Asklepios Fachklinikum Brandenburg

Schwerpunkte

Schwerpunkte

In der Klinik für Forensische Psychiatrie werden Patient:innen aufgenommen, die im Vorfeld einen diagnostischen Prozess zur Feststellung ihrer psychischen Erkrankung erfahren haben. Mitunter jedoch werden in die Klinik Patient:innen eingewiesen, bei denen die Diagnose einer psychischen Erkrankung noch nicht zweifelsfrei festgestellt werden konnte bzw. bei denen überhaupt nicht klar ist, ob sie an einer psychischen Krankheit leiden.

In der Klinik werden nach der Aufnahmeuntersuchung die weiteren diagnostischen Schritte festgelegt, so Blutuntersuchungen durchgeführt, eine hirnorganische Diagnostik (MRT, CCT, EEG, Lumbalpunktion). Darüber hinaus werden Untersuchungen zur Erfassung der Hirnleistungsfähigkeit, aber auch zur Persönlichkeitsdiagnostik durchgeführt. Erst wenn das umfangreiche Untersuchungsrepertoire erfolgte, ist die Grunderkrankung der einzelnen Personen zu benennen. Sollte dies nicht zweifelsfrei möglich sein, erfolgt die Überweisung zu Spezialsprechstunden.

Die in der Klinik behandelten Krankheiten sind endogene Psychosen aus dem schizophrenen Formenkreis sowie manisch-depressive Erkrankungen, hirnorganisch bedingte Persönlichkeitsveränderungen, Intelligenzminderungen sowie Persönlichkeitsstörungen

In der Klinik für Forensische Psychiatrie werden Patient:innen ab dem 18. Lebensjahr aufgenommen. Die Klinik führt neben der psychiatrischen Diagnostik bei allen Patient:innen eine umfangreiche internistisch-neurologische Diagnostik durch, die bei Bedarf in regelmäßigen Abständen erfolgt. Übersteigen die Behandlungsnotwendigkeiten die Fähigkeiten der Klinik, werden andere Krankenhäuser  bzw. niedergelassene Ärzt:innen auf Konsultationsbasis zur Diagnostik bzw. Therapie körperlicher Erkrankungen herangezogen. Die Behandlung dieser Erkrankungen erfolgt gemäß der ärztlichen Heilkunst.

Der Prozess, nicht optimale Krankheitsbewältigungsstrategien zu bearbeiten und möglichst ein Krankheitsverständnis herauszubilden nimmt mitunter mehrere Jahre in Anspruch.

Die in der Klinik für Forensische Psychiatrie untergebrachten Patient:innen können das Angebot zur psychotherapeutischen Behandlung ihrer Grunderkrankung annehmen. Eine Verpflichtung hierzu besteht nicht.

Die Patient:innen sind durchschnittlich zur Erstaufnahme 25 – 35 Jahre alt, ihre festgestellte psychische Störung besteht daher seit mehreren Jahren. Persönlichkeitseigenschaften, die sich auch in Folge dieser psychischen Erkrankung herausbildeten, sind oftmals kaum und wenn dann nur schwer veränderbar. Aufgabe der Klinik ist es jedoch, nicht optimale Krankheitsbewältigungsstrategien zu bearbeiten, möglichst ein Krankheitsverständnis herauszubilden. Dieser Prozess nimmt mitunter mehrere Jahre in Anspruch.

Ein weiterer Anspruch der Psychotherapie ist es, den Patient:innen ein Erklärungsmodell für die zur Unterbringung geführte Straftat dahingehend zu vermitteln, dass die einzelne Person dieses Modell annehmen kann, daraus Straftatvermeidungsstrategien ableitet. Auch hierbei handelt es sich um einen Prozess. Dieser dauert ebenfalls mitunter mehrere Jahre, woraus sich dann die oft lang andauernden Verweilzeiträume erklären.

Aufgabe des Psychotherapeuten ist es, in dieser Zeit immer wieder den Patienten zu motivieren, ihm positive Rückmeldungen hinsichtlich seines Behandlungsstandes zu geben, dysfunktionale Denkmuster anzusprechen, zu bearbeiten, Widerstände aufzuarbeiten und abzubauen.

Die Psychoedukation ist ein Behandlungsverfahren zur Aktivierung des Selbsthilfepotentials von Patient:innen. Es verbindet psychotherapeutische Verfahren und biologische Therapieverfahren miteinander. Ziel ist die umfassende Aufklärung über die Erkrankung und ihren Behandlungsmöglichkeiten. Darüber hinaus wird durch die Vermittlung eines Krankheitskonzeptes die Verbesserung der Krankheitseinsicht angestrebt. Ängste, die mit der Erkrankung verbunden sind sollen abgebaut werden. Ziel ist es, Betroffene zur gesunden Lebensweise zu bewegen. In Fällen von psychischen Krisen soll seine Anpassungsfähigkeit und der Umgang mit solchen verbessert werden.

Arbeitstherapie

Die soziale Entwicklung des Menschen zeigt, dass dieser sich entwickelt, geht er einer Arbeit bzw. Beschäftigung nach. In der Klinik für Forensische Psychiatrie wird eine Vielzahl von Beschäftigungsmöglichkeiten angeboten. Tätigkeiten in einer Holzwerkstatt, Metallwerkstatt, Buchbinderei, Korbflechterei, Tonarbeiten sowie Tätigkeiten im Rahmen der Reinigung der Klinik und des Außenbereiches. Im Rahmen dieser Aktivitäten beobachten die zuständigen Therapeut:innen, wie einzelne Patient:innen Belastungen aushalten, mit Anforderungen, Erfolgen, Misserfolgen umgeht. Ihre Anstrengungsbereitschaft, ihr Vermögen sich zu konzentrieren, auch unliebsame Tätigkeiten durchzuhalten, wird darüber hinaus beobachtet und entsprechend therapeutisch aufgegriffen. Festgestellte  Defizite werden versucht abzubauen. Die Tätigkeit erfolgt in kleinen Gruppen, wobei auch hier die Beurteilung der sozialen Kompetenzen der einzelnen Personen möglich ist. Darüber hinaus bieten die Tätigkeiten eine Abwechslung vom Stationsalltag, können ggfs. von der vorliegenden psychischen Krankheit ablenken. Wichtig ist die Vermittlung von Erfolgserlebnissen, die Wertigkeit der Arbeit darzulegen. Oft genug kommen die untergebrachten Patient:innen aus zerrütteten sozialen Verhältnissen, haben mitunter eine dissoziale Karriere hinter sich.

Sporttherapie

Die Sporttherapie dient ebenfalls der Beurteilung der sozialen und individuellen Kompetenzen der einzelnen Person. Zunächst wird bewertet, wie sind die körperlichen Leistungsmerkmale der einzelnen Person, ist er es zum Beispiel gewohnt, sich sportlich zu betätigen. In Abhängigkeit davon werden Einzelforderungen wie zum Beispiel Rückenschule, Bewegungsschule, Vorbereitung zur Teilnahme am Straßenverkehr (Radfahren) angeboten, aber natürlich schwerpunktmäßig Gruppentherapien. Hier geht es um die Beurteilung sozialer Kompetenzen, wie kann sich jemand in eine Sportgruppe einbinden, wie gelingt es ihm auf Andere Rücksicht zu nehmen. Aber auch das eigene Leistungsvermögen soll optimal in die Gruppe eingebracht werden. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit der Konditionierung der Einzelnen in Form von Ergometrie, aber auch durch Gewichtstraining. Gerade bei Letzterem ist es erforderlich, Patient:innen oftmals aufgrund der gestörten Selbstwahrnehmung zügeln zu müssen, einen in Freiheit eventuell vorhandenen Anabolikamissbrauch zu bearbeiten und ein neues Körperkonzept zu vermitteln.

Im Rahmen der stationären Unterbringung kann man alle angebotenen Therapiemaßnahmen als Form der sozialen Kompetenztherapie ansehen. Patient:innen, die in der Klinik untergebracht werden, erkranken oft in einem frühen Lebensalter, teilweise in der Pubertät. Sie zeigen derart rigide soziale Fehlverhaltensweisen, dass zum einen soziale Kompetenzen erst einmal vermittelt werden müssen bzw. dysfunktionale Kompetenzen bearbeitet werden müssen. Ziel ist, den Patient:innen soweit zu stärken, dass sie ihr soziales Leben eigenverantwortlich gestalten bzw. sich Hilfe zur Lösung von Problemen adäquat einfordern können. Dies ist ein Lernprozess, den alle Mitarbeitenden der Klinik unterstützen, der entsprechend den vorgegebenen gesetzlichen Forderungen halbjährlich überprüft wird und in Form eines Behandlungsplanes fortgeschrieben wird.

Es besteht die Möglichkeit der Integration einzelner Patient:innen in eine Gruppe, die sich selbst versorgt. Diese ist auf einer jeweiligen Station organisiert. Die Selbstversorgungsgruppe bietet die Möglichkeit, lebenspraktische Fähigkeiten zu erwerben, beizubehalten bzw. auszubauen.

Die Gruppenmitglieder erhalten in der Gesamtheit ihren Verpflegungssatz - außer jenen für die Mittagsmahlzeit - ausbezahlt und verwalten die Gesamtsumme gemeinsam. Von diesem Geld werden Lebensmittel und Getränke eingekauft, die nur den Gruppenmitgliedern zur Verfügung stehen. Innerhalb der Gruppe ist es damit zum Beispiel notwendig, sich gemeinsam über einen Speiseplan für die nächste Woche, eine ausgewogene Ernährung und die Einteilung der finanziellen Mittel zu einigen.

Das Therapiekonzept

Die Selbstversorgungsgruppe ist als therapeutische Maßnahme im Rahmen der Sozio- und Milieutherapie anzusehen. Auftretende Konflikte sind zunächst innerhalb der Gruppe zu lösen. Sollte dies nicht möglich sein, steht die  Unterstützung der Mitarbeiter:innen des Pflege- und Erziehungsdienstes zur Verfügung. Letzterem kommt dabei jedoch nur eine stützende Funktion zu. Jedes Gruppenmitglied soll lernen, eigene Wünsche und Bedürfnisse sozialkonform durchzusetzen und die Gestaltung der Gruppe zu beeinflussen. Soziale Kompetenzen wie Akzeptanz, Toleranz, Kritikfähigkeit, Hilfsbereitschaft, gegenseitige Unterstützung, Fähigkeiten zur gewaltfreien Auseinandersetzung in Konfliktsituationen sowie die Einhaltung von Absprachen und der respektvollen Interaktion stehen im Vordergrund dieser therapeutischen Maßnahme.

Konkrete Tätigkeiten

Die teilnehmenden Patient:innen erledigen die Tätigkeiten des Tischdienstes, des Einkaufes, der Planung, Kassenverwaltung, der Reinigung der Küche und der Kontrolle von Verfallsdaten von Lebensmitteln. Die Gruppe stellt nach außen hin eine geschlossene Organisationsform dar. Die materiell technischen Voraussetzungen für die Gruppe werden durch die Klinik zur Verfügung gestellt. Monatlich erfolgt ein Kassensturz, Restgelder stehen der Gruppe zur freien Verfügung.

Pädagogisch ausgebildete Mitarbeiter:innen analysieren im unmittelbaren zeitlichen Zusammenhang zur stationären Aufnahme der Patient:innen dessen schulische Fähigkeiten anhand standardisierender Tests und durch Gespräche.

Die in der Klinik für Forensische Psychiatrie untergebrachten Patient:innen verfügen oftmals über keinen Schulabschluss bzw. über einen solchen, der die Aufnahme einer Lehre oder einer höheren Ausbildung nicht ermöglicht. Die große Gruppe der Patient:innen mit Lernbehinderungen oder Intelligenzstörungen haben oft genug Schwierigkeiten, einfachste Wünsche zu Papier zu bringen. In Freiheit können diese Menschen oft nicht die  Erfordernisse der sozialen Umwelt erfüllen, zum Beispiel Anträge bei Behörden stellen. Mitunter steht ihnen hierbei gesetzliche Betreuer:innen nicht zur Verfügung. Dies erzeugt Unsicherheiten, Ängste und führt oft genug zum sozialen Rückzug ggf. zum Preis des Verzichts auf zustehende Sozialleistungen.

In der Klinik für Forensische Psychiatrie analysieren pädagogisch ausgebildete Mitarbeitende im unmittelbaren zeitlichen Zusammenhang zur stationären Aufnahme der Patient:innen dessen schulische Fähigkeiten anhand standardisierender Tests und durch Gespräche. Den Patient:innen wird dann ein Angebot zur Beschulung, Alphabetisierung, aber auch zu weiterführenden Lerninhalten unterbreitet. In seltenen Fällen werden auch Ausbildungsinhalte, welche über die Industrie- und Handelskammer angeboten werden, im Rahmen der Beschulung vermittelt, der Einstieg Einzelner in Ausbildungen somit vorbereitet.