Bin ich liebenswert, wenn ich mich zeige, wie ich wirklich bin

Datum8. Mai 2026
OrtAsklepios Fachklinikum Brandenburg

Bin ich liebenswert, wenn ich mich zeige, wie ich wirklich bin?

Dr. Anne Kruttschnitt, Ärztliche Direktorin und Chefärztin Psychiatrie im Asklepios Fachklinikum Brandenburg erklärt, was eine Psychotherapie ist und wie und wem sie helfen kann. Sie sagt ganz klar, wann für Betroffene eine stationäre Behandlung am Asklepios Fachklinikum Brandenburg notwendig ist und was jeder selbst zum Gelingen einer Therapie beitragen kann.

Was ist eine Psychotherapie?

In einer Psychotherapie werden psychische Beschwerden und Störungen mit psychologischen Mitteln behandelt. Die Psychotherapie kann einen inneren und bewusst in Gang gesetzten Veränderungsprozess anstoßen, der die Denk- und Verhaltensmuster, die Stimmung und das Befinden beeinflusst. Die Therapie muss eine bestimmte Tiefe und Breite haben. Das heißt: In einer Psychotherapie sehen wir nicht nur auf die aktuelle Problematik, sondern schauen auch sehr genau, wie es zu der aktuellen Situation kommen konnte.

Wann ist eine Psychotherapie sinnvoll?

Eine Psychotherapie ist dann sinnvoll, wenn der Leidensdruck so schwer und dauerhaft ist, dass der Alltag kaum noch zu bewältigen ist und nur noch mit Mühe aufrechterhalten werden kann. Wenn Betroffene merken, dass sie ihre Stimmungen nur noch schwer oder gar nicht mehr regulieren können, wenn sie darunter leiden und wenn sie daran etwas ändern möchten, sind wir der richtige Ansprechpartner. Wenn Betroffene feststellen müssen, dass sie immer wieder in Konflikte mit sich selbst und anderen geraten, wenn sich zwischenmenschliche Beziehungen immer schwieriger gestalten, wenn der Selbstwert in den Keller rutscht, wenn die Selbstregulation und die Selbstorganisation nicht mehr klappen, ist eine Psychotherapie eine gute und sinnvolle Behandlungsmethode. Voraussetzung allerdings ist eine Offenheit für die Therapie und die Grundeinstellung, dass das Problem auch etwas mit dem eigenen Verhalten zu tun haben könnte und natürlich die Hoffnung, dass daran etwas geändert werden kann.

Wem kann sie helfen?

Menschen, die aus ihrer aktuellen Situation heraus möchten, die etwas ändern möchten und an sich arbeiten wollen, kann die Psychotherapie sehr gut helfen. Menschen, die bereit sind, ihre eigenen Ressourcen zu aktivieren, die eigenen Stärken wieder wachzurufen und wieder in Beziehung zu anderen Menschen gehen zu wollen können durch die Psychotherapie ein neues Lebensgefühl erlangen.

Was geschieht in einer solchen Therapie?

Die Behandlung bei uns hier am Asklepios Fachklinikum Brandenburg beginnt mit Beziehungsarbeit. Was heißt das eigentlich? Wir möchten mit unseren Patientinnen und Patienten eine tragfähige sichere Beziehung eingehen. Dazu gehört auch ein sicherer Raum, in dem Dinge ausgesprochen werden können, die vielen Menschen nur schwer über die Lippen gehen. Zum Beispiel „Bin ich liebenswert, wenn ich mich zeige, wie ich wirklich bin?“ Wir arbeiten dann zusammen an der Ressourcenaktivierung. Wir schauen, was im bisherigen Leben auch richtig gut gelaufen ist. Selbsterfahrungsprozesse werden angestoßen. Unsere Patientinnen und Patienten stellen fest: Ich bin ja doch interessant! Ich bin wirksam! Ich bin kompetent! Ich bin in Ordnung! Wir rücken gemeinsam die Sicht auf die Welt und die Zukunft in ein anderes, für manche sogar völlig neues Licht.

Welche Fragen werden typischerweise in einer Psychotherapie gestellt?

Wie alle anderen Fachärzte fragen wir natürlich auch, was die Patientinnen und Patienten zu uns führt. Wir erstellen dann gemeinsam ein Ressourcenprofil, schauen also, wo die Belastungen liegen. Wir gehen auf die Lebensumstände, auf die aktuelle private und berufliche Situation ein und stellen auch Fragen zur Biografie. Das sorgt bei manchen für Unbehagen. Dennoch ist es uns wichtig, ein Gesamtbild zu erhalten und eine Vertrauensbasis zu schaffen. Lügen ist an dieser Stelle nicht sinnvoll. Die Chemie sollte stimmen.

Wie lange kann eine Psychotherapie dauern?

Das ist ganz unterschiedlich und kommt auf die Behandlungsmethode an. Die kürzeste ist sicherlich die kognitive Verhaltenstherapie. Hier kann oft schon nach vier Wochen ein gutes Behandlungsergebnis erzielt werden. Grundsätzlich ist bei einer Psychotherapie eher von einem Zeitraum zwischen einem und zwei Jahren auszugehen, überwiegend natürlich in ambulanter Behandlung.

Was ist der Unterschied zwischen ambulanter und stationärer Therapie?

Das ist ganz klar das Angebot an Spezialbehandlungen. Wir halten hier am Asklepios Fachklinikum Brandenburg die verschiedensten hochspezialisierten Therapieformen vor wie Kunsttherapie, Musiktherapie, Sport, Tanz und vieles mehr. Für viele Patientinnen und Patienten ist die Mischung von Einzel- und Gruppentherapie sehr hilfreich, das kann im ambulanten Setting eher nicht angeboten werden. Für manche Patientinnen und Patienten ist es einfach gut, das häusliche Umfeld zu verlassen, um sich voll und ganz auf die Therapien konzentrieren zu können. Unser Pflege- und Therapeutenteam bekommt im stationären Kontext einen sehr gründlichen und umfassenden Eindruck von den Patienten. In gemeinsamen Gesprächen können wir dann Therapieanpassungen vornehmen.

Wann ist eine stationäre Therapie sinnvoll?

Ist der Schweregrad der psychischen Erkrankung sehr hoch oder liegt Suizidalität vor, ist eine Krankenhausbehandlung auf jeden Fall angezeigt.

Was können Betroffene selbst tun, damit die Therapie gelingt?

Mir ist es wichtig, dass die Patientinnen und Patienten ehrlich sind zu sich selbst und zu uns. Sie sollten bereit sein, in der therapeutischen Beziehung etwas zu riskieren, sie sollten sich öffnen. Das fällt vielen unserer Patientinnen und Patienten schwer. Und sie müssen bereit sein, eine Erstverschlechterung in Kauf zu nehmen, um eine langfristige Verbesserung zu erreichen. Manchmal fließen Tränen, wenn gewohnte Pfade verlassen werden müssen und dann kommt die Erleichterung „Es war ja gar nicht so schlimm!“. Betroffene sollten Dinge ausprobieren und wieder lernen, ganz normalen Stress auszuhalten.

Wie geht es nach dem stationären Aufenthalt weiter?

Wir empfehlen immer und unbedingt eine ambulante Weiterbehandlung, um das bei uns im Fachklinikum Erreichte zu stabilisieren. Das kann in einer unserer Psychiatrischen Institutsambulanzen erfolgen und natürlich bei den niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen. Damit das klappt, binden wir unseren Sozialdienst schon frühzeitig ein. Wir lassen niemanden allein.

Wie können Betroffene das Asklepios Fachklinikum Brandenburg erreichen?

Notfallpatienten können sich jederzeit in unserer Zentralen Aufnahme Psychiatrie vorstellen. Ob Vorstellung durch den Notarzt, durch die Rettungssanitäter oder auch bei Selbstvorstellung - alle Patienten werden hier in einem Computersystem registriert, erste Untersuchungen und Behandlungen gestartet und alles Weitere Notwendige veranlasst. Eine Aufnahme ist rund um die Uhr möglich. Versäumen Sie keine Zeit! Bitte rufen Sie uns im Notfall jederzeit an: (03381) 78-1234! Wir sind immer erreichbar.