Histrionische Persönlichkeitsstörung

Wenn das Streben nach Aufmerksamkeit zum tiefgehenden Problem wird

Histrionische Persönlichkeitsstörung

Von einer histrionischen Persönlichkeitsstörung (HPS) sprechen Mediziner:innen, wenn ein Mensch übermäßig emotional reagiert, ein dramatisches und egozentrisches Verhalten an den Tag legt und ständig nach Aufmerksamkeit verlangt. Die Bezeichnung für diese psychische Erkrankung leitet sich vom lateinischen Wort „histrio“ für „Schauspieler“ ab. Die HPS wirkt sich häufig negativ auf die Beziehungen, den beruflichen Alltag und das Wohlbefinden der Betroffenen aus. In den folgenden Abschnitten haben wir für Sie Informationen zusammengestellt, welche Symptome für eine HPS typisch sind, wie diese Persönlichkeitsstörung diagnostiziert wird und welche Therapien es gibt.

Welche Symptome treten bei einer histrionischen Persönlichkeitsstörung häufig auf?

Nicht jeder Mensch, der gerne im Mittelpunkt steht, dramatische Auftritte liebt oder auf Situationen überschwänglich reagiert, leidet an einer histrionischen Persönlichkeitsstörung. Um zu erkennen, wann solche Persönlichkeitsmerkmale krankhafte Züge haben, haben wir die häufigsten Symptome einer HPS hier aufgelistet:

Streben nach Aufmerksamkeit

Menschen mit histrionischer Persönlichkeitsstörung müssen ständig im Mittelpunkt stehen. Die Betonung liegt auf „müssen“, denn sie fühlen sich häufig unwohl, wenn sie es nicht tun. Um die Aufmerksamkeit anderer auf sich zu ziehen, verhalten sie sich besonders auffällig. Dieses Bedürfnis, bemerkt zu werden, ist ein zentrales Anzeichen der Störung.

Übertriebenes emotionales Verhalten

Ein weiteres typisches Symptom ist die starke Neigung, Emotionen übertrieben und dramatisch auszudrücken. Histrioniker:innen zeigen Gefühle wie Freude, Wut oder Angst oft derart theatralisch, dass sie für Außenstehende oberflächlich oder aufgesetzt wirken.

Nutzung des äußeren Erscheinungsbilds

Ihr äußeres Erscheinungsbild spielt für Betroffene einer HPS eine große Rolle. Sie investieren viel Zeit in ihr Aussehen und nutzen es gezielt, um Beachtung zu finden. Dabei kleiden sie sich oftmals so, dass es auf ihre Umgebung aufreizend oder provokant wirkt.

Oberflächliche und wechselhafte Gefühle

Die Gefühle von Menschen mit einer histrionischen Persönlichkeitsstörung wechseln oft abrupt und wirken wenig tiefgehend. Diese sogenannte Affektlabilität kann dazu führen, dass die Betroffenen in den Augen anderer sprunghaft wirken oder wenig authentisch erscheinen.

Schwierigkeit, stabile Beziehungen zu führen

Aufgrund ihres starken Fokus auf sich selbst und ihrer emotionalen Sprunghaftigkeit fällt es Menschen mit HPS schwer, tiefe und langfristige Beziehungen aufzubauen. Umgekehrt nehmen sie Beziehungen oft als enger wahr, als sie tatsächlich sind. Das betrifft nicht nur Beziehungen romantischer Art oder Freundschaften, sondern zum Beispiel auch die Bekanntschaft zu Ärzt:innen oder Verkäufer:innen.

Impressionistischer Sprachstil

Wie in ihrem gesamten Auftreten neigen Histrioniker:innen auch beim Sprechen zu Dramatik und Theatralik: Es geht ihnen dabei nicht darum, klar zu kommunizieren, sondern darum, ihr „Publikum“ zu beeindrucken. Sie verwenden einen sogenannten impressionistischen Sprachstil, der auf Emotionen abzielt und weder differenziert ist noch Details benutzt.

Beeinflussbarkeit durch andere

Menschen mit histrionischer Persönlichkeitsstörung wirken meist sehr selbstbewusst, sind aber leicht von anderen Personen oder äußeren Umständen zu beeinflussen. Diese sogenannte Suggestibilität kann dazu führen, dass sie häufig ihre Meinungen oder Verhaltensweisen ändern, um in ihrem Umfeld besser anzukommen oder akzeptiert zu werden.

Wie wird eine histrionische Persönlichkeitsstörung diagnostiziert?

Häufig wissen Betroffene nicht, dass sie an einer HPS leiden. Sie suchen aus anderen Gründen Hilfe, etwa wegen Ängsten oder Depressionen. Hat die behandelnde Fachkraft dann den Verdacht, diese Probleme könnten von einer histrionischen Persönlichkeitsstörung begleitet oder verursacht sein, wird sie eine umfassende Untersuchung in die Wege leiten.

Die Diagnose einer histrionischen Persönlichkeitsstörung erfolgt immer durch eine gründliche ärztliche oder psychotherapeutische Bewertung. Fachkräfte orientieren sich dabei an standardisierten Kriterien, wie sie im Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM-5: diagnostischer und statistischer Leitfaden psychischer Störungen) oder in der Internationalen Klassifikation von Krankheiten (ICD-10) festgelegt sind. Diese Leitlinien helfen den Expert:innen dabei, die Symptome präzise einzuordnen und von anderen psychischen Erkrankungen abzugrenzen.

Der erste Schritt zur Diagnose ist ein ausführliches Gespräch mit einer psychotherapeutischen Fachkraft. Dabei erkundet die Therapeutin oder der Therapeut, ob der oder die Betroffene ein tiefgreifendes Muster einer übermäßigen Emotionalität und einem starken Bedürfnis nach Aufmerksamkeit zeigen. Um eine histrionische Persönlichkeitsstörung festzustellen, müssen mindestens fünf der folgenden Kriterien erfüllt sein:

  • Unwohlsein, wenn man nicht im Mittelpunkt steht.
  • Übertrieben dramatische oder theatralische Gefühlsausdrücke.
  • Nutzung des äußeren Erscheinungsbilds, um Aufmerksamkeit zu erlangen.
  • Ein wechselhafter, oft oberflächlicher Gefühlsausdruck.
  • Suggestibilität, also eine starke Beeinflussbarkeit durch andere.
  • Ein beeindruckender, aber wenig präziser Sprachstil.
  • Übertrieben enge Wahrnehmung von Beziehungen.

Die Symptome müssen bereits seit der frühen Jugend bestehen und in verschiedenen Lebensbereichen auftreten. Wichtig ist zudem, dass sie das Leben der Betroffenen oder ihres Umfelds erheblich beeinträchtigen.

Ergänzend können Therapeut:innen auch standardisierte Testverfahren einsetzen, wie strukturierte Interviews oder Fragebögen. Diese helfen, die Persönlichkeitseigenschaften der Patient:innen genauer zu erfassen. Auch Gespräche mit nahestehenden Personen können wertvolle Hinweise liefern.

In unseren medizinischen Einrichtungen setzen die psychotherapeutischen Fachkräfte auf eine umfassende diagnostische Abklärung, um Betroffenen gezielt helfen zu können. Sollten Sie den Verdacht haben, an einer histrionischen Persönlichkeitsstörung zu leiden, können Sie sich vertrauensvoll an eine unserer Einrichtungen wenden.

Welche Therapieformen helfen bei einer histrionischen Persönlichkeitsstörung?

Die Behandlung der histrionischen Persönlichkeitsstörung erfordert eine individuell angepasste Herangehensweise, da die Symptome und Bedürfnisse der Betroffenen variieren können. Die Therapie zielt darauf ab, die emotionale Stabilität zu fördern, das Selbstwertgefühl zu stärken und zwischenmenschliche Beziehungen zu verbessern.

Psychodynamische Psychotherapie

Die psychodynamische Psychotherapie ist ein zentraler Ansatz bei der Behandlung einer histrionischen Persönlichkeitsstörung. Diese Therapieform hat sich aus der Psychoanalyse entwickelt und geht – verkürzt ausgedrückt – davon aus, dass psychische Erkrankungen wie die HPS durch unbewusste Konflikte verursacht werden. Deshalb konzentrieren sich die Therapeut:innen darauf, die zugrundeliegenden Konflikte und Muster im Verhalten der Betroffenen zu erkennen und zu bearbeiten. Dabei unterstützt die psychotherapeutische Fachkraft die Patient:innen, ihre emotionalen Reaktionen besser zu verstehen und weniger dramatisch auszudrücken. Ziel ist es, den Betroffenen zu helfen, konstruktivere Wege zu finden, um Aufmerksamkeit zu erlangen und mit anderen Menschen umzugehen. Durch regelmäßige Sitzungen wird eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Therapeut:in und Patient:in aufgebaut, die eine wichtige Basis für den Therapieerfolg bildet.

Kognitive Verhaltenstherapie

Die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) ist eine weitere häufig eingesetzte Methode. Hier liegt der Fokus auf der Veränderung ungünstiger Denkmuster und Verhaltensweisen. Betroffene lernen, ihre emotionalen Ausbrüche und das Bedürfnis nach übermäßiger Aufmerksamkeit zu hinterfragen und durch positivere Verhaltensweisen zu ersetzen. In der KVT werden auch gezielte Übungen durchgeführt, um das Selbstvertrauen zu stärken und zwischenmenschliche Konflikte besser zu bewältigen. Diese Form der Therapie ist besonders praktisch orientiert und unterstützt die Patient:innen dabei, die erlernten Fähigkeiten direkt im Alltag anzuwenden.

Gruppentherapie

Die Teilnahme an einer Gruppentherapie bietet Betroffenen die Möglichkeit, von anderen Menschen mit ähnlichen Erfahrungen zu lernen. In der Gruppe erhalten Patient:innen Rückmeldungen zu ihrem Verhalten, was ihnen hilft, ihre Wirkung auf andere besser einzuschätzen. Gleichzeitig können sie in einem geschützten Rahmen neue Wege ausprobieren, wie sie mit anderen Menschen sprechen und interagieren können. Gruppentherapien fördern zudem das Gefühl von Verbundenheit und können so das Bedürfnis nach übermäßiger Aufmerksamkeit reduzieren. Die Pflegefachkräfte und psychotherapeutischen Fachkräfte bei Asklepios begleiten diese Sitzungen, um sicherzustellen, dass jederzeit ein respektvoller und unterstützender Austausch stattfindet.

Übungen zur emotionalen Stabilisierung

Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Therapie sind Übungen zur Wahrnehmung und Regulierung von Emotionen. Diese Übungen helfen den Betroffenen, ihre echten Gefühle von dramatisierten Emotionen zu unterscheiden. Ziel ist es, die emotionale Sprunghaftigkeit zu reduzieren und ein stabileres emotionales Gleichgewicht zu erreichen. Dabei erlernen Patient:innen auch Techniken, um mit Frustration besser umzugehen und eine stärkere Selbstkontrolle zu entwickeln.

Welche Erkrankungen treten häufig begleitend bei einer histrionischen Persönlichkeitsstörung auf?

Menschen mit einer histrionischen Persönlichkeitsstörung (HPS) leiden oft nicht nur unter den direkten Symptomen der Erkrankung, sondern auch unter weiteren psychischen oder körperlichen Beschwerden. Diese können sowohl als Ursache als auch als Folge der Persönlichkeitsstörung auftreten und sind oftmals sogar der Grund, warum sich Betroffene überhaupt in Behandlung begeben. Im Folgenden finden Sie Informationen zu den Erkrankungen, die häufig mit einer HPS zusammenhängen:

Depressionen

Depressionen sind bei Betroffenen der histrionischen Persönlichkeitsstörung keine Seltenheit. Die innere Unsicherheit und das ständige Bedürfnis nach Bestätigung können dazu führen, dass sich Gefühle von Niedergeschlagenheit und Hoffnungslosigkeit entwickeln. Besonders dann, wenn die Aufmerksamkeit anderer ausbleibt, empfinden viele Histrioniker:innen eine tiefe innere Leere, die in depressiven Episoden münden kann.

Angststörungen

Angststörungen, wie beispielsweise generalisierte Angststörungen oder Panikattacken, treten häufig bei Menschen mit HPS auf. Die intensive Beschäftigung mit der eigenen Unsicherheit und der Wunsch, von anderen akzeptiert zu werden, können Ängste verstärken. Betroffene fürchten oft, nicht genug Aufmerksamkeit zu erhalten oder von ihrem sozialen Umfeld abgelehnt zu werden.

Abhängigkeitserkrankungen

Menschen mit HPS haben ein starkes Bedürfnis nach Anerkennung und streben dazu ständig nach Abwechslung. Beides kann dazu führen, dass Betroffene vermehrt zu Substanzen wie Alkohol oder anderen Drogen greifen. Diese werden häufig genutzt, um eine innere Leere zu füllen oder die eigenen Unsicherheiten zu überspielen.

Somatische Belastungsstörung

Betroffene können durch die starke Fokussierung auf sich selbst auch körperliche Beschwerden entwickeln, die keine organische Ursache haben. Diese sogenannten somatischen Symptome (vom altgriechischen Begriff „soma“ für „Leib“) sind umgekehrt dazu geeignet, von anderen Menschen Aufmerksamkeit zu bekommen, so dass sie unbewusst das Bedürfnis der Betroffenen nach Zuwendung erfüllen können.

Wir kann die psychische Gesundheit gestärkt werden?

Die genauen Ursachen der histrionischen Persönlichkeitsstörung sind nicht vollständig bekannt. Eine wesentliche Rolle spielen aber wohl genetische Veranlagungen, frühkindliche Erfahrungen und das soziale Umfeld. Die Prävention der histrionischen Persönlichkeitsstörung setzt deshalb früh an und umfasst Maßnahmen, die die emotionale Stabilität fördern, gesunde soziale Beziehungen unterstützen und ein positives Selbstwertgefühl aufbauen.

Ein stabiles familiäres Umfeld fördern

Ein unterstützendes und stabiles familiäres Umfeld ist essenziell, damit Kinder eine gesunde Persönlichkeit entwickeln können. Eltern sollten Kindern eine sichere Bindung ermöglichen. Reagieren Sie deshalb auf die emotionalen Bedürfnisse Ihres Kindes mit Verständnis und Aufmerksamkeit, ohne dabei übermäßig auf dramatische Verhaltensweisen einzugehen. So zeigen Sie Ihrem Kind, dass es auch ohne auffällige Aktionen wahrgenommen und geliebt wird. Regelmäßige gemeinsame Aktivitäten wie gemeinsames Kochen, Spielen oder Gespräche am Abend können die Bindung stärken und emotionale Sicherheit fördern.

Ein gesundes Selbstwertgefühl aufbauen

Kinder und Erwachsene profitieren gleichermaßen von einem positiven Selbstwertgefühl. Ein gesundes Selbstwertgefühl entsteht, wenn Menschen für ihre Bemühungen und Erfolge realistisch anerkannt werden. Vermeiden Sie es, ein Kind für gewöhnliche und selbstverständliche Leistungen übermäßig zu loben, da dies ein ungesundes Bedürfnis nach ständiger Bestätigung fördern kann. Stattdessen sollten Sie konstruktive Rückmeldungen geben und das Kind dazu ermutigen, Herausforderungen eigenständig zu bewältigen. Erwachsene wiederum können durch tägliche Selbstbetrachtung ihr Selbstbewusstsein stärken, etwa indem sie ein Dankbarkeitstagebuch führen.

Emotionale Kompetenz fördern

Emotionale Kompetenz, also die Fähigkeit, Gefühle wahrzunehmen, zu verstehen und angemessen auszudrücken, ist ein wichtiger Faktor, um das Risiko für eine HPS zu verringern. Unterstützen Sie Ihr Kind dabei, seine Emotionen klar zu benennen und seine Gefühle nicht zu dramatisieren. Erwachsenen kann es helfen, regelmäßig Achtsamkeitsübungen zu praktizieren. Diese fördern die Fähigkeit, Emotionen bewusst wahrzunehmen und zu regulieren. Praktische Übungen wie Atemtechniken oder geführte Meditationen unterstützen dabei, emotionalen Ausbrüchen entgegenzuwirken.

Den Konsum von Alkohol vermeiden

Alkohol kann das Risiko von emotionaler Instabilität und Abhängigkeitserkrankungen erhöhen, die häufig mit einer histrionischen Persönlichkeitsstörung einhergehen. Vermeiden Sie Alkohol vollständig, um Ihre emotionale Ausgeglichenheit zu bewahren und potenzielle Belastungen für Ihre psychische Gesundheit zu minimieren.

Gesunde soziale Beziehungen pflegen

Ein starkes soziales Netzwerk trägt dazu bei, emotionale Bedürfnisse auf gesunde Weise zu stillen. Pflegen Sie Beziehungen, die auf gegenseitigem Respekt und Unterstützung basieren. Vermeiden Sie es, in Beziehungen ausschließlich nach Bestätigung oder Aufmerksamkeit zu suchen. Regelmäßige Treffen mit Freund:innen oder Gespräche mit Vertrauten können dazu beitragen, soziale Kompetenzen zu stärken und das Gefühl von Zugehörigkeit zu fördern.

Traumata frühzeitig bearbeiten

Traumatische Erlebnisse, insbesondere in der Kindheit, können die Entwicklung einer histrionischen Persönlichkeitsstörung begünstigen. Suchen Sie – möglichst frühzeitig – professionelle Hilfe, um solche Erfahrungen zu verarbeiten. Eine psychotherapeutische Begleitung kann helfen, die Auswirkungen von Traumata zu minimieren und einen gesunden Umgang mit Emotionen und Beziehungen zu entwickeln.

Wie beeinflusst die histrionische Persönlichkeitsstörung das Gehirn?

Das Gehirn ist unsere Steuerzentrale für Emotionen, Verhaltensweisen und soziale Interaktionen. Es ist also maßgeblich daran beteiligt, wie wir Gefühle erleben, ausdrücken und regulieren. Bei Menschen mit histrionischer Persönlichkeitsstörung, so zeigen es Studien, gibt es Hinweise auf mögliche Abweichungen in bestimmten Gehirnregionen, die für die emotionale Verarbeitung und Impulskontrolle zuständig sind.

Das limbische System, eine funktionelle Einheit verschiedener Hirnstrukturen, spielt eine wesentliche Rolle bei der Entstehung von Gefühlen, der Gedächtnisbildung, der Steuerung von Trieben und dem Verhalten. Gibt es hier Fehlfunktionen, besonders in dem als Amygdala bezeichneten Teil, kann dies dazu führen, dass Emotionen intensiver erlebt und weniger kontrolliert werden können. Denn in der Amygdala werden Gefühle wie Angst und Freude verarbeitet und soziale Situationen bewertet. Eine überaktive Amygdala könnte erklären, warum HPS-Patient:innen häufig übertrieben emotional reagieren oder dramatische Verhaltensweisen zeigen.

Der präfrontale Kortex, der vorderste Teil des Gehirns im Stirnlappen, ist für rationale Entscheidungen und die Impulskontrolle verantwortlich. Bei Menschen mit HPS scheint diese Kontrolle nur eingeschränkt zu funktionieren. Dies könnte dazu beitragen, dass Betroffene ihre starken Emotionen schwerer bändigen können und impulsiv auf soziale Reize reagieren.

Obwohl noch mehr Forschung nötig ist, um diese Zusammenhänge vollständig zu verstehen, bieten solche Erkenntnisse Ansätze für gezielte Therapien. Eine psychotherapeutische Behandlung kann darauf abzielen, die Gehirnfunktionen durch gezielte Übungen und Strategien zu unterstützen, um emotionale Ausbrüche zu reduzieren und das soziale Verhalten zu stabilisieren.