Antisoziale Persönlichkeitsstörung

Wenn fehlendes Mitgefühl zu verantwortungslosem Verhalten führt

Antisoziale Persönlichkeitsstörung

Menschen mit einer antisozialen oder dissozialen Persönlichkeitsstörung fehlt das Mitgefühl für andere. Dadurch missachten sie soziale Normen und die Rechte ihrer Mitmenschen. Sie handeln oft impulsiv und verantwortungslos und zeigen hinterher wenig bis keine Reue

Der folgende Text nimmt die typischen Verhaltensweisen bei einer antisozialen Persönlichkeitsstörung genauer in den Blick. Sie erfahren, welche klinischen Merkmale für die Diagnosestellung erforderlich sind und welche Behandlungsansätze in den Einrichtungen von Asklepios zur Verfügung stehen.

Wenn Sie selbst an einer dissozialen Persönlichkeitsstörung leiden oder eine Ihnen nahestehende Person betroffen ist, erhalten Sie in unseren Einrichtungen gezielte Unterstützung. Gemeinsam mit Ihnen finden unsere Fachkräfte für Psychiatrie geeignete Lösungswege.
 

Welche Symptome sind typisch für eine antisoziale Persönlichkeitsstörung?

Kennzeichnend für die antisoziale Persönlichkeitsstörung (ASP) ist ein tiefgreifendes Muster der Missachtung und Verletzung der Rechte anderer. Das auffällige Verhalten lässt sich oft bereits in der Kindheit oder Jugend beobachten und setzt sich bis ins Erwachsenenalter fort. Die wichtigsten Merkmale dieser Störung sind:

Gesetzesverstöße und Missachtung sozialer Normen

Menschen mit einer antisozialen Persönlichkeitsstörung brechen wiederholt gesellschaftliche Regeln und Gesetze. Das äußert sich häufig in strafrechtlich relevantem Verhalten wie Diebstahl, Vandalismus oder körperlicher Gewalt. Strafen oder andere Konsequenzen halten sie in der Regel nicht von Gesetzeswidrigkeiten ab. Ihre Taten bereuen sie nur bedingt.

Täuschung und Manipulation

Um ihre Ziele zu erreichen, belügen, betrügen oder manipulieren die Betroffenen andere. Einige nutzen Decknamen oder falsche Identitäten, um ihre Mitmenschen auszunutzen. Dabei setzen sie ihren ganzen Charme ein und zeigen eine bemerkenswerte Geschicklichkeit in der Täuschung. Schuldgefühle sind ihnen fremd.

Impulsivität und fehlende vorausschauende Planung

Impulsives Verhalten ist ein zentraler Aspekt der ASP. Die Betroffenen denken selten nach, bevor sie handeln, und ignorieren langfristige Konsequenzen. Beispielsweise beenden sie Beziehungen oft plötzlich oder wechseln häufig ihre Arbeitsplätze. Riskantes Verhalten wie rasantes Autofahren oder der Konsum illegaler Drogen gehören ebenfalls dazu.

Reizbarkeit und Aggressivität

Menschen mit ASP haben eine geringe Frustrationstoleranz und werden schnell aggressiv. Werden sie provoziert, reagieren sie oft gewalttätig. Zu den beobachteten Verhaltensweisen zählen körperliche Angriffe, Schlägereien oder der Missbrauch ihrer Partner:innen.

Mangelnde Empathie und Gefühlskälte

Die Betroffenen können sich nicht in andere Menschen einfühlen. Sie sind gleichgültig gegenüber den Gefühlen, Gedanken und Perspektiven anderer. Durch diese emotionale Kälte erscheint ihr Verhalten herzlos. Sie sind auffallend gleichgültig gegenüber den Auswirkungen ihrer Handlungen.

Verantwortungslosigkeit

Ihr unverantwortliches Verhalten führt bei Menschen mit ASP oft zu Konflikten und Schwierigkeiten im Alltag. Einige wechseln Arbeitsstellen ohne eine neue Perspektive, andere zahlen ihre Rechnungen nicht und vernachlässigen beispielsweise Unterhaltszahlungen. 

Mangelnde Reue

Wie bereits erwähnt, ist das Fehlen von Schuldgefühlen ebenfalls charakteristisch. Die Betroffenen rationalisieren ihre Handlungen oder geben anderen die Schuld für ihre Vergehen. Dadurch wird eine kritische Auseinandersetzung mit dem eigenen Verhalten verhindert, was mögliche Veränderungsprozesse erschwert.

Die genannten Auffälligkeiten sind die häufigsten und wichtigsten Anzeichen für eine antisoziale Persönlichkeitsstörung und sollten in jedem Fall ernstgenommen werden. Mit einer professionellen Diagnostik klären unsere Expert:innen, ob tatsächlich eine psychische Erkrankung zugrunde liegt. Die richtige Therapie kann den Betroffenen und ihren Angehörigen viel Leid ersparen. Deshalb raten unsere Expert:innen, zeitnah professionelle Unterstützung zu suchen.

Wie wird eine antisoziale Persönlichkeitsstörung diagnostiziert?

Die Diagnose der antisozialen oder dissozialen Persönlichkeitsstörung (ASP) erfolgt durch spezialisierte Fachkräfte wie Psychiater:innen oder Psycholog:innen. Dafür ziehen sie spezifische Kriterien aus den internationalen Klassifikationssystemen wie dem Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM-5-TR) oder der Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD-11) heran.

Wichtige Diagnosekriterien und Voraussetzungen

Eine ASP liegt dann vor, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind: 

Die betroffene Person ist 18 Jahre alt oder älter und zeigt die typischen Symptome mindestens seit dem 15. Lebensjahr. 

Nach DSM-5-TR müssen mindestens drei der folgenden Merkmale vorliegen:

  1. Missachtung von Gesetzen und Normen: wiederholte Gesetzesverstöße, die strafrechtlich relevant sind.
  2. Täuschung: häufiges Lügen, Betrug oder der Gebrauch von Decknamen.
  3. Impulsivität: unüberlegtes Handeln ohne langfristige Planung.
  4. Aggressivität: leicht reizbares und gewalttätiges Verhalten.
  5. Rücksichtslosigkeit: Gefährdung der eigenen Sicherheit und der Sicherheit anderer.
  6. Verantwortungslosigkeit: Vernachlässigung beruflicher und finanzieller Verpflichtungen.
  7. Fehlende Reue: Gleichgültigkeit gegenüber den Auswirkungen des eigenen Verhaltens. 

Zudem darf das auffällige Verhalten nicht durch andere psychische Erkrankungen wie Schizophrenie (Realitätsverlust, der zu Halluzinationen, gestörtem Denken und ungewöhnlichem Verhalten führt) oder manische Episoden (affektive Störung, bei der die Betroffenen ein übertriebenes Hochgefühl erleben) erklärbar sein.

Diagnostische Verfahren

Die Diagnose erfolgt typischerweise auf der Grundlage von Gesprächen mit der betroffenen Person, oft unter Einbeziehung von Angehörigen. Um die Kriterien des DSM-5-TR zu überprüfen, verwenden unsere Ärzt:innen spezifische Fragebögen wie das Strukturierte Klinische Interview (SKID). Gegebenenfalls setzen sie bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomografie (MRT, Bildgebungsverfahren, bei dem ein Magnetfeld genutzt wird) ein, um andere Ursachen auszuschließen.

Eine frühzeitige Diagnose ebnet den Weg für eine geeignete Therapie. Und damit zu einer höheren Lebensqualität für die Betroffenen und ihre Angehörigen.
 

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei einer antisozialen Persönlichkeitsstörung?

Die Therapie einer antisozialen Persönlichkeitsstörung stimmen unsere Expert:innen individuell auf die Bedürfnisse ihrer Patient:innen ab. Ziel ist es, Verhaltensweisen zu vermeiden, die zu Konflikten mit anderen führen oder in gesetzeswidrige Handlungen münden können. Unsere Fachkräfte setzen dabei auf verschiedene Behandlungsansätze, die wir Ihnen in diesem Abschnitt ausführlich vorstellen möchten.


Psychotherapie: der Schlüssel zur Verhaltensänderung

Eine psychotherapeutische Behandlung zählt zu den wichtigsten Maßnahmen bei einer antisozialen Persönlichkeitsstörung. Als besonders erfolgsversprechend hat sich dabei die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) erwiesen. Sie ermöglicht es den Patient:innen, ihre destruktiven Denkmuster und Verhaltensweisen zu erkennen und zu verändern. In der KVT lernen die Betroffenen, impulsives Verhalten zu kontrollieren und auf die Bedürfnisse anderer Menschen einzugehen. In strukturierten Sitzungen vermitteln unsere Therapeut:innen Strategien für den Umgang mit Frustrationen und zeigen, wie sich Konflikte gewaltfrei lösen lassen. Indem die Patient:innen lernen, die Auswirkungen ihres Handelns auf andere besser zu verstehen, entwickeln sie ihre Empathiefähigkeit

Mentalisierungsbasierte Therapie: Verbesserung der sozialen Kompetenzen

Ein weiterer Ansatz, der bei Asklepios angeboten wird, ist die Mentalisierungsbasierte Therapie (MBT). Sie soll die Betroffenen befähigen, sowohl ihre eigenen Gedanken, Wünsche und Gefühle als auch die Perspektiven anderer besser zu verstehen. In der Therapie lernen die Patient:innen, zwischenmenschliche Konflikte zu reflektieren und ihre Impulse zu kontrollieren. Unsere Fachkräfte führen die MBT in Einzel- oder Gruppensitzungen durch. Sie bieten den Teilnehmenden einen geschützten Raum, in dem sie ihre sozialen Fertigkeiten stärken können. Darüber hinaus werden die Patient:innen dabei unterstützt, ihre neu gewonnenen Fähigkeiten im Alltag anzuwenden. 

Kontingenzmanagement: Verhalten gezielt beeinflussen

Das Kontingenzmanagement fördert Verhaltensänderungen durch positive Verstärkung. Mit dieser Methode möchten unsere Expert:innen die Motivation ihrer Patient:innen zu einem verantwortungsvollen Verhalten steigern. Wenn die Betroffenen Regeln einhalten oder aggressives Verhalten vermeiden, werden sie belohnt. Unsere Pflegefachkräfte arbeiten eng mit den Therapeut:innen zusammen, um die individuellen Fortschritte der Patient:innen zu überwachen und gezielt zu unterstützen.

Soziotherapie: Integration in den Alltag

Bei Asklepios ist auch die Soziotherapie ein wichtiger Bestandteil der Behandlung asozialer Persönlichkeitsstörungen. Diese Methode möchte die sozialen und beruflichen Fähigkeiten der Betroffenen verbessern. In praktischen Übungen und alltagsnahen Situationen lernen die Patient:innen, wie sie besser mit anderen kommunizieren und Konflikte lösen können. Unsere Fachkräfte zeigen ihnen, wie sie die erlernten Fähigkeiten in den Alltag integrieren. Besonderes Augenmerk wird auf die Entwicklung von Verantwortungsbewusstsein und Selbstkontrolle gelegt. 

Das gemeinsame Ziel unserer engagierten Teams ist es, Patient:innen mit einer antisozialen Persönlichkeitsstörung bestmöglich zu unterstützen. Sie passen jede Maßnahme individuell an, um langfristige Fortschritte zu ermöglichen.
 

Welche Erkrankungen können eine antisoziale Persönlichkeitsstörung begleiten?

Eine antisoziale Persönlichkeitsstörung (ASP) wird manchmal von weiteren psychischen Erkrankungen begleitet. Sie können sowohl Ursache als auch Folge der ASP sein. Dies sind die häufigsten Begleitstörungen:

Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)

Bei vielen Menschen mit ASP wurde bereits in der Kindheit eine ADHS diagnostiziert. Typische Merkmale einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung sind Konzentrationsschwierigkeiten, Impulsivität und eine geringe Frustrationstoleranz. Diese Verhaltensweisen und Schwierigkeiten bei der Selbstregulation können das Risiko für die Entwicklung einer antisozialen Persönlichkeitsstörung erhöhen.

Substanzgebrauchsstörungen

Für viele Menschen mit ASP ist der Missbrauch von Alkohol, Nikotin oder illegalen Drogen ein Bewältigungsmechanismus für innere Spannungen oder soziale Konflikte. Gleichzeitig verstärkt der Substanzgebrauch impulsives und aggressives Verhalten, was die Symptome der ASP verschlimmern kann.

Depressionen

Als Folge der sozial isolierenden und konfliktreichen Lebensweise entwickeln einige ASP-Patient:innen depressive Störungen. Die Betroffenen fühlen sich leer und perspektivlos, was in einigen Fällen zu Suizidgedanken oder -versuchen führen kann. Depressionen können andererseits aber auch die Bereitschaft fördern, therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Angststörungen

Eine generalisierte Angststörung oder Panikstörungen sind ebenfalls häufige Begleiter der ASP. Ihr gemeinsamer Ursprung liegt oft in traumatischen Erlebnissen während der Kindheit. Ängste führen meist zu einem verstärkten Bedürfnis nach Kontrolle und Macht, was wiederum typische Verhaltensweisen der ASP verstärken kann.

Treten neben der antisozialen Persönlichkeitsstörung noch weitere psychische Erkrankungen auf, ist eine gleichzeitige Behandlung erforderlich. Unsere Spezialist:innen haben einen ganzheitlichen Blick auf ihre Patient:innen und setzen alles daran, die Lebensqualität der Betroffenen mit gezielten Therapien zu verbessern.
 

Was passiert bei einer antisozialen Persönlichkeitsstörung im Gehirn?

Studien zeigen, dass die meisten Menschen mit einer antisozialen Persönlichkeitsstörung (ASP) strukturelle und funktionale Abweichungen in zwei Bereichen des Gehirns aufweisen.

Der präfrontale Kortex ist maßgeblich für die Steuerung des Verhaltens zuständig und beeinflusst die Handlungsplanung, Emotionsregulierung, Impulskontrolle sowie die Bewertung von Konsequenzen. Bei vielen ASP-Betroffenen ist dieser Bereich weniger aktiv. Das kann zu unüberlegtem Verhalten und einer fehlenden Berücksichtigung langfristiger Folgen führen. Die Amygdala, die wesentlich an der Verarbeitung von Emotionen wie Angst und an der Empathiefähigkeit beteiligt ist, ist bei einer antisozialen Entwicklungsstörung oft kleiner. Das könnte erklären, warum die Betroffenen wenig Mitgefühl für andere empfinden und eine geringe Fähigkeit zur emotionalen Bindung haben.

Auch ein niedriger Serotoninspiegel wird mit impulsivem und aggressivem Verhalten in Verbindung gebracht. Dabei handelt es sich um einen wichtigen Neurotransmitter im Gehirn, also um einen chemischen Botenstoff, der Informationen zwischen Nervenzellen überträgt. 

Zusammen mit genetischen Faktoren und umweltbedingten Einflüssen könnten die genannten neurobiologischen Merkmale erklären, warum Menschen mit ASP ein tiefgreifendes Muster der Missachtung sozialer Normen und Rechte anderer zeigen.

Die Forschung zur Rolle dieser Hirnregionen bei der ASP bietet wertvolle Ansätze für mögliche therapeutische Interventionen, beispielsweise durch gezielte Förderung der Emotionsregulation und Impulskontrolle. Unsere Expert:innen beziehen fortlaufend neue wissenschaftliche Erkenntnisse in Diagnose und Therapie ein – für die bestmögliche Unterstützung ihrer Patient:innen.