Lungenfunktionstests zur Beurteilung der Atemwege

Zur Beurteilung der Atemwege

Lungenfunktionstests

Unsere Lunge macht täglich rund 20.000 Atemzüge und versorgt dabei den gesamten Körper mit Sauerstoff. Doch was, wenn dieses lebenswichtige System aus dem Takt gerät? Anhaltender Husten, pfeifende Atemgeräusche oder Atemnot können erste Anzeichen für eine eingeschränkte Atemfunktion sein. Hier kommen Lungenfunktionstests zum Einsatz. Mit diesen diagnostischen Verfahren können Ärzt:innen die Leistungsfähigkeit der Lunge überprüfen, mögliche Lungenerkrankungen frühzeitig erkennen oder deren Verlauf überwachen. 

In den folgenden Abschnitten möchten wir Ihnen die verschiedenen Lungenfunktionsuntersuchungen näher vorstellen. Sie erfahren, wie die Tests ablaufen, welche Werte gemessen werden und was die Ergebnisse bedeuten. Wann immer Sie im Rahmen der Untersuchung weiterführende Fragen haben, zögern Sie nicht, diese zu stellen. Unsere Fachkräfte werden sie Ihnen gerne beantworten.
 

Was sind Lungenfunktionstests?

Lungenfunktionstests geben Aufschluss darüber, wie gut Ihre Lunge arbeitet und wie leistungsfähig Ihre Atemwege sind. Bei Symptomen wie wiederkehrendem Husten, Auswurf, Atemnot und ungewöhnlichen Atemgeräuschen helfen sie, die richtige Diagnose zu finden. Standardmäßig setzen Ärzt:innen die Untersuchungen bei Atemwegserkrankungen wie Asthma (chronische Entzündung der Atemwege) und COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung) ein. 

Bei Asthmatiker:innen reagieren die Atemwege überempfindlich auf verschiedene Reize, wodurch sich die Bronchien verengen. Das verursacht Husten, Atemnot oder pfeifende Atemgeräusche. Eine COPD wird vor allem durch Rauchen oder langjährige Schadstoffbelastung ausgelöst. Bei dieser Erkrankung sind die Atemwege dauerhaft verengt, was das Ausatmen erschwert. Lungenfunktionstests geben frühzeitig Hinweise auf Asthma, COPD und andere Lungenerkrankungen. So können unsere Ärzt:innen rechtzeitig eine individuell angepasste Therapie einleiten.

Lungenfunktionstests sind außerdem ein unverzichtbares Werkzeug, um den Verlauf einer Atemwegserkrankung zu überwachen. Die Messungen zeigen, wie wirksam die Behandlung ist und ob Anpassungen erforderlich sind. Damit tragen sie wesentlich dazu bei, Folgeschäden zu vermeiden und die Lebensqualität der Patient:innen zu erhalten oder zu verbessern.
 

Welche Lungenfunktionstests gibt es?

Lungenfunktionstest ist ein Sammelbegriff für verschiedene Untersuchungen, die jeweils spezifische Aspekte der Lungen- und Atemwegsfunktion analysieren. Im Folgenden lernen Sie die gängigsten Verfahren kennen.

Wie funktioniert eine Spirometrie?

Die Spirometrie, auch als „kleiner Lungenfunktionstest“ bekannt, ist die am häufigsten eingesetzte Methode zur Messung der Lungenfunktion. Mit ihr können unsere Ärzt:innen obstruktive (verengte Atemwege) und restriktive Lungenerkrankungen (verringerte Elastizität der Lunge) erkennen.

Ablauf: Bei dieser Untersuchung atmen Sie durch ein Mundstück aus. Um die gesamte Atemluft durch das Mundstück zu leiten, wird ihre Nase mit einer Klammer verschlossen. Nach einigen normalen Atemzügen fordert Sie die behandelnde Fachkraft auf, tief einzuatmen und dann so kräftig oder so lange wie möglich auszuatmen. Damit die Ergebnisse verlässlich sind, müssen Sie den Vorgang mehrmals wiederholen.

Ziel: Das Mundstück ist mit einem Messgerät verbunden, dem Spirometer. Er misst die Luftmenge, die Sie ein- und ausatmen, sowie die Geschwindigkeit des Luftstroms. Die Werte geben Hinweise darauf, ob Ihre Atemwege frei oder verengt sind.

Was zeigt die Ganzkörper-Plethysmografie?

Die Ganzkörper-Plethysmografie wird auch als „großer Lungenfunktionstest“ bezeichnet. Sie liefert genauere Werte und erfasst das gesamte Bild der Lungenfunktion.

Ablauf: Sie sitzen in einer luftdichten Glaskabine, die etwa die Größe einer Dusche hat, und atmen über ein Mundstück in ein Gerät. Dabei werden der Druck und der Atemstrom in der Kammer gemessen.

Ziel: Die Ganzkörper-Plethysmografie zeichnet zusätzliche Parameter wie das Restvolumen in der Lunge und den Atemwegswiderstand auf. Diese Werte sind besonders wichtig, um Erkrankungen wie ein Lungenemphysem (chronische Erkrankung, bei der die Lungenbläschen zerstört werden), Asthma oder andere obstruktive und restriktive Lungenerkrankungen zu diagnostizieren. Die Untersuchung ist aufwendiger und dauert ein paar Minuten länger als die Spirometrie. Da jedoch ruhige Atemzüge ausreichen, eignet sie sich auch für Personen, die sich nicht so gut an Atemanweisungen halten können, zum Beispiel kleine Kinder. 

Wie wendet man die Peak-Flow-Messung an?

Mit der Peak-Flow-Messung können Menschen mit chronischen Lungenerkrankungen ihre Atemleistung selbstständig überwachen.

Ablauf: Bei diesem Test holen Sie tief Luft und atmen anschließend so kräftig wie möglich in ein kleines handliches Gerät aus, das sogenannte Peak-Flow-Meter. Der Test kann bequem zu Hause durchgeführt werden.

Ziel: Die Peak-Flow-Messung zeigt, wie stark Ihre Ausatmung ist. Sie dient vor allem der Verlaufskontrolle von Lungenerkrankungen wie Asthma und COPD. Wenn Sie Ihren Peak-Flow-Wert täglich notieren, werden Schwankungen der Atemfunktion frühzeitig sichtbar.

Kann ein Atemtest auf Entzündungen hinweisen?

Die FeNO-Messung ist ein schneller Atemtest, der bei Verdacht auf entzündliche Atemwegserkrankungen wie Asthma eingesetzt wird.

Ablauf: Sie atmen gleichmäßig durch ein Mundstück in ein Gerät, das die Konzentration von Stickstoffmonoxid (NO) in der Ausatemluft misst.

Ziel: Ein erhöhter NO-Wert deutet auf eine Entzündung der Atemwege hin. Unsere Ärzt:innen verwenden diesen Test, um das Vorliegen von Asthma zu bestätigen oder den Verlauf und die Wirksamkeit einer Behandlung zu überwachen.

Wie wird die Belastbarkeit der Lunge getestet?

Die Spiroergometrie misst, wie Ihre Lunge unter körperlicher Belastung arbeitet. Bei Atemnot liefert sie wichtige Hinweise auf die Ursache.

Ablauf: Sie trainieren auf einem Fahrrad-Ergometer und tragen dabei eine Atemmaske. Während die Belastung schrittweise erhöht wird, überwachen die Fachkräfte   Atemfrequenz, Blutdruck und Herzfrequenz.

Ziel: Die Spiroergometrie überprüft, wie gut Ihr Körper während der Anstrengung mit Sauerstoff versorgt wird. Sie zeigt beispielsweise, ob Husten oder Atemnot erst unter Belastung auftreten oder sich dabei verschlimmern.

Was ist ein Provokationstest?

Bei Verdacht auf Asthma führen unsere Fachkräfte mitunter einen bronchialen Provokationstest durch. Er dient dazu, die Empfindlichkeit der Atemwege zu überprüfen.

Ablauf: Sie atmen ein spezielles Medikament ein, das die Bronchien vorübergehend reizt. Anschließend messen die Ärzt:innen Ihre Lungenfunktion, meist per Spirometrie.

Ziel: Der Test zeigt, ob Ihre Atemwege zu Überreaktionen neigen. Er ist besonders aufschlussreich, wenn die Symptome nur zeitweise auftreten.

Wie wird die Kraft der Atemmuskulatur gemessen?

Wie stark Ihre Atemmuskulatur ist, zeigt die Atempumpmessung. Diese Untersuchung ist  vor allem bei bestimmten neurologischen oder muskulären Erkrankungen sinnvoll.

Ablauf: Sie atmen durch ein spezielles Mundstück. Dabei misst ein Gerät, welchen Druck Sie mit Ihren Atemmuskeln aufbauen.

Ziel: Die Ergebnisse geben Aufschluss darüber, wie effektiv Ihre Atemmuskulatur arbeitet. Eine schwache Atemmuskulatur kann auf eine Erkrankung hindeuten.

Lungenfunktionstests bieten eine breite Palette an diagnostischen Möglichkeiten. Sie helfen, die Atemwege und Lungenfunktion präzise zu beurteilen und eine individuell passende Therapie zu entwickeln.
 

Was erwartet mich bei einem Lungenfunktionstest?

Vorbereitung: So gehen Sie entspannt in den Test

Um optimale Testergebnisse zu gewährleisten, sollten Sie vor dem Termin ein paar einfache Verhaltensweisen befolgen: 

  • Ernährung: Ein voller Magen kann das Atemvolumen beeinträchtigen. Kurz vor dem Test sollten Sie daher keine große Mahlzeit zu sich nehmen. Meiden Sie auch koffeinhaltige Getränke wie Kaffee, Cola oder Energydrinks. Koffein kann eine leicht bronchienerweiternde Wirkung haben und die Testergebnisse daher ebenfalls verfälschen.   
  • Rauchstopp: Zigaretten sind ab vier Stunden vor der Untersuchung tabu. 
  • Medikamenteneinnahme: Wenn Sie regelmäßig Medikamente gegen Atemwegserkrankungen wie Asthma oder COPD einnehmen, sprechen Sie vorher mit Ihrer behandelnden Ärztin oder Ihrem behandelnden Arzt. Gegebenenfalls müssen Sie die Einnahme aussetzen oder verschieben. 
  • Kleidung: Enge Kleidung kann die Atmung einschränken. Wählen Sie daher lockere und bequeme Kleidung, damit Sie während des Tests frei atmen können. 

Ablauf: Was passiert während des Tests?

Lungenfunktionstests dauern in der Regel nur wenige Minuten und sind schmerzfrei. Unsere qualifizierten Fachkräften begleiten Sie während der gesamten Untersuchung. 

  • Aufklärung: Zu Beginn schildert Ihnen die untersuchende Person das Verfahren Schritt für Schritt. Bei Unklarheiten fragen Sie bitte nach. Unseren Fachkräften ist wichtig, dass Sie sich gut aufgeklärt fühlen und entspannen können.
  • Hilfsmittel: Die meisten Untersuchungen finden im Sitzen statt. Um sicherzustellen, dass die gesamte Atemluft durch das Mundstück des Messgeräts geleitet wird, bekommen Sie eine weiche Nasenklammer. 
  • Atemanweisungen: Das medizinische Personal wird Sie bitten, verschiedene Atemmanöver auszuführen, zum Beispiel tief ein- und anschließend kräftig auszuatmen. Befolgen Sie die Anweisungen so gut es geht, damit die Ergebnisse präzise sind. 
  • Dauer: Je nach Art des Lungenfunktionstests dauert die Untersuchung wenige Minuten bis hin zu einer halben Stunde. Eine Ganzkörper-Plethysmografie beispielsweise ist etwas aufwendiger. Sie erfordert jedoch keine anstrengenden Atemmanöver und ist daher auch gut für Kinder oder Menschen mit eingeschränkter Atemkapazität geeignet. 
  • Risiken: Lungenfunktionstests sind sicher und haben keine bekannten Nebenwirkungen. Sind intensive Atemmanöver nötig, kann vorübergehend ein leichter Husten oder Schwindel auftreten. Sollten Sie sich unwohl fühlen, informieren Sie bitte umgehend eine Mitarbeiterin oder einen Mitarbeiter. 

Mit diesen Informationen möchten wir Ihnen dabei helfen, sich gut auf Ihren Lungenfunktionstest vorzubereiten. Unsere Fachkräfte tun ihr Bestmögliches, um für eine entspannte Untersuchungssituation zu sorgen.
 

Welche Werte werden bei einem Lungenfunktionstest ermittelt?

Lungenfunktionstests messen verschiedene Parameter, die entscheidend für die Diagnose und Behandlung von Atemwegserkrankungen sind. Hier erklären wir, was die Werte bedeuten und wie sie zur Beurteilung Ihrer Lungengesundheit beitragen.

Was sagt die Vitalkapazität (VC) über die Lungenfunktion aus?

Die Vitalkapazität (VC) gibt an, wie viel Luft Sie nach einem tiefen Einatmen maximal ausatmen können. Sie wird in Litern gemessen und bei fast allen Lungenfunktionstests ermittelt. 

  • Normalwert: Bei Erwachsenen liegt die Vitalkapazität in der Regel zwischen drei und fünf Litern. Der genaue Wert hängt von Faktoren wie Alter, Geschlecht und Körpergröße ab. 
  • Erhöhte Werte: Sie können auf eine übermäßige Dehnbarkeit der Lunge hinweisen, beispielsweise aufgrund eines Lungenemphysems.
  • Niedrigere Werte: Diese deuten häufig auf restriktive Lungenerkrankungen wie eine Lungenfibrose hin. Dabei verhärtet und vernarbt das Lungengewebe und die Lunge kann weniger Luft aufnehmen.

Warum ist die Einsekundenkapazität (FEV1) so wichtig?

Die Einsekundenkapazität (FEV1) gibt die Luftmenge an, die Sie nach maximalem Einatmen in der ersten Sekunde ausatmen können. Dieser Wert ist besonders aufschlussreich. Er gibt an, wie durchgängig Ihre Atemwege sind.  

  • Normalwert: Der FEV1-Wert wird in Litern gemessen und individuell berechnet. Werte ab 80 Prozent des berechneten Sollwertes gelten als normal. 
  • Niedrigere Werte: Werte unter dem Normalbereich deuten auf verengte Atemwege hin, was für Asthma oder COPD charakteristisch ist. 
  • Einsatz in der Verlaufskontrolle: Mit regelmäßigen Messungen des FEV1 können Ärzt:innen den Verlauf einer Erkrankung überwachen und beurteilen, wie gut die Behandlung anschlägt.  

Was verrät die relative Einsekundenkapazität (FEV1/FVC)?

Die relative Einsekundenkapazität gibt an, wie viel Prozent der gesamten ausgeatmeten Luft innerhalb der ersten Sekunde ausgestoßen werden können. Der Wert trägt wesentlich dazu bei, zwischen verschiedenen Lungenerkrankungen differenzieren zu können. 

  • Normalwert: Bei gesunden Erwachsenen liegt dieser Wert zwischen 70 und 80 Prozent. 
  • Niedrige Werte: Enge Atemwege behindern das schnelle Ausatmen. Daher können verminderte Werte auf obstruktive Lungenerkrankungen wie COPD oder Asthma hinweisen. 
  •  Achtung: Bei restriktiven Lungenerkrankungen bleibt die relative Einsekundenkapazität hingegen oft im normalen Bereich, da FEV1 und FVC gleichermaßen reduziert sind.

Was bedeutet der Spitzenfluss (PEF)?

Der Peak Expiratory Flow (PEF, Spitzenfluss) misst die Strömungsgeschwindigkeit, die Sie bei maximal angestrengter Ausatmung erreichen. Dieser Wert wird in Litern pro Sekunde angegeben. 

  • Normalwert: Gesunde Erwachsene erreichen einen PEF von 350 bis 600 Litern pro Minute, abhängig von Alter, Geschlecht und Körpergröße. 
  • Niedrige Werte: Sind die Atemwege wie bei Asthma oder COPD verengt, führt das zu niedrigeren PEF-Werten. 
  • Anwendung: Im Rahmen der Selbstkontrolle ist der PEF ein nützlicher Parameter, um Veränderungen der Atemwege zu überwachen und die Wirkung von Medikamenten zu bewerten.

Was zeigt das Residualvolumen (RV) an?

Das Residualvolumen (RV) beschreibt die Luftmenge, die auch nach maximalem Ausatmen in den Lungen verbleibt. Es wird in Litern gemessen. 

  • Normalwert: Bei Erwachsenen beträgt das Residualvolumen in der Regel zwischen 1 und 1,5 Litern.  
  • Erhöhte Werte: Verengte Atemwege erschweren den vollständigen Luftaustausch. Daher sind erhöhte RV-Werte ein Anzeichen für obstruktiven Erkrankungen wie COPD oder Asthma
  • Niedrigere Werte: Sie können bei restriktiven Lungenerkrankungen vorkommen, beispielsweise bei der Lungenfibrose, bei der die Lunge weniger Luft speichern kann.

Die Ergebnisse dieser Messungen sind eine wesentliche Grundlage für die präzise Diagnose einer Lungenerkrankung. Unsere Fachkräfte analysieren die Werte sorgfältig, um eine optimale Behandlung sicherzustellen. Präzise Untersuchungsergebnisse sind die Basis für eine individuell abgestimmte Therapie.