Ich bereue nichts auf dem Weg, den ich hier in Teupitz gegangen bin

Luca Neuendorf ist erst 24 Jahre alt und bereits Stationsleitung auf Station 4.1, einer gerontopsychiatrischen Station. Warum die junge Frau sich für die psychiatrische Pflege alter Menschen entschieden hat, erzählt sie hier im Interview.
War es Deine persönliche Entscheidung, hier im Fachklinikum in die Gerontopsychiatrie zu gehen?
Ja, absolut. Die Station 4.1 ist meine Station. Ich habe nach meinem Fachabitur ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) genau hier auf dieser Station gemacht. Ich hatte mir das damals schon so ausgesucht. Ich hatte keine Vorstellung, was Gerontopsychiatrie ist. Ich wusste, dass es um ältere Patientinnen und Patienten geht. Aber was Gerontopsychiatrie wirklich ist, davon hatte ich keine Ahnung. Ich war damals 18 und habe mich einfach darauf eingelassen. Und ehrlich: Ich hab´s mir einfacher vorgestellt, auch andere Stationen standen zur Auswahl, aber ich habe mich für diese Station entschieden. Es war dennoch eine sehr gute Entscheidung, dieses FSJ zu machen und nicht gleich in die Ausbildung zu starten. Ich habe mich in diesem einem Jahr sehr weiterentwickelt.
Für Dich war also immer klar in der Pflege zu arbeiten?
Ja, das war mir klar. Ich hatte mich nach dem Abschluss der 10. Klasse schon als Krankenschwester in einer anderen Einrichtung beworben und mich dann entschieden, doch noch das Fachabitur dranzuhängen. Damals kannte ich das Fachklinikum Teupitz noch nicht. Und dann hat das FSJ hier in Teupitz meinen Berufswunsch bestärkt und ich wollte hier auch meine Ausbildung machen.
Was ist denn so besonders an Deiner Station?
Ich habe mich hier von Anfang an sehr wohlgefühlt. Obwohl das Team seit meinem FSJ bis heute ein ganz anderes ist, ist das noch immer so. Es sind in den sechs Jahren dazwischen, viele ausgeschieden, die Arbeit hier ist auch nicht einfach. Für mich hat sich das Team positiv verändert. Wir haben hier einen schönen Spirit. Unsere Patientinnen und Patienten profitieren davon. Hier auf dieser Station haben wir ja nicht nur mit der psychiatrischen Pflege zu tun, sondern auch mit der somatischen. Also was man sich so unter Pflege eigentlich vorstellt. Unsere Patienten haben aufgrund ihres teilweise sehr hohen Alters neben ihren psychiatrischen auch noch andere Erkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck etc. Um diese Erkrankungen kümmern wir uns selbstverständlich auch. Es ist immer viel los bei uns. Wir erleben mit unseren Patienten viele schöne Augenblicke und mit manchen auch den letzten. Das ist sicher nicht optimal, aber manchmal schaffen wir es einfach nicht mehr, die Patienten in andere Krankenhäuser zu verlegen. Oft scheitert eine Verlegung einfach daran, dass andere Häuser keine dementen Patienten aufnehmen können, weil sie die notwendigen Voraussetzungen nicht vorhalten können. Dann kümmern wir uns und begleiten diese Menschen in wenigen Fällen auch bis zum Tod. Diese Zeit machen wir unseren Patienten so angenehm wie möglich.
Was gefällt Dir am Fachklinikum Teupitz?
Schon während meiner Ausbildung habe ich gedacht: Krankenhaus kann auch anders sein. Hier ist es einfach familiärer. Jeder kennt jeden. Das finde ich gut.
Wie hast Du deine Ausbildung hier in Teupitz erlebt?
Klar gab es hier wie in jeder anderen Ausbildungsstätte auch Höhen und Tiefen. Man durchläuft während der Ausbildung viele Stationen und nicht auf jeder fühlt man sich wohl oder anders gesagt, nicht jede Station ist etwas für einen. Aber das gehört eben dazu herauszufinden, wo man später nach der Ausbildung eben nicht arbeiten möchte.
Toll fand ich es, dass die Auszubildenden hier in Teupitz von Anfang an zum Team gehören, egal auf welcher Station sie sind. Da werden keine Unterschiede gemacht. Als Auszubildender wird man hier aufgenommen und aufgehoben. Azubis bekommen viel erklärt und dürfen schon sehr früh Verantwortung übernehmen. Das ist in anderen Krankenhäusern oft nicht so.
Was ist für Dich das Besondere an der Ausbildung in der Psychiatrie?
Im Vergleich zur Somatik hat mich das sehr enge Zusammenspiel zwischen den interdisziplinären Teams gereizt. Der regelmäßige enge Austausch ist in der Psychiatrie sehr wichtig. Oft entscheiden Kleinigkeiten, wie es in der Therapie weitergeht. Es werden gemeinsam Ideen entwickelt, wie man dem einzelnen Patienten noch besser helfen kann. Helfen Medikamente oder ist das Dasein für den Patienten das Richtige? Darüber wird gesprochen und dann entschieden. Das gefällt mir.
Was bedeutet Psychiatrie in der Pflege?
Es geht hier viel um emotionale Nähe und Bindung. Es geht ums zuhören, ums Dasein und es geht darum, erlebte und gefühlte Dinge einzuordnen. Unsere Aufgabe hier in der Gerontopsychiatrie ist es auch oft, die Patientinnen und Patienten an einem besseren Ort unterzubringen. Viele sind ganz allein, kommen kaum noch klar und können den Alltag zu Hause nicht mehr bewältigen. Einige unserer Patienten sind aufgrund ihrer aufmerksamen Nachbarn bei uns, die die Probleme wahrgenommen und reagiert haben.
Da schauen wir gemeinsam mit unserer tollen Sozialarbeiterin wie wir helfen können, um das Leben dieser Menschen leichter und besser machen zu können. Das kann auch die Hauskrankenpflege sein, eine Wohngemeinschaft, vielleicht die Tagespflege. Es gibt Möglichkeiten.
Du hast nach deiner Ausbildung im Pflegepool gearbeitet. Was war so spannend hier?
Auch dafür habe ich mich bewusst entschieden. Ein Kollege aus dem Pool hat mir empfohlen, in den Pool zu kommen, um einfach noch mal zu schauen, was passt zu mir und um noch mehr vom Klinikum kennenzulernen. Und ein paar Monate lang bin ich dann auf verschiedenen Stationen eingesetzt worden und auch relativ häufig hier auf meiner Station. Das hat mir gefallen und mich in meiner Entscheidung bestärkt.
Wie kam es, dass du bereits so jung eine solche Position besetzt?
Ich wurde von unserer Pflegedienstleiterin gefragt. Probier es, meinte unsere Pflegedienstleiterin. Mir wurde die Position einfach zugetraut. Das macht natürlich stolz. Gemeinsam mit dem ganzen Team und meiner tollen Stellvertreterin möchte ich hier auf Station eine neue Struktur aufbauen. Wir möchten die Station für unser Patienten schöner machen und etwas Frisches einbringen. Neue Bilder haben wir ja schon angebracht. Unsere Patienten sollen sich bei uns wohlfühlen und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch. Vielleicht werden manche denken: So jung? Ob das gut geht? Denen kann ich nur sagen: Ich schaff das schon. Ich habe ja auch so viel Unterstützung, kann Kolleginnen und Kollegen fragen und Dinge ausprobieren. Ich bereue nichts auf dem Weg, den ich hier in Teupitz gegangen bin.
Bist du regional verbunden?
Ja, sehr. Ich find´s schön hier. Wir wohnen ja auch im Speckgürtel von Berlin, kommen gut hin und wieder zurück. Aber für mich ist der Großstadttrubel nichts. Wenn ich zu Hause bin, möchte ich meine Ruhe haben
Was würdest Du jungen Menschen empfehlen, die sich jetzt für einen Beruf entscheiden müssen?
Ich hatte ja schon recht früh eine Vorstellung von meinem Beruf und fand es dennoch wichtig, Praktikas zu absolvieren. Da festigt sich der Berufswunsch oder eben nicht. Ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) ist ebenfalls sehr hilfreich. Denn danach weiß man sehr genau, was in dem Beruf zu leisten ist und auch, ob man das möchte. Berufsmessen für Schülerinnen und Schüler sind auch empfehlenswert, um sich einen Überblick zu verschaffen. Am wichtigsten finde ich es jedoch, dass man genau das macht, was einen Spaß macht.