Den Opfern der „Euthanasie“-Morde gedenken
Asklepios Fachklinikum erinnert am 27. Januar an die entsetzlichen Verbrechen mit Gedenkveranstaltung und Wanderausstellung des Erfurter Erinnerungsortes Topf & Söhne
„Wohin bringt ihr uns?“ - diese symbolische Frage stellen die Organisatoren des „Euthanasie“-Gedenktages am Asklepios Fachklinikum Stadtroda. Am Dienstag, 27. Januar, lädt das Klinikum für Psychiatrie und Neurologie zum Gedenken an die Opfer der „Euthanasie“-Morde in der Zeit des Nationalsozialismus ein. Die Veranstaltung richtet sich an alle Interessierten, insbesondere auch an Schulklassen der Sekundarstufe und Jugendliche ab 15 Jahren.
Um 15 Uhr wird in Kooperation mit „Barrierefrei erinnern – Das Zentrum für Thüringen“ im Kultur- und Tagungszentrum Felsenkeller die Wanderausstellung des Erinnerungsortes Topf und Söhne eröffnet. Das frühere Erfurter Unternehmen hatte während des „Dritten Reiches“ Krematorien in verschiedenen Konzentrationslagern, wie Buchenwald oder Auschwitz gebaut. Das Unternehmen installierte auch Entlüftungsanlagen und gasdichte Türen für die Gaskammern und führte technische Probleläufe der Öfen durch. Das frühere Verwaltungsgebäude fungiert heute als Erinnerungsort an „die Ofenbauer von Auschwitz“.
Zuvor wird ab 14.30 Uhr am Gedenkstein im Park des Klinikums an die Opfer der „Euthanasie“-Morde erinnert. In der NS-Zeit starben etwa 300.000 kranke und behinderte Menschen einen organisierten gewaltsamen Tod. „Euthanasie“ – „guter“ oder „schöner“ Tod – war dabei die Legitimations- und Tarnformel für ein staatlich organisiertes Mordprogramm. Zudem wurden etwa 400.000 Frauen und Männer zwangssterilisiert.
„Genaue Opferzahlen gibt es keine, auch weil viele Unterlagen und Krankenakten zum Ende des NS-Regimes von den Tätern vernichtet worden sind“, sagt Pflegedirektor Markus Weber. „Wir wollen an diesem Tag gemeinsam an den Tod tausender Menschen erinnern, die aufgrund ihres Andersseins, aufgrund ihrer Krankheit oder Behinderung zu Opfern von Zwangssterilisationen und des nationalen `Euthanasie`-Programms wurden“, erklärt der studierte Pflegewissenschaftler.
Im Jahr 1940 kamen im Zuge der „Aktion T4“, der systematischen Ermordung von Menschen mit körperlichen, geistigen und seelischen Behinderungen 61 Patienten von Stadtroda in die Zwischenanstalt Zschadraß; davon wurden 60 Patienten weiterverlegt nach Pirna/ Sonnenstein. In der sächsischen Heil- und Pflegeanstalt ermordeten die Nationalsozialisten in den Jahren 1940 und 1941 rund 13.720 vorwiegend psychisch kranke und geistig behinderte Menschen. Diese wurden in einer Gaskammer im Keller der Anstalt umgebracht.
„Mit der Eröffnung der `Kinderfachabteilung` 1942/ 43 wurde das Fachklinikum in die staatlich organisierte Kindereuthanasie aktiv einbezogen. In deren Folge verstarben Kinder aufgrund staatlich angeordneter Mangelernährung und gezielter Überdosierung von Betäubungsmitteln“, erklärt Markus Weber.
In den damaligen Thüringer Landesheilanstalten Stadtroda wurden von 1934 bis 1945 mindestens 252 Patienten zwangssterilisiert. Im selben Zeitraum verstarben 2267 Stadtrodaer Patienten. Die genaue Zahl der „Euthanasie“-Opfer ist nicht bekannt.
„Die Brutalität dieser geschichtlichen Ereignisse in dieser Form ist unvorstellbar. Für uns ist das ein bedeutender Anlass, um regelmäßig darauf aufmerksam machen. So etwas darf sich nicht wiederholen“, insistiert Pflegedirektor Markus Weber.
Das Asklepios Fachklinikum Stadtroda ist heute akademisches Lehrkrankenhaus des Universitätsklinikums Jena und ein hochspezialisiertes, modernes Zentrum für seelische und neurologische Gesundheit. Am Standort Stadtroda, seinen peripheren Tageskliniken und Medizinischen Versorgungszentren bietet es ein umfassendes und differenziertes Leistungsspektrum an. Mit über 700 Mitarbeitenden ist das Asklepios Fachklinikum eines der größten Arbeitgeber der Region.