Belastungsreaktion und Anpassungsstörungen
Belastungsreaktion und Anpassungsstörungen
Eine Belastungsreaktion ist ein Ereignis, das umgangssprachlich meist als „Nervenzusammenbruch“ oder „Schock“ beschrieben wird. Es handelt sich um eine heftige psychophysische Reaktion auf ein belastendes Ereignis. Meist kommt es in Folge existenzieller Ereignisse (Unfall, Operationen, Vergewaltigung, Tod eines Kindes oder Partners, etc.) zu starken physischen Reaktionen wie Zittern, Schwitzen, Ohnmacht und emotionalem Ausbruch mit Weinen, Schreien, u.a..
Anpassungsstörungen, Ablöse- und Alterskrisen beschreiben hingegen alltäglichere Anforderungen, die nachhaltig zu emotionalen und körperlichen Reaktionen führen und die Bewältigung des Alltags erheblich einschränken oder unmöglich machen.
Der Schwerpunkt liegt dabei auf wesentlichen Herausforderungen und Umbruchphasen in denen häufig diese Störungen auftreten:
- Ablösekrisen (Adoleszenz)
- Alterskrisen (Altern)
Trauerreaktionen treten in Folge eines Verlusts (meist von geliebtem Menschen oder Tier, aber auch Heimat, Wohnung, etc.) auf.
Was ist eine Belastungsreaktion oder Anpassungsstörung?
Diese Diagnose beschreibt ein vielschichtiges Gefühl von emotionaler und körperlicher Belastung. Sie tritt als Reaktion auf ein bestimmtes, sei es einmaliges oder wiederkehrendes Ereignis auf. Das Besondere hierbei: Entscheidend für die Diagnose ist der konkrete Auslöser, nicht die Art und Weise, wie sich die Beschwerden äußern.
Kommt es in Folge eines hervorstechenden Auslösers wie z.B. Unfalls zu erheblichen, vorher nicht dagewesenen Beschwerden wie Zittern, Panik, Ängste, Unruhe, Verwirrung, später Schlafstörungen, uvm., sprechen wir von einer Belastungsreaktion. Diese tritt in der Regel akut auf und klingt meist nach einigen Stunden oder Tagen wieder ab.
Wenn die Beschwerden jedoch länger anhalten, orientiert sich die Diagnose wieder an den konkreten Symptomen (wie einer Depression oder Angststörung). Steht hingegen das auslösende Ereignis weiterhin im Mittelpunkt – weil es die Entstehung und den gesamten Verlauf maßgeblich bestimmt –, spricht man von einer sogenannten Traumafolgestörung.
- Akute Belastungsreaktion
- In der ICD-11 wird sie nicht mehr primär als psychische Störung, sondern eher als normale Reaktion auf ein extremes Ereignis betrachtet, sofern sie innerhalb weniger Tage abklingt. Sie wird oft als „psychischer Schock“ oder „Nervenzusammenbruch“ beschrieben.
- Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)
- Die Diagnose wurde auf drei Kernsymptom-Cluster vereinfacht: Wiedererleben, Vermeidung und anhaltendes Gefühl der Bedrohung.
- Komplexe PTBS
- Diese Diagnose ist erstmals offiziell enthalten. Sie umfasst zusätzlich zur PTBS-Symptomatik Störungen der Selbstorganisation, wie Probleme bei der Affektregulation, ein negatives Selbstbild und Schwierigkeiten in Beziehungen.
- Anpassungsstörungen
- Diese wurden klarer definiert, um eine leichtere Abgrenzung zu anderen Störungen zu ermöglichen.
- Anhaltende Trauerstörung
- Ebenfalls neu aufgenommen für Fälle, in denen die Trauer über einen ungewöhnlich langen Zeitraum (meist über 6 Monate) intensiv anhält und den Alltag massiv beeinträchtigt.
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Wie erkennt man eine Belastungsreaktion oder Anpassungsstörung beim Erwachsenen?
Die Symptome sind so vielfältig wie die Menschen, aber die Heftigkeit ist maximal. Es handelt sich um einen psychophysischen Ausnahmezustand:
- Verzweiflung, Weinen, Schreien, Um-sich-schlagen
- Unruhe, Zittern, Schwitzen
- Erstarrung
- Anklammerung
- Anhaltende, ausgeprägte Ängste
- Ohnmacht
Diese akute Phase endet meist in Erschöpfung, Ohnmacht oder auch in einer medikamentösen Beruhigung.
Im Anschluss kommt es bestenfalls zu einer Erholung und langsamen Genesung und Kräftigung. Der Verlauf ist absolut individuell.
Finden sich die unspezifischen Anzeichen einer Überforderung
- Anhaltende Erschöpfung
- Sozialer Rückzug
- Gereiztheit
- Belastungsvermeidung
- Schlafstörungen
- Libido- und Freudverlust
empfehlen wir Ihnen ein persönliches Gespräch mit einem Arzt oder einer Ärztin Ihres Vertrauens bzw. einem oder einer Psychosomatiker:in oder suchen Sie Beratung in einer unserer psychosomatischen Kliniken.
Wie wird eine Belastungsreaktion oder Anpassungsstörung beim Erwachsenen behandelt?
Die Psychosomatische Komplextherapie bringt verschiedene Bausteine zusammen: Psychotherapie, Kreativtherapie, Sozialtherapie und Körpertherapie mit Physiotherapie und Sport – bei Bedarf ergänzt durch Medikamente. Im Einzel- wie im Gruppensetting arbeiten wir gemeinsam mit Ihnen an einem Behandlungsplan, der wirklich zu Ihnen passt.
Psychotherapie
Psychotherapie schafft den Rahmen, in dem Sie sich selbst begegnen können. Gemeinsam mit Ihrem Therapeuten bringen Sie Erlebtes in Worte, ordnen Ihre Erfahrungen und verstehen, welche Muster Ihr Denken, Fühlen und Handeln prägen. Was bewegt Sie? Was belastet Sie? Und warum?
Unsere Therapeuten arbeiten mit verschiedenen, von den Kostenträgern anerkannten Verfahren: psychodynamische Therapie, Psychoanalyse, kognitive Verhaltenstherapie, Schematherapie, DBT, Gesprächstherapie nach Rogers, systemische Therapie sowie traumaspezifische Methoden wie EMDR.
In einem vertraulichen Setting – mit Schweigepflicht, klaren Regeln und therapeutischer Neutralität – können Sie sich öffnen, reflektieren und wachsen. Sie lernen, Ihre Gefühle und Reaktionen als Teil von sich anzunehmen und bewusst einzusetzen. Das Ziel: nicht ein anderer Mensch sein – sondern ein tieferes Verständnis für sich selbst entwickeln und die eigenen Potenziale entfalten.
Medikamente
Bei starker innerer Anspannung kann vorübergehend eine medikamentöse Unterstützung sinnvoll sein. Für den nachhaltigen Therapieerfolg empfehlen wir jedoch, Erleben und Empfinden langfristig nicht medikamentös zu dämpfen – denn das bewusste Wahrnehmen eigener Gefühle ist ein zentraler Bestandteil der Behandlung. Die Entscheidung über eine stimmungsaufhellende oder andere Medikation treffen wir transparent und gemeinsam mit Ihnen.
Kreativtherapie
Wir wissen nicht, was wir noch nicht kennen — aber genau da fängt's an! In der Kreativtherapie geht's darum, die eigene kleine Welt aufzumachen und zu erkunden, was dahintersteckt. Ob Tanz- und Bewegungstherapie, Theatertherapie, Sachen wie Feldenkrais oder Shiatsu, Kunsttherapie oder Musiktherapie — der Körper und die Welt werden spielerisch neu entdeckt. Beim achtsamen Ausprobieren tauchen auf einmal Ressourcen auf, die vorher einfach nicht sichtbar waren. Und die Wege dorthin? Supervielfältig: einfach drauflosschlendern, therapeutisches Boxen, zusammen spielen und noch so einiges mehr. Immer wieder neue Wege zu gehen ist wichtig — sonst dreht man sich nur im Kreis und wiederholt, was einem schadet.
Ernährung
Wie gehst du mit dir um – und mit der Welt, in der du lebst? Antworten auf diese Fragen finden sich auch am Esstisch. Probierst du gern aus? Nimmst du dir Zeit? Teilst du mit anderen? Zeigst du Respekt? Achtest du auf Ressourcen? Isst du gern in Gemeinschaft? Was bekommt dir gut?
Wir nehmen das Essen als Ausgangspunkt, schmieden Pläne, kochen und experimentieren in der Lehrküche – und lernen im Miteinander, was gute Ernährung ausmacht.
Naturheilverfahren
Der Mensch und seine Erkrankung werden bei uns bio-psycho-sozial und damit ganzheitlich betrachtet. Aus diesem Verständnis heraus ergänzen wir unsere Therapie durch Naturheilverfahren wie Phytotherapie (Heilpflanzen), Hydrotherapie (z.B. Bäder, Auflagen, Wickel), Bewegungstherapie, Ordnungstherapie (z.B. Psychoedukation, soziotherapeutische Gespräche, Entspannungsverfahren), Ernährungsberatung sowie Ohr-Akupunktur.
Häufige Fragen
Bei körperlichen Erkrankungen können Ärztinnen und Ärzte häufig Veränderungen feststellen und messen. Dazu gehören beispielsweise Laborwerte, körperliche Untersuchungsbefunde oder Veränderungen von Organen und Körperfunktionen. Ein erhöhter Blutzuckerwert bei Diabetes ist dafür ein typisches Beispiel.
Bei psychischen Erkrankungen ist das anders. Hier stehen vor allem die Erfahrungen, Gefühle, Gedanken und das persönliche Erleben eines Menschen im Mittelpunkt. Diese lassen sich nicht mit einem Messgerät erfassen. Niemand außer Ihnen selbst kann vollständig beurteilen, wie Sie sich fühlen oder wie Sie Ihre Situation erleben.
Deshalb ist bei psychischen Erkrankungen besonders wichtig, ob das eigene Erleben zu Belastungen, Einschränkungen oder Leid führt. Häufig zeigt sich eine psychische Störung dadurch, dass Dinge, die früher möglich waren, schwerer werden oder nicht mehr gelingen.
Ein Beispiel: Untergewicht kann man messen. Ob zusätzlich eine Magersucht vorliegt, hängt jedoch auch davon ab, welche Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen mit dem Essen und dem eigenen Körper verbunden sind. Erst wenn daraus erhebliche Belastungen oder Selbstschädigungen entstehen, spricht man von einer Erkrankung.
Ob Sie Unterstützung benötigen, können letztlich nur Sie selbst entscheiden.
Wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie unter Ihrer Situation leiden, sich Sorgen machen oder im Alltag nicht mehr so zurechtkommen, wie Sie es sich wünschen, kann es hilfreich sein, Unterstützung in Anspruch zu nehmen.
Welche Hilfe für Sie passend ist, lässt sich oft erst im Gespräch mit anderen Menschen, durch eigene Erfahrungen oder durch professionelle Beratung herausfinden. Niemand muss den richtigen Weg von Anfang an kennen.
Entscheidend ist, dass Sie selbst bestimmen, welche Schritte Sie gehen möchten und was sich für Sie stimmig anfühlt.
In der Psychosomatik verstehen wir Behandlung als Zusammenarbeit.
Niemand kann von außen genau wissen, was für Sie richtig ist. Deshalb entwickeln wir den Behandlungsplan nicht allein, sondern gemeinsam mit Ihnen. In Vorgesprächen, diagnostischen Gesprächen oder probatorischen Sitzungen schauen wir gemeinsam, was Sie belastet, welche Ziele Sie haben und welche nächsten Schritte sinnvoll sein könnten.
Dieser Prozess braucht manchmal etwas mehr Zeit als schnelle Lösungen oder feste Vorgaben. Gleichzeitig entsteht dadurch eine Behandlung, die besser zu Ihnen und Ihrer persönlichen Situation passt.
Das Ziel ist nicht, Entscheidungen für Sie zu treffen, sondern Sie dabei zu unterstützen, Ihre eigenen Möglichkeiten zu entdecken und zu nutzen. Psychosomatische Therapie ist deshalb immer auch Hilfe zur Selbsthilfe.
Üblicherweise übernimmt die Krankenversicherung die Behandlung. In einigen Fällen muss vor Einleitung der Behandlung eine Kostenübernahme beantragt werden. Aber auch das wird in den vorbereitenden Gesprächen gemeinsam geplant und umgesetzt.
Wie lange eine psychosomatische Behandlung dauert, lässt sich zu Beginn oft noch nicht sicher sagen.
Jeder Mensch bringt unterschiedliche Voraussetzungen, Ziele und Herausforderungen mit. Deshalb wird die notwendige Behandlungsdauer gemeinsam im Verlauf der Behandlung eingeschätzt und regelmäßig überprüft.
In vielen Fällen liegt die Dauer zwischen vier und zwölf Wochen. Entscheidend ist jedoch nicht die Anzahl der Wochen, sondern die Frage, welche Unterstützung medizinisch notwendig und sinnvoll ist.
Nach den gesetzlichen Regelungen besteht ein Anspruch auf Behandlung, solange diese notwendig ist und keine weniger intensive Behandlungsform – beispielsweise eine ambulante Behandlung – ausreichend wäre.
Ob Medikamente Teil Ihrer Behandlung sein sollen, entscheiden Sie selbst.
Unsere Aufgabe ist es, Sie über die Möglichkeiten, Grenzen und möglichen Nebenwirkungen einer medikamentösen Behandlung zu informieren. Wenn Medikamente für Sie infrage kommen und die notwendigen Voruntersuchungen erfolgt sind, können wir gemeinsam über die nächsten Schritte entscheiden.
Wichtig ist dabei eine realistische Erwartung: Medikamente können psychische Störungen nach heutigem Wissen nicht heilen oder deren Ursachen beseitigen. Sie können jedoch helfen, Beschwerden zu lindern und schwierige Phasen besser zu bewältigen.
Ein Beruhigungsmittel beseitigt beispielsweise keine Flugangst. Es kann aber dazu beitragen, dass ein Flug mit deutlich weniger Belastung erlebt wird.
Die psychosomatische Klinik und die psychosomatische Rehabilitation haben unterschiedliche Schwerpunkte.
In der Klinik werden vor allem Menschen behandelt, die sich in einer akuten psychischen Krise befinden und zeitnah Unterstützung benötigen. In der Rehabilitation steht dagegen häufig die Frage im Mittelpunkt, wie die Arbeits- und Leistungsfähigkeit erhalten, verbessert oder wiederhergestellt werden kann.
Die Wartezeiten können je nach Nachfrage unterschiedlich ausfallen. Über die aktuelle Situation informieren wir Sie gerne persönlich.
Notfälle werden selbstverständlich ohne Verzögerung behandelt.
Viele Menschen möchten wissen, wie ihre Chancen auf Besserung stehen. Eine genaue Vorhersage ist zwar nicht möglich, grundsätzlich gibt es jedoch gute Möglichkeiten, Unterstützung zu erhalten und positive Veränderungen zu erreichen.
Manche Menschen erleben nur eine einzelne Krise in ihrem Leben. Andere haben wiederkehrende schwierige Phasen. Wieder andere benötigen über längere Zeit Unterstützung. Jede dieser Situationen ist anders und jede bringt eigene Herausforderungen mit sich.
Wichtig ist: Keine dieser Situationen bedeutet Hoffnungslosigkeit. Für alle gibt es hilfreiche Wege, Unterstützung, Entlastung und neue Perspektiven zu finden.
Eine psychosomatische Behandlung soll nicht nur bei der aktuellen Krise helfen, sondern Ihnen auch etwas für die Zukunft mitgeben.
Im Verlauf der Behandlung lernen Sie besser kennen, was Ihnen hilft, was Sie stärkt und welche Strategien für Sie persönlich hilfreich sind. Gleichzeitig entsteht mehr Sicherheit im Umgang mit Belastungen und Krisen.
Sollte es später erneut schwierig werden, müssen Sie nicht wieder ganz von vorne beginnen. Sie können auf bereits gemachte Erfahrungen zurückgreifen, kennen hilfreiche Bewältigungsstrategien und wissen, an wen Sie sich wenden können.
So entsteht Schritt für Schritt mehr Sicherheit – nicht nur für die Gegenwart, sondern auch für zukünftige Herausforderungen.