Asklepios Fachklinikum Wiesen

Beziehungs- und Kontaktstörungen

Beziehungs- und Kontaktstörungen

Wenn zwischenmenschliche Beziehungen zur Herausforderung werden

Unter Beziehungs- und Kontaktstörungen versteht man tiefgehende Probleme im Umgang mit anderen Menschen. Es handelt sich bei Beziehungs- und Kontaktstörungen nicht um ein Krankheitsbild im formalen Sinne, sondern vielmehr werden hiermit die verschiedenen Schwierigkeiten im zwischenmenschlichen Bereich beschrieben. Diese können viele Facetten haben – bei Erwachsenen zeigen sich ein unsicherer Bindungsstil, Beziehungsmuster im Rahmen von Persönlichkeitsakzentuierungen oder -störungen oder auch soziale Interaktionsprobleme. Diese wirken sich oft auf das alltägliche Leben und die Lebensqualität der Betroffenen aus. Im folgenden Text erfahren Sie mehr über die verschiedenen Formen dieser Störungen: Welche Symptome treten auf? Wie erfolgt die Diagnose? Und welche Therapien gibt es? 

Falls Sie oder jemand in Ihrem Umfeld Unterstützung benötigt, sind die Fachkräfte von Asklepios mit umfassenden Erfahrungswerten und Einfühlungsvermögen an Ihrer Seite. 
 

Welche Beziehungs- und Kontaktstörungen sind am häufigsten?

Bindungsstörungen bzw. der unsichere Bindungsstil

Bindungsstörungen umfassen Schwierigkeiten, enge und vertrauensvolle Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen. Diese Probleme entstehen oft dadurch, dass die Betroffenen in ihrer Kindheit prägende negative Erfahrungen mit Beziehungen gemacht haben, etwa emotionale Vernachlässigung, und münden dann im Erwachsenenalter in einem unsicheren Bindungsstil. Menschen mit bindungsbezogenen Schwierigkeiten können sich entweder nicht auf Beziehungen einlassen oder fühlen sich in diesen unsicher. Diese Form der Störung prägt zwischenmenschliche Beziehungen nicht nur im privaten, sondern auch im beruflichen Bereich.

Interaktionsstörungen

Menschen mit Interaktionsstörungen legen im Umgang mit anderen oft starre und ungesunde Verhaltensmuster an den Tag. Sie finden es schwierig, sich flexibel an unterschiedliche soziale Situationen anzupassen. Dies kann zu Missverständnissen oder Konflikten führen und Beziehungen nachhaltig belasten.

Persönlichkeitsstörungen mit Auswirkungen auf Beziehungen

Es gibt auch Persönlichkeitsstörungen, die mit Beziehungsproblemen einhergehen. Dazu zählen unter anderem die Borderline-Störung (BPS) oder die narzisstische Persönlichkeitsstörung. Menschen mit einer BPS erleben zum Beispiel neben extremen Stimmungsschwankungen häufig eine Instabilität der Beziehungen, Identitätsstörungen sowie Impulsivität und Affektinstabilität. Krankhafte Narzisst:innen wiederum zeigen zumeist anderen Menschen gegenüber nur eine eingeschränkte Empathiefähigkeit. Diese Störungen beeinflussen folglich, wie sich die Betroffenen in Beziehungen wahrnehmen und verhalten, und können sie daran hindern, stabile und gesunde Partnerschaften oder Freundschaften zu führen.

Soziale Interaktionsstörung (Kontaktstörung)

Soziale Interaktionsstörungen betreffen die Fähigkeit, angemessen mit anderen Menschen umzugehen. So kann sich diese Störung entweder dadurch äußern, dass die Betroffenen übermäßig zurückhaltend auftreten. Oder im Gegenteil keine angemessene Distanz zu anderen halten. Solche Störungen treten oft in Verbindung mit weiteren psychischen Erkrankungen auf oder können mit autistischen Zügen, soziale Angststörungen oder Persönlichkeitsmustern in Verbindung stehen.

Bindungsangst

Bindungsangst beschreibt die Furcht vor engen und dauerhaften Beziehungen. Betroffene wünschen sich oft Nähe, haben aber gleichzeitig Angst davor, dass ihre Gefühle verletzt werden oder sie ihre Unabhängigkeit verlieren. Dies führt häufig dazu, dass sie im Wechsel nach Nähe streben, dann aber ihre Partner:innen immer wieder auf Distanz halten oder sich ganz zurückziehen.

Trennungs- und Verlustangst

Menschen mit Trennungs- oder Verlustangst fürchten, von nahestehenden Personen verlassen zu werden. Diese Ängste können dazu führen, dass sie sich stark an ihre Partner:innen oder anderen Bezugspersonen klammern oder Beziehungen aus Angst vor einem möglichen Verlust gänzlich vermeiden.

Welche Symptome treten bei Beziehungs- und Kontaktstörungen auf?

Beziehungs- und Kontaktstörungen können sich durch unterschiedliche Anzeichen bemerkbar machen, die jedoch oft auf ähnliche Probleme im zwischenmenschlichen Miteinander hindeuten. Im Folgenden haben Expert:innen von Asklepios für Sie Informationen zu den häufigsten Symptomen, die bei diesen Erkrankungen auftreten können, zusammengestellt.

Angst vor Nähe

Ein verbreitetes Symptom ist die Angst vor Nähe als Ausdruck eines ängstlich-vermeidenden Bindungsstils. Betroffene haben oft Probleme, sich emotional auf andere Menschen einzulassen. Sie ziehen sich zurück, um Verletzungen oder Enttäuschungen zu vermeiden. Diese Angst vor Nähe kann dazu führen, dass Beziehungen oberflächlich bleiben und keine tiefere Bindung aufgebaut wird.

Übermäßige Abhängigkeit

Manche Betroffene erleben das genaue Gegenteil und begeben sich in eine übermäßige Abhängigkeit als mögliche Ausprägung eines dependenten Persönlichkeitsstils. Sie klammern sich an ihre Partner:innen oder Bezugspersonen und fühlen sich ohne deren Unterstützung hilflos. Diese übermäßige Abhängigkeit kann sich in ständiger Suche nach Bestätigung äußern, was die Beziehung belasten und Konflikte hervorrufen kann.

Starke Verlustängste

Ähnlich verhält es sich, wenn Verlustängste auftreten: Viele Betroffene fürchten, wichtige Bezugspersonen zu verlieren. In der Folge klammern sie sich stark an die Beziehung, was für Partner:innen belastend sein kann. In anderen Fällen meiden die Betroffenen Beziehungen ganz, aus Angst, verlassen zu werden.

Schwierigkeiten, die eigenen Gefühle auszudrücken

Ein weiteres häufiges Symptom ist die Unfähigkeit, die eigenen Emotionen klar zu kommunizieren. Betroffene können ihre Bedürfnisse und Wünsche nicht deutlich machen, was oft zu Missverständnissen und Frustration in Beziehungen führt. Dies verstärkt die Isolation und das Gefühl, nicht verstanden zu werden.

Angst vor Kritik und Zurückweisung

Häufig leiden Betroffene unter einer starken Angst vor Kritik oder Zurückweisung. Diese Angst kann dazu führen, dass sie versuchen, sich in Beziehungen möglichst perfekt zu verhalten, um negative Reaktionen zu vermeiden. Da sie nicht mehr authentisch, also nicht mehr „sie selbst“ sind, verhindern sie so, dass eine Beziehung vertieft wird.

Rigide Beziehungsmuster

Rigide Beziehungsmuster bezeichnen ein unflexibles Verhalten, das sich durch starre oder stereotype Reaktionen zeigt. Betroffene passen sich nur schwer an neue soziale Situationen an, was zu Konflikten und Missverständnissen führen kann. Dies erschwert es ihnen, harmonische und stabile Beziehungen aufzubauen.

Schwankende Gefühle in Beziehungen

Insbesondere bei Störungen wie der Borderline-Persönlichkeitsstörung treten starke Stimmungsschwankungen auf. Beziehungen können von intensiver Nähe bis hin zu plötzlichem Rückzug oder sogar Ablehnung reichen. Dieses „Beziehungs-Ping-Pong” ist sowohl für Betroffene als auch für ihre Partner:innen emotional belastend.

Symptome wie emotionale Schwankungen oder extreme Nähe-Distanz-Probleme können je nach Art der Störung unterschiedlich ausgeprägt sein. Während beispielsweise Menschen mit Bindungsangst eher dazu neigen, Nähe zu vermeiden, klammern sich Personen mit Trennungsangst oft übermäßig an ihre Bezugspersonen. Persönlichkeitsstörungen können ebenfalls ein breites Spektrum an Symptomen zeigen, die von mangelnder Empathie bis zu intensiven Gefühlen der Einsamkeit reichen. In unseren medizinischen Einrichtungen stehen Fachkräfte bereit, um diese individuellen Unterschiede zu erkennen und Betroffene bestmöglich zu unterstützen.

Wie werden Beziehungs- und Kontaktstörungen diagnostiziert?

Beziehungs- und Kontaktstörungen zu diagnostizieren, ist eine komplexe Aufgabe. Denn oft ist den Betroffenen nicht bewusst, dass ihre Schwierigkeiten im Umgang mit anderen Menschen auf tieferliegende Störungen zurückzuführen sind. Daher legen die Fachkräfte bei Asklepios besonderen Wert darauf, den Zusammenhang zwischen vergangenen Beziehungserfahrungen und dem aktuellen Verhalten herauszuarbeiten. Für die Diagnose betrachten sie sorgfältig die individuelle Lebensgeschichte und die aktuellen sozialen Herausforderungen der Betroffenen. Sie setzen dabei auf umfassende Gespräche, um die zugrunde liegenden Probleme zu erkennen. Dabei achten unsere Spezialist:innen besonders auf wiederkehrende Muster in den Beziehungen ihrer Patient:innen, etwa die Art und Weise, wie sie Nähe und Distanz gestalten, oder welche Ängste beziehungsweise Konflikte sie im Umgang mit anderen erleben.

Die Diagnose unterscheidet sich je nach spezifischer Störung. Bei einem unsicherem Bindungsstil wird beispielsweise geprüft, ob problematische Erfahrungen in der Kindheit das Bindungsverhalten geprägt haben. Hier kommen oft spezielle Fragebögen oder Interviews zum Einsatz, wie z. B.  SCID-5-PD für Persönlichkeitsdiagnostik oder OPD-2 oder OPD-3 für strukturelle Beurteilung. Kontaktstörungen hingegen werden anhand von Verhaltensmustern wie extremer Zurückhaltung oder distanzlosem Auftreten identifiziert. Bei Persönlichkeitsstörungen, die mit Beziehungsproblemen einhergehen, beziehen die Fachkräfte diagnostische Kriterien ein, etwa ob der betroffene Mensch emotional instabil ist oder ein starkes Bedürfnis nach Bestätigung hat.

Die Diagnose von Trennungs- und Verlustangst stützt sich wiederum auf die Identifikation von übermäßigen Sorgen und Verhaltensweisen, die eine starke Angst vor dem Alleinsein oder Verlassenwerden verdeutlichen. Die Fachkräfte achten hier darauf, ob diese Ängste die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.

Unabhängig von der jeweiligen Störung besteht das Ziel der Diagnose darin, den Betroffenen ein Bewusstsein für ihre Verhaltensmuster zu vermitteln und sie dazu zu ermutigen, Veränderungen einzuleiten. Zudem werden im Rahmen der Differenzialdiagnostik depressive Störungen, soziale Angststörungen, Traumafolgestörungen und bestimmte Persönlichkeitsmerkmale abgegrenzt. In unseren medizinischen Einrichtungen stehen erfahrene Therapeut:innen bereit, um gemeinsam mit den Betroffenen die besten Schritte zur Bewältigung dieser Herausforderungen zu entwickeln.

Wie werden Beziehungs- und Kontaktstörungen behandelt?

Verhaltenstherapie: Fokus auf das Hier und Jetzt

Die Verhaltenstherapie gehört zu den am häufigsten eingesetzten Methoden bei Beziehungs- und Kontaktstörungen. Sie hilft Betroffenen, schädliche Verhaltensmuster zu erkennen und durch neue, gesündere Strategien zu ersetzen. Besonders bei Bindungsstörungen oder Kontaktstörungen, die durch Angst vor Nähe oder Konflikten geprägt sind, zeigt diese Therapieform gute Ergebnisse. Durch praktische Übungen und Rollenspiele lernen Betroffene, ihre sozialen Fähigkeiten zu erweitern und ihre Beziehungsmuster zu verbessern. Unsere Fachkräfte bei Asklepios begleiten diesen Prozess einfühlsam und unterstützen Betroffene dabei, die erlernten Strategien im Alltag umzusetzen.

Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie: ein Blick in die Vergangenheit

Diese Form der Psychotherapie eignet sich vor allem für Patient:innen, deren Beziehungsprobleme tief in der Kindheit verwurzelt sind. Es gilt, unbewusste Konflikte und frühere Beziehungserfahrungen aufzudecken, die das aktuelle Verhalten beeinflussen. In einem geschützten Rahmen erarbeiten Betroffene im Gespräch mit einer Therapeutin oder einem Therapeuten den Zusammenhang zwischen früheren Erlebnissen und ihren aktuellen Problemen. Diese Erkenntnisse helfen, alte Muster zu durchbrechen und neue Wege für stabile Beziehungen zu finden. Unsere Pflegefachkräfte unterstützen die Patient:innen zusätzlich dabei, sich in ihrem Alltag sicherer zu fühlen.

Systemische Therapie: die Dynamik im Umfeld verstehen

Die systemische Therapie betrachtet Beziehungsstörungen im Zusammenhang mit dem sozialen Umfeld der Betroffenen. Häufig bezieht die Therapeutin oder der Therapeut dabei die Partnerin oder den Partner sowie enge Familienmitglieder in die Sitzungen ein. So lassen sich die Dynamiken in den Beziehungen der Patient:innen besser verstehen und verändern. Diese Methode eignet sich besonders bei Trennungs- und Verlustängsten, da sie dabei hilft, gegenseitiges Verständnis und Vertrauen aufzubauen. Die Fachkräfte bei Asklepios unterstützen den gemeinsamen Prozess und fördern eine offene Kommunikation.

Schematherapie: Muster erkennen

Schematherapie hilft dabei, alte Denk- und Verhaltensmuster zu erkennen, die im Leben Probleme verursachen. Diese Muster entstehen oft aus belastenden Erfahrungen. In der Therapie lernen Betroffene, solche automatischen Reaktionen besser zu verstehen, neue hilfreiche Sichtweisen zu entwickeln und anders zu handeln. Ziel ist es, langfristig gesündere Wege im Umgang mit sich selbst und anderen zu finden.

Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT)

Die Dialektisch-Behaviorale Therapie unterstützt Menschen dabei, starke Gefühle besser zu verstehen und zu steuern. Sie kombiniert Achtsamkeit, Stressbewältigung, den Umgang mit Konflikten und Strategien zur Emotionsregulation. Ziel ist es, hilfreiche Fähigkeiten für den Alltag aufzubauen, Stabilität zu gewinnen und impulsives oder selbstschädigendes Verhalten Schritt für Schritt zu reduzieren.

Mentalisierungsbasierte Therapie (MBT)

Die Mentalisierungsbasierte Therapie hilft dabei, besser zu erkennen, welche Gedanken, Gefühle und Absichten die eigenen Reaktionen beeinflussen – und welche das Gegenüber bewegen. Wenn starke Emotionen auftreten, fällt dieses Verständnis oft schwer. In der MBT üben Patient:innen deshalb, in solchen Momenten innezuhalten, ihre Wahrnehmung zu sortieren und realistischer einzuordnen. Das stärkt die Fähigkeit, Beziehungen stabiler, klarer und sicherer zu gestalten.

Sozialkompetenztraining: praktische Fähigkeiten für den Alltag

Ein Sozialkompetenztraining zielt darauf ab, die zwischenmenschlichen Fähigkeiten der Betroffenen zu stärken. Es eignet sich besonders für Menschen mit Kontaktstörungen oder für Menschen, die generell sehr unsicher sind. In Übungen lernen die Teilnehmenden, ihre Gefühle auszudrücken, Konflikte zu lösen und ihre Bedürfnisse klar zu kommunizieren. Dieses Training hilft, das Selbstwertgefühl zu steigern und Beziehungen positiver zu gestalten. Die Pflegekräfte bei Asklepios sorgen dafür, dass der Übergang in den Alltag durch zusätzliche Unterstützung gelingt.

Gruppentherapie: Austausch und gegenseitige Unterstützung

Gruppentherapien bieten Betroffenen die Möglichkeit, Erfahrungen mit anderen zu teilen und voneinander zu lernen. Diese Form der Therapie ist besonders hilfreich bei Bindungsängsten und Trennungsängsten, da sie neue soziale Erfahrungen ermöglicht. In den Gruppen werden Probleme offen besprochen, und gemeinsam erarbeiten die Teilnehmenden Lösungsstrategien. Das Behandlungsteam schafft dabei einen sicheren Rahmen, in dem die Patient:innen Vertrauen aufbauen können.

In unseren medizinischen Einrichtungen stehen alle genannten Therapien bereit, so dass die Behandlungsteams individuell auf die Bedürfnisse ihrer Patient:innen eingehen können. Ziel ist es, den Betroffenen langfristig bessere soziale Beziehungen und mehr Lebensqualität zu ermöglichen.

Kann einer Beziehungs- und Kontaktstörungen vorgebeugt werden?

Der Grund für Beziehungs- und Kontaktstörungen liegt häufig in der Kindheit. Entsprechend kann ihnen auch dort vorgebeugt werden: Kinder, die in sicheren sozialen und emotionalen Beziehungen aufwachsen, können im Laufe ihres Lebens selbst solche stabilen Bindungen aufbauen. Doch auch, wenn man als Kind eine solche Sicherheit nicht erfahren hat, gibt es Wege, das Risiko für eine tiefgehende Beziehungs- und Kontaktstörungen zu reduzieren.

Emotionale Achtsamkeit entwickeln

Um das Risiko für Beziehungs- und Kontaktstörungen zu senken, ist es wichtig, die eigenen Gefühle bewusst wahrzunehmen und zu reflektieren. Emotionale Achtsamkeit bedeutet, regelmäßig innezuhalten und die eigenen Bedürfnisse zu erkennen. Dabei kann es helfen, ein Tagebuch zu führen, um Gefühle und Situationen schriftlich festzuhalten. So wird es leichter, emotionale Zusammenhänge zu verstehen und ungesunde Verhaltensmuster zu erkennen. Durch diese Praxis können Sie besser auf Ihre Emotionen eingehen und diese anderen Menschen gegenüber angemessen ausdrücken.

Offene Kommunikation pflegen

Eine offene und respektvolle Kommunikation ist eine wichtige Grundlage für gesunde Beziehungen. Üben Sie, Ihre Gefühle und Bedürfnisse klar und ohne Vorwürfe zu äußern. Regelmäßige Gespräche mit Freund:innen, Partner:innen oder Kolleg:innen helfen, Missverständnisse zu vermeiden und die Beziehung zu stärken. Auch aktives Zuhören ist entscheidend, um die Perspektive anderer besser zu verstehen.

Soziale Kontakte regelmäßig pflegen

Ein stabiles soziales Netzwerk kann als Schutzfaktor gegen Beziehungs- und Kontaktstörungen wirken. Bemühen Sie sich, bestehende Freundschaften und Beziehungen aktiv zu pflegen. Gleichzeitig ist es sinnvoll, neue Kontakte zu knüpfen, beispielsweise in Vereinen, Kursen oder bei einer ehrenamtlichen Arbeit. So stärken Sie Ihre sozialen Fähigkeiten und erweitern Ihr Umfeld.

Selbstwertgefühl stärken

Ein gesundes Selbstwertgefühl ist entscheidend für stabile Beziehungen. Arbeiten Sie daran, sich selbst zu akzeptieren und Ihre Stärken anzuerkennen. Positive Glaubenssätze wie „Ich verdiene Respekt“ oder „Ich bin wertvoll“ können helfen, negative Denkmuster zu durchbrechen. Auch das Setzen und Erreichen kleiner Ziele im Alltag stärkt das Selbstbewusstsein. Mit einem stabilen Selbstwert fällt es leichter, sich in Beziehungen selbstsicher und authentisch zu verhalten.

Professionelle Hilfe frühzeitig in Anspruch nehmen

Wenn Sie erste Anzeichen von Kontakt- oder Beziehungsproblemen bemerken, scheuen Sie sich nicht, professionelle Unterstützung zu suchen. Psychotherapeut:innen oder Beratungsstellen können helfen, problematische Muster zu erkennen und anzugehen. Dabei ist es nicht notwendig, bereits unter ausgeprägten Symptomen zu leiden – eine rechtzeitige Unterstützung kann größere Probleme verhindern.

Alkohol und andere schädliche Substanzen vermeiden

Der Konsum von Alkohol und psychoaktiven Substanzen kann sich negativ auf das Sozialverhalten und die Beziehungsfähigkeit auswirken. Außerdem ist es unter dem Einfluss von Alkohol schwierig, die Gefühle anderer wahrzunehmen und die eigenen Emotionen zu regulieren. Daher ist es ratsam, Alkohol vollständig zu meiden. Auch der bewusste Verzicht auf andere Substanzen, die das Nervensystem beeinträchtigen, unterstützt die Prävention von Beziehungs- und Kontaktstörungen.

Durch diese Maßnahmen können Sie nicht nur dem Risiko, Beziehungs- und Kontaktstörungen zu entwickeln, entgegenwirken, sondern auch Ihre allgemeine Lebensqualität verbessern.

Welche Rolle spielt das Gehirn bei Beziehungs- und Kontaktstörungen?

Das Gehirn steuert unsere Emotionen und sozialen Fähigkeiten. Und es regelt auch, wie wir auf zwischenmenschliche Beziehungen reagieren. Folglich beeinflusst es die Entstehung und Ausprägung von Beziehungs- und Kontaktstörungen maßgeblich. Vor allem spezifische Hirnregionen wie das limbische System, zu dem die Amygdala und der Hippocampus gehören, spielen dabei eine Schlüsselrolle. Die Amygdala ist für die Verarbeitung von Emotionen wie Angst und Wut verantwortlich, während der Hippocampus für das emotionale Gedächtnis zuständig ist. Ungünstige Erfahrungen in der Kindheit, wie etwa emotionale Vernachlässigung oder traumatische Erlebnisse, können diese Gehirnregionen nachhaltig prägen.

Studien zeigen, dass Menschen mit Bindungsstörungen oder Bindungsangst oft eine erhöhte Aktivität der Amygdala aufweisen, weshalb sie auf Nähe oder Konflikte nicht so gut reagieren können wie Menschen ohne diese Störungen. Gleichzeitig kann der präfrontale Kortex, der für kontrolliertes und rationales Verhalten verantwortlich ist, die Emotionen oftmals nicht richtig regulieren. Dies erschwert den Betroffenen, ihre Gefühle in sozialen Situationen angemessen zu steuern.

Bei Persönlichkeitsstörungen wie der Borderline-Störung wurde außerdem eine Fehlfunktion in der Verbindung zwischen Amygdala und präfrontalem Kortex nachgewiesen. Diese Störung kann dazu führen, dass Emotionen intensiver erlebt werden und impulsive Reaktionen auftreten, die Beziehungen belasten. Unsere Fachkräfte legen großen Wert darauf, diese neurologischen Zusammenhänge bei der Diagnose und Therapie zu berücksichtigen. Ihr Ziel ist eine individuell angepasste Behandlung für jede ihrer Patientinnen und jeden Patienten.