Angst im Alter: Immer mehr Senioren fürchten sich vor Armut und Demenz

Datum14. Januar 2026
OrtGöttingen

Steigende Fallzahlen bei psychischen Erkrankungen von Senioren sind eine Herausforderung für die Alterspsychiatrie / Neue spezialisierte Fachambulanz 50plus der Asklepios Psychiatrie Niedersachsen am Standort des Asklepios Fachklinikums Göttingen startete am 2. Januar

Göttingen, 14. Januar 2025 - Sorge vor dem Verlust der Selbstständigkeit, Furcht vor sozialer Isolation, vor Altersarmut oder Abhängigkeit im Pflegefall: Die Ängste, die ältere Menschen begleiten, sind vielfältig und tiefgreifend. Aktuelle Erhebungen zeigen, dass ein erheblicher Teil der Seniorinnen und Senioren in Deutschland davon betroffen ist. 39 Prozent der über 60-Jährigen haben Angst vor Altersarmut zeigt die R+V-Langzeitstudie „Die Ängste der Deutschen“. Nach Ergebnissen der DAK-Gesundheit liegt die Angst vor Demenz bei den über 60-Jährigen bereits auf Platz zwei direkt hinter Krebs. Und unter den Versicherten der IKK classic wurde bereits bei acht Prozent der Altersgruppe von 50 bis 69 Jahren eine Angststörung diagnostiziert.

Zahl der Betroffenen steigt

„Wir sehen in unserer Klinik zunehmend Seniorinnen und Senioren mit Depressionen und Angststörungen“, berichtet die Chefärztin der Gerontopsychiatrie am Asklepios Fachklinikum Göttingen, Dr. med. Christiane Walter. „Die Sorge, die Kontrolle über das eigene Leben zu verlieren oder die gewohnte Selbstständigkeit aufgeben zu müssen, steht dabei häufig im Mittelpunkt.“ Im Vergleich zu jüngeren Menschen mit Depressionen ist für die Generation 50plus die psychische Belastung deutlich höher. „Neue berufliche Perspektiven finden sich seltener, neue Freundschaften oder Partnerschaften werden nicht mehr so einfach geschlossen. Wenn später zunehmende körperliche Einschränkungen, Geldsorgen oder ein Gefühl der Vereinsamung hinzukommen, ist die seelische Not oft groß, wird aber häufig verschwiegen“, erklärt die Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie.

Gegensteuern mit rechtzeitiger Therapie

Die Belastung der Psyche kann sogar so stark werden, dass am Ende Suizidgedanken stehen. Das belegt auch die Statistik: 42 Prozent aller Selbstmorde wurden 2022 von Menschen begangen, die älter als 65 Jahre waren. In der Altersgruppe der 80- bis 84-Jährigen sind sogar die meisten Suizide zu verzeichnen. Der Handlungsbedarf in der Alterspsychiatrie ist deshalb groß. Je früher man Depressionen und Ängsten mit geeigneten therapeutischen Maßnahmen begegnet, desto besser sind die Chancen für die Betroffenen, das eigene Leben wieder in den Griff zu bekommen. „Depressionen in dieser Altersgruppe sind außerdem häufig Vorläufer einer Demenz“, so Dr. Walter. „Wir legen in Göttingen deshalb Wert auf eine frühzeitige Diagnostik und rechtzeitige Therapie. Dank neuester Medikamente kann man heute das Fortschreiten einer Demenz im Frühstadium deutlich verlangsamen.“ Die Herausforderungen für die Gerontopsychiatrie, so prognostiziert sie, werden mit dem demographischen Wandel aber weiter steigen. Schon heute ist jeder Zweite in Deutschland älter als 45 und jeder Fünfte älter als 66 Jahre.

Multiprofessionelle Behandlung kann helfen

Die Asklepios Psychiatrie Niedersachsen, die größte Klinik für Psychiatrie in Niedersachsen, stellt sich dieser Herausforderung ab Januar 2026 mit seiner neuen „Fachambulanz 50plus“ am Standort des Asklepios Fachklinikums Göttingen. Sie ist eine Ergänzung und Erweiterung der bereits bestehenden großen Institutsambulanz des Hauses und richtet sich primär an ältere Menschen, die von Ängsten und affektiven Erkrankungen wie Depressionen betroffen sind. Ein ärztlichtherapeutisches Fachteam kümmert sich dabei insbesondere um Diagnostik und Therapie von Depressionen ab der Lebensmitte. Bei Bedarf sind auch eine Demenzdiagnostik und die Zuweisung zu einer entsprechenden Therapie möglich. Bereits jetzt werden am Asklepios Fachklinikum Göttingen jedes Jahr mit großer Mehrheit ältere Menschen mit Angststörungen oder Diagnosen wie Demenz und Altersdepressionen behandelt. „Die große Aufgabe in der Alterspsychiatrie besteht nicht nur in der Behandlung klassischer psychischer Störungen, sondern auch in der Berücksichtigung gleichzeitig vorliegender oder zugrundeliegender körperlicher Erkrankungen. Unser Ziel ist es, den Ängsten der uns anvertrauten Menschen mit individualisierten Therapieansätzen und viel menschlicher Nähe zu begegnen. Wir wollen ihnen helfen, ihre Lebensqualität zu erhalten, Ängste abzubauen und in schwierigen Lebenssituationen Stabilität zu finden.“

Standort mit Tradition

Mit mittlerweile 150-jähriger Tradition wird in der Asklepios Psychiatrie Niedersachsen am Standort des Asklepios Fachklinikums Göttingen das gesamte Spektrum psychischer Erkrankungen behandelt. Als psychiatrisch-psychotherapeutisches Zentrum für die Region Südniedersachsen bietet das Haus ein differenziertes Behandlungsangebot für psychisch erkrankte Menschen. Es integriert stationäre, stationsäquivalente, teilstationäre und ambulante Behandlung und Pflege. Zu den Schwerpunkten gehören neben der allgemeinen Psychiatrie mit Krisenintervention eine Abteilung für Sucht und Abhängigkeitserkrankungen, die Gerontopsychiatrie mit Neuropsychiatrie, spezialisierte Psychotherapie und Traumatherapie sowie die Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie. Das vollstationäre Angebot mit 464 Betten wird durch eine gerontopsychiatrische und eine Sucht-Tagesklinik auf dem Krankenhausgelände, zwei allgemeine Tageskliniken, sechs Psychiatrische Institutsambulanzen sowie die stationsäquivalente aufsuchende Behandlung ergänzt. Als Akademische Lehrklinik der Universitätsmedizin Göttingen für das Fach Psychiatrie und Psychotherapie bringen sich die Klinik aktiv in die Fort- und Weiterbildung des medizinischen Nachwuchses ein.

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