aufsetzen) bis hin zur Bewußtlosigkeit bei niedrigem Blutdruck. Insgesamt sollte bei Patienten mit z.B. einer Herzinsuffizienz/einer Pumpschwäche des Herzens die Therapie mit Vorsicht eingesetzt werden. In der Kombination mit Phosphodiesterase-Hemmern kann es zu einem deutlichen Blutdruckabfall kommen. Sollte bei Ihnen eine Katarakt-OP (grauer Star) geplant sein, kann die Einnahme von Alphablockern das Risiko von Komplikationen erhöhen. Eine weitere bekannte Nebenwirkung betrifft den Samenerguss. Dieser ist vermindert und kann sogar komplett verschwinden („trockener Orgasmus“).
Medikamente dieser Gruppe können dazu führen, dass ein spezieller Blutmarker, das PSA (Prostata spezifisches Antigen) falsch niedrig ausfällt. Dieser Blutmarker wird normalerweise dazu verwendet um mittels eines Bluttests eine mögliche Krebserkrankung der Prostata frühzeitig zu erkennen. Daher müssen unter dieser Therapie andere Verfahren zur Früherkennung von Prostatakrebs durchgeführt werden.
Da diese Art von Medikamenten in den männlichen Hormonhaushalt eingreifen, könnten darüber hinaus unterschiedliche Nebenwirkungen bzw. unerwünschte Wirkungen auftreten. Dies sind z.B. Stimmungsänderungen und Depression, Verlust der Libido (verringertes bis fehlendes Verlangen nach Geschlechtsverkehr, bzw. fehlende Freude am Geschlechtsverkehr), Störungen/Verlust der Potenz bzw. Störungen beim Samenerguss, Überempfindlichkeit der Brust, in seltenen Fällen auch eine Verweiblichung der Brust oder Entwicklung von Knoten in der Brust bzw. von Brustkrebs.
Aufgrund ihrer Wirkweise dürfen diese Medikamente z.B. nicht eingesetzt werden bei schweren gastrointestinalen Störungen, einer Myasthenia gravis (eine Form der autoimmunen Muskelschwäche), einem Engwinkelglaukom (erhöhter Augeninnendruck) sowie bei einer Tachyarrhythmie (eine Rhythmusstörung des Herzens).
Häufige Nebenwirkungen sind z.B. Mundtrockenheit, Verdauungsbeschwerden oder Verstopfung. Durch ihre Wirkung am Auge können Muskarinrezeptor-Antagonisten außerdem auch Probleme beim Scharfsehen verursachen. Dies kann zu einer eingeschränkten Verkehrstüchtigkeit oder Einschränkungen beim Führen von Maschinen führen.
Diese Gruppe von Medikamenten darf nicht angewendet werden, bei Patienten mit einer schweren Leberinsuffizienz (Leberschwäche), niedrigem Blutdruck, kürzlichem Schlaganfall oder Herzinfarkt (innerhalb der letzten 6 Monate) sowie bei sog. instabiler Angina Pectoris („Herzanfälle“ oder immer wiederkehrenden Brustschmerzen). In Kombination mit Alpha-Rezeptoren-Blockern (s.o.) kann es zu deutlichen Blutdruckabfällen kommen. Häufige Nebenwirkungen sind darüber hinaus auch Kopfschmerz und Schwindel, ein Flush (Errötung der Gesichtshaut), eine verstopfte Nase sowie Verdauungsbeschwerden.
In Abhängigkeit von den verwendeten Medikamenten und den jeweiligen Dosierungen können unterschiedlichste Nebenwirkungen bzw. Begleitsymptome auftreten. Sofern bei Ihnen eine Kombination mehrerer Medikamente geplant ist, wird Ihr Urologie/Ihre Urologin Sie hierüber gesondert aufklären.
In Abhängigkeit von Ihren Symptomen ist es möglich, dass Ihre Prostata ärztlicherseits zunächst nur beobachtet und in regelmäßigen Abständen kontrolliert wird.
Nehmen Ihre Symptome jedoch zu, ist der Zeitpunkt gekommen, um über eine Behandlung nachzudenken, denn ohne Behandlung kann die Prostatavergrößerung Folgen und Komplikationen nach sich ziehen, die mitunter gefährlich sind, wie z.B. einen Harnstau, weil der Urin nicht mehr aus der Blase ablaufen kann. Die Prostata wird über die Zeit weiter an Größe zunehmen, was Ihre Beschwerden verschlechtern kann und das Risiko für Komplikationen weiter erhöht. Jede Form einer Behandlung wird nicht mehr das optimale Ergebnis erzielen können, wenn das Krankheitsbild bereits zu fortgeschritten ist, weil man zu lange gewartet hat. Daher lassen Sie sich frühzeitig untersuchen und beraten. Die allgemeine urologische Vorsorge-Untersuchung wird ab dem 45. Lebensjahr empfohlen.
Eine nicht behandelte Prostatavergrößerung erhöht jedoch keinesfalls das Risiko für Krebs. Sie müssen sich daher keine Sorgen machen, dass Ihr Krebs-Risiko steigt, wenn Sie sich zum jetzigen Zeitpunkt gegen eine Behandlung entscheiden.
Sollten Sie sich noch unsicher sein, ob derzeit eine medikamentöse oder operative Behandlung für Sie der richtige Weg ist, können Sie jederzeit zu einem späteren Zeitpunkt erneut einen Termin in unserer Urologie vereinbaren.
Sie können auch ohne eine spezifische Behandlung durch Allgemeinmaßnahmen Ihre Beschwerden lindern. Vermeiden Sie Getränke vor dem Zubettgehen und schränken Sie Ihren Kaffee- und Alkoholkonsum ein. Warten Sie nach dem Wasserlassen einen kurzen Augenblick und versuchen dann nochmals, Ihre Blase zu entleeren. Sie sollten hierbei jedoch keinesfalls zwanghaft pressen.
Weiterhin sollten Sie Allergietabletten mit bestimmten Wirkstoffen vermeiden. Gleiches gilt für frei verkäufliche Medikamente zur Behandlung von Übelkeit/Reisekrankheit. Auch einige frei verkäufliche Erkältungs-/Grippemedikamente können Ihre Beschwerden verschlechtern. Ihr Apotheker oder Ihre Apothekerin hilft Ihnen hier gerne weiter.
Hier finden Sie diese Entscheidungshilfe zum Ausdrucken. Wir möchten Sie auch gerne auf unsere VORN-Karte hinweisen. Diese soll Sie bei der Vorbereitung zu einem möglichen Erstgespräch mit Ihrer Ärztin bzw. Ihrem Arzt unterstützen, indem sie Ihnen hilft, Ihre Fragen zu formulieren und Ihre Ziele der Behandlung klar zu definieren.
Mehr über das Krankheitsbild und Behandlungsmöglichkeiten bei Asklepios erfahren Sie hier.

Die benigne Prostatahyperplasie (BPH), auch bekannt als gutartige Prostatavergrößerung, ist eine häufige Erkrankung, die vorwiegend Männer im fortgeschrittenen Alter betrifft.