Entscheidungshilfe gutartige Prostatavergrößerung (BPH)

Benigne Prostatahyperplasie

Entscheidungshilfe gutartige Prostatavergrößerung (BPH)

Gemeinsam entscheiden!

Sie leiden unter einer vergrößerten Prostata (BPH) und möchten sich behandeln lassen, wissen aber noch nicht genau, welche Behandlungsoptionen es gibt bzw. welche die richtige für Sie ist?

Mit unserer Entscheidungshilfe möchten wir Sie bei den ersten Schritten hin zu einer Behandlung unterstützen und Ihnen einen Überblick über die Vorteile, Optionen und Risiken der unterschiedlichen Behandlungsmöglichkeiten geben, aber auch darüber, was passiert, wenn sie Nichts tun würden. 

Jede Behandlung hat Vor- und Nachteile und ist mit Risiken verbunden. Welche Option für Sie die beste ist, hängt unter anderem von Ihrer persönlichen Situation und Ihren Präferenzen ab.

Daher sollten Sie sich als erstes folgende Fragen stellen:

  • Was ist Ihnen wichtig im Hinblick auf die geplante Behandlung?
  • Welches Ziel möchten Sie mit der Behandlung erreichen?

Die Antworten auf diese Fragen sind so individuell wie Sie! Ihr Urologie bzw. Ihre Urologin wird in einem ausführlichen Gespräch gemeinsam mit Ihnen die für Sie bestmögliche Behandlung finden.

Ihre aktive Beteiligung ist mitentscheidend für den Erfolg Ihrer Behandlung!

Über BPH

BPH ist die Abkürzung für „benigne Prostatahyperplasie“ (gutartige Prostatavergrößerung). Dahinter verbirgt sich eine gutartige Vermehrung von Prostatagewebe.

Die Prostata ist ein Organ unterhalb der Blase, sie umschließt die Harnröhre und produziert einen Teil des Ejakulats (Samenergusses), das dann im Rahmen des Orgasmus nach vorne aus dem Penis heraus geleitet wird.

Die gesunde Prostata eines jungen Mannes hat ein Volumen von ca. 20 Millilitern. So Beschwerden beim Wasserlassen durch das Prostatawachstum entstehen, wird dies auch als „benignes Prostatasyndrom“, kurz BPS, bezeichnet.

Eine vergrößerte Prostata ist kein Krebs und erhöht auch nicht Ihr Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken!

Bild: Zwei Illustrationen einer gesunden Prostata. Links wird ein Querschnitt durchs Gewebe und rechts der Blick von außen gezeigt.

© Asklepios

Bild: Illustration einer gutartigen Prostatavergrößerung, genannt benigne Prostatahyperplasie, bei der sich das Prostatagewebe vermehrt.

© Asklepios

Die Vergrößerung der Prostata ist bei vielen Männern Teil des natürlichen Alterungsprozesses. Dabei führen mehrere Faktoren – vor allem hormonelle Veränderungen – zu einem vermehrten Wachstum des Prostatagewebes. In vielen Fällen wächst die Prostata nicht nur nach außen, sondern kann sich auch nach innen ausdehnen, wodurch in der Folge die Harnröhre verengt wird.

Die gutartige Prostatavergrößerung geht gehäuft mit einem höheren Lebensalter einher. Sie kann bereits ab dem 40. Lebensjahr auftreten, bei Männern zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr sind nahezu 50 Prozent betroffen. Bei den 60- bis 80-Jährigen leiden 75 Prozent unter einer BHP und bei über 80-Jährigen sogar 90 Prozent.

Eine vergrößerte Prostata ruft nicht unbedingt Beschwerden hervor. Das Auftreten von Symptomen hängt vor allem davon ab, ob durch das Gewebewachstum der Prostata die Harnröhre verengt wird oder nicht.

Durch eine verengte Harnröhre ist der Harnfluss verlangsamt, die Blase kann dann nicht mehr vollständig entleert werden.

Bei den möglichen Symptomen unterscheidet man Speicherstörungen (Drangbeschwerden) und Entleerungsstörungen (Widerstand beim Wasserlassen).

Speicherstörungen

  • Häufiges Wasserlassen
  • Plötzlicher Harndrang
  • Nykturie (nächtliches Wasserlassen)

Entleerungsstörungen

  • Schwacher Harnstrahl
  • Verzögerter Harnstrahl, Pressen, Startschwierigkeiten
  • Harnstottern, Tröpfeln
  • Unvollständige Blasenentleerung
  • Ungewolltes Nachtröpfeln

Zunächst stellen wir Ihnen ausführliche Fragen zu Ihrer Krankengeschichte, Ihrem Medikamentenplan und Ihren Symptomen. Hieran schließen sich in der Regel die körperliche Untersuchung, eine Ultraschalluntersuchung sowie einige Blut- und Urinuntersuchungen an. Außerdem werden wir Ihnen Fragebögen zur Erfassung und Einteilung Ihrer Beschwerden aushändigen.

Vorteile

Welche Vorteile hat die Behandlung meiner Prostatavergrößerung für mich?

  • In Abhängigkeit von der Schwere Ihrer Symptome, können diese durch eine Behandlung wirksam gelindert bis geheilt werden.
  • Durch verminderten Harndrang und damit verbunden weniger Wasserlassen, verbessert sich Ihre Lebensqualität.
  • Komplikationen wie wiederkehrende Harnwegsinfekte, Blasensteine oder Harnverhalt kann durch eine Behandlung vorgebeugt werden. 

Therapeutisch stehen zwei unterschiedliche Behandlungsansätze zur Verfügung. Man unterscheidet hierbei eine operative Therapie von einer nicht-operativen (konservativen) Therapie. Beide Therapieverfahren haben unterschiedliche Vorteile.

Welche Vorteile hat eine chirurgische Behandlung für mich?

  • Eine chirurgische Behandlung stellt eine dauerhafte Verbesserung bis Heilung dar, während z.B. eine medikamentöse Therapie nur vorübergehend eine Linderung verschafft und nach Absetzen des Medikamentes oft zu einem erneuten Auftreten der Symptome führt. Aufgrund bestimmter Nebenwirkungen oder ausbleibender Verbesserung wird der medikamentöse Ansatz nach kurzer Zeit wieder verlassen.

Welche Vorteile hat eine konservative Therapie für mich?

  • Eine konservative Therapie geht von Natur aus nicht mit einer OP bzw. mit OP-Risiken einher.
  • Es stehen unterschiedliche Medikamente mit verschiedenen Wirkprofilen (siehe unten) zur Verfügung. Eventuelle Nebenwirkungen sind in der Regel mit Beendigung der Therapie rasch rückläufig.
     

Optionen: Welche Behandlungsoptionen gibt es?

Gerade zu Beginn der Beschwerden werden in der Regel zunächst Medikamente eingesetzt, um die Symptome zu lindern. Wir werden Ihnen die Wirkung, aber auch mögliche Nebenwirkungen in Ruhe erläutern.

Folgende Medikamentengruppen werden für die Behandlung von Beschwerden beim Wasserlassen eingesetzt:

Pflanzliche Arzneimittel

  • Hier kommen vornehmlich Präparate mit Wirkstoffen aus der Sägepalme zum Einsatz. Nach aktueller Studienlage bieten diese jedoch keinen Vorteil bei der Linderung des BPS.

Alphablocker

  • Alphablocker sorgen für eine Entspannung der Prostatamuskulatur und der unteren Blase. Dadurch kann der Urin einfacher fließen bzw. die Prostata passieren. Die Wirkung tritt zumeist schnell ein. Mögliche Wirkstoffe sind z.B. Terazosin, Doxazosin, Tamsulosin oder Alfuzosin. Alphablocker sind die erste Therapiewahl bei milden bis moderaten Symptomen des BPS (s.o.)

5-Alpha-Reduktasehemmer

  • Medikamente dieser Wirkgruppe hemmen das Enzym 5-Alpha-Reduktase. Unter einem Enzym muss man sich eine Art Biokatalysator vorstellen. D.h., ein Stoff, der bestimmte Stoffwechselvorgänge anstoßen oder beschleunigen kann, ohne dass er sich dabei selber verändert. Die 5-Alpha-Reduktase sorgt als Enzym dafür, dass das Sexualhormon Testosteron in das stärkere Hormon Dihydrotestosteron (DHT) umgewandelt wird. DHT fördert aktiv das Wachstum der Prostata. Wird diese Umwandlung durch ein Medikament gehemmt, wächst die Prostata zumeist nicht weiter bzw. kann ggf. sogar kleiner werden. Die volle Wirkung tritt zumeist nach 6-12 Monaten Therapie auf. Mögliche Wirkstoffe sind hier Finasterid oder Dutasterid.

Muskarinrezeptor-Antagonisten 

  • Körpereigene Botenstoffe (z.B. Hormone oder andere Stoffe) entfalten ihre Wirkung manchmal über eine Wirkung an einem so genannten Rezeptor. Stellen Sie sich den Botenstoff als eine Art Schlüssel vor, der genau in ein Schloss (Rezeptor) passt. Wenn dieser Schlüssel das passende Schloss erreicht, löst er dort eine Reaktion aus. Es gibt für zahlreiche Schlösser spezifische Hemmstoffe. D.h., man verhindert, dass der Schlüssel in das entsprechende Schloss passt. Im Körper gibt es eine Gruppe von Botenstoffen (Schlüssel), die an einen sog. Muscarin-Rezeptor (Schloss) wirken. Hemmt man diese Wirkung durch spezielle Blocker (sog. Antmuskarinika), können Symptome einer Reizblase, auch überaktiven Blase genannt, (z.B. Dranginkontinenz) gelindert werden. D.h., diese Substanzen wirken auf die Blase und haben keine aktive Wirkung auf die vergrößerte Prostata, können jedoch einige der Symptome einer Prostatavergrößerung lindern. Mögliche Wirkstoffe sind hier z.B. Trospium oder Solifenacin.

Phosphodiesterase-Hemmer 

  • Wie der Name schon verrät, hemmen auch Medikamente dieser Gruppe einen Stoffwechselvorgang im Körper. Hierbei wird das Enzym (siehe auch 5-Alpha-Reduktasehemmer oben) Phosphodiesterase gehemmt. Diese Medikamentenklasse wird seit langem zur Behandlung von Ereketionsstörungen (erektile Dysfunktion) eingesetzt. Eine Hemmung des Enzyms verbessert die Abläufe des Wasserlassens im unteren Harntrakt und kann somit auch die Beschwerden des BPS verbessern. Ein möglicher Wirkstoff ist z.B. das Tadalafil. Die Verbesserung ist vergleichbar mit den Alphablockern mit dem zusätzlichen Effekt, dass die Erektion vebessert werden kann. Erektionsstörungen werden häufig auch bei Männern mit Beschwerden eines BPS angegeben.

Medikamentenkombinationen

  • In Abhängigkeit von eventuell bestehenden Begleiterkrankungen, vorausgegangenen Therapien und der Art der Symptome können auch unterschiedliche Kombinationen aus mehreren der zuvor genannten Medikamente zum Einsatz kommen. Welche Kombination hierbei ggf. für Sie in Frage kommen, erläutert Ihnen Ihr Urologe bzw. Ihre Urologin im persönlichen Gespräch.

Sollten bei Ihnen wiederkehrende Harnwegsinfekte, ein akuter Harnverhalt oder wiederholte Blutabgänge aus der Harnröhre vorliegen, sollte Ihre Prostata in der Regel operativ verkleinert werden. Gleiches gilt z.B. auch bei einer erheblichen Behinderung des Harnabflusses oder bei starken Beschwerden, die nicht ausreichend auf Medikamente ansprechen. Andere Gründe für eine operative Therapie können z.B. eine Unverträglichkeit der Medikamente (bzw. ausgeprägte Nebenwirkungen) oder eine deutliche Verschlechterung bzw. Einschränkung der Lebensqualität sein. 

Für die operative Behandlung der BPH gibt es eine Vielzahl verschiedener Verfahren. Sie unterscheiden sich im Zugangsweg (z. B. durch die Harnröhre) und in den verwendeten Instrumenten. Ihre Urologin bzw. Ihr Urologe berät Sie über die für Sie optimale Operationsverfahren, sofern Sie sich für eine chirurgische Behandlung entscheiden.

In Abhängigkeit von z.B. der Größe und Form der Prostata, Ihrem Blutungsrisiko (z.B. bei Einnahme von Blutverdünnern) oder auch möglichen Nebenwirkungen kommen einige Verfahren eher für Sie in Frage als andere Verfahren. So individuell Ihre Krankheitsgeschichte und Ihre Prostata ist, so individuell solle eine operative Therapie mit Ihnen ausgewählt werden.

Häufige operative Verfahren:

Resektion der Prostata durch die Harnröhre (TUR-P)

  • Bei diesem Verfahren wird die Prostata durch eine sogenannte Elektroschlinge abgetragen. Das verwendete Instrument trägt hierfür an seiner Spitze eine dünne Drahtschlinge. Diese kann in der Operation gezielt unter Strom gesetzt werden, so dass das mit der Schlinge in direkt Kontakt kommende Gewebe abgetragen und im Anschluss sanft verödet wird.
Bild: Illustration einer operativen Maßnahme beim benignes Prostatasyndrom bei der eine Elektroschlinge durch die Harnröhre in den Penis eingeführt wird.

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Laser-Vaporisation (Verdampfung, Greenlightlaser)

  • Bei Laser-Licht handelt es sich um ein sehr starkes Licht einer ganz speziellen Wellenlänge (Farbe). Dieses Licht hat so viel Energie, dass damit Gewebe sehr gezielt verdampft werden kann. Der Vorteil ist, dass das Blutungsrisiko insgesamt geringer ist. Bei diesem Verfahren wird nicht zwingend die ganze Prostata verdampft, sondern es kann ggf. auch nur eine Art Kanal geschaffen werden, so dass der Urin besser abfließen kann. Es bietet sich in Situationen an, wo ein Absetzen von blutverdünnenden Medikamenten aufgrund einer schweren Herz-Kreislauferkrankung nicht möglich ist.
Bild: Illustration einer Laser-Vaporisation der Prostata. Das Instrument wird über die Harnröhre eingeführt und lasert anschließend partiell das Gewebe, damit es verdampft.

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Laserenukleation der Prostata, z.B. Holmium-Laser-Enukleation (HoLEP)

  • Anders als bei der Laser-Vaporisation (s.o.) wird bei diesem Verfahren zwar ebenfalls ein Laserstrahl mit sehr viel Energie verwendet, jedoch wird mit dem Laserlicht nicht direkt das Prostata-Gewebe bestrahlt, sondern eine kleine Luftblase an der Spitze der Laserfaser erzeugt. Diese entfaltet seine Wirkung nur an der direkten Oberfläche, ohne dass tieferliegendes Gewebe beschädigt wird. Dadurch kann die Innenzone der Prostata, also der Bereich, der die Harnröhre bedrängt, gezielt und schonend von der Prostatakapsel gelöst werden. Die Prostata wird also entkernt, sprich enukleiert.

Aquablation der Prostata (Robotergesteuerte Abtragung des Prostatagewebes mittels Hochdruck-Wasserstrahl)

  • Hierbei handelt es sich um ein relativ junges Verfahren. Mit Hilfe eines Roboter-Systems wird ein starker Wasserstrahl verwendet, um gezielt das weiche Prostatagewebe abzutragen (ähnlich einem Hochdruckreiniger). Der Bereich wird über das System genau vom Operateur vermessen und bestimmt. Nach abgeschlossener Planung wird dann unter Kontrolle des Urologen*in das Verfahren robotisch exakt ausgeführt. Durch die exakte Planung wird der Samenerguss weniger beeinträchtigt als bei einer TUR-P.

Wasserdampfabtragung der Prostata (Rezum)

  • Bei diesem Verfahren wird verdampfendes Wasser zur Abtragung von Prostata-Gewebe verwendet. Vorteil des Verfahrens ist, dass umliegendes Gewebe nicht durch Hitzeeinwirkungen geschädigt wird, wie dies ggf. bei anderen Verfahren der Fall sein kann. Die Ejakulation wird dabei nicht beeinträchtigt.
Bild: Illustration einer Wasserdampfabtragung der Prostata durch die Harnröhre. Dabei lässt ein Gerät Dampf im Gewebe ab, damit sich dieses minimiert.

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Stents (iTIND; Urolift)

  • Anstelle der Entfernung von Prostatagewebe wird bei diesem Verfahren die verengte Harnröhre etwas aufgedehnt, so dass der Urin wieder besser abfließen kann. Klassische Stents in Form einer dauerhaften Stütze in der Harnröhre werden kaum noch angewendet. Dies wird mittlerweile eleganter umgesetzt. Beim Urolift werden Implantate in die Prostata eingebracht, die ähnlich einer Heftklammer das Gewebe zusammendrücken, so dass ein offener Kanal in der Harnröhre hergestellt wird.  Das Verfahren ist sehr schonend, verbessert moderat das Wasserlassen und beeinträchtigt nicht den Samenerguss. BeimiTIND wird für 5-7 Tage ein feines Drahtgestell am Ausgang der Blase eingelegt. Damit werden durch Druck Einkerbungen erzeugt, die das Wasserlassen verbessern sollen. Im Rahmen einer Blasenspiegelung kann dann problemlos das eingelegt Material entfernt werden. 

Offene oder laparoskopische/robotisch-unterstütze Entfernung der Prostata

  • Bei dieser Operationsmethode wird – im Gegensatz zu den vorherigen Verfahren – das Prostatagewebe nicht Schicht für Schicht abgetragen oder zerstört, sondern man entfernt die Innenzone der Prostata von der Harnblase aus kommend. Diese Entfernung kann sowohl durch einen klassischen Bauchdeckenschnitt (offene OP) oder als Schlüsselloch-OP (laparoskopisch) durchgeführt werden. Bei letzterem Verfahren wird kein großer Schnitt gemacht, sondern mehrere kleine Schnitte (ca. 20-50 Cent Stück groß), durch die die Instrumente und eine Kamera in den Bauchraum eingeführt werden. Dieses Verfahren kommt ggf. bei einer sehr großen Prostata zum Einsatz. 

Wir besprechen die unterschiedlichen Operationsmethoden mit Ihnen, legen Ihnen die Vor- und Nachteile sowie die Risiken der Methoden dar und erläutern Ihnen gern, warum welche Methode bei Ihnen besonders geeignet (oder vielleicht auch ungeeignet) ist.

Risiken: Welche Risiken haben die unterschiedlichen Behandlungsoptionen?

Sowohl eine operative Versorgung als auch eine konservative Therapie sind mit spezifischen Risiken bzw. Nebenwirkungen verbunden. Diese hängen unter anderem auch von Ihrem individuellen Gesundheitszustand ab.

Ihr Urologe bzw. Ihre Urologin wird Ihnen ausführlich die allgemeinen und individuellen Risiken der jeweiligen Behandlungsoption erklären und gemeinsam mit Ihnen das Für- und Wider abwägen.

Im Folgenden finden Sie einige Punkte, die jedoch keinesfalls vollumfänglich alle Risiken wiedergeben. Sobald Sie sich für ein Therapieverfahren (oder auch dagegen) entschieden haben, wird Ihnen das betreuende therapeutische Team die spezifischen Risiken und Nebenwirkungen der von Ihnen gewählten Behandlungsoption ausführlich erläutern.

Wenn Sie weitere Informationen zu den aufgeführten Medikamenten wünschen, möchten wir Sie an dieser Stelle auf die jeweiligen Beipackzettel verweisen. Die meisten der genannten Nebenwirkungen sind mit Beendigung der Therapie rückläufig. In diesem Fall ist jedoch auch davon auszugehen, dass die Beschwerden Beschwerden beim Wasserlassen durch die vergrößerte Prostata wieder zunehmen. 

Alphablocker

Mögliche Nebenwirkungen sind z.B. Herz-Kreislaufbeschwerden wie niedriger Blutdruck oder orthostatische Beschwerden (Beschwerden beim Aufrichten/Aufsetzen) bis hin zur Bewußtlosigkeit bei niedrigem Blutdruck. Insgesamt sollte bei Patienten mit z.B. einer Herzinsuffizienz/einer Pumpschwäche des Herzens die Therapie mit Vorsicht eingesetzt werden. In der Kombination mit Phosphodiesterase-Hemmern kann es zu einem deutlichen Blutdruckabfall kommen. Sollte bei Ihnen eine Katarakt-OP (grauer Star) geplant sein, kann die Einnahme von Alphablockern das Risiko von Komplikationen erhöhen.  Eine weitere bekannte Nebenwirkung betrifft den Samenerguss. Dieser ist vermindert und kann sogar komplett verschwinden („trockener Orgasmus“).

5-Alpha-Reduktasehemmer

Medikamente dieser Gruppe können dazu führen, dass ein spezieller Blutmarker, das PSA (Prostata spezifisches Antigen) falsch niedrig ausfällt. Dieser Blutmarker wird normalerweise dazu verwendet um mittels eines Bluttests eine mögliche Krebserkrankung der Prostata frühzeitig zu erkennen. Daher müssen unter dieser Therapie andere Verfahren zur Früherkennung von Prostatakrebs durchgeführt werden. 

Da diese Art von Medikamenten in den männlichen Hormonhaushalt eingreifen, könnten darüber hinaus unterschiedliche Nebenwirkungen bzw. unerwünschte Wirkungen auftreten. Dies sind z.B. Stimmungsänderungen und Depression, Verlust der Libido (verringertes bis fehlendes Verlangen nach Geschlechtsverkehr, bzw. fehlende Freude am Geschlechtsverkehr), Störungen/Verlust der Potenz bzw. Störungen beim Samenerguss, Überempfindlichkeit der Brust, in seltenen Fällen auch eine Verweiblichung der Brust oder Entwicklung von Knoten in der Brust bzw. von Brustkrebs. 

Muskarinrezeptor-Antagonisten 

Aufgrund ihrer Wirkweise dürfen diese Medikamente z.B. nicht eingesetzt werden bei schweren gastrointestinalen Störungen, einer Myasthenia gravis (eine Form der autoimmunen Muskelschwäche), einem Engwinkelglaukom (erhöhter Augeninnendruck) sowie bei einer Tachyarrhythmie (eine Rhythmusstörung des Herzens).

Häufige Nebenwirkungen sind z.B. Mundtrockenheit, Verdauungsbeschwerden oder Verstopfung. Durch ihre Wirkung am Auge können Muskarinrezeptor-Antagonisten außerdem auch Probleme beim Scharfsehen verursachen. Dies kann zu einer eingeschränkten Verkehrstüchtigkeit oder Einschränkungen beim Führen von Maschinen führen. 

Phosphodiesterase-Hemmer 

Diese Gruppe von Medikamenten darf nicht angewendet werden, bei Patienten mit einer schweren Leberinsuffizienz (Leberschwäche), niedrigem Blutdruck, kürzlichem Schlaganfall oder Herzinfarkt (innerhalb der letzten 6 Monate) sowie bei sog. instabiler Angina Pectoris („Herzanfälle“ oder immer wiederkehrenden Brustschmerzen). In Kombination mit Alpha-Rezeptoren-Blockern (s.o.) kann es zu deutlichen Blutdruckabfällen kommen. Häufige Nebenwirkungen sind darüber hinaus auch Kopfschmerz und Schwindel, ein Flush (Errötung der Gesichtshaut), eine verstopfte Nase sowie Verdauungsbeschwerden. 

Medikamentenkombinationen

In Abhängigkeit von den verwendeten Medikamenten und den jeweiligen Dosierungen können unterschiedlichste Nebenwirkungen bzw. Begleitsymptome auftreten. Sofern bei Ihnen eine Kombination mehrerer Medikamente geplant ist, wird Ihr Urologie/Ihre Urologin Sie hierüber gesondert aufklären. 

  • Eine operative Versorgung geht mit den allgemeinen und speziellen Risiken einer Narkose und einer OP einher. 
  • In Abhängigkeit vom Operationsverfahren können die Risiken unterschiedlich sein. Ihr Urologe bzw. Ihre Urolgoin wird Sie hierzu detailliert aufklären. 
  • Allgemeine Risiken bei einer Prostata-OP sind:
    • Blutungen
    • Probleme beim Wasserlassen wie z.B. Harndrang, in der ersten Zeit nach der OP
    • Inkontinenz (unkontrollierter Harnabgang)
    • Infektionen
    • Erektile Dysfunktion (gestörte Erektion)
    • Retrograde Ejakulation (das Sperma tritt beim Samenerguss nicht aus der Harnröhre aus, sondern gelangt in die Blase; „trockener Orgasmus“)
  • Das Risiko für mögliche postoperative Komplikationen kann durch eventuelle Begleiterkrankungen erhöht sein.

Nichts tun

Was, wenn ich meine vergrößerte Prostata nicht behandeln lasse?

In Abhängigkeit von Ihren Symptomen ist es möglich, dass Ihre Prostata ärztlicherseits zunächst nur beobachtet und in regelmäßigen Abständen kontrolliert wird. 

Nehmen Ihre Symptome jedoch zu, ist der Zeitpunkt gekommen, um über eine Behandlung nachzudenken, denn ohne Behandlung kann die Prostatavergrößerung Folgen und Komplikationen nach sich ziehen, die mitunter gefährlich sind, wie z.B. einen Harnstau, weil der Urin nicht mehr aus der Blase ablaufen kann. Die Prostata wird über die Zeit weiter an Größe zunehmen, was Ihre Beschwerden verschlechtern kann und das Risiko für Komplikationen weiter erhöht. Jede Form einer Behandlung wird nicht mehr das optimale Ergebnis erzielen können, wenn das Krankheitsbild bereits zu fortgeschritten ist, weil man zu lange gewartet hat. Daher lassen Sie sich frühzeitig untersuchen und beraten. Die allgemeine urologische Vorsorge-Untersuchung wird ab dem 45. Lebensjahr empfohlen. 

Eine nicht behandelte Prostatavergrößerung erhöht jedoch keinesfalls das Risiko für Krebs. Sie müssen sich daher keine Sorgen machen, dass Ihr Krebs-Risiko steigt, wenn Sie sich zum jetzigen Zeitpunkt gegen eine Behandlung entscheiden. 

Sollten Sie sich noch unsicher sein, ob derzeit eine medikamentöse oder operative Behandlung für Sie der richtige Weg ist, können Sie jederzeit zu einem späteren Zeitpunkt erneut einen Termin in unserer Urologie vereinbaren. 

Sie können auch ohne eine spezifische Behandlung durch Allgemeinmaßnahmen Ihre Beschwerden lindern. Vermeiden Sie Getränke vor dem Zubettgehen und schränken Sie Ihren Kaffee- und Alkoholkonsum ein. Warten Sie nach dem Wasserlassen einen kurzen Augenblick und versuchen dann nochmals, Ihre Blase zu entleeren. Sie sollten hierbei jedoch keinesfalls zwanghaft pressen.

Weiterhin sollten Sie Allergietabletten mit bestimmten Wirkstoffen vermeiden. Gleiches gilt für frei verkäufliche Medikamente zur Behandlung von Übelkeit/Reisekrankheit. Auch einige frei verkäufliche Erkältungs-/Grippemedikamente können Ihre Beschwerden verschlechtern. Ihr Apotheker oder Ihre Apothekerin hilft Ihnen hier gerne weiter. 

Informationen zum Download

Hier finden Sie diese Entscheidungshilfe zum Ausdrucken. Wir möchten Sie auch gerne auf unsere VORN-Karte hinweisen. Diese soll Sie bei der Vorbereitung zu einem möglichen Erstgespräch mit Ihrer Ärztin bzw. Ihrem Arzt unterstützen, indem sie Ihnen hilft, Ihre Fragen zu formulieren und Ihre Ziele der Behandlung klar zu definieren.

Weiterführende Informationen

Mehr über das Krankheitsbild und Behandlungsmöglichkeiten bei Asklepios erfahren Sie hier.

Gutartige Prostatavergrösserung

Die benigne Prostatahyperplasie (BPH), auch bekannt als gutartige Prostatavergrößerung, ist eine häufige Erkrankung, die vorwiegend Männer im fortgeschrittenen Alter betrifft.

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