Depressives Erschöpfungssyndrom

Depressives Erschöpfungssyndrom bei Erwachsenen

Das Gefühl der Erschöpfung ist zunächst keine Erkrankung, sondern unser persönliches Erleben. Der Erschöpfung als ein Gefühl, kommt wie allen Gefühlen Signalcharakter zu: Erschöpfung erinnert daran ausreichend Ruhe und Erholung einzuhalten. Es ist ein allgemeines Signal des Körpers, dass für ein stabiles Gleichgewicht zwischen Anstrengung und Ruhe sorgt.

Bei einem Erschöpfungssyndrom führen Ruhe und Schonung allerdings nicht mehr zur Erholung. Die Erschöpfung wird zum dominierenden Erleben und legt sich wie bei der klassischen Depression über das Gesamterleben eines Menschen. Wir sprechen dann auch von einer „somatisierten Depression“ oder „depressivem Erschöpfungssyndrom“.

Eine professionelle Diagnose ist sehr wichtig, denn die Behandlung bietet gute Erfolgsaussichten. Wir informieren Sie über Symptome, Ursachen sowie die Therapiemöglichkeiten in den Asklepios Kliniken und beantworten Ihre häufigsten Fragen.

Was ist ein Depressives Erschöpfungssyndrom bei Erwachsenen?

Ein Depressives Erschöpfungssyndrom bei Erwachsenen ist eine ernstzunehmende Erkrankung. Die meisten Menschen kennen Phasen der Erschöpfung, vor allem in Zeiten umfassender und hoher oder langandauernder körperlicher oder geistiger Anforderungen.

Ein Erschöpfungssyndrom geht jedoch weit darüber hinaus: Die Erschöpfung ist nicht oder kaum durch Erholungsphasen zu beeinflussen, hält über Wochen und Monate an und schränkt die Betroffenen in ihrem Alltag stark ein. Zunehmend entwickeln sich zu Erschöpfung klassisch depressive Folgesymptome. Sie haben keine Freude mehr an den Dingen, die ihnen früher Freude bereitet haben, sie haben keinen Antrieb mehr und ziehen sich häufig zurück. Das belastet auch ihre zwischenmenschlichen Beziehungen. Ein Erschöpfungssyndrom wirkt sich daher auf alle Lebensbereiche aus und kann sogar mit Suizidgedanken (im Sinne einer Selbstermächtigung: Ich habe die Zukunft in der Hand, ich kann das beenden!) einhergehen. Es ist wichtig, die Anzeichen rechtzeitig zu erkennen und sich Hilfe zu holen, was durch den sozialen Rückzug erheblich erschwert wird.

Erschöpfung ist wie beschrieben keine Krankheit, sondern eine Empfindung, ein Signal, dass uns ein Ungleichgewicht und einen Erholungsbedarf meldet. Eine Krankheit wird es erst durch das Anhalten der Erschöpfung und die Wirkungslosigkeit von Erholung.

Als spezielle Form des Erschöpfungssyndroms wird das sog. Chronic Fatigue Syndrom (CFS) abgegrenzt, das auch als postvirales Müdigkeitssyndrom beschrieben wird.

Der alte Begriff der Neurasthenie, die auch eine „Nervenermüdung“ beschreibt, wird heute kaum noch genutzt, gehört aber auch zu den Erschöpfungssyndromen.

Wie erkennt man ein Depressives Erschöpfungssyndrom bei Erwachsenen?

Die Symptome einer Depression sind vielfältig. Die meisten Betroffenen leiden aber unter einigen der folgenden Symptome:

  • Langanhaltende Erschöpfung, die nicht oder nicht nachhaltig durch Erholungsphasen beeinflussbar ist
  • Schlafstörungen; trotz Erschöpfungsgefühlen Ein- und Durchschlafstörungen
  • Appetitstörungen und Libidoverlust
  • Gedrückte Stimmung und Traurigkeit, Niedergeschlagenheit
  • Interessenverlust
  • Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung
  • Grübeln
  • Antriebslosigkeit und Erschöpfung
  • Eindruck der Gefühllosigkeit
  • Innere Unruhe
  • Vermindertes Selbstbewusstsein
  • Suizidgedanken

Nicht jedes der hier aufgelisteten Symptome muss gleich bedeuten, dass Betroffene an einer Erschöpfungsdepression oder somatisierten Depression leiden. Kommen aber mehrere Symptome zusammen und halten diese über längere Zeit (mindestens zwei Wochen) an, sollte ein Erschöpfungssyndrom/ somatisierte Depression abgeklärt werden.

Sollten Sie den Verdacht haben, betroffen zu sein, empfehlen wir Ihnen ein persönliches Gespräch mit einem Arzt Ihres Vertrauens bzw. einem Psychotherapeuten oder suchen Sie Beratung in einer unserer Kliniken.

Wie entsteht eine Erschöpfungsdepression bei Erwachsenen?

Meistens gibt es nicht nur eine Ursache, sondern es wirken wie immer mehrere Faktoren zusammen. In einem persönlichen Gespräch mit einem Facharzt oder Therapeuten können Sie den individuellen Hintergrund Ihrer depressiven Erkrankung klären. Die Ursachen einer Depression sind vielfältig und sind immer Teil eines persönlichen Geworden-Seins. Für die Übersichtlichkeit werden gerne folgende Bereiche abgegrenzt: Psychosoziale Faktoren, wie Überforderung, Selbstausbeutung, Stress, Einsamkeit, eine schwierige Lebenssituation Persönlichkeitsmerkmale, die häufig in der Entwicklung durch äußere Einflüsse entstanden sind, wie Ängstlichkeit, geringes Selbstwertgefühl, hohe Ideale, Erwartungen oder Ansprüche Genetische Veranlagung die Struktur unseren Nervensystems hat wesentlichen Einfluss auf Reizoffenheit, Reizverarbeitung, etc.

Neurobiologische Störungen Stoffwechselkrankheiten u.a. des Nervensystems, Hormonstörungen

Darüber hinaus können verschiedenste Konstellationen eine Erschöpfungsdepression auslösen. Dazu zählen vor allem herausfordernde Lebensphasen mit großen Umstellungsanforderungen: Geburten, Verluste (Tod, Trennung, etc.), Verlassen gewohnter Umgebungen, Krankheiten und Lebensphasenwechsel (Auszug von Zuhause, Abschluss der Ausbildung, Familiengründung, Midlifereflektionen, Ausscheiden aus dem Arbeitsleben).

Eine Erschöpfungsdepression kann auch begleitend bei schweren oder chronischen körperlichen Erkrankungen auftreten.

Psychosoziale Faktoren

Zu den psychosozialen Faktoren (Umweltfaktoren) zählen Erfahrungen im persönlichen Umfeld des Betroffenen. Dies können traumatische Erlebnisse oder sozial schädliche Verhältnisse in der Kindheit sein. Auch besondere Persönlichkeitsfaktoren, wie ein mangelndes Selbstwertgefühl, Unsicherheit oder Perfektionismus können eine Erkrankung begünstigen. Eine Depression tritt häufig nach kritischen, negativen Ereignissen auf. Das kann der Verlust des Partners oder eines Angehörigen sein, eine Trennung oder eine schwere Erkrankung (z.B. Krebs).

Burnout

Auch ständige Überforderung, privater oder beruflicher Stress können bei Erwachsenen Erschöpfungsdepressionen auslösen. In diesem Zusammenhang ist häufig von „Burnout“ die Rede. Dabei beschreibt Burnout eine durch Überforderung, Überbelastung und fehlende Erholung ausgelöste Depression. Dies führt zu Ärger, Wut, negativen Gefühlen und einer spürbaren Minderung der Leistungsfähigkeit. Die Betroffenen fangen an, die Arbeit, die sie zuvor gern gemacht haben, abzulehnen oder zu hassen.

Wie wird ein depressives Erschöpfungssyndrom bei Erwachsenen behandelt?

Psychotherapie

Psychotherapie bedeutet: Sie stehen im Mittelpunkt. Gemeinsam mit Ihrem Therapeuten erkunden Sie, was Sie geprägt hat, wie Sie auf die Welt reagieren und was in Ihnen bestimmte Reaktionen auslöst. Dieses Verstehen ist der erste Schritt zur Veränderung.

Dafür stehen verschiedene, von den Kostenträgern anerkannte Verfahren zur Verfügung – von psychodynamischen Ansätzen wie Psychoanalyse und tiefenpsychologischer Therapie über verhaltenstherapeutische Methoden wie kognitive Verhaltenstherapie, Schematherapie oder DBT bis hin zur Gesprächstherapie nach Rogers und systemischer Therapie. Bei Bedarf werden spezialisierte Verfahren wie EMDR ergänzt.

All das geschieht in einem sicheren, vertraulichen Rahmen, in dem Sie sich öffnen, reflektieren und neue Wege ausprobieren können. Das Ziel ist nicht, ein anderer Mensch zu werden – sondern sich selbst besser zu kennen und dadurch mehr Handlungsmöglichkeiten zu entdecken. Besser Sie selbst zu sein: Das ist möglich.

Medikamente

In akuten Momenten stehen bei Bedarf spannungslösende Medikamente zur Verfügung. Auf dem Weg zur nachhaltigen Genesung hilft es jedoch, Gefühle und innere Zustände bewusst wahrzunehmen statt sie zu dämpfen. Welche Medikation – ob stimmungsaufhellend oder anderweitig – für Sie in Frage kommt, klären wir offen und partnerschaftlich mit Ihnen.

Kreativtherapie

Was wir nicht kennen, können wir nicht nutzen! Kreativtherapie öffnet Türen zu einer erweiterten inneren und äußeren Welt. Ob Tanz- und Bewegungstherapie, Theatertherapie, Körpererlebnisansätze wie Feldenkrais und Shiatsu, Kunst- oder Musiktherapie — all diese Formen laden dazu ein, sich selbst und den eigenen Körper auf spielerische Weise neu zu begegnen. Durch achtsames Erkunden werden Ressourcen entdeckt und aktiviert. Der kreative Raum ist dabei riesig: Spazierengehen und Mäandern, therapeutisches Boxen, gemeinsames Spielen und mehr. Neue Wege sind notwendig — denn wer immer denselben Pfad geht, wiederholt auch immer dasselbe Leid.

Ernährung

Unser Umgang mit uns selbst und der Welt um uns herum spiegelt sich in unserem Essverhalten wider. Trauen wir uns, etwas auszuprobieren? Gönnen wir uns Zeit? Teilen wir, was wir haben? Zeigen wir Respekt füreinander? Denken wir an die Umwelt? Kommen wir gemeinsam an einen Tisch? Was tut meinem Körper gut?

Wir setzen uns aktiv mit dem Essen auseinander, planen zusammen, kochen in der Lehrküche und wachsen im gemeinsamen Lernen rund ums Thema Ernährung.

Naturheilverfahren

Unser Verständnis vom Menschen ist bio-psycho-sozial und ganzheitlich – und genau das spiegelt sich auch in der unterstützenden Anwendung von Naturheilverfahren wider. Wir nutzen dabei: Phytotherapie (Heilpflanzen), Hydrotherapie (z.B. Bäder, Auflagen, Wickel), Bewegungstherapie, Ordnungstherapie (z.B. Psychoedukation, soziotherapeutische Gespräche, Entspannungsverfahren), Ernährungsberatung sowie Ohr-Akupunktur.

Häufige Fragen

Bei der Beurteilung körperlicher und psychischer Erkrankungen ist ein wichtiger Unterschied zu beachten: Körperliche Erkrankungen lassen sich meist durch objektive Untersuchungen nachweisen. Sie beruhen auf messbaren Veränderungen im Körper, zum Beispiel einem erhöhten Blutzuckerwert bei Diabetes.

Psychische Erkrankungen werden dagegen nicht anhand solcher objektiven Messwerte festgestellt. Sie beruhen auf Beschreibungen des persönlichen Erlebens, Fühlens und Denkens. Wie wir uns fühlen, wird von sehr vielen unterschiedlichen Faktoren beeinflusst. Dieses Erleben ist zunächst weder richtig noch falsch – jeder Mensch erlebt sich selbst und die Welt auf seine eigene Weise.

Entscheidend ist daher, wie jemand sein eigenes Erleben bewertet. Leidet die Person darunter? Wünscht sie sich Veränderung? Oder empfindet sie ihr Erleben als passend und hilfreich? Auch gesellschaftliche Erwartungen und Vorstellungen spielen eine Rolle dabei, was als psychische Störung bezeichnet wird.

Psychische Störungen können deshalb als Abweichungen von der eigenen gewohnten Lebensweise verstanden werden. Dinge, die früher möglich waren, gelingen vielleicht nicht mehr. Der wichtigste Vergleichsmaßstab ist dabei die betroffene Person selbst.

So kann man Untergewicht objektiv messen. Für die Diagnose einer Magersucht reicht dies jedoch nicht aus. Hier ist auch wichtig, wie die betroffene Person ihr Gewicht und ihren Körper erlebt. Erst wenn bestimmte Gedanken, Wünsche oder Verhaltensweisen zu Leid, Einschränkungen oder Selbstschädigung führen, spricht man von einer Erkrankung. Ohne diese subjektive Ebene liegt zunächst nur Untergewicht vor.

Wenn ein Mensch wichtige Fähigkeiten, Freiheiten oder Handlungsmöglichkeiten verliert und darunter leidet, kann von einer psychischen Störung gesprochen werden.

Ob Unterstützung notwendig ist, kann letztlich nur jede Person für sich selbst entscheiden. Wenn Sie unter Ihrer Situation leiden oder merken, dass Sie im Alltag nicht mehr gut zurechtkommen, kann es sinnvoll sein, Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Welche Unterstützung am besten zu Ihnen passt, zeigt sich oft im Austausch mit anderen Menschen, durch eigene Erfahrungen und gegebenenfalls auch durch Gespräche mit Fachleuten. Die Entscheidung darüber, welchen Weg Sie einschlagen möchten, bleibt jedoch immer bei Ihnen: Was möchten Sie als Nächstes tun oder ausprobieren?

In der Psychosomatik wird der Behandlungsplan gemeinsam mit den Patientinnen und Patienten entwickelt. Niemand kennt die eigene Lebenssituation, die persönlichen Ziele und Bedürfnisse besser als die betroffene Person selbst.

Deshalb nutzen wir ambulante Gespräche, Vorgespräche, diagnostische Gespräche oder probatorische Sitzungen, um gemeinsam herauszufinden, welche nächsten Schritte sinnvoll sein können. Dieser Prozess braucht manchmal etwas mehr Zeit, als wenn jemand von außen Entscheidungen trifft. Gleichzeitig schafft er die Grundlage dafür, dass Veränderungen wirklich getragen und umgesetzt werden können.

Psychosomatische Therapie versteht sich deshalb vor allem als Hilfe zur Selbsthilfe.

Üblicherweise übernimmt die Krankenversicherung die Behandlung. In einigen Fällen muss vor Einleitung der Behandlung eine Kostenübernahme beantragt werden. Aber auch das wird in den vorbereitenden Gesprächen gemeinsam geplant und umgesetzt.

Wie lange eine psychosomatische Behandlung dauert, lässt sich zu Beginn meist nicht genau vorhersagen. Die notwendige Behandlungsdauer wird gemeinsam im Verlauf der Behandlung eingeschätzt und regelmäßig überprüft.

In der Psychosomatik liegt die Behandlungsdauer häufig zwischen vier und zwölf Wochen. Entscheidend ist dabei der individuelle Bedarf.

Grundlage hierfür sind die gesetzlichen Regelungen: Eine Behandlung kann so lange erfolgen, wie sie medizinisch notwendig ist und keine andere, weniger aufwendige Behandlungsform – beispielsweise eine ambulante Behandlung – ausreichend wäre.

Ob eine medikamentöse Behandlung für Sie infrage kommt, entscheiden letztlich Sie selbst. Wir informieren Sie ausführlich über die möglichen Vorteile, Grenzen und Risiken von Medikamenten. Wenn Sie sich dafür entscheiden und die notwendigen Voruntersuchungen vorliegen, können wir eine entsprechende Behandlung gemeinsam planen.

Wichtig ist: Derzeit gibt es keine Medikamente, die die Ursachen psychischer Störungen beseitigen oder diese direkt heilen. Manche Medikamente können jedoch dabei helfen, Beschwerden zu lindern und schwierige Lebensphasen besser zu bewältigen. So kann ein Beruhigungsmittel beispielsweise eine Flugangst nicht auflösen, aber dabei helfen, einen Flug besser zu überstehen.

In der psychosomatischen Klinik behandeln wir Menschen, die sich in einer akuten psychischen oder psychosozialen Krise befinden. In der psychosomatischen Rehabilitation liegt der Schwerpunkt dagegen auf dem Erhalt oder der Wiederherstellung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit.

Die Wartezeiten können je nach Behandlungsbereich und aktueller Nachfrage unterschiedlich ausfallen. Daher informieren wir Sie gerne individuell über die aktuelle Situation. Akute Notfälle werden selbstverständlich umgehend versorgt.

Die Antwort hängt davon ab, woran Erfolg gemessen wird. Grundsätzlich sind die Aussichten jedoch gut, passende Unterstützung zu finden und Verbesserungen zu erreichen.

Dabei spielt es keine entscheidende Rolle, ob jemand eine einmalige Krise erlebt, wiederholt mit Krisen konfrontiert ist oder dauerhaft Unterstützung benötigt. Für alle diese Situationen gibt es hilfreiche Behandlungs- und Unterstützungsmöglichkeiten. Wichtig ist: Es gibt immer Entwicklungsmöglichkeiten und Perspektiven.

Im Verlauf Ihrer individuellen Behandlung werden gemeinsam Faktoren herausgearbeitet, die Ihnen helfen und Sie stabilisieren können. Gleichzeitig können mehr Sicherheit und Orientierung aufgebaut sowie eigene Erfahrungen genutzt werden.

Sollte es später erneut zu einer Krise kommen, verfügen Sie bereits über wichtige Erfahrungen und wissen, an wen Sie sich wenden können und wo Sie Unterstützung erhalten.