Vernissage zum umstrittenen Erfurter Unternehmen Topf & Söhne im Rahmen von Gedenkveranstaltung
Asklepios Fachklinikum zeigt Wanderausstellung zu entsetzlichen NS-Verbrechen noch bis zum 6. Februar
„Wir wollen uns bewusst machen, wohin es führt, wenn Intoleranz, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt gegenüber Andersdenkenden, gegenüber Menschen anderer Herkunft und kranken Menschen herrschen“, appellierte Liane Wolfin am Dienstag anlässlich des „Euthanasie“-Gedenktages.
Die stellvertretende Pflegedirektorin erinnerte daran, dass zwischen 1939 und 1945 hunderttausende Menschen Opfer der sogenannten „Euthanasie“-Morde geworden waren. „Auch unser Klinikum war Teil dieser Struktur. Patientinnen und Patienten mit körperlichen, geistigen und seelischen Behinderungen wurden deportiert. Kinder starben infolge staatlich angeordneter Mangelernährung und durch gezielte Überdosierung von Medikamenten. Hunderte Patienten wurden zwangssterilisiert“, erinnert die Pflegewissenschaftlerin.
„Wohin bringt ihr uns?“ - diese symbolische Frage stellen die Organisatoren des „Euthanasie“-Gedenktages am Asklepios Fachklinikum Stadtroda auch mit der Wanderausstellung des Erinnerungsortes Topf und Söhne, die der Ärztliche Direktor Dr. Udo Polzer im Anschluss im Kultur- und Bildungszentrum Felsenkeller eröffnete.
„Wir sind dankbar, dass wir die Ausstellung hier zeigen können. Unser Klinikum ist an einer Auseinandersetzung, Mahnung und der Übernahme von Verantwortung interessiert“, sagt Dr. Polzer. Er erinnert an eine „Ideologie, die Menschen nicht mehr als Individuen, sondern als Teil einer angeblichen Volksgemeinschaft betrachtet hat“, einer „Volksgemeinschaft“, zu der nur gehören durfte, wer „gesund“ und „leistungsfähig“ war.
Dieses Credo, das Menschen schlicht unter ihrem Nutzen-Aspekt betrachtet hatte, stehe im Widerspruch zu jenem ersten Artikel unseres heutigen Grundgesetzes, der besagt, dass die Würde des Menschen unantastbar sei. Dass die NS-Massenmorde nicht in einem rechtsfreien Raum geschehen waren, sondern durch offizielle Institutionen legitimiert waren, sei besonders entsetzlich.
Im Jahr 1940 kamen im Zuge der „Aktion T4“, der systematischen Ermordung von Menschen mit körperlichen, geistigen und seelischen Behinderungen 61 Patienten von Stadtroda in die Zwischenanstalt Zschadraß; davon wurden 60 Patienten weiterverlegt nach Pirna/ Sonnenstein. In der sächsischen Heil- und Pflegeanstalt ermordeten die Nationalsozialisten in den Jahren 1940 und 1941 rund 13.720 vorwiegend psychisch kranke und geistig behinderte Menschen. Diese wurden in einer Gaskammer im Keller der Anstalt umgebracht. Mit der Eröffnung der `Kinderfachabteilung` 1942/ 43 wurde das Fachklinikum in die staatlich organisierte Kindereuthanasie aktiv einbezogen.
Das frühere Erfurter Unternehmen „Topf und Söhne“, dem die zeitgleich auch im Thüringer Landtag gezeigte Ausstellung gilt, hatte während des „Dritten Reiches“ Krematorien in verschiedenen Konzentrationslagern, wie Buchenwald oder Auschwitz gebaut. Das Unternehmen installierte auch Entlüftungsanlagen und gasdichte Türen für die Gaskammern und führte technische Probleläufe der Öfen durch. Das frühere Verwaltungsgebäude fungiert heute als Erinnerungsort an „die Ofenbauer von Auschwitz“.
Zur Gedenkveranstaltung mit anschließender Vernissage waren etwa 50 Menschen zusammengekommen, darunter auch zwei Schulklassen aus Jena. Die Teilnehmenden legten am Gedenkstein Rosen als Zeichen der Erinnerung nieder, sangen und beteten gemeinsam.
Die Ausstellung im Felsenkeller kann noch bis 6.Februar täglich von 13 bis 16 Uhr besucht werden.