Kann ein Herz aus Trauer zerbrechen? Das „Broken-Heart-Syndrom“ im Fokus bei hr2-Kultur

Datum19. Juni 2026

Psychosomatische Spuren schwerer Verluste: Die Takotsubo-Kardiomyopathie im Experten-Interview

Manchmal hinterlässt tiefer seelischer Schmerz auch körperliche Spuren. Am vergangenen Dienstagabend war Dr. Stephanie Grabhorn, Ärztliche Direktorin der Blomenburg Privatkliniken, zu Gast in der hr2-Kultur-Sendung „Der Tag“, um gemeinsam mit weiteren Expertinnen und Experten aus der Kardiologie, Trauerbegleitung und Literatur über das sogenannte „Broken-Heart-Syndrom“ zu sprechen.

Aktueller und trauriger Anlass der Sendung war der Tod der bekannten Schriftstellerin Marjane Satrapi, die laut Berichten aus ihrem engsten Umfeld an tiefer Trauer verstorben ist. Im Zentrum der Diskussion stand die fundamentale Frage: Kann ein Herz tatsächlich an einem emotionalen Verlust zerbrechen?

Aus psychiatrischer und psychosomatischer Sicht ist das „gebrochene Herz“ weit mehr als nur eine reine Sprachmetapher – es beschreibt eine sehr reale, ernstzunehmende körperliche Reaktion. Trauer wird von Menschen auf höchst unterschiedliche Weise verarbeitet. Während einige Betroffene ihren Schmerz sehr bewusst über ihre Gefühle ausdrücken und bewältigen, reagieren andere vor allem auf körperlicher Ebene, oft ohne dass ihnen dieser Zusammenhang unmittelbar bewusst ist. Diese somatische Verarbeitung kann unter extremen Umständen direkte Auswirkungen auf die Organfunktion haben.

Die Brücke zwischen Psyche und Körper

Der Grund für diese enge Kopplung liegt in der intensiven biologischen Verschaltung von Gehirn und Herz über das vegetative Nervensystem. Wenn massiver emotionaler Stress nicht mehr ausreichend reguliert werden kann, schüttet der Organismus Sturzfluten von Stresshormonen aus – allen voran Adrenalin und Noradrenalin. In Extremfällen führt diese Überflutung dazu, dass der Herzmuskel kurzfristig so stark überlastet und in seiner Funktion beeinträchtigt wird, dass eine lebensbedrohliche Situation entsteht. In der Medizin spricht man hierbei von der sogenannten Takotsubo-Kardiomyopathie.

Für die therapeutische und medizinische Begleitung macht ein differenzierter Blick einen entscheidenden Unterschied: Die tiefe Trauer nach einem existenziellen Verlust verläuft biologisch und psychologisch anders als das, was wir umgangssprachlich unter akutem „Liebeskummer“ verstehen – auch wenn beide Zustände emotional extrem belastend sind. Ein tiefes Verständnis für diese feinen Unterschiede hilft Behandelnden und dem Umfeld, Betroffene in Phasen schwerer Krisen sicherer und bedürfnisorientierter zu begleiten.

Die Sendung zum Nachhören

Möchten Sie tiefer in das Thema eintauchen und mehr über das Zusammenspiel von Psyche und Herz erfahren? Die vollständige und hörenswerte Folge von hr2-Kultur „Der Tag“ steht ab sofort in der ARD Audiothek zum Nachhören zur Verfügung.

Jetzt die Podcast-Folge in der ARD Audiothek hören