Arterielle Verschlusskrankheit

Als periphere Arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) wird die Einschränkung der Durchblutung von Arterien im Arm oder Bein bezeichnet. In den Arterien bilden sich Engstellen (Stenosen), die den Blutstrom in das Gewebe behindern, was zu Schmerzen in den ungenügend durchbluteten Muskelgruppen führt und zum Stehenbleiben zwingt.

Umgangssprachlich kennt man diese Erkrankung als  „Schaufensterkrankheit“, weil der Betroffene in das nächstgelegene Schaufenster sieht, um unauffällig auf die Besserung zu warten.

Im schlimmsten Fall wird die Blutversorgung komplett unterbrochen, was zum Absterben der Bereiche, zum sog. „Raucherbein“ führt. Rauchen ist auch der wichtigste Risikofaktor für diese Erkrankung, von der in Deutschland ca. 4,5 Mio Menschen betroffen sind.

Oft sind mehrere Gefäßregionen von den Veränderungen betroffen, insbesondere auch die Herzkranzgefäße mit dem Risiko eines Herzinfarktes, weshalb die pAVK auch als „Markererkrankung“ bezeichnet wird. Weil das so ist, hat die pAVK eine sehr ernste Prognose und die Sterblichkeit der Pateinten gleicht der von Menschen, die an einer bösartigen Erkrankung leiden.

Der erste Schritt: Die richtige Diagnostik

Wesentliche Information für den Arzt ist die Auskunft über die Wegstrecke, die der Patient schmerzfrei gehen kann; sie,  die Lebensqualität unter den genannten Umständen, Ruheschmerzen oder Hautveränderungen sind die entscheidenden Kriterien für die stadiengerechte Behandlung. Die körperliche Untersuchung gibt Auskunft über die Hautfärbung, Hauttemperatur und den Zustand des Gewebes. Tastbare Pulse an den Füßen schließt eine relevante Durchblutungsstörung aus.
Genauere Information über die Durchblutungssituation liefert die Bestimmung der Verschlussdruckwerte oder ABI (aus dem Englischen: ankle-brachial-index bzw. Knöchel-Arm-Index). Gemäß physikalischen Flussgesetzen ist der Druck in den dünneren Gefäßen an den Füßen höher sein als der am Arm zu messende Blutdruck. Ein Index unter 0,9 ist verdächtig auf das Vorliegen einer pAVK.

Die wichtigste Rolle bei Krankheiten von Arterien kommt den bildgebenden Verfahren zu, in erster Linie der farbcodierte Duplex-Sonographie, die nicht-invasiv Auskunft über die Beschaffenheit der Gefäße, der Ablagerungen und des Blutstromes liefert. Noch genauer und hochqualifiziert in der Aussagekraft ist die direkte arterielle Angiographie, die durch technische Besonderheiten die Flussverhältnisse selbst der kleinsten Arterien an Fingern und Zehen darstellen kann. Für die Planung von operativen Eingriffen ist dieses Verfahren unabdingbar, wenngleich die CT- und MR-Angiographie insbesondere für die Beurteilung von umliegenden Strukturen und Gefäßwand wichtige Informationen liefern.
All diese modernen Verfahren werden wir in unserer Abteilung für Interventionelle Radiologie als ein Partner im GefäßCentrum täglich eingesetzt; die Ergebnisse werden von hochqualifizierten Experten befundet und in der täglichen interdisziplinären Konferenz für den Patienten bewertet.

Ganz auf Sie abgestimmt: Unser Behandlungsangebot

Konservativ

Die Behandlung der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit erfolgt in Abhängigkeit vom jeweiligen Stadium und individuell orientiert an ihren Bedürfnissen. In jedem Stadium ist die Änderung des Lebensstils unabdingbar, insbesondere die absolute Nikotinkarenz. Medikamentös ist ebenfalls immer ein Medikament zur Verbesserung der Fließeigenschaften indiziert durch Hemmung der Verklebung von Blutplättchen. Die typischen Risikofaktoren Bluthochdruck, Zuckerkrankheit und erhöhte Blutfette müssen ebenso konsequent behandelt werden. Bei Einschränkung der Wegstrecke sind regelmäßiges, überwachtes Gefäßtraining und spezielle Übungen erforderlich. Hier gilt ganz besonders die Sätze: „wer rastet, rostet“ und „Bewegung ist Leben“.

Operativ

Bei unzureichendem Erfolg der Trainingstherapie oder in einem fortgeschrittenen Stadium kommen invasive Therapiemaßnahmen in Betracht: die Intervention mittels Kathetertechnik, Ballondilatation und Stentimplantation, oder die Operation bei gegebener Notwendigkeit. Gelegentlich ist auch die Kombination von beiden Methoden erforderlich, sogenannte Hybrid-Technik. Hierzu bedarf es auch eines speziellen Operationssaales, der Ihnen mit modernster, technisch hochqualifizierter Ausstattung im ASKLEPIOS-Klinikum Harburg zur Verfügung steht. In keinem Fall wird jedoch eine invasive Maßnahme entgegen der Leitlinien in ein früheres Stadium vorgezogen. Das dient letztlich auch Ihrer Sicherheit und führt zur Vermeidung von Komplikationen.

Die Entscheidung über die Art der Therapie treffen Sie zusammen mit den Experten aus den Fachgebieten. Uns ist dabei sehr wichtig, Sie umfassend über mögliche Risiken, die Prognose und Erfolgsaussichten zu beraten. Zögern Sie bitte nicht, uns so lange zu befragen, bis alle Ihre Unklarheiten beseitigt sind.

Weiterhin gut versorgt: Ihre Weiterbehandlung / Nachsorge

Am Entlassungstag führen wir mit Ihnen ein ausführliches Gespräch und weisen Sie dabei auf die besonderen Dinge hin, die Sie zukünftig beachten sollten. Sie erhalten einen Brief für Ihren weiterbehandelnden Arzt, in dem neben der Entlassungsmedikation die Empfehlungen noch einmal schriftlich festgehalten werden.

Bei Bedarf leiten wir noch während des stationären Aufenthaltes unter Mitwirkung unseres Sozialdienstes eine Anschlussheilbehandlung in die Wege, in der sie im interdisziplinären Therapeutenteam an die Anforderungen des Alltags herangeführt werden und gezielte Behandlungen Ihrer Fähigkeitsstörungen erhalten. Oft ist jedoch eine ambulante Physiotherapie, die Ihnen Ihr Hausarzt oder Gefäßchirurg verordnen kann, ausreichend. Die Lebensstiländerung und das Gefäßtraining, das ebenfalls verordnet werden kann (Gefäßsport), werden dabei eine wesentliche Rolle spielen, um Ihren Alltag so normal wie möglich zu bestreiten und das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu senken.

Wir sprechen im Abschlussgespräch mit Ihnen über die vielseitigen Möglichkeiten der Nachsorge, um diese für Sie bestens ausschöpfen zu können. Selbstverständlich bieten wir in unserem Hause Verlaufskontrollen in unserer Gefäßsprechstunde an, um das Fortschreiten der chronischen Erkrankung erkennen und gezielt behandeln zu können.

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