
Christiane Schlensog
Anmeldung & Auskunft

Untersuchungen zeigen: Fast ein Viertel der Kinder und Jugendlichen ist psychisch belastet. Das Asklepios Fachklinikum Tiefenbrunn bietet mit einem eigenen Konzept erfolgreich therapeutische Hilfe für Betroffene und deren Familien.
Die Fakten lassen aufhorchen: 22 Prozent der Kinder und Jugendlichen berichten laut der aktuellen COPSY-Studie (Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Herbst 2025) von geringer Lebensqualität, 23 Prozent von psychischen Problemen, 25 Prozent von Angstsymptomen und 18 Prozent von Einsamkeit. Auch die Analysen der DAK-Gesundheit und anderer Kassen (2025/2026) zeigen steigende Diagnosen: 53 Prozent mehr Angststörungen als vor fünf Jahren bei Jugendlichen von 15 bis 17 Jahren und 25 Prozent mehr Depressionen bei Mädchen seit 2019.
Diese Tendenz kann auch Dr. med. Bastian Claaßen, Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie am Asklepios Fachklinikum Tiefenbrunn im niedersächsischen Rosdorf bei Göttingen, bestätigen. „Die Wahrnehmung psychischer Erkrankungen ist in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen. Wir registrieren seit vier bis fünf Jahren eine wachsende Zahl von Kindern und Jugendlichen, insbesondere Mädchen, die zu uns kommen“, berichtet der Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie. „Zum Teil kommen sie aus Einrichtungen der Jugendhilfe und Pflegefamilien, aber auch direkt auf Eigeninitiative von Familien.“ Fragen nach der sozialen und kulturellen Herkunft oder dem Elternhaus spielen dabei, so der Arzt, kaum eine Rolle. „Einige Jugendliche kommen von sich aus und haben sich vorher bereits selbst informiert – zum Beispiel über ADHS oder Borderline.“
An der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie im Kinder- und Jugendalter des Asklepios Fachklinikums Tiefenbrunn ist man bereits seit mehr als 70 Jahren darauf spezialisiert, Kindern und Jugendlichen zu helfen. Der Therapeut Johann Zauner erarbeitete hier in den 1950er Jahren das so genannte „Tiefenbrunner Behandlungsmodell“, eine Kombination aus Tiefenpsychologie und verhaltenstherapeutischen Verfahren, ergänzt durch Bewegungs- und Gruppentherapie. Bis 2013 wurde das Verfahren durch die renommierte Chefärztin Prof. Dr. med. Annette Streeck-Fischer maßgeblich weiterentwickelt. „Unser Fokus heute sind zum einen Traumafolgestörungen, Persönlichkeitsentwicklungsstörungen und Borderline-Erkrankungen, zum anderen Schulvermeidung und Schulschwierigkeiten vor dem Hintergrund von Ängsten und depressiven Störungen“, erklärt Dr. Claaßen. „Im weiteren Sinne erfassen wir das gesamte breite Spektrum der Kinder- und Jugendtherapie.“ Bis zu 38 Patient:innen können an der Klinik stationär behandelt werden. Untergebracht sind sie in zwei Altersgruppen auf dem Klinikgelände: die jüngeren von 10 bis 15 Jahren in der „Rosenvilla“ und die älteren von 15 bis 18 Jahren im „Waldhaus“. Ältere Patient:innen bis 20 Jahre können in Ausnahmefällen behandelt werden. Zwischen drei und neun Monaten dauert der Aufenthalt in der Klinik. Zusätzlich gibt es in einer Psychiatrischen Institutsambulanz des Hauses Sofort-Hilfe für Kinder, Jugendliche und ihre Familien, wenn zeitnah und individuell beraten und behandelt werden muss. Sogar eine Säugling-Kleinkind-Eltern-Ambulanz für frühe Entwicklungsprobleme ist vorhanden. „Wir wissen, dass es oft lange Wartezeiten bei der psychiatrischen Behandlung gibt und wollen durch unser Angebot die Hürden auf dem Weg zur Therapie deutlich senken“, erläutert Dr. Claaßen.
Um dem breiten Behandlungsspektrum gerecht zu werden, setzt man im Asklepios Fachklinikum Tiefenbrunn auf einen sensiblen und wertschätzenden Umgang mit Kindern und Jugendlichen im Rahmen eines ganzheitlichen multimodalen Behandlungskonzepts, das von erfahrenen Therapeut:innen umgesetzt wird. Es ist eine Kombination aus zwei aufeinander aufbauenden Elementen: individueller Einzeltherapie im geschützten Raum zwischen Behandler:in und Patient:in und der so genannten „Milieu-Therapie“ auf der Station in der Gruppe mit anderen Patient:innen. Die Einsichten und das Wissen aus der Einzeltherapie können dabei in der Milieutherapie angewendet und erprobt werden. Im Laufe des mehrwöchigen Aufenthalts verbinden sich die beiden Wege zu einem gemeinsamen Behandlungspfad.
Voraussetzung für alle jungen Patient:innen ist dabei eine ausführliche psychodynamische Diagnostik und eine Therapieplanung, die genau an den Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen ausgerichtet ist. „Wir legen realistische Ziele fest und besprechen genau die Schritte dahin. Alle sechs Wochen stellen wir diese Ziele wieder auf den Prüfstand“, erklärt Dr. Claaßen. „Wichtig ist uns dabei ein sicheres Vertrauensverhältnis zu unseren Patient:innen. Wir wollen verstehen, wie ein Problem entstanden ist, welche Faktoren für die psychische Erkrankung verantwortlich sind und was die junge Patientin bzw. der junge Patient braucht. Bei Angsterkrankungen schauen wir zum Beispiel genau, wie es dazu gekommen ist.“ Das geht jedoch nicht ohne aktive Mithilfe der Betroffenen. An der Klinik setzt man deshalb auf ein Miteinander auf Augenhöhe. Das gilt auch für die Eltern, die eng in die Therapie eingebunden werden. Je jünger die Kinder sind, umso entscheidender ist die Elternarbeit. Dazu hat die Klinik eigens Elternsamstage eingerichtet, bei denen die Eltern ihre Kinder besuchen und mit den Therapeut:innen ins Gespräch kommen.
Das Konzept geht auf. Aktuelle Studienergebnisse belegen die hohe Wirksamkeit der Behandlung am Asklepios Fachklinikum Tiefenbrunn. „Für uns ist es am Ende wichtig, dass die Kinder und Jugendlichen lernen: Ich kann selbst etwas tun“, fasst Dr. Claaßen zusammen. „Ziel ist es, das eigene Verhalten zu hinterfragen und es zu ändern. Wer seine Probleme versteht, der kann auch einen neuen Weg finden.“ Freundschaften schließen, mit anderen ins Gespräch kommt, Regeln einhalten können, Gefühle bei sich und anderen erkennen – das ist für die behandelnden Ärztinnen und Ärzte sowie Therapeut:innen ein großer Erfolg ihrer Arbeit. Auch nach dem Klinik-Aufenthalt werden die jungen Patient:innen übrigens nicht allein gelassen. Im Nachgang stehen drei weitere Ambulanzkontakte auf dem Programm, um den Behandlungserfolg zu prüfen und bei Bedarf noch einmal nachzusteuern. „Wir sehen manchmal schlimme Geschichten, aber wir sehen auch tolle Erfolge“, schließt Dr. Claaßen. „Das macht uns glücklich. Zu meinen jüngeren Kolleg:innen sage ich manchmal: Es ist gut, sich zu wundern.“
Die Institutsambulanz des Asklepios Fachklinikum Tiefenbrunn ist bei Problemen von Kindern und Jugendlichen eine erste Anlaufstelle, insbesondere, wenn sie unter psychischen Problemen leiden und bisherige Behandlungsmöglichkeiten nicht ausreichend wirksam waren, keine geeigneten zur Verfügung standen oder die Störung einen schweren Verlauf nimmt. Das breite Spektrum an qualifizierten Angeboten richtet sich Kinder und Jugendliche bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres (inklusive deren Familien, Bezugspersonen, Betreuer etc.).
Für diese Sprechstunde ist eine telefonische Voranmeldung erwünscht.

Anmeldung & Auskunft