
Ines Höhne
Chefarztsekretariat
In der modernen Urologie gewinnt die Beckenboden-Chirurgie zunehmend an Bedeutung – insbesondere bei Frauen, die unter Senkungsbeschwerden wie einem Harnblasenvorfall leiden. Denn diese Erkrankungen können nicht nur die Lebensqualität enorm einschränken, sondern im fortgeschrittenen Stadium auch schwerwiegende Symptome wie einen Harnstau bis hin zum Nierenversagen verursachen. Im Interview erklärt Firas Oliver Khayat-Noucco, Leitender Oberarzt der Urologie und Sektionsleiter für robotische Urologie an der Asklepios Stadtklinik Bad Wildungen, welche Möglichkeiten moderne, robotergestützte Operationsverfahren bei Beckenbodenbeschwerden bieten. Zudem berichtet Patientin Birgit Hitschler von ihren Erfahrungen.

Beckenbodenprobleme können erhebliche Auswirkungen auf die Lebensqualität haben. Führt eine konservative Therapie nicht zum Erfolg, kann die moderne Beckenboden-Chirurgie Abhilfe schaffen.
Der Beckenboden ist eine zentrale Muskelgruppe, die man sich wie eine elastische Hängematte zwischen Schambein, Steißbein und den Sitzbeinhöckern vorstellen kann. Er übernimmt gleich mehrere wichtige Aufgaben: So stützt er die inneren Organe wie Blase, Gebärmutter und Darm, ermöglicht die kontrollierte Blasen- und Darmentleerung und sorgt gleichzeitig für Stabilität und Balance in der Körpermitte. Ist der Beckenboden geschwächt, kann das schwerwiegende Folgen haben. So können sich Gebärmutter, Harnblase und Enddarm immer tiefer in Richtung Körperöffnung absenken. Im schlimmsten Fall kommt es zu einem hochgradigen Prolaps, bei dem die Gebärmutter oder die Harnblase durch die Scheide ertastet werden oder hervortreten können.
Typische Beschwerden sind ein Druckgefühl im Unterleib, Probleme beim Wasserlassen oder Inkontinenz. In schweren Fällen kann es zu einem Rückstau des Urins kommen, was langfristig die Nieren schädigen kann. Ein sogenannter Nierenstau ist nicht nur extrem schmerzhaft, sondern auch eine ernstzunehmende Komplikation. So könnte beispielsweise ein akutes Nierenversagen auftreten.
Bei Frauen ist der Beckenboden besonderen Belastungen ausgesetzt. So kann es nach Schwangerschaften und Geburten oder in den Wechseljahren zu einer Schwächung des Beckenbodens kommen. Auch eine Bindegewebsschwäche, Übergewicht oder starke körperliche Belastung können eine Senkung verursachen.
Es gibt einige konservative Möglichkeiten, um den Beckenboden zu kräftigen – zum Beispiel mit gezielten Übungen, einer Hormontherapie oder durch den Einsatz eines Pessars. Sind die Symptome schon weit fortgeschritten, sind diese Methoden meist nicht mehr erfolgreich. Dann ist eine Operation unumgänglich. Meine Erfahrung zeigt, dass viele Betroffene zu lange warten, bis sie sich ärztliche Hilfe suchen.

Erfolgreiche Operation: Firas Oliver Khayat-Noucco, Leitender Oberarzt der Urologie, bei einer Nachbesprechung mit Patientin Birgit Hitschler.
Ziel des Eingriffs ist es, die normale Anatomie wiederherzustellen und damit die Funktion der Organe zu verbessern. Bei der minimalinvasiven, robotergestützten Operation mit dem DaVinci-System werden die abgesunkenen Organe – Blase oder Gebärmutter – wieder in ihre ursprüngliche Position angehoben und anschließend mithilfe spezieller Netze am Kreuzbein fixiert. Die Methode, die nur von wenigen spezialisierten Kliniken angeboten wird, ist für die Patientinnen besonders schonend. Zudem sprechen die langfristigen Erfolge einer solchen OP für sich.
Mir hat die Operation meine Lebensqualität zurückgegeben. Vor dem Eingriff hatte ich starke Schmerzen, an einen normalen Alltag war nicht zu denken. Nun bin ich beschwerdefrei und kann wieder in meinem Beruf als Physiotherapeutin arbeiten. Ich habe den Aufenthalt in der Stadtklinik sehr positiv in Erinnerung: wegen des hochprofessionellen und netten Teams – aber auch, weil ich dank der besonderen Operationstechnik schon nach wenigen Tagen wieder auf den Beinen war.
Firas Oliver Khayat-Noucco (49) ist Leitender Oberarzt der Urologie und Sektionsleiter für robotische Urologie an der Asklepios Stadtklinik Bad Wildungen. Seine Facharztausbildung absolvierte er in Bochum, anschließend war er unter anderem an namhaften Kliniken in Schwelm, Recklinghausen und Datteln tätig. Seit 2012 hat Kahyat-Noucco Erfahrungen in robotischer Urologie, insgesamt hat er bereits über 350 Operationen mit dem DaVinci-System durchgeführt.


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