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Pankreaszysten

Eine Zyste in ein Flüssigkeitsgefüllter Hohlraum in einem Organ oder angrenzend an ein Organ. Man findet Zysten in zahlreichen Organen, wie Leber, Niere, Schilddrüse oder Eierstöcken – aber auch in der Bauchspeicheldrüse.

Was ist eine Zyste?

Pankreaszyste

Man kann sich eine Zyste vereinfacht als einen Ballon vorstellen, der mit einer Flüssigkeit gefüllt ist. Zysten können in Ihrer Größe stark variieren - von wenigen Millimetern bis zu mehreren Zentimetern. Dabei kann die Wand der Zyste („die Hülle des Ballons“) unterschiedlich beschaffen sein. So gibt es Zysten mit einer hauchdünnen Wand, aber auch dickwandige Zysten von über einem Zentimeter Wandstärke. Auch der Inhalt einer Zyste kann stark variieren. Ist der Inhalt flüssig wie Wasser (oder Serum) spricht von “serös“. Handelt es sich um eine zähflüssigen, schleimartige Inhalt spricht man von „muzinös“ (Mucus = Schleim). Enthält eine Zyste in ihrem Inneren oder in der Zystenwand feste Gewebsbestandteile, spricht man von „soliden Anteilen“ oder auch „Wandknötchen“.
 

Welche Arten von Zysten gibt es?

Zysten Uebersicht

Am häufigsten finden sich Zysten im Bauchraum in der Leber und in der Niere. Hier sind sie fast immer harmlos und bedürfen keiner Therapie. Im Vergleich zu anderen Organen sind Zysten in der Bauchspeicheldrüse eher selten. Man geht von einer Häufigkeit (Prävalenz) in der Bevölkerung von ca. 2,5% aus. Es gibt > 15 unterschiedliche Zysten-Arten im Pankreas und die meisten dieser Zysten sind harmlos. Leider können einige Zysten in der Bauchspeicheldrüse auch mal gefährlich  werden, da sie Vorstufen eines bösartigen Tumor darstellen können und zu einem Pankreaskarzinom (Bauchspeicheldrüsenkrebs) entarten können. Im folgenden wollen wir Sie daher mit den wichtigsten zystischen Läsionen des Pankreas vertraut machen:

Serös cystische Neoplasie (SCN) / Seröses Zystenadenom

SCN Zyste

Bei dieser Zystenart handelt es sich um eine echte Gewebeneubildung, eine sog. Neoplasie. Eine serös zystische Neoplasie (SCN) kann aus einer große Zyste oder aus mehreren kleinen Zysten bestehen. Oft zeigen die kleinen Zysten dann eine traubenförmige Anordnung und in der Mitte findet sich eine zentrale Narbe aus Bindegewebe. SCNs treten gehäuft bei Frauen (75%) im höheren Lebensalter (60.-80. Lj.) auf und finden sich oft im Kopf der Bauchspeicheldrüse. Entscheidend ist, dass diese Zystenart keine Entartungstendenz zeigt, d.h. ein Pankreaskarzinom entsteht nicht. Daher muss diese Veränderung grundsätzlich auch nicht wegen Karzinomgefahr operiert werden. Allerdings kann in seltenen Fällen eine SCN so groß werden (> 8-12cm), dass sich lokale Verdrängungssymptome und Beschwerden ergeben (Gelbsucht, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Pankreatitis). In diesen Fällen sollte eine Operation in Betracht gezogen werden.

Bild: Eine serös cystische Neoplasie (SCN) im Pankreaskopf, weiterhin sind Gallenblase (GB), Gallengang (GG) und der der Pankreasgang (PG) zu erkennen (MRCP-Untersuchung)
 

Muzinös cystische Neoplasie (MCN) / Muzinöses Zystenadenom

MCN Zyste

Auch bei dieser Zystenart handelt es sich um eine Gewebeneubildung, eine sog. Neoplasie. Muzinös zystische Neoplasien bestehen meist aus einer oder mehreren Zysten, die durch feine Gewebe-Lammellen (Septen) unterteilt sein können. Sie treten fast ausschließlich bei Frauen (95%), im jüngeren Lebensalter (30.-50. Lj.) und überwiegend im Pankreasschwanz/Korpus auf. Da Sie in Abhängigkeit von ihrer Größe in bis zu 30% entarten können, sollten Sie ab einer Größe von 3-4cm, beim Nachweis von sog. Wandknötchen und bei Beschwerden operativ entfernt werden.
Häufig können hier minimalinvasive Operationsverfahren („Schlüsselloch-Chirurgie“) zur Anwendung kommen.

Bild: Eine muzinös cystische Neoplasie (MCN) im Pankreasschanz mit sog. Wandknötchen (WK). Weiterhin sind Leber (LE) und Milz (MZ) zu erkennen (MRT-Untersuchung).
 

Intraduktal papillär muzinöse Neoplasie (IPMN)

Diese Neubildung entsteht aus den Zellen, die das Pankreasgangsystem von innen auskleiden. IPMNs kommen meist im Alter von 50-80 Jahren und etwas häufiger (70%) bei Männern vor. Sie können multifokal, d.h. an mehreren Stellen im Pankreas gleichzeitig auftreten. Die IPMN-Zellen bilden einen zähflüssigen Schleim (lat. Mucus), der zu einem Sekretstau im Gangsystem führen kann, was zu Schmerzen oder einer Buchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) führen kann, die akut oder chronisch verlaufen kann. Je nach Lokalisation kann auch ein ein Gallestau (Gelbsucht, Stuhlentfärbung, dunkler Urin) auftreten. Bei fortschreitender Erkrankung können auch Diarrhoe, Fettstühle und Gewichtsverlust als Zeichen der exokrinen Insuffizienz hinzukommen.


IPMNs können bösartig entarten und damit zu einem Pankreaskarzinom (Bauchspeicheldrüsen-krebs) führen. Daher sollten IPMNs grundsätzlich ernst genommen werden. bEine Entartung in einen bösartigen Tumor geschieht dabei über einen gewissen Zeitraum, indem die Zellen langsam ihre Eigenschaften in Richtung auf eine Krebszelle (Dysplasie – Karzinom – Sequenz) verändert. In einer MRCP-Untersuchung oder einer Endosonographie können IPMNs besonders gut beurteilt werden. Hier spielen besonders Verdickungen in der Zystenwand eine große Rolle (Wandknötchen, engl. mural nodules), die für eine Entartung sprechen können. Je Nach Ursprungsort der zystischen Neubildung in Bezug auf das Pankreasgangsystem werden IPMNs noch weiter unterteilt:

Hauptgang IPMN

Hauptgang-IPMN

Hauptgang-IPMN (engl. MD-IPMN = main duct IPMN) entstehen im Pankreas-Hauptgang. Sie können nur einen einzelnen Abschnitt (fokal), mehrere Abschnitte (mulitfokal) oder auch den gesamten Pankreas-Hauptgang (generalisiert) betreffen. Die Produktion von zähflüssigem Sekret führt mit der Zeit zu einem starken Gangaufstau (> 5mm bis einige cm), der sich mithilfe einer MRCP oder Endosonographie gut nachweisen lässt.

Hauptgang-IPMNs sollten aufgrund ihres erhöhten Entartungs-potentials (40-70%) in der Regel operiert werden.

Bild: Ein Hauptgang-IPMN in einer MRCP – Untersuchung dargestellt. Zu erkennen ist der deutlich gestaute Pankreas-Hauptgang (PG). Ebenfalls gestaut ist der Gallengang (GG), der gemeinsam mit dem Pankreas-Hauptgang in der Papillen-Region des Zwölffingerdarms (Duodenum) mündet. Ein solcher Befund stellt in der Regel eine OP-Indikation dar.
 

Seitengang IPMN

Seitengang-IPMN

Seitengang-IPMN (engl. BD-IPMN = branch duct IPMN) gehen von den kleinen Seitengängen des Pankreas-Gangsystem aus. Der Hauptgang selber ist nicht von der Neubildung betroffen, jedoch besteht immer eine Verbindung zum Pankreas-Hauptgang.

Bei Seitengang-IPMNs ist das Entartungs-potential deutlich geringer und damit die Entscheidungsfindung in Bezug auf eine Operation wesentlich komplizierter. Faktoren, die für eine Operation sprechen sind eine Größe von >3cm oder eine dokumentierte Größen- zunahme im Verlauf, auffällige Wandknötchen, das Auftreten von Symptomen wie Gelbsucht und einige weitere Faktoren. Hier muss genau im Einzelfall entschieden werden, ob die Veränderung nur regelmäßig überwacht oder operiert werden muss.

Bild: Zwei Seitengang-IPMNs im Pankreaskopf, dargestellt in einer MRCP – Untersuchung. Die beiden zystischen Läsionen haben einen Durchmesser von 11,8 bzw. 8,4mm. Ebenfalls gut zu erkennen sind der unauffällige Gallengang (GG) und die Gallenblase (GG). Der normal konfigurierte und nicht gestaute Pankreas-Hauptgang (PG) ist untersuchungsbedingt nur schlecht abzugrenzen.
 

Mischtyp IPMN

Mischtyp-IPMN

Sind beide Ganganteile betroffen, liegt ein sog. Mischtyp-IPMN (engl. mixed type IPMN) vor. Diese Veränderungen verhalten sich biologisch wie Hauptgang-IPMNs und werden auch so behandelt wie Hauptgang-IPMNs.

Bild: Ein Mischtyp-IPMN dargestellt in einer MRCP – Untersuchung. Der Pankreas-Hauptgang ist über die gesamte Länge deutlich aufgeweitet (PG-IPMN). Gleichzeitig finden sich zahlreiche zystische Läsionen im Bereich der Seitengänge, sog. Seitengang-IPMNs (SG-IPMNs). In Kombination ergibt sich das Bild eines Mischtyp-IPMN. Auch der Gallengang (GG) ist in diesem Fall tumorbedingt dilatiert. Es handelt sich um eine OP-Indikation.
 

Pseudocysten

Pseudocyste

Pseudocysten entstehen im Zuge einer akuten oder chronischen Pankreatitis. Je nach Größe und Lokalisation können sie Beschwerden verursachen. Die Unterscheidung von Pseudocysten und anderen zystischen Läsionen ist in den meisten Fällen durch bildgebende Diagnostik (CT, MRCT, Endosonografie) gut möglich. Häufig finden sich weitere Zeichen einer aktiven oder durchgemachten Pankreatitis wie z.B. Verkalkungen oder Unregelmäßigkeiten im Pankreasgang. Es besteht kein erhöhtes Entartungspotential. Eine Operation kann dennoch bei Symptomen oder aufgrund der zugrunde liegenden chronischen Pankreatitis notwendig werden.

Bild: Ein ca. 8cm messende Pankreaspseudocyste auf dem Boden einer chronischen Pankreatitis dargestellt in einer MRCP – Untersuchung. Der Pankreas-Hauptgang (PG) ist erweitert und irregulär verlaufend. Die Pseudocyste im Pankreasschwanz zeigt solide Gewebeanteile. Gallengang (GG) und Gallenblase (GB) sind unauffällig.
 

 

Angeborene (Dysontogenetische Zysten)

Diese Zystenart tritt meist als Zufallsbefund im Laufe des Lebens in Erscheinung. Diese Veränderungen haben keinen Bezug zum Pankreasgangsystem, was sich mithilfe einer Endosonografie oder MRCP-Untersuchung nachweisen lässt. Sie bereiten in der Regel keine Symptome, entarten nicht und bedürfen daher keiner Therapie.
 

Diagnostik von Pankreaszysten

Neben der genauen Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese), der körperlichen Untersuchung und Laboruntersuchungen spielen vor allem bildgebende Verfahren eine entscheidende Rolle. Die Sonografie (Ultraschalluntersuchung) des Bauchraumes lässt bereits viele zystische Veränderungen erkennen. Ergänzt wird die Diagnostik durch moderne Schnittbildverfahren wie Computertomographie (CT) und Kernspintomografie (MRT) die durch eine Darstellung des Pankreas-Gangsystems (MRCP) ergänzt werden sollte.
Eine besondere Bedeutung hat die Endosonografie, bei der eine innere Ultraschalluntersuchung des Pankreas vorgenommen wird. Ähnlich wie bei einer Magenspiegelung wird durch die Kollegen der Gastroenterologie in einer kurzen Betäubung („Schlafspritze“) ein spezielles Endoskop in den Magen und Zwölffingerdarm eingeführt, an dessen Spitze sich eine Ultraschallsonde befindet. Diese ermöglicht eine millimetergenaue Beurteilung und ggf. auch Punktion von zystischen Läsionen. Alle diese Untersuchungen bieten wir in unserem interdisziplinären Zentrum für Sie an.
 

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