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Zwanghafte Persönlichkeitsstörung

Zwanghafte Persönlichkeitsstörung

Wenn Perfektionismus zur Belastung wird

Die zwanghafte oder anankastische Persönlichkeitsstörung ist durch übermäßigen Perfektionismus, starre Regeln und ein starkes Bedürfnis nach Kontrolle geprägt. Sie führt zu Verhaltensweisen, die den Alltag der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Oft kommt es zu Konflikten im beruflichen oder privaten Umfeld.

Wenn Sie mehr über die typischen Symptome, die Diagnoseverfahren und die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten erfahren möchten, finden Sie im folgenden Text einen ersten Überblick über diese Störung. Sollten Sie sich selbst oder jemanden aus Ihrem Umfeld in den Beschreibungen wiedererkennen, zögern Sie bitte nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Die erfahrenen Fachkräfte von Asklepios stehen Ihnen unterstützend zur Seite.

Welche Symptome sind typisch für die zwanghafte Persönlichkeitsstörung?

Eine zwanghafte Persönlichkeitsstörung äußert sich in verschiedenen Verhaltensweisen, die das Leben der Betroffenen und die Personen in ihrem Umfeld erheblich beeinflussen können. Hier sind die häufigsten Symptome zusammengefasst:

Schädlicher Perfektionismus

Die Betroffene streben in allem, was sie tun, nach Perfektion. Weil sie selbst die kleinste Unvollkommenheit nicht ertragen, schließen sie viele Aufgaben nie ab. Der übermäßige Perfektionismus bremst die Betroffenen aus, verhindert effizientes Arbeiten und beeinträchtigt die Fähigkeit, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Übermäßige Beschäftigung mit Ordnung und Details

Zwanghafte Persönlichkeiten sind oft auf Regeln, Listen, Zeitpläne und andere organisatorische Aspekte fixiert. Ihre Detailversessenheit führt dazu, dass sie den eigentlichen Zweck einer Aufgabe aus den Augen verlieren. Manchmal arbeiten sie stundenlang an unwesentlichen Kleinigkeiten, was ihre Produktivität stark einschränkt.

Schwierigkeiten, Aufgaben zu delegieren

Typisch ist auch, dass die Betroffenen anderen nicht zutrauen, Aufgaben nach ihren eigenen strikten Vorstellungen auszuführen. Dadurch fällt es ihnen schwer, Arbeit abzugeben – selbst, wenn sie überlastet sind. Sie machen sehr detaillierte Anweisungen und reagieren oft verärgert, wenn diese nicht exakt befolgt werden.

Vernachlässigung von Freizeit und sozialen Beziehungen

Manche Menschen mit einer zwanghaften Persönlichkeitsstörung widmen sich ihrer Arbeit so obsessiv, dass sie Freizeitaktivitäten und zwischenmenschliche Beziehungen vernachlässigen. Diese Personen glauben häufig, keine Zeit für Entspannung oder Freundschaften zu haben. Wollen sie doch einmal ihre Freizeit genießen, planen sie diese oft so detailliert, dass der Spaß verloren geht.

Starrheit und Unnachgiebigkeit

Viele Betroffene bestehen darauf, dass alles nach ihren Vorstellungen abläuft. Gegen Veränderungen oder alternative Ansätze wehren sie sich. Ihre Sturheit zeigt sich sowohl im beruflichen als auch im privaten Umfeld und kann für Kolleg:innen, Freund:innen und die Familie sehr frustrierend sein.

Schwierigkeiten, Gefühle zu zeigen

Emotionale Zurückhaltung ist ein weiteres prägnantes Merkmal. Zwanghafte Persönlichkeiten wirken oft kühl und distanziert, da sie ihre Gefühle streng kontrollieren. Sie bevorzugen logische und rationale Ansätze und lehnen emotionale oder spontane Verhaltensweisen häufig ab.

Geiz und Angst vor zukünftigen Katastrophen

Aus Angst vor unvorhergesehenen zukünftigen Katastrophen neigen viele Betroffene dazu, Geld zu horten. Für die Familie oder Freund:innen geben sie meist nur ungern Geld aus.

Bei dieser Liste handelt es sich um häufige Verhaltensweisen einer zwanghaften Persönlichkeitsstörung. Die Verhaltensweisen können in unterschiedlicher Intensität auftreten und sich im Laufe des Lebens verändern. Sollten mehrere der genannten Merkmale auf Sie zutreffen und Ihren Alltag erheblich beeinträchtigen, sollten Sie professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Die Fachkräfte in unseren medizinischen Einrichtungen klären, ob tatsächlich eine Störung vorliegt und leiten in enger Abstimmung mit Ihnen eine entsprechende Behandlung ein.

Wie wird eine zwanghafte Persönlichkeitsstörung diagnostiziert?

Die umfassende ärztliche Beurteilung basiert auf standardisierten psychiatrischen Diagnosekriterien. Dabei orientieren sich unsere Fachkräfte in der Regel an den Klassifizierungen des ICD 10-GM 2025 bzw. ICD 11.

Eine zwanghafte Persönlichkeitsstörung liegt nur dann vor, wenn ein tiefgreifendes Muster von Ordnung, Perfektionismus und Kontrolle erkennbar ist, das sowohl die betroffene Person selbst als auch ihr soziales Umfeld beeinträchtigt. Laut DSM-5-TR müssen mindestens vier der folgenden Merkmale erfüllt sein:

  • Eine übermäßige Beschäftigung mit Details, Regeln, Listen und Plänen behindert den Fokus auf das Wesentliche.

  • Der Perfektionismus erschwert die Fertigstellung von Aufgaben.

  • Weil sich die Betroffenen ganz ihrer Arbeit hingeben, vernachlässigen sie ihre Freizeit und soziale Beziehungen (ohne finanzielle Notwendigkeit).

  • Gegenüber moralischen und ethischen Fragen besteht eine strenge und unflexible Haltung.

  • Alte oder wertlose Gegenstände wegzuwerfen, fällt schwer – selbst, wenn sie keine sentimentale Bedeutung besitzen.

  • Arbeit wird nur widerwillig delegiert und muss dann exakt nach den eigenen Methoden ausgeführt werden.

  • Die Angst vor zukünftigen Katastrophen führt zu geizigem Verhalten.

  • Die Betroffenen sind stur und unnachgiebig im Denken und Handeln.

Die Symptome müssen zudem bereits im frühen Erwachsenenalter begonnen haben und sich in verschiedenen Lebensbereichen zeigen. Eine gründliche Differenzialdiagnose ist wichtig, um andere Erkrankungen wie eine schizoide Persönlichkeitsstörung auszuschließen. Diese ist gekennzeichnet durch ein grundlegendes Desinteresse an sozialen Beziehungen und einem begrenzten Spektrum an Emotionen. Ebenso muss eine Abgrenzung zu einer Zwangsstörung erfolgen, die zu wiederkehrenden, unerwünschten Gedanken und Handlungen führt. Unsere Fachkräfte in den medizinischen Einrichtungen von Asklepios setzen ihre langjährige Erfahrung ein, um eine präzise Diagnose zu stellen und eine individuell passende Behandlung abzustimmen.

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Wie lässt sich eine zwanghafte Persönlichkeitsstörung behandeln?

Die Behandlung erfordert ein individuelles Vorgehen, das je nach Ausprägung der Symptome und den Bedürfnissen der Patient:innen variiert. Unsere Expert:innen fokussieren sich dabei auf verschiedene psychotherapeutische Maßnahmen. Unsere Ärzt:innen und Pflegefachkräfte setzen alles daran, Sie auf Ihrem Weg bestmöglich zu unterstützen.

Psychodynamische Psychotherapie: den Ursprung verstehen

Die psychodynamische Psychotherapie setzt bei den tief verwurzelten Ursachen der zwanghaften Persönlichkeitsstörung an. Dabei spielen vor allem frühkindliche Erfahrungen eine Rolle, die das Verhalten und die Denkmuster der Betroffenen geprägt haben. Die Patient:innen lernen, ihre inneren Konflikte zu verstehen, und entwickeln alternative Umgangsweisen damit. Die Therapeut:innen unterstützen die Betroffenen dabei, starre Normen und Gedankenmuster zu hinterfragen und emotionale Blockaden zu lösen. Indem die Therapie mehr Flexibilität und Offenheit im Denken und Handeln fördert, trägt sie langfristig zu einer Verbesserung der Lebensqualität bei.

Kognitive Verhaltenstherapie: praktische Hilfe im Alltag

Die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) hat sich als besonders effektiv bei Menschen mit einer zwanghaften Persönlichkeitsstörung erwiesen. Die Patient:innen identifizieren ihre starren Denkmuster und ersetzen sie Schritt für Schritt durch flexiblere, zielführendere Überzeugungen. Praktische Übungen dienen dazu, neue Verhaltensweisen im Alltag auszuprobieren und zu verinnerlichen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt darauf, den Perfektionismus abzubauen und die Entscheidungsfreude zu fördern. So kann die KVT das Leben der Betroffenen spürbar erleichtern und ihre sozialen Beziehungen verbessern.

Gruppentherapie: gemeinsam neue Wege finden

In einer Gruppentherapie können sich die Betroffenen austauschen und voneinander lernen. Unter Anleitung einer Fachkraft reflektieren sie ihre starren Denkmuster und besprechen alternative Ansätze. Die Dynamik innerhalb der Gruppe ermöglicht es, neue soziale Erfahrungen zu machen und alternative Verhaltensweisen in einem geschützten Rahmen auszuprobieren. Auch die Fähigkeit, Kritik anzunehmen und zu geben, wird in der Gruppe gezielt trainiert. Das Verständnis für die oft ähnlichen Symptome aller Beteiligten kann zu einem starken Gemeinschaftsgefühl führen.

Unterstützung durch Pflegefachkräfte

Unsere Pflegefachkräfte spielen eine wichtige Rolle bei der Behandlung zwanghafter Persönlichkeitsstörungen. Sie sorgen dafür, dass sich die Patient:innen während ihres Aufenthalts in den Einrichtungen von Asklepios gut aufgehoben fühlen. Die enge Zusammenarbeit zwischen Pflegefachkräften und Therapeut:innen stellt sicher, dass alle Aspekte der Behandlung optimal aufeinander abgestimmt sind. Das schafft eine stabile Basis für den Therapieerfolg.

Gibt es Begleiterkrankungen bei einer zwanghaften Persönlichkeitsstörung?

Eine zwanghafte Persönlichkeitsstörung ruft bei einigen Betroffenen weitere psychische Erkrankungen hervor. Sie können den Alltag und die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen.

Depressionen

Eine häufige Begleiterkrankung ist die Depression. Die Betroffenen sind traurig, ohne Hoffnung und fühlen sich wertlos. Ihr übertriebener Perfektionismus und die ständige Selbstkritik erhöhen das Risiko für depressive Episoden. Die unerfüllbaren Ansprüche an sich selbst sind enorm belastend und können zu einem Gefühl von Überforderung führen, das in eine Depression mündet.

Angststörungen

Eine generalisierte Angststörung tritt ebenfalls häufig zusammen mit der zwanghaften Persönlichkeitsstörung auf. Die intensiven Ängste resultieren aus der ständigen Sorge, Fehler zu machen oder den eigenen hohen Standards nicht zu genügen. Sie können sich körperlich in Form von Herzrasen, Schweißausbrüchen oder Schlafstörungen äußern.

Zwangsstörungen

Die zwanghafte Persönlichkeitsstörung und die Zwangsstörung sind unterschiedliche Krankheitsbilder. Manchmal treten sie aber gleichzeitig auf. Während bei einer Zwangsstörung Obsessionen im Vordergrund stehen – beispielsweise zwanghaftes Händewaschen – zeigt sich bei der Persönlichkeitsstörung eine tief verwurzelte Fixierung auf Kontrolle und Ordnung. Beide Erkrankungen können sich gegenseitig verstärken.

Burnout

Der übermäßige Arbeitseifer und die Vernachlässigung von Freizeitaktivitäten können zu einem Burnout-Syndrom führen. Die Betroffenen fühlen sich emotional und körperlich erschöpft, viele verlieren ihre Leistungsfähigkeit und Lebensfreude. Der ständige Druck, perfekt sein zu müssen, begünstigt das Erschöpfungssyndrom.

Unsere Fachkräfte bei Asklepios kennen die Zusammenhänge zwischen einer zwanghaften Persönlichkeitsstörung und anderen psychischen Erkrankungen. Bei der Untersuchung achten sie auf erste Anzeichen für typische Begleiterkrankungen und legen so den Grundstein für eine gezielte und umfassende Behandlung.

Kann man zwanghaften Persönlichkeitsstörung vorbeugen?

Die Entstehung einer zwanghaften Persönlichkeitsstörung ist ein komplexes Zusammenspiel aus biologischen, psychischen und umweltbezogenen Faktoren. Nicht alle Ursachen lassen sich vollständig kontrollieren. Dennoch gibt es ein paar Maßnahmen, mit denen man die psychische Gesundheit fördern und stärken kann.

Frühkindliche Erziehung reflektieren und anpassen

Eine übermäßig strenge Erziehung, die durch rigide Regeln und hohe Ansprüche geprägt ist, kann ein stark kontrolliertes Verhalten hervorrufen. Eltern sollten ihren Kindern Raum für Kreativität und Fehler geben. Leben Sie Kindern vor, dass Unvollkommenheit menschlich ist. Vermeiden Sie allzu starre Tagespläne und lassen Sie Ihr Kind eigene Entscheidungen treffen – zum Beispiel bei der Auswahl von Hobbies oder Freizeitaktivitäten.

Selbstreflexion und Achtsamkeit trainieren

Wer sich frühzeitig mit seinen Denk- und Verhaltensmustern auseinandersetzt, reduziert das Risiko einer zwanghaften Persönlichkeitsstörung. Die regelmäßige Selbstreflexion hilft, starre Denkmuster zu erkennen und zu hinterfragen. Setzen Sie sich bewusst mit Ihren eigenen Perfektionsansprüchen auseinander und machen Sie sich bewusst, dass „gut genug“ in den meisten Fällen ausreicht. Mit Achtsamkeitsübungen lenken Sie den Fokus auf den Moment, wodurch Sie sich weniger in unnötige Details verlieren. Meditieren Sie dafür beispielsweise zehn Minuten täglich.

Flexibilität durch neue Erfahrungen fördern

Versuchen Sie regelmäßig neue Erfahrungen zu machen. Unternehmen Sie beispielsweise spontane Ausflüge, ohne vorher alles bis ins kleinste Detail zu organisieren. Probieren Sie auch mal neue Hobbies aus, die außerhalb Ihrer Komfortzone liegen – ob das nun ein Tanzkurs ist oder eine kreative Tätigkeit. Diese Aktivitäten fördern Offenheit und relativieren den Perfektionismus.

Soziale Beziehungen pflegen

Freundschaften und Freizeitaktivitäten zu vernachlässigen, ist ein typisches Merkmal der zwanghaften Persönlichkeitsstörung. Wirken Sie dem entgegen, indem Sie Ihre sozialen Kontakte aktiv pflegen. Planen Sie wöchentliche Treffen mit Freund:innen oder der Familie ein und achten Sie darauf, diese Zeit ohne Ablenkungen durch Arbeit oder organisatorische Aufgaben zu genießen. Lassen Sie emotionale Nähe und Spontanität zu.

Gesunde Haltung gegenüber Fehlern entwickeln

Üben Sie, Fehler zu akzeptieren, und analysieren Sie anschließend, was Sie daraus lernen können. Notieren Sie beispielsweise drei Dinge, die gut gelaufen sind, auch wenn Sie eine Aufgabe nicht perfekt erledigen konnten. Dadurch lenken Sie die Aufmerksamkeit weg von Ihren perfektionistischen Ansprüchen und hin zu positiven Ergebnissen.

Stress gezielt abbauen

Stress kann zwanghaftes Verhalten auslösen. Integrieren Sie gezielte Entspannungsmethoden in Ihren Alltag: Gehen Sie regelmäßiges für mindestens 30 Minuten spazieren, machen Sie progressive Muskelentspannung oder Yoga. Diese Aktivitäten senken den Stresslevel und fördern Gelassenheit.

Sollten Sie das Gefühl haben, dass starre Denkmuster und Perfektionismus Ihren Alltag beeinträchtigen, stehen Ihnen die Fachkräfte bei Asklepios für eine professionelle Beratung zur Verfügung.

Welche Rolle spielt das Gehirn bei der zwanghaften Persönlichkeitsstörung?

Forschende vermuten, dass bestimmte Gehirnregionen eine entscheidende Rolle bei der zwanghaften Persönlichkeitsstörung spielen. Dazu zählt etwa der präfrontale Kortex, der für die Regulierung von Impulsen, die Entscheidungsfindung und die Kontrolle von Emotionen verantwortlich ist. Bei vielen Menschen mit einer zwanghaften Persönlichkeitsstörung zeigt sich eine erhöhte Aktivität in diesem Bereich, was das übermäßige Bedürfnis nach Kontrolle und Ordnung erklären könnte.

Zudem nimmt die Medizin eine Beeinträchtigung des serotonergen Systems an, das unter anderem die Stimmung beeinflusst. Das serotonerge System ist die Gesamtheit der Nervenzellen, die Serotonin (Botenstoff, der als Glückshormon gilt) verwenden, um Signale zu übertragen. Um ein Ungleichgewicht in der Serotoninübertragung auszugleichen, werden zur Behandlung der zwanghaften Persönlichkeitsstörung teilweise selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) eingesetzt. Indem sie die Aktivität in den entsprechenden Gehirnregionen regulieren, lindern diese Medikamente die Symptome.

Die genauen Mechanismen sind noch nicht vollständig verstanden. Studien deuten aber darauf hin, dass eine veränderte Gehirnstruktur und -funktion zur Entwicklung und Aufrechterhaltung der zwanghaften Persönlichkeitsstörung beitragen.

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