Endoskopische Lungenvolumenreduktion
gewebeschonende Behandlung bei Lungenüberblähung
Endoskopische Lungenvolumenreduktion (ELVR)
Die endoskopische Lungenvolumenreduktion (auch: bronchoskopische Lungenvolumenreduktion) ist ein modernes Verfahren, das bei Patient:innen mit schwerem Lungenemphysem eingesetzt werden kann. Das Lungenemphysem wird in der Allgemeinsprache oft als Lungenüberblähung bezeichnet und ist eine chronische Erkrankung des Lungengewebes.
Die endoskopische Lungenvolumenreduktion (ELVR) wurde speziell entwickelt, um die oft mit der Krankheit einhergehende Atemnot zu lindern und eine dauerhaft eingeschränkte Leistungsfähigkeit zu verbessern. Das Verfahren ist minimal-invasiv: Dies bedeutet, dass anders als bei einer offenen Operation keine oder keine größeren Gewebeschnitte notwendig werden. Dadurch können die behandelnden Ärzt:innen die Lungenfunktion und Lebensqualität der Betroffenen auf eine gewebeschonende Weise verbessern.
In den folgenden Abschnitten erfahren Sie mehr über das Prinzip der endoskopischen Lungenvolumenreduktion und darüber, welche Patient:innen von der Therapie profitieren können. Ein ebenfalls wichtiger Punkt auf dieser Seite ist, welche Vorteile die endoskopische Lungenvolumenreduktion bietet und welche Risiken Ärzt:innen und Patient:innen im Vorfeld beachten müssen.
Sie möchten mehr zu den modernen Behandlungsmethoden bei Lungenerkrankungen wie dem Lungenemphysem erfahren? Unsere erfahrenen Fachkräfte informieren Sie gerne persönlich und unterstützen Sie dabei, die für Sie am besten geeignete Behandlung zu finden. Nehmen Sie einfach Kontakt zu einer unserer entsprechenden Einrichtungen auf.
Wie läuft eine endoskopische Lungenvolumenreduktion (ELVR) ab?
Die endoskopische Lungenvolumenreduktion ist ein innovatives, gewebeschonendes (fachsprachlich: minimal-invasives) Verfahren, das Ärzt:innen gezielt bei schwerem Lungenemphysem anwenden können. Das Hauptziel dieser Behandlung ist es, die chronische Überblähung der Lunge zu verringern, die häufig zu einer Atemnot führt und eine eingeschränkte körperliche Belastbarkeit zur Folge hat.
Das Prinzip der ELVR: Lungenvolumen gezielt verringern
Bei der ELVR nutzen Ärzt:innen ein sogenanntes Bronchoskop. Dabei handelt es sich um ein dünnes und flexibles Instrument, das über den Mund oder die Nase in die Atemwege eingeführt wird. Mit diesem Bronchoskop können die behandelnden Ärzt:innen überblähtes Lungengewebe gezielt behandeln, ohne dass sie hierfür Gewebe mit dem Skalpell entfernen müssen. Die Überblähung verringern sie stattdessen auf eine gewebeschonende Weise.
Es stehen mehrere Verfahren zur Verringerung der Überblähung zur Verfügung:
- Ventile: Spezielle medizinische Einwegventile blockieren den Lufteintritt in die betroffenen Bereiche der Lunge, umgekehrt lassen sie jedoch während der Ausatmung die Luft entweichen. Auf diese Weise wird das Volumen – also hier die Überbähung – des geschädigten Lungenlappens schrittweise verringert.
- Spiralen (Coils): Die Spiralen werden in gestreckter Form in die Atemwege eingebracht, nach dem Einsetzen ziehen sie sich dann spiralartig zusammen. Dadurch wird das umgebende Lungengewebe komprimiert (zusammengezogen) und das Volumen reduziert (verkleinert).
- Vapor: Bei dieser Methode wird erhitzter Wasserdampf in die krankheitsbedingt geschädigten Lungenbereiche eingebracht und damit eine kontrollierte Entzündungsreaktion ausgelöst. Diese Reaktion wiederum lässt das Lungengewebe im beabsichtigten Maß schrumpfen, die Überblähung verringert sich.
Vorteil der minimal-invasiven ELVR: weniger belastend für Patient:innen
Die endoskopische Lungenvolumenreduktion ist ein minimal-invasives Behandlungsverfahren: Im Gegensatz zur operativen Lungenvolumenreduktion wird hierbei kein Gewebe entfernt. Dadurch sinken die generellen Risiken der Behandlung, und die Erholungszeit für die Patient:innen gestaltet sich in der Regel kürzer. Die Behandlung erfolgt ohne größere Schnitte. Insgesamt stellt die ELVR somit eine weniger belastende Alternative zur operativen (chirurgischen) Lungenvolumenreduktion dar.
Zu beachten ist jedoch: Die ELVR ist kein Standardverfahren, das sich für alle Patient:innen mit Lungenemphysem anbietet. Die Wirksamkeit dieser Behandlung hängt von verschiedenen Faktoren wie der Verteilung des Emphysems (also der übermäßigen Luftansammlung) und dem Vorhandensein einer sogenannten Kollateralventilation ab. Hinter diesem komplizierten Begriff verbergen sich vereinfacht gesagt Kurzschlussverbindungen zwischen den Lungenlappen.
Bevor unsere Ärzt:innen eine ELVR in Betracht ziehen können, müssen sie detaillierte Untersuchungen vornehmen. Erst auf dieser Basis können Sie die geeignete Methode und die Erfolgsaussichten individuell bewerten und mit ihren Patient:innen besprechen. Bei Asklepios erhalten Sie im Rahmen Ihrer Untersuchungen immer eine eingehende Aufklärung über die möglichen Therapiewege – damit Sie bestmöglich informiert zusammen mit Ihrem behandelnden Fachpersonal die für Sie am besten geeignete Behandlung wählen können.
Zusammengefasst bietet die endoskopische Lungenvolumenreduktion (ELVR) eine moderne, gewebeschonende Möglichkeit, die Lebensqualität von Patient:innen mit einem fortgeschrittenen Lungenemphysem zu verbessern, eine vorliegende Atemnot zu lindern und die Leistungsfähigkeit im Alltag zu verbessern. Sie ist jedoch kein Verfahren, das bei allen Patient:innen infrage kommt. Ob sie angewendet werden kann, klären unsere Ärzt:innen im Rahmen umfassender Voruntersuchungen.
Für wen kommt eine endoskopische Lungenvolumenreduktion (ELVR) infrage?
Die endoskopische Lungenvolumenreduktion (ELVR) ist eine Behandlungsmöglichkeit für Patient:innen mit einem fortgeschrittenen Lungenemphysem. Diese chronische Lungenerkrankung führt zu einer Überblähung der Lunge, die Atemnot verursacht und die körperliche Leistungsfähigkeit stark einschränkt. Besonders diejenigen Patient:innen, die trotz einer konsequent durchgeführten medikamentösen Therapie anhaltend unter erheblichen Symptomen leiden, können von einer endoskopischen Lungenvolumenreduktion profitieren.
Bei welchen Patient:innen kommt eine ELVR konkret infrage?
Um als Patient:in mit Lungenemphysem für eine endoskopische Lungenvolumenreduktion infrage zu kommen, sollten folgende Kriterien erfüllt sein:
- Fortgeschrittenes Lungenemphysem: Die Erkrankung und ihr fortgeschrittenes Stadium müssen durch bildgebende Verfahren wie die hochauflösende Computertomografie (HR-CT, ein Schnittbildverfahren mit detaillierter Darstellung) nachgewiesen werden. Dabei prüfen Ärzt:innen unter anderem, ob das Emphysem homogen ist (also gleichmäßig über die Lunge verteilt) oder heterogen (also in manchen Bereichen stärker ausgeprägt).
- Schwere Einschränkung der Lungenfunktion: Typischerweise liegt das forcierte exspiratorische Volumen (FEV1) unter 45 % des Sollwertes, während das Residualvolumen (RV) über 200 % beträgt. Der FEV1-Wert heißt so, weil er erfasst, wie viel Luft innerhalb einer Sekunde ausgeatmet werden kann. Je niedriger dieser Wert ist, desto stärker ist die Lungenfunktion beeinträchtigt. Das RV misst quasi umgekehrt das Luftvolumen, das beim Ausatmen in der Lunge verbleibt. Dieser Wert ist bei Lungenemphysemen typischerweise erhöht.
- Abwesenheit von Kontraindikationen: Als (absolute) Kontraindikationen bezeichnen Ärzt:innen vorliegende individuelle Einschränkungen wie Begleiterkrankungen, die verhindern, dass eine Therapie eingesetzt werden kann. Begleiterkrankungen wie schwere Bronchiektasen (Aussackungen der Bronchien), Lungentumore und eine fortgeschrittene Lungenfibrose (Gewebevernarbung) können eine ELVR ausschließen.
Wie wird die Therapieauswahl getroffen?
Vor der Entscheidung für (oder gegen) eine endoskopische Lungenvolumenreduktion (ELVR) führt unser Fachpersonal eine umfassende medizinische Abklärung und Bewertung durch. Neben der bereits genannten hochauflösenden Computertomografie (HR-CT) gehört dazu auch die sogenannte Chartis-Messung. Diese Untersuchung hilft dabei, die Kollateralventilation zu bewerten (Kollateralventilation beschreibt die Luftströme zwischen benachbarten Lungenlappen). Wenn keine derartigen Luftströme gemessen werden, kommt die Patientin oder der Patient grundsätzlich für eine endoskopische Lungenvolumenreduktion (ELVR) mit Ventilen infrage.
Wie geht es für Sie als Patientin oder Patient nach den Untersuchungen weiter? Ihr Behandlungsteam bei Asklepios analysiert und bespricht die Ergebnisse der Untersuchungen gemeinsam mit Ihnen, um die individuell am besten geeignete Behandlung festzulegen. Die umfassende Aufklärung über die Möglichkeiten und Grenzen der ELVR ist ein wesentlicher Bestandteil dieser Entscheidungsfindung. Wichtig zu wissen: Die ELVR ist nicht die einzige zielgerichtete Behandlungsmöglichkeit bei einem Lungenemphysem. Deshalb ist die Therapiewahl immer individuell.
Welche Risiken birgt die endoskopische Lungenvolumenreduktion (ELVR)?
Die endoskopische Lungenvolumenreduktion (ELVR) ist eine minimal-invasive Therapiemethode, die vielen Patient:innen mit schwerem Lungenemphysem helfen kann. Dennoch bestehen wie bei allen medizinischen Eingriffen auch hier Risiken für Nebenwirkungen und Komplikationen, die Ärzt:innen und Patient:innen bei der Therapiewahl beachten müssen.
Mögliche Risiken und häufige Nebenwirkungen
Zu den häufigeren Nebenwirkungen einer ELVR gehören Beschwerden wie Husten und eine vorübergehende Atemnot, die häufig jedoch nach kurzer Zeit abklingen. Schwerwiegende Komplikationen wie ein Pneumothorax, also ein Lungenkollaps, treten hingegen seltener auf. Dennoch ist es wichtig, diese möglichen Komplikationen jederzeit im Blick zu haben, so dass in einem solchen Fall schnelle medizinische Hilfe zur Verfügung steht.
Wichtig zu wissen: Ein Pneumothorax kann insbesondere bei der Ventiltherapie auftreten. Im Rahmen einer Vapor-Therapie können Infektionskrankheiten wie eine Lungenentzündung und örtlich begrenzte Entzündungsreaktionen auftreten. In seltenen Fällen wurden auch Blutungen oder eine Verlagerung (Dislokation) der eingesetzten Ventile oder Coils beobachtet.
Bei Asklepios erhalten Sie zu jeder möglichen Behandlung eines Lungenemphysems eine umfassende Aufklärung über potenzielle Nebenwirkungen und Komplikationen. Auf dieser Informationsgrundlage entscheiden Sie sich für die Therapieform, mit der Sie sich in Bezug auf das Vorgehen und das Behandlungsziel am wohlsten fühlen.
Die Bedeutung einer engmaschigen Überwachung
Nach einer endoskopischen Lungenvolumenreduktion (ELVR) werden die Patient:innen für 48 bis 72 Stunden stationär überwacht, um mögliche Komplikationen frühzeitig zu erkennen und so schnell wie möglich zu behandeln. Insbesondere bei einem erhöhten Risiko für einen Pneumothorax oder für eine überschießende Entzündungsreaktion ist die stationäre Überwachung eine wichtige Sicherheitsmaßnahme. Darüber hinaus führt unser Fachpersonal eine regelmäßige Nachsorge und Überprüfung der Behandlungsergebnisse durch, um Ihnen eine bestmögliche medizinische Versorgung zu bieten.
ELVR: Wie sehen konkret die ersten Schritte aus?
Wenn Sie mehr über die endoskopische Lungenvolumenreduktion (ELVR) erfahren möchten und vielleicht bereits an einer solchen Therapie interessiert sind, ist Ihr erster Schritt bei Asklepios die umfassende medizinische Beratung. Dabei besprechen Sie mit unseren Fachkräften, ob diese Behandlungsmethode für Ihre individuelle Situation grundsätzlich geeignet ist.
Zu Beginn der Diagnostik – im Rahmen der sogenannten Anamnese – erfassen unsere Fachkräfte Ihre Krankengeschichte und führen eine detaillierte Untersuchung Ihrer Lungen durch. Dazu gehört unter anderem eine hochauflösende Computertomografie (die HR-CT) als modernes Bildgebungsverfahren, um die Ausprägung und die Verteilung des Lungenemphysems zu bestimmen.
Übergeordnet gilt: Eine ELVR sollte ausschließlich in spezialisierten Zentren durchgeführt werden, weil nur diese über die notwendige Erfahrung und technische Ausstattung verfügen. Ihre Fachkräfte bei Asklepios stehen Ihnen von Anfang an beratend zur Seite und bieten Ihnen rund um diese und weitere Behandlungsmöglichkeiten eine lückenlose Betreuung. Vereinbaren Sie gerne einen Gesprächstermin, unsere Expert:innen sind für Sie da.