Internationaler Inkontinenztag am 30. Juni: „Inkontinenz ist kein Tabuthema, sondern behandelbar"

Datum29. Juni 2026
OrtLich
UrheberPatricia Rembowski

• 10 Millionen Menschen betroffen • Mehr als die Hälfte spricht nicht über das Leiden

Etwa 10 Millionen Menschen in Deutschland leiden an Harn- oder Stuhlinkontinenz – Männer wie Frauen, Junge wie Alte. Trotz der hohen Zahl an Betroffenen ist Inkontinenz noch immer stark mit Scham behaftet – bis zu 60 Prozent der Patientinnen und Patienten trauen sich nicht, mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt darüber zu sprechen. Anlässlich des Internationalen Inkontinenztags am 30. Juni, rufen Fachärzte gemeinsam mit der Deutschen Kontinenz Gesellschaft dazu auf, das Schweigen zu brechen und offen über das Thema zu sprechen, denn in den meisten Fällen ist sie gut behandelbar.

Mehr als die Hälfte der Betroffenen spricht nicht einmal mit der eigenen Familie über die Beschwerden, manche ziehen sich vollständig aus dem sozialen Leben zurück. Dabei ist Inkontinenz in den meisten Fällen gut behandelbar oder sogar heilbar. „Viele Menschen denken, sie müssten mit dem Problem leben – das stimmt nicht", betont Prof. Dr.med. Giovanni Di Favero, Chefarzt der Frauenklinik an der Asklepios Klinik Lich. „Darüber zu schweigen, verschlimmert das Leiden noch“, ergänzt Tatiana Pfiffer, Oberärztin der Frauenklinik und Expertin in der Behandlung der Inkontinenz. Die Ursachen für Inkontinenz sind vielfältig und reichen von Krebserkrankungen, organischen Veränderungen über Folgen operativer Eingriffe bis hin zu Auswirkungen einer Geburt.

Moderne Therapien bieten große Heilungschancen
Das Behandlungsspektrum ist heute breit gefächert und wird individuell angepasst: Es reicht von konservativen Ansätzen wie Beckenbodentraining, Physiotherapie und Biofeedback über medikamentöse Therapien bis hin zu minimal-invasiven und operativen Verfahren. Bei Belastungsinkontinenz kommen beispielsweise Schlingensysteme zum Einsatz, bei Dranginkontinenz hat sich die Injektion von Botulinumtoxin in die Blase bewährt. Auch die sakrale Neuromodulation, bei der die Nerven zur Steuerung der Blasenfunktion stimuliert werden, zeigt gute Erfolge.

„Inkontinenz ist eine Volkskrankheit, über die wir endlich offen sprechen müssen. Die Scham ist verständlich, aber völlig unbegründet – denn wir können heute in den allermeisten Fällen sehr gut helfen. Mein Appell lautet: Scheuen Sie sich nicht, das Thema anzusprechen. Inkontinenz ist keine Schande, sondern eine behandelbare Erkrankung. Je früher wir gemeinsam eine Lösung finden, desto schneller gewinnen Sie Ihre Lebensqualität zurück", betont Prof. Di Favero.
Der Internationale Inkontinenztag findet im Rahmen der Welt Kontinenz Woche statt, die vom 15. bis 21. Juni 2026 mit zahlreichen Informationsveranstaltungen in ganz Deutschland aufklärt. Ziel ist es, Hemmschwellen abzubauen, Betroffene zu ermutigen und auf Hilfsangebote aufmerksam zu machen.
In der Licher Klinik findet am Dienstag, 25. August 2026 ein Vortragsabend statt, der das Thema beleuchtet und Behandlungsmöglichkeiten vorstellt.
 

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