Asklepios Paulinen Klinik Wiesbaden

Hormonstörungen beim Mann

Testosteronmangel (Hypogonadismus) und seine Auswirkungen

Hormonstörungen beim Mann

Testosteron ist das wichtigste männliche Geschlechtshormon. Neben der Sexualfunktion steuert es auch den Muskelaufbau, die Knochendichte und den Stoffwechsel. Lange Zeit dachte man, ein sinkender Testosteronspiegel gehöre zum natürlichen Alterungsprozess. Studien zeigen jedoch, dass die Testosteronproduktion bei gesunden Männern bis ins hohe Alter stabil bleibt. Nicht das Alter an sich, sondern die bei vielen Männern mittleren Alters auftretenden Volkskrankheiten wie Übergewicht, Diabetes Typ 2 (Zuckerkrankheit) oder Bluthochdruck drücken den Testosteronspiegel nach unten. Seltenere Ursachen für Hypogonadismus (Testosteronmangel) beim Mann sind Schäden in den Hoden oder im hormonellen Regelkreis des Gehirns.

Wie sich ein niedriger Testosteronspiegel auf den Körper und die Psyche auswirkt und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt, erfahren Sie in den folgenden Abschnitten. Expert:innen von Asklepios haben für Sie die wesentlichen Informationen zusammengefasst.

Sollten Sie Anzeichen für eine Hormonstörung bemerken, wenden Sie sich gerne direkt an eine unserer Einrichtungen. Unsere erfahrenen Fachkräfte messen den Testosteronspiegel in Ihrem Blut und helfen Ihnen mit gezielten Maßnahmen, Lebensqualität zurückzugewinnen.

Welche Symptome treten bei einem Testosteronmangel auf?

Viele Männer mit niedrigen Testosteronwerten haben weniger Lust auf Sex und fühlen sich insgesamt antriebslos und erschöpft. Im Folgenden finden Sie die häufigsten Symptome, die mit einer verminderten Produktion des Sexualhormons einhergehen:

Abnahme des sexuellen Verlangens (Libidoverlust) und Erektionsstörungen

Ein typisches Anzeichen für hormonelle Veränderungen ist der Verlust der Libido. Viele Männer bemerken, dass ihr sexuelles Interesse nachlässt. Weitere sexuelle Symptome sind seltener auftretende morgendliche Erektionen und Erektionsstörungen.

Müdigkeit und Energiemangel

Chronische Müdigkeit und ein Gefühl von Erschöpfung zählen ebenfalls zu den häufigsten Beschwerden. Die betroffenen Männer sind im Alltag und am Arbeitsplatz weniger belastbar.

Muskelabbau und Gewichtszunahme

Testosteron ist entscheidend für Muskelaufbau und Fettstoffwechsel. Sinkt der Testosteronspiegel, nehmen Muskelmasse und Muskelkraft ab. Gleichzeitig kann es zu einer Zunahme des viszeralen Bauchfetts (inneres Fett) kommen, was das Risiko für weitere gesundheitliche Probleme wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Typ-2-Diabetes erhöht.

Stimmungsschwankungen und depressive Verstimmungen

Hormonelle Veränderungen können die Psyche beeinflussen. Das äußert sich oft in Form von Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit oder depressiven Verstimmungen. Einige Männer berichten auch von einem verringerten Selbstwertgefühl.

Kognitive Beeinträchtigungen

Konzentrationsschwierigkeiten und Gedächtnisstörungen können ebenfalls auftreten und sowohl den beruflichen als auch den privaten Alltag erschweren.

Schlafstörungen

Weit verbreitet sind darüber hinaus Probleme, ein- oder durchzuschlafen. Schlafstörungen können die allgemeine Lebensqualität erheblich beeinträchtigen und die zuvor genannten Beschwerden verstärken.

Diese Symptome können erste Anzeichen für einen Testosteronmangel sein, werden jedoch auch durch andere gesundheitliche Probleme verursacht. Unsere Expert:innen raten Ihnen daher, sich in einem ersten Schritt bei anhaltenden Beschwerden an Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt zu wenden.

Wie wird eine Hormonstörung beim Mann diagnostiziert?

Die Diagnose beginnt mit einer ausführlichen Anamnese. Die behandelnde Fachkraft fragt Sie nach Ihren Symptomen, Ihrer Krankengeschichte und Ihrem allgemeinen Gesundheitszustand. Dabei schafft sie oder er eine professionelle Atmosphäre, in der Sie alle Ihre Beschwerden offen ansprechen können. Libidoverlust, Müdigkeit, depressive Verstimmungen oder Muskelabbau können erste Hinweise auf einen Testosteronmangel geben.

In der Regel folgen eine körperliche Untersuchung, bei der unter anderem das Hodenvolumen und andere körperliche Merkmale beurteilt werden, sowie Labortests. Neben dem Testosteronspiegel messen die Fachkräfte meist auch das luteinisierende Hormon (LH), das Follikelstimulierende Hormon (FSH), das Sexualhormon-bindendes Globulin (SHBG) und die Schilddrüsenhormone (TSH, fT3, fT4) um die Ursache eines Testosteronmangels besser eingrenzen zu können. Die Blutabnahme erfolgt morgens zwischen 8:00 und 10:00 Uhr, da der Testosteronspiegel dann am höchsten ist.  

Manchmal sind weitere Untersuchungen erforderlich. Sie dienen vor allem dazu, andere mögliche Ursachen der Symptome auszuschließen. Das können beispielsweise Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes, Schilddrüsenprobleme oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen sein. Mit bildgebenden Verfahren wie der Magnetresonanztomografie (MRT: Bildgebungsverfahren, bei dem ein Magnetfeld genutzt wird) können die Fachkräfte Veränderungen an der Hypophyse (Hirnanhangdrüse) erkennen, die die Testosteronproduktion reguliert.

Wie wird ein Testosteronmangel behandelt?

Ein ausgeprägter Testosteronmangel lässt sich mit Medikamenten behandeln. Wichtig ist aber auch, die zugrundeliegende Ursache zu bekämpfen. Unsere Ärzt:innen planen eine umfassende Therapie, die auf Ihre spezifischen Bedürfnisse zugeschnitten ist.

Testosteronersatztherapie (Hormontherapie)

Liegt der Testosteronspiegel deutlich unter dem Normalbereich, empfehlen unsere Urolog:innen eine Testosteronersatztherapie zur Linderung der typischen Beschwerden.  Zur Verfügung stehen Gele, Tabletten, Pflaster oder Spritzen. Wie das Testosteron verabreicht wird, hängt von der individuellen Situation des Patienten ab. Unsere Fachkräfte bei Asklepios führen regelmäßige Kontrolluntersuchungen durch, um den Erfolg und mögliche Nebenwirkungen der Behandlung zu überwachen. Dazu messen sie den Testosteronspiegel, die Knochendichte und untersuchen die Prostata.

In manchen Fällen ist eine Testosterongabe kontraindiziert. Patienten mit Prostatakrebs und Männer mit Kinderwunsch sollten in der Regel nicht mit einer Hormonersatztherapie behandelt werden.

Änderung des Lebensstils

Ein gesunder Lebensstil trägt wesentlich dazu bei, die Symptome von Hormonstörungen zu lindern. Eine ausgewogene Ernährung, ein gesundes Körpergewicht, der Verzicht auf Alkohol- und Nikotinkonsum sowie regelmäßige Bewegung unterstützen die natürliche Testosteronproduktion. Unsere Pflegekräfte und Ernährungsberater:innen beraten Sie zu Maßnahmen zur Verbesserung Ihres Lebensstils.

Psychologische Unterstützung

Einzelgespräche oder Gruppentherapien helfen, depressive Verstimmungen, Antriebslosigkeit und Stimmungsschwankungen zu bewältigen. Unsere geschulten Fachkräfte begleiten Sie auf Ihrem Weg.

Welche Folgeerkrankungen können durch einen Testosteronmangel auftreten?

Ein dauerhaft zu niedriger Testosteronspiegel kann nicht nur das körperliche und seelische Wohlbefinden beeinträchtigen, sondern auch einige Krankheiten begünstigen.

Osteoporose (Knochenschwund)

Ein langfristiger Testosteronmangel kann zu einem Verlust an Knochendichte führen. Werden die Knochen poröser und brüchiger, steigt das Risiko für Frakturen, insbesondere an Hüfte, Wirbelsäule und Handgelenken.

Metabolisches Syndrom

Das metabolische Syndrom beschreibt eine Kombination aus Übergewicht, Bluthochdruck, erhöhten Blutzuckerwerten und Fettstoffwechselstörungen. Ein niedriger Testosteronspiegel fördert die Entstehung dieser Erkrankung, da er die Fettansammlung im Bauchbereich begünstigt und die Insulinsensitivität des Körpers reduziert.

Typ-2-Diabetes

Testosteronmangel steht in engem Zusammenhang mit einer erhöhten Insulinresistenz, die das Risiko für Typ-2-Diabetes signifikant steigert. Männer mit niedrigem Testosteronspiegel haben oft erhöhte Blutzuckerwerte, was unbehandelt unter anderem zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen kann.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Ein dauerhaft niedriger Testosteronspiegel kann das Herz-Kreislauf-System auch direkt belasten. Es besteht ein erhöhtes Risiko für Bluthochdruck, Arteriosklerose (Arterienverkalkung) und Herzinfarkt. Die genauen Zusammenhänge sind noch nicht abschließend erforscht. Angenommen wird, dass Testosteronmangel die Funktion der Blutgefäße beeinträchtigt und Entzündungen fördert.

Depressionen und Angststörungen

Männer mit Hormonstörungen leiden häufig auch an psychischen Beschwerden. Testosteron beeinflusst die Stimmung, ein Mangel erhöht das Risiko für Depressionen und Angststörungen. Typische Anzeichen sind Antriebsarmut und emotionale Instabilität.

Der ganzheitliche Behandlungsansatz in unseren Einrichtungen berücksichtigt diese Zusammenhänge, um die Gesundheit unserer Patienten umfassend zu fördern.

Was kann ich selbst gegen einen niedrigen Testosteronspiegel tun?

In vielen Fällen lässt sich die Hormonproduktion schon durch kleine Veränderungen wieder ins Gleichgewicht bringen. Die im Folgenden genannten Maßnahmen wirken sowohl vorbeugend als auch therapeutisch, wenn der Testosteronspiegel bereits abgesunken ist.

Gesunde Ernährung: die richtige Balance finden

Frisches Obst, Gemüse, Vollkornprodukte, mageres Eiweiß: Eine gesunde Ernährung ist ein zentraler Faktor für einen stabilen Hormonspiegel. Wichtig sind auch gesunde Fette. Sie kommen zum Beispiel in Avocados, Nüssen, Fischen und Olivenöl vor. Achten Sie zudem auf eine ausreichende Zufuhr von Zink, Vitamin D und Magnesium, da diese Nährstoffe eine wichtige Rolle bei der Hormonregulierung spielen. Beispielsweise liefern 100 Gramm Haferflocken etwa 3,9 mg Zink, was bereits ein Drittel des Tagesbedarfs deckt. Um die Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren sicherzustellen, empfehlen sich zwei Portionen fettreicher Fisch pro Woche, beispielsweise Lachs oder Makrele.

Regelmäßige körperliche Aktivität: Bewegung als Schlüssel zur Gesundheit

Regelmäßige Bewegung erhält die Muskelmasse und reduziert die Fettansammlung im Bauchbereich. Krafttraining hat einen besonders positiven Einfluss auf die Testosteronproduktion. Schon zwei bis drei Einheiten pro Woche fördern die Stoffwechselgesundheit. Ergänzen Sie das Krafttraining mit moderatem Ausdauersport. Um Ihr Herz-Kreislauf-System zu unterstützen, sind 30 Minuten an fünf Tagen pro Woche ideal. Dazu zählt auch ein zügiger Spaziergang.

Stressbewältigung: Stress reduzieren und entspannen

Chronischer Stress führt zu einer erhöhten Produktion von Cortisol, was den Testosteronspiegel negativ beeinflusst. Integrieren Sie Techniken zur Stressbewältigung wie Meditation, Atemübungen oder Yoga in Ihren Alltag. Schon 10 Minuten bewusste Atmung pro Tag können den Stresslevel senken. Auch ein Spaziergang in der Natur oder Zeit mit Familie und Freunden trägt zur Entspannung bei.

Verzicht auf Alkohol und Tabak

Übermäßiger Alkohol- und Nikotinkonsum beeinträchtigt die Testosteronproduktion teils erheblich. Am besten vermeiden Sie Alkohol vollständig. Gleiches gilt für Nikotin.

Ausreichender und gesunder Schlaf

Der Testosteronspiegel steigt in der Nacht an und erreicht morgens seinen Höhepunkt. Guter Schlaf ist für die Hormonregulation daher essenziell. Achten Sie darauf, mindestens sieben Stunden pro Nacht zu schlafen. Halten Sie einen regelmäßigen Schlafrhythmus ein, trinken Sie ab dem späten Nachmittag keinen Kaffee mehr und schalten Sie eine Stunde vor dem Zubettgehen alle Bildschirme aus, um die Schlafqualität zu verbessern.

Regelmäßige Gesundheitschecks

Ab dem 35. Lebensjahr sollten Sie sich alle drei Jahre von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt untersuchen und wichtige Gesundheitsfaktoren wie den Blutdruck, Blutzucker und Cholesterinspiegel überprüfen lassen. Frühzeitige Diagnosen und die Behandlung typischer Volkskrankheiten können einer Hormonstörung vorbeugen.

Ein gesunder Lebensstil trägt wesentlich dazu bei, den Hormonhaushalt zu stabilisieren.

Wie entsteht ein Testosteronmangel beim Mann?

Etwa 95 Prozent des Testosterons werden in den Leydig-Zellen der Hoden gebildet. Das Hormon ist essenziell für die Entwicklung und den Erhalt männlicher Geschlechtsmerkmale, die Muskelmasse, die Knochendichte, den Sexualtrieb sowie die Produktion von Spermien.

Die Annahme, dass der Testosteronspiegel allein aufgrund des natürlichen Alterungsprozesses deutlich abfällt, ist mittlerweile widerlegt. Das Hormon geht nur bei Männern mit gesundheitlichen Problemen zurück. Die Hauptrolle spielen dabei Übergewicht, Typ-2-Diabetes und das metabolische Syndrom. Aber auch Stress, Alkoholkonsum und eine verminderte sexuelle Aktivität können die Testosteronproduktion negativ beeinflussen. Ist der Testosteronmangel auf einen dieser Faktoren zurückzuführen, sprechen Mediziner:innen von einem funktionellen Hypogonadismus. Um einen primären Hypogonadismus handelt es sich, wenn die Hormonproduktion direkt in den Hoden gestört ist. Ursache kann beispielsweise ein Tumor oder eine Verletzung sein. Bei einem sekundären Hypogonadismus ist die Hirnanhangdrüse gestört, die die Testosteronbildung steuert. Primäre und sekundäre Formen machen jedoch nur einen sehr kleinen Teil aller Hypogonadismus-Fälle aus.

Ein Testosteronmangel kann eine Vielzahl von körperlichen und psychischen Beschwerden hervorrufen, darunter Libidoverlust, Erektionsstörungen, Muskelabbau, Schlafstörungen und depressive Verstimmungen. Sollten Sie entsprechende Anzeichen bemerken, stehen in den medizinischen Einrichtungen von Asklepios spezialisierte Fachkräfte bereit, um Ihren Testosteronspiegel zu messen und die erforderlichen Gegenmaßnahmen einzuleiten.

Hinweis:

Die in diesem Artikel bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich der allgemeinen Information und werden regelmäßig durch unsere Fachexpert:innen geprüft und aktualisiert. Sie ersetzen dennoch keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung durch Ärzt:innen, Psycholog:innen, Psychiater:innen oder andere medizinische Fachexpert:innen. Bei gesundheitlichen Beschwerden wenden Sie sich jederzeit gerne an eine unserer Asklepios Kliniken, ambulanten Praxen und medizinischen Versorgungszentren in Ihrer Nähe oder an Ihre behandelnde Hausärztin oder Ihren behandelnden Hausarzt.