Traumafolgestörungen
Traumafolgestörung
Eine sog. Traumafolgestörung ist zunächst nur ein beschreibender unspezifischer Überbegriff, der Folgen eines Traumas (lat.: „Wunde“) beschreiben. Was Trauma genau meint und welche Folgen damit verbunden sind bleibt dabei undefiniert. Der Begriff beschreibt jedoch alle psychophysischen Zustände, die in Folge eines traumatischen Ereignisses auftreten.
Von einem traumatischen Ereignis spricht man, wenn dieses Ereignis in der Lage ist, zu einer bedrohlichen Überforderungs- und Ohnmachtssituation mit massiver psychophysischer Reaktion zu führen. Dabei wird gerne zwischen Ereignissen unterschieden, die für alle Menschen traumatisch wären und solche, die nur für vulnerable Menschen gefährlich sind. Diese Unterscheidung ist nicht unproblematisch; die Annahme einer normalen und unnormalen Psyche ist wissenschaftlich nur bedingt zu trennen und ist mehr Wertung als Wissenschaft. Interessanter ist hingegen, das wir auf Traumata unter Menschen („man-made“) grundsätzlich empfindlicher reagieren als auf Naturkatastrophen. Vermutlich dürfte der ungestörtere Zusammenhalt nach Großunfällen und Naturkatastrophen für die Bewältigung der Verluste eine Rolle spielen; werden wir von Menschen traumatisiert, erschüttert dies scheinbar auch das Urvertrauen in alle Menschen und erschwert die Erholung.
Übliche Traumata sind neben Naturkatastrophen und Unfällen massive Gewalterfahrungen wie Krieg, Folter, Vergewaltigung, u.a. die mit einer existenziellen Bedrohung einhergegangen sind.
Aufgrund unseres individuellen Erlebens und der gesellschaftlichen Akzeptanz ist der Traumabegriff in den letzten Jahren sehr ausgeweitet worden und umfasst nun auch sehr komplexe, sich zum Teil aus zahlreichen Ereignissen zusammensetzende Traumatisierung (kumulative oder komplexe Traumatisierung).
Was ist eine Traumafolgestörung bei Erwachsenen?
Eine sog. „Traumafolgestörung“ beschreibt das Auftreten bedrohlicher Symptome in Folge eines traumatischen (verwundenden) Ereignisses. Im Gegensatz zum akuten Schock (Belastungsreaktion) umfasst die Traumafolgestörung die langfristigen Konsequenzen für die Betroffenen.
Dabei zeigen sich wie zu erwarten die Reaktionen auf ein traumatisches Ereignis sehr individuell. Ausmaß und Komplexität hängen nicht nur von der Grundpersönlichkeit der Betroffenen ab, sondern auch Maßgeblich vom Kontext und Rahmen der Traumatisierung. Ohne Frage haben Traumatisierungen durch Personen von denen eine große Abhängigkeit besteht oder zu denen auch eine starke Verbindung gefühlt wird, die nachhaltigsten und komplexesten Folgen. Andererseits führen Extremerfahrungen wie überlebte Verschüttungen, Kriege, u.ä. oft zu den heftigsten Symptomen.
Wie wir uns versuchen anzupassen („verarbeiten“) unterscheidet sich selbstverständlich ebenso. Während sich einige auf die potenzielle Wiederholung mit „Bewaffnung“ vorbereiten (Sicherheitsmaßnahmen), ziehen sich andere zurück und bringen sich in Sicherheit (und Einsamkeit). Anderen wiederrum ist die Vermeidung nicht möglich und sie erleben das Trauma in Flashbacks immer wieder und wieder.
Das Erleben ist bestimmt von einem anhaltenden Bedrohungsgefühl mit allen persönlichen Konsequenzen.
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Wie erkennt man eine Traumafolgestörung bei Erwachsenen?
Die Symptome einer Traumafolgestörung folgen meist der zugrundeliegenden Bedrohungserfahrung. Die Betroffenen leiden dabei vorwiegend unter einer anhaltenden Alarmbereitschaft mit allen Konsequenzen:
- Hyperarousal im Sinne einer Alarmbereitschaft mit dem Gefühl einer anhaltenden Bedrohung mit Anspannung, Schreckhaftigkeit, Herzklopfen, Gereiztheit, etc.
- Vermeidung von Gefühlen, Gedanken und Reize („Trigger“), die an das Ereignis erinnern
- Wiedererleben (Flashbacks, Intrusionen)
- Depressive Folgeerscheinungen bei Fortbestehen der Symptome (Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung, Erschöpfung, Rückzug, Schlafstörungen, etc.)
Finden sich schon die unspezifischen Anzeichen einer Überforderung:
- Erschöpfung
- Sozialer Rückzug
- Gereiztheit / Zynismus
- Belastungsvermeidung
- Schlafstörungen
- Libido- und Freudverlust
Sollten Sie den Verdacht haben, betroffen zu sein, empfehlen wir Ihnen ein persönliches Gespräch mit einem Arzt Ihres Vertrauens bzw. einem Psychosomatiker oder suchen Sie Beratung in einer unserer psychosomatischen Kliniken.
Wie entsteht eine Traumafolgestörung bei Erwachsenen?
Wie immer gibt es nicht nur eine Ursache, sondern es wirken mehrere Faktoren zusammen. In einem persönlichen Gespräch mit einem Facharzt oder Therapeuten können Sie den individuellen Hintergrund Ihrer depressiven Erkrankung klären.
Die Ursachen einer Traumafolgestörung ist zunächst einmal mindestens eine oder wiederholte traumatische Erfahrungen. In der Folge eines Ohnmachts- und Hilflosigkeitserlebens mit oder ohne erlebter Lebensbedrohung entstehen Resonanzphänomene, die sich zu einem eigenen Beschwerdebild entwickeln. Wie diese Resonanz, dieses Echo aussieht hängt von zahlreichen Faktoren und der Art der Traumatisierung ab. Je emotional näher die traumatisierende Person der betroffenen Person steht, desto komplexer werden meist die Folgestörungen (Stichwort: man-made), je isolierter der Betroffene dasteht, desto schwieriger. Gemeinsame Traumatisierungen (Naturkatastrophen) werden meist besser überstanden.
Wie nun eine jeder auf eine Traumatisierung reagiert hängt natürlich auch noch von der persönlichen Verfassung (sog, „prämorbide Persönlichkeit“) ab. Die wenigstens entwickeln nach einem Trauma eine PTBS mit Flashbacks und Intrusionen. Aber Folgen hinterlässt ein Trauma im Sinne einer intensiven emotionalen Erfahrung bei jedem Menschen.
- Psychosoziale Faktoren, wie Anteilnahme anderer, Tabuisierung des Traumas, Beschämung,
- Persönlichkeitsmerkmale, Vulnerabilität, Opfergefühle, Resilienz, Selbstwertstörung, u.a.
- Genetische Veranlagung die Struktur unseren Nervensystems hat wesentlichen Einfluss auf Reizoffenheit, Reizverarbeitung, etc.
- Neurobiologische Störungen Stoffwechselkrankheiten u.a. des Nervensystems, Hormonstörungen
Darüber hinaus können verschiedenste Konstellationen eine Traumafolgestörung auslösen. Dazu zählen vor allem instabilere Lebensphasen mit großen Veränderungen: Geburten, Verluste (Tod, Trennung, etc.), Verlassen gewohnter Umgebungen, Krankheiten und Lebensphasenwechsel (Auszug von Zuhause, Abschluss der Ausbildung, Familiengründung, Midlifereflektionen, Ausscheiden aus dem Arbeitsleben).
Eine Traumafolgestörung kann auch begleitend bei schweren körperlichen Erkrankungen oder dramatischen medizinischen Eingriffen auftreten.
Podcast - Was heißt hier gestört?
Wie wird eine Traumafolgestörung behandelt?
Die Psychosomatische Komplextherapie kombiniert Psychotherapie, Kreativtherapie, Sozialtherapie und Körpertherapie – inklusive Physiotherapie und Sport – und wird individuell durch medikamentöse Bausteine ergänzt. Ihr Behandlungsplan entsteht im Dialog mit Ihnen, flexibel im Einzel- oder Gruppensetting.
Psychotherpie
Haben Sie sich schon einmal gefragt: Warum reagiere ich in bestimmten Situationen immer gleich? Was steckt hinter meinen Gefühlen und Mustern? In der Psychotherapie gehen wir gemeinsam mit Ihnen auf Spurensuche – offen, ehrlich und in Ihrem Tempo.
Unsere Therapeuten setzen dabei auf verschiedene anerkannte Verfahren – je nachdem, was zu Ihnen passt: psychodynamische Ansätze, Verhaltenstherapie, Schematherapie, DBT, Gesprächstherapie nach Rogers, systemische Therapie oder traumatherapeutische Methoden wie EMDR.
In einem Raum, der Ihnen Sicherheit gibt – durch Schweigepflicht, klare Regeln und eine neutrale, verlässliche therapeutische Haltung – können Sie sich öffnen, ausprobieren und wachsen. Sie lernen, sich selbst anzunehmen und Ihre Stärken zu nutzen. Das Ziel? Nicht ein anderer Mensch zu sein – sondern immer besser Sie selbst.
Medikamente
Bei starker Anspannung können vorübergehend spannungslösende Medikamente helfen. Langfristig ist es jedoch wichtiger, Gefühle zu spüren und zu verarbeiten. Ob stimmungsaufhellende oder andere Medikamente sinnvoll sind, besprechen wir gemeinsam mit Ihnen – transparent und auf Augenhöhe.
Kreativtherapie
Vieles in uns wartet noch darauf, entdeckt zu werden. Ziel der Kreativtherapie ist es, die eigene Welt zu erweitern — über das Vertraute hinaus. Methoden wie Tanz- und Bewegungstherapie, Theatertherapie, Körpererlebnistherapien (Feldenkrais, Shiatsu u. a.), Kunsttherapie und Musiktherapie schaffen Raum, den eigenen Körper und die Welt spielerisch neu wahrzunehmen. Im achtsamen Erproben werden Ressourcen sichtbar und nutzbar gemacht. Die kreativen Möglichkeiten sind dabei vielfältig: Mäandern und Spazierengehen, therapeutisches Boxen, gemeinsames Spielen und mehr. Neue Wege zu gehen ist keine Option, sondern eine Notwendigkeit — damit leidvolle Wiederholungen durchbrochen werden können.
Ernährung
Was und wie wir essen verrät viel – über unseren Alltag, unsere Haltung und unseren Umgang miteinander. Trauen wir uns, Neues zu kosten? Gönnen wir uns Muße? Teilen wir miteinander? Respektieren wir uns gegenseitig? Gehen wir sorgsam mit Ressourcen um? Kommen wir gemeinsam zum Essen? Was tut mir wirklich gut?
Rund ums Thema Essen planen wir gemeinsam, probieren in der Lehrküche aus und entdecken im Miteinander, was Ernährung für uns bedeutet.
Naturheilverfahren
Getragen von einem ganzheitlichen Menschenbild, das biologische, psychische und soziale Aspekte gleichermaßen berücksichtigt, setzen wir begleitend Naturheilverfahren ein. Dazu gehören Phytotherapie (Heilpflanzen), Hydrotherapie (z.B. Bäder, Auflagen, Wickel), Bewegungstherapie, Ordnungstherapie (z.B. Psychoedukation, soziotherapeutische Gespräche, Entspannungsverfahren), Ernährungsberatung sowie Ohr-Akupunktur.
Häufige Fragen
Bei körperlichen Erkrankungen gibt es häufig messbare Veränderungen im Körper, die Ärztinnen und Ärzte objektiv feststellen können – etwa erhöhte Blutzuckerwerte bei Diabetes. Psychische Erkrankungen werden dagegen vor allem über das persönliche Erleben beschrieben: Gefühle, Gedanken, Ängste oder Veränderungen im Verhalten lassen sich nicht direkt wie Blutwerte messen.
Wie Menschen sich selbst, ihren Körper und ihre Umwelt erleben, ist sehr individuell und wird von vielen Faktoren beeinflusst. Entscheidend ist deshalb nicht nur, was jemand erlebt, sondern auch, wie belastend dieses Erleben ist. Eine psychische Störung liegt typischerweise dann vor, wenn das Erleben zu Leidensdruck, Einschränkungen im Alltag oder einem Verlust von Lebensqualität führt.
Ein Beispiel: Untergewicht kann objektiv gemessen werden. Ob zusätzlich eine Magersucht vorliegt, hängt jedoch auch von den Gedanken, Gefühlen und dem Verhalten im Umgang mit Essen und Gewicht ab. Erst wenn daraus erhebliche Belastungen oder Selbstschädigungen entstehen, spricht man von einer Erkrankung.
Der wichtigste Vergleichsmaßstab ist dabei oft die betroffene Person selbst: Was früher möglich war, gelingt möglicherweise nicht mehr.
Ob Unterstützung notwendig ist, kann letztlich nur die betroffene Person selbst entscheiden. Wenn Sie merken, dass Sie unter Ihrer Situation leiden, sich eingeschränkt fühlen oder im Alltag nicht mehr gut zurechtkommen, kann es sinnvoll sein, Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Welche Unterstützung am besten passt, zeigt sich häufig im Gespräch mit anderen Menschen, durch eigene Erfahrungen und gegebenenfalls auch durch professionelle Beratung. Die Entscheidung darüber, welchen Weg Sie gehen möchten, bleibt jedoch immer bei Ihnen.
Wichtig ist die Frage: Was möchte ich als Nächstes tun oder ausprobieren?
In der Psychosomatik entwickeln wir den Behandlungsplan gemeinsam mit unseren Patientinnen und Patienten. Niemand kennt die eigene Lebenssituation, die persönlichen Ziele und Bedürfnisse besser als die betroffene Person selbst.
In ambulanten Gesprächen, Vorgesprächen oder probatorischen Sitzungen suchen wir gemeinsam nach den nächsten sinnvollen Schritten. Dieser Prozess braucht manchmal etwas mehr Zeit, als wenn Entscheidungen ausschließlich von außen getroffen würden. Gleichzeitig entsteht dadurch eine Behandlung, die besser zu den individuellen Bedürfnissen passt und eher von den Betroffenen mitgetragen werden kann.
Psychosomatische Therapie versteht sich deshalb vor allem als Hilfe zur Selbsthilfe: Ziel ist es, eigene Möglichkeiten und Kräfte zu stärken.
Üblicherweise übernimmt die Krankenversicherung die Behandlung. In einigen Fällen muss vor Einleitung der Behandlung eine Kostenübernahme beantragt werden. Aber auch das wird in den vorbereitenden Gesprächen gemeinsam geplant und umgesetzt.
Wie lange eine psychosomatische Behandlung dauert, ist individuell verschieden und lässt sich zu Beginn meist nicht genau vorhersagen. Die notwendige Behandlungsdauer wird gemeinsam im Verlauf der Behandlung eingeschätzt und regelmäßig überprüft.
Häufig liegt die Behandlungsdauer zwischen vier und zwölf Wochen. Entscheidend ist dabei der persönliche Bedarf und nicht eine starre Zeitvorgabe.
Rechtliche Grundlage ist das Sozialgesetzbuch: Eine Behandlung kann so lange durchgeführt werden, wie sie medizinisch notwendig ist und keine weniger intensive Behandlungsform – zum Beispiel eine ambulante Behandlung – ausreichend wäre.
Ob eine medikamentöse Behandlung für Sie infrage kommt, entscheiden letztlich Sie selbst. Wir informieren Sie über mögliche Wirkungen, Grenzen und Risiken von Medikamenten und besprechen gemeinsam, ob diese Unterstützung zu Ihrer Situation passen könnte.
Nach den notwendigen Voruntersuchungen kann bei Bedarf eine medikamentöse Behandlung begonnen werden. Wichtig ist: Nach heutigem Wissen gibt es keine Medikamente, die psychische Störungen ursächlich beseitigen oder direkt heilen. Manche Medikamente können jedoch Beschwerden lindern und helfen, belastende Situationen besser zu bewältigen.
So kann ein Beruhigungsmittel beispielsweise eine Flugangst nicht auflösen, aber den Flug deutlich erträglicher machen.
Die psychosomatische Klinik behandelt vor allem Menschen mit akuten psychischen Krisen, die zeitnah Unterstützung benötigen. In der psychosomatischen Rehabilitation liegt der Schwerpunkt dagegen auf dem Erhalt oder der Wiederherstellung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit.
Die Wartezeiten können je nach Behandlungsbereich und aktueller Nachfrage unterschiedlich sein. Über die aktuelle Situation informieren wir Sie gerne individuell.
Akute Notfälle werden selbstverständlich umgehend versorgt.
Wie Erfolg aussieht, kann für verschiedene Menschen unterschiedlich sein. Grundsätzlich bestehen gute Chancen, passende Unterstützung zu finden und Verbesserungen zu erreichen.
Manche Menschen erleben eine einmalige Krise, andere wiederkehrende Belastungen oder einen längerfristigen Unterstützungsbedarf. Für all diese Situationen gibt es hilfreiche Behandlungs- und Unterstützungsmöglichkeiten.
Wichtig ist: Unabhängig vom bisherigen Verlauf gibt es immer Möglichkeiten, die eigene Situation zu verbessern und neue Perspektiven zu entwickeln.
Im Verlauf Ihrer Behandlung werden gemeinsam Faktoren herausgearbeitet, die Ihnen helfen, Sie stabilisieren und im Alltag unterstützen können. Gleichzeitig entstehen mehr Sicherheit, Orientierung und Vertrauen in die eigenen Erfahrungen.
Sollte es später erneut zu einer Krise kommen, haben Sie bereits wichtige Erfahrungen gesammelt. Sie wissen besser, was Ihnen hilft, welche Strategien hilfreich sein können und wo Sie Unterstützung finden.
Damit entsteht nicht nur Entlastung für die aktuelle Situation, sondern auch eine Grundlage für den Umgang mit möglichen zukünftigen Belastungen.