Asklepios Lungenklinik Gauting

Robotisch assistierte Bronchoskopie mit ION

Robotisch assistierte Bronchoskopie

ION-Endoluminalsystem

Gezielte Diagnostik kleiner und peripher gelegener Lungenrundherde

Mit dem ION-System erweitert die robotisch assistierte Bronchoskopie die diagnostischen Möglichkeiten bei kleinen oder schwer zugänglichen Veränderungen der Lunge. Das moderne und höchst innovative Navigationssystem unterstützt Ärztinnen und Ärzte dabei, am äußeren Rand der Lunge gelegene Veränderungen gezielt über die natürlichen Atemwege anzusteuern und schonend Gewebeproben zu entnehmen.

Von besonderem Interesse ist das Verfahren bei Befunden, die mit herkömmlichen bronchoskopischen Methoden nur schwer erreichbar sind. Dazu gehören insbesondere kleine Rundherde, also kleine, meist rundliche Veränderungen, am äußeren Rand der Lunge und Milchglasveränderungen, das heißt im CT leicht milchig erscheinende Bereiche des Lungengewebes. Außerdem Läsionen (auffällige Gewebeveränderungen), die nicht eindeutig über einen Atemweg innerhalb der Lunge erreichbar sind.

ION ersetzt dabei weder die Computertomografie noch die feingewebliche Diagnostik. Das System ergänzt bestehende Verfahren der Bronchoskopie und kommt nach individueller ärztlicher Entscheidung und Empfehlung zum Einsatz.

Was ist das ION-System?

Unterstützung für die Ärztinnen und Ärzte

Die Bronchoskopie – umgangssprachlich Lungenspiegelung – ist ein etabliertes Verfahren zur Untersuchung der Atemwege und zur Entnahme von Gewebeproben.

Das menschliche Atemweg-System ist weit verzweigt und zum Rand hin klein verästelt. Gerade bei kleinen Rundherden am äußeren Rand der Lunge kann es deshalb anspruchsvoll sein, die Zielregion mit konventionellen Verfahren zu erreichen und Biopsie-Instrumente dort präzise zu positionieren.

Hier setzt die robotisch assistierte Bronchoskopie mit ION an.

Zunächst wird aus vorhandenen CT-Aufnahmen ein dreidimensionales Modell der Atemwege erstellt. Der verdächtige Befund wird als Ziel definiert und ein möglicher Navigationsweg durch die Verzweigung der Atemwege geplant.

Während der Untersuchung steuert die Ärztin oder der Arzt einen besonders dünnen und hochflexiblen Katheter entlang dieses Weges zum Ziel. Der Katheter hat einen Außendurchmesser von 3,5 Millimetern und einen Arbeitskanal von 2 Millimetern.

Das System arbeitet nicht selbstständig: Planung, Navigation und Gewebeentnahme bleiben jederzeit in der Hand der behandelnden Ärztinnen und Ärzte.

Reichweite, Steuerbarkeit und Stabilität

Für die Diagnostik peripherer Lungenrundherde sind insbesondere drei Eigenschaften des Systems relevant.

  • Reichweite: Der geringe Durchmesser und die hohe Flexibilität des Katheters unterstützen die Navigation bis weit in die peripheren Atemwege.
  • Präzise Steuerbarkeit: Die robotisch assistierte Steuerung erlaubt kontrollierte Bewegungen auch innerhalb kleiner und komplex verzweigter Bronchien.
  • Stabile Positionierung: Eine sogenannte Shape-Sensing-Technologie erfasst mithilfe faseroptischer Sensoren kontinuierlich Form und Position des Katheters. Ist der Zielbereich erreicht, kann der Katheter stabil gehalten werden, während Instrumente zur Gewebeentnahme über den Arbeitskanal eingebracht werden.

Gerade bei kleinen Rundherden Gewebeveränderungen ist diese stabile Positionierung entscheidend: Nicht allein das Erreichen der Zielregion, sondern die möglichst präzise Platzierung des Biopsie-Instruments beeinflusst die Qualität der Gewebeentnahme.

Robotisch assistierte Bronchoskopie bei Lungenrundherden

Lungenrundherde sind lokal begrenzte, klar abgrenzbare Veränderungen des Lungengewebes, die häufig im Rahmen einer Computertomografie entdeckt werden.

Sie können unterschiedliche Ursachen haben. Neben gutartigen Veränderungen und entzündlichen Prozessen können auch Tumorerkrankungen dahinterstehen. Ein Rundherd bedeutet nicht automatisch Lungenkrebs.

Ob eine weitere Abklärung erforderlich ist, hängt unter anderem von Größe, Form, Lage und Entwicklung des Befundes sowie vom individuellen Risikoprofil der Patientin oder des Patienten ab.

Ein erheblicher Teil pulmonaler Rundherde liegt im äußeren Bereich der Lunge. Daten der europäischen NELSON-Studie zeigen, dass rund 70 Prozent der untersuchten Rundherde im peripheren Drittel lokalisiert waren. Gerade dort kann die bronchoskopische Gewebegewinnung technisch anspruchsvoll sein.

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Wann kommt ION zum Einsatz?

Eine robotisch assistierte Bronchoskopie kann insbesondere bei den folgenden Befunden in Betracht kommen:

  • kleinen und peripher gelegenen Lungenrundherden
  • Befunden unter zwei bis drei Zentimetern
  • Milchglasveränderungen beziehungsweise subsoliden Rundherden
  • Rundherden ohne eindeutig zuführenden Bronchus, also ohne klar erkennbaren Atemweg, der direkt zum veränderten Gewebe führt
  • mehreren oder beidseitigen Lungenrundherden
  • Befunden, bei denen eine Punktion durch die Brustwand aufgrund der individuellen Situation ungünstig sein kann

Auch Erkrankungen wie ein ausgeprägtes Lungenemphysem, eine deutlich eingeschränkte Lungenfunktion oder die Nähe eines Rundherdes zu empfindlichen Strukturen können bei der Wahl des diagnostischen Verfahrens berücksichtigt werden.

Nicht jeder Lungenrundherd benötigt eine robotisch assistierte Bronchoskopie.

Zentral gelegene und gut erreichbare Veränderungen lassen sich häufig mit etablierten bronchoskopischen Verfahren sicher abklären. In anderen Situationen kann auch eine CT-gesteuerte Punktion durch die Brustwand, eine bildgebende Verlaufskontrolle oder ein operatives Vorgehen geeigneter sein.

Welche Methode im individuellen Fall sinnvoll ist, wird anhand von Bildgebung, Größe und Lage des Befundes, Begleiterkrankungen und weiteren medizinischen Faktoren entschieden.

Wie funktioniert die Untersuchung mit ION?

  1. Planung anhand der Computertomografie
    Vor dem Eingriff werden CT-Aufnahmen der Lunge in die Planungssoftware übertragen. Daraus entsteht ein dreidimensionales Modell der Atemwege. Der Zielbefund wird markiert und ein geeigneter Navigationsweg festgelegt.
     
  2. Navigation durch die Atemwege
    Während der Bronchoskopie wird der flexible Katheter über die Luftröhre in das Bronchialsystem eingeführt. Die Ärztin oder der Arzt steuert ihn entlang des geplanten Weges durch die immer feineren Verzweigungen der Atemwege bis zum Zielbereich.

    Die strahlungsfreie und präzise Shape-Sensing-Technologie ermöglicht erfasst dabei kontinuierlich Form und Position des Katheters, deshalb gilt die Methode als besonders schonend und effektiv.
     
  3. Kontrolle der Zielposition
    Eine besondere Herausforderung der peripheren Bronchoskopie besteht darin, sicherzustellen, dass sich Katheter und Biopsie-Instrument tatsächlich innerhalb des Zielbefundes befinden.

    Die robotisch assistierte Bronchoskopie kann deshalb mit weiteren bildgebenden Verfahren kombiniert werden. Dazu zählen beispielsweise der radiale endobronchiale Ultraschall (rEBUS) und eine dreidimensionale Cone-Beam-CT-Bildgebung.

    Ein Cone-Beam-CT kann während des Eingriffs dreidimensionale Bilder erzeugen und dabei helfen, die Position von Rundherd und Biopsie-Instrument zu kontrollieren. Dies ist insbesondere deshalb relevant, weil die tatsächliche Lage eines kleinen Befundes während der Untersuchung von seiner Position in einer zuvor angefertigten CT-Aufnahme abweichen kann.
     
  4. Gewebeentnahme
    Nach Erreichen und Kontrolle des Zielbereichs können verschiedene Instrumente zur Entnahme von Gewebeproben eingeführt werden.
     
  5. Pathologische Untersuchung
    Die gewonnenen Proben werden anschließend feingeweblich untersucht. Abhängig vom Befund können zusätzliche molekularpathologische Analysen erforderlich sein.

ION selbst stellt keine Diagnose. Das System unterstützt die Ärztinnen und Ärzte dabei, einen verdächtigen Befund gezielt zu erreichen und Gewebe für die weitere diagnostische Untersuchung zu gewinnen.

Was wissen wir über die diagnostische Genauigkeit?

Robotisch assistierte Bronchoskopieverfahren werden intensiv wissenschaftlich untersucht.

In der prospektiven multizentrischen CONFIRM-Studie wurden 155 Patientinnen und Patienten mit im Median 14 Millimeter großen Lungenrundherden untersucht. Bei der dort eingesetzten Kombination aus Shape-Sensing-Robotik und mobilem Cone-Beam-CT konnte das Biopsie-Instrument in 99,4 Prozent der Eingriffe innerhalb des Zielbefundes positioniert werden. Die diagnostische Ausbeute betrug 89 Prozent.

Die Ergebnisse zeigen das Potenzial des Verfahrens insbesondere bei kleinen peripheren Läsionen. Sie bedeuten jedoch nicht, dass jede robotisch assistierte Bronchoskopie automatisch zu einer eindeutigen Diagnose führt.

Die diagnostische Aussagekraft hängt unter anderem von Größe und Lage des Rundherdes, seiner Verbindung zum Bronchialsystem, der verwendeten Bildgebung, der Qualität der Gewebeprobe und der Erfahrung des Behandlungsteams ab.

ION bei Verdacht auf Lungenkrebs

Die Bedeutung einer präzisen Rundherddiagnostik nimmt mit der CT-basierten Lungenkrebsfrüherkennung weiter zu.

Mit einer Niedrigdosis-CT können bei Menschen mit erhöhtem Lungenkrebsrisiko bereits kleine Veränderungen entdeckt werden, bevor Beschwerden auftreten. Ein auffälliger CT-Befund allein erlaubt jedoch nicht immer eine eindeutige Unterscheidung zwischen gutartigen und bösartigen Veränderungen.

Ist eine Gewebeprobe erforderlich, muss entschieden werden, über welchen Zugangsweg sie möglichst gezielt und mit vertretbarem Risiko gewonnen werden kann.

Hier kann die robotisch assistierte Bronchoskopie einen zusätzlichen diagnostischen Weg eröffnen – insbesondere bei kleinen und schwer erreichbaren peripheren Rundherden.

Nach der Gewebeentnahme erfolgt die feingewebliche und gegebenenfalls molekulare Untersuchung. Bestätigt sich eine Tumorerkrankung, fließen die Ergebnisse zusammen mit Bildgebung und weiteren Befunden in die interdisziplinäre Therapieplanung ein.

Bild: ION im Einsatz bei Asklepios

© 2026 Intuitive Surgical Operations

Welche Vorteile hat die robotisch assistierte Bronchoskopie?

Je nach Befund kann das Verfahren mehrere diagnostische Vorteile bieten:

  • Zugang zu kleinen und weit peripher gelegenen Lungenrundherden
  • kontrollierte Navigation durch fein verzweigte Atemwege
  • stabile Positionierung des Katheters während der Biopsie
  • Gewebeentnahme über die natürlichen Atemwege
  • Kombination mit zusätzlichen bildgebenden Verfahren
  • Möglichkeit, mehrere oder beidseitige Befunde im Rahmen einer Untersuchung zu beurteilen

Bei geeigneten Befunden kann die transbronchiale Gewebeentnahme eine Alternative zu einer CT-gesteuerten Punktion durch die Brustwand darstellen. Anders als bei einer transthorakalen Punktion werden Brustwand und Rippenfell dabei nicht durchstochen.

Welches Verfahren den größten diagnostischen Nutzen bei möglichst geringer Belastung erwarten lässt, wird von unseren Spezialistinnen und Spezialisten individuell entschieden.

Grenzen des Verfahrens

Die robotisch assistierte Bronchoskopie ist eine sichere und innovative Methode, verdächtige Befunde zu analysieren. Nur in sehr seltenen Fällen kann auch sie keine eindeutige Diagnose liefern. 

Eine technisch erreichte Läsion bedeutet nicht automatisch, dass die entnommene Probe repräsentatives Gewebe enthält. Zudem können Größe, Lage oder Struktur eines Rundherdes andere diagnostische Verfahren sinnvoller erscheinen lassen.

Die robotisch assistierte Bronchoskopie ergänzt deshalb die vorhandenen Möglichkeiten – sie ersetzt weder die konventionelle Bronchoskopie noch andere etablierte diagnostische Verfahren.

Robotisch assistierte Bronchoskopie bei Asklepios

Die robotisch assistierte Bronchoskopie wird an spezialisierten Asklepios-Standorten in die bestehende Diagnostik von Lungen- und Thoraxerkrankungen integriert.

Entscheidend ist dabei nicht allein die technische Ausstattung. Für die Auswahl und Durchführung des Verfahrens sind Erfahrung in der interventionellen Bronchoskopie, spezialisierte radiologische Bildgebung, Pathologie und die enge Zusammenarbeit mit Expertinnen und Experten aus der Thoraxchirurgie und Onkologie von Bedeutung.

Bei Verdacht auf eine Tumorerkrankung können Befunde interdisziplinär bewertet und die weiteren diagnostischen und therapeutischen Schritte aufeinander abgestimmt werden.

Häufig gestellte Fragen

Sie ist eine Weiterentwicklung der Lungenspiegelung. Ein besonders dünner und beweglicher Katheter wird computergestützt und von einer Ärztin oder einem Arzt über die natürlichen Atemwege zu einem zuvor festgelegten Ziel in der Lunge gesteuert. Diese neue Methode gilt als besonders präzise, schonend und sicher. 

Nein. Die Ärztin oder der Arzt plant den Weg, steuert den Katheter und entscheidet über sämtliche Schritte der Untersuchung und Gewebeentnahme.

Das Verfahren kommt insbesondere bei ausgewählten kleinen und peripher gelegenen Rundherden infrage. Weitere mögliche Einsatzsituationen sind Milchglasveränderungen, fehlende eindeutig zuführende Bronchien sowie multiple oder beidseitige Befunde.

Nein. Rundherde können zahlreiche gutartige und entzündliche Ursachen haben. Ob eine weiterführende Untersuchung notwendig ist, hängt von den Eigenschaften des Befundes und individuellen Risikofaktoren ab.  Sollte es sich doch um einen Tumor handeln, werden unsere Spezialistinnen und Spezialisten fachübergreifend beraten und eine auf Sie abgestimmte Therapie vorschlagen. 

Nein. Die Lungenkrebsfrüherkennung erfolgt mittels Niedrigdosis-CT. ION kann anschließend zum Einsatz kommen, wenn eine bereits entdeckte Gewebeveränderung weiter abgeklärt und dafür Gewebe entnommen werden soll.

Nein. Das ION-System unterstützt die präzise Navigation und schonende Gewebeentnahme, um den auffälligen Befund zu analysieren. Die Diagnose wird anschließend durch die pathologische Untersuchung der gewonnenen Probe gestellt und mit Ihnen im persönlichen Gespräch erklärt.

Eine CT zeigt Größe, Form und Lage eines Rundherdes sehr genau. Nicht bei jedem Befund lässt sich anhand der Bildgebung allein eindeutig feststellen, welche Ursache dahintersteht. Dann kann eine Gewebeprobe notwendig werden.

Je nach Befund kommen unter anderem eine konventionelle Bronchoskopie, radialer endobronchialer Ultraschall, CT-gesteuerte Punktion, bildgebende Verlaufskontrollen oder ein operatives Vorgehen infrage.

Die Cone-Beam-CT, also die Kegelstrahl-Computertomografie, kann während des Eingriffs dreidimensionale Bilder erzeugen und damit helfen, die tatsächliche Lage von Rundherd und Biopsie-Instrument zu überprüfen.

Die Probe wird pathologisch untersucht. Bei einem Tumorbefund können weitere molekulare Analysen folgen. Die Ergebnisse bilden anschließend eine wichtige Grundlage für die individuelle Therapieplanung mit dem Ziel, die Erkrankung präzise und effektiv zu behandeln.