„Wer mitfühlt wird nicht zum Monster!“
Jugendliche geben Opfern der NS-Euthanasie eine Stimme
Teupitz, 28.01.2026 - Am 27. Januar, dem nationalen bundesweiten Gedenktag aller Opfer des Nationalsozialismus, dem zentralen Gedenktag der nationalsozialistischen „Euthanasie-Morde“ und des Internationalen Tages des Gedenkens an die Opfer des Holocaust präsentierten drei Jugendliche des Humanistischen Verbandes Ostbrandenburg (KW) in Zusammenarbeit mit dem Landesjugendring gemeinsam mit ihrer Projektleiterin Heike Licht die Ergebnisse ihrer Recherchen zu den Opfern der Euthanasie in der damaligen Landesirrenanstalt Teupitz im heutigen Asklepios Fachklinikum Teupitz.
Erinnern und nicht vergessen
Ziel der geschichtsinteressierten Jugendlichen war es, die Opfer der Euthanasie als Opfergruppe der NS-Herrschaft mehr in das Bewusstsein der Gesellschaft zu rücken. „Wir wollen, dass sich alle erinnern und nicht vergessen“ so die Jugendlichen. Mit ihrem Projekt gaben sie den Teupitzer Euthanasie-Opfern, von denen auch einige aus dem heutigen Landkreis Dahme-Spreewald kamen, einen Namen und ihr Schicksal zurück. Sie entrissen deren Lebensgeschichten der Vergessenheit. Sie zeigten, was mit ihnen geschah, warum sie ausgegrenzt, ermordet oder zwangssterilisiert wurden.
Stimmen der Vergangenheit
Unter dem Projekttitel „Stimmen der Vergangenheit“ tauchten Jerome Bogdanski, Leon Kautz und Johannes Hübner gemeinsam mit Heike Licht in das Brandenburgische Landeshauptarchiv, das Bundesarchiv und das Kreisarchiv Dahme-Spreewald ein. Sie besuchten die Gedenkstätte Opfer der Euthanasie-Morde in Brandenburg, sprachen mit Historikerinnen und Historikern. Der persönliche Austausch mit der Enkelin eines der Opfer war besonders ergreifend. Daniela Wolarz, Geschäftsführerin das Asklepios Fachklinikums Teupitz und Dr. Tatjana Minx, Ärztliche Direktorin unterstützten das Projekt. „Seit Längerem bewegte uns der Gedanke, Opfern der NS-Euthanasie ein Gesicht zu geben und so Gedenken konkret und greifbar wachzuhalten. Wir danken Jo, Leon, Johannes und Frau Licht sehr für die geleistete Arbeit. Hier werden wir auf jedem Fall weitermachen “ so Daniela Wolarz.
Die Würde der Opfer
Die Jugendlichen lernten bürokratische Hürden zu meistern, Quellen zu erfassen, Akten einzusehen und auszuwerten. Erschütternde Protokolle und die präzise Dokumentation des systematischen Mordens psychisch kranker Menschen ließen die Jugendlichen und Zuhörer nicht unberührt. „Ich glaube, dass alle Menschen viel mehr auf Nächstenliebe und Empathie achten sollten, damit sich ein solches Ereignis nicht wiederholt. Wer mitfühlt wird nicht zum Monster“ erklärt Leon Kautz. Heike Licht, Projektleiterin und Mentorin zeigte sich stolz und sichtlich gerührt von der Arbeit der Jugendlichen. „Wir haben das Projekt im November 2025 auf der Geschichtsmesse des Landesjugendringes „Zeitensprünge“ vorgestellt. Das tiefe Eintauchen in diese lang verschwiegenen Verbrechen der Nationalsozialisten hat großen Anklang gefunden. Die drei Jugendlichen sind drangeblieben und haben den Opfern ihre Würde zurückgegeben.“
Im Anschluss legten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Gedenkstein des Klinikums gemeinsam mit den Jugendlichen Blumen nieder.