Alkohol, Drogen, Handy am Steuer! - Experten warnten Schüler:innen mit „Schocktherapie“
Ein zerstörtes Autowrack nach einem schweren Unfall, blutverschmierte Verletzte, Profi-Retter, freiwillige Helfer:innen, die die Opfer versorgen – es ist eines der gestellten Haupt-Szenarien beim diesjährigen Präventionstag „Stay alive“. Was passiert, wenn man unter Alkohol- oder Drogeneinfluss in einen schweren Verkehrsunfall gerät? Oder, wenn man mit dem Handy während der Fahrt abgelenkt ist? Mit diesen Fragen befassten sich rund 100 Schülerinnen und Schüler aus Goslar und der Region auf dem Gelände der Asklepios Harzklinik Goslar, hautnah, in Theorie und Praxis – eine Art „Schocktherapie“.
Drogenbeauftragter der Bundesregierung, Prof. Dr. med. Hendrik Streeck, unterstützt das bundesweit einzigartige Projekt mit Video-Grußbotschaft
Der Präventionstag hat auch bundesweit Beachtung: Prof. Dr. med. Hendrik Streeck, Beauftragter der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen, unterstützt das in Deutschland in dieser Form einzigartige Projekt mit einer Grußbotschaft per Video. „Alkohol und Drogen im Straßenverkehr sind kein abstraktes Thema, sie zerstören Leben, das der Betroffenen und oft auch das ihrer Familien“, sagte Prof. Streeck anlässlich des diesjährigen Präventionstages „Stay alive“ in dem Grußwort, das auf der Veranstaltung präsentiert wurde. Und weiter: „Allen Partnern, die ,Stay alive´ jedes Jahr möglich machen, möchte ich: ,Danke´ sagen, für diese wirklich spannende und praxisnahe Präventionsarbeit.“
Hier geht es zur Video-Botschaft:
https://www.youtube.com/watch?v=G66hIAj8uEo
Ein junger Unfallbeteiligter berichtete bei der Veranstaltung über seine persönliche Geschichte – er hatte einst betrunken (Blutalkoholgehalt: 1,8 Promille) einen Autounfall verursacht, mit Totalschaden, glücklicherweise blieben er und sein Beifahrer unverletzt.
Bei dem Präventionstag spielten einige der jungen Leute die schwerverletzten Verkehrsteilnehmer, sie wurden zuvor realistisch mit roter Farbe und anderen Tricks blutverschmiert als Unfall-Opfer geschminkt. Die Feuerwehr schnitt die Schülerinnen und Schüler aus einem präparierten Unfallauto. Klinik, Feuerwehr, Rettungsdienst, das Kriseninterventionsteam des Landkreises Goslar, die Polizei, das Deutsche Rote Kreuz (DRK) Goslar sowie weitere Teilnehmer:innen organisierten den Tag. Es gab unter anderem Fachvorträge und Besichtigungen, beispielsweise des „Schockraums“ in der Zentralen Notaufnahme, wo Schwerstverletzte erstbehandelt werden, ebenso in der Leichenhalle, wo Eltern von ihren Kindern dann Abschied nehmen.
Philipp, Anfang 20, erzählte, wie er einst mit einem Auto einen Unfall verursachte – zuvor hatte er mit Freunden den ganzen Tag gefeiert, reichlich Alkohol konsumiert. Dann stieg er (er war kurz vor seiner Pkw-Führerscheinprüfung) mit einem Freund in einen Wagen und fuhr los. Nach gut 600 Metern änderte die Trunkenheitsfahrt an einem Laternenmast, mit Totalschaden, die beiden blieben indes unverletzt. „Das war vor einigen Jahren, und es war eine Riesen-Dummheit“, sagt Philipp heute. Und er erkennt: „Wir hatten tausend Schutzengel.“ Er hat daraus gelernt. „Seitdem habe ich keinen Alkohol mehr getrunken“, sagte er. Seine Botschaft: „Ich kann nur jedem dringend raten: Finger weg von Alkohol, Drogen oder Handy am Steuer.“ „Mit den Folgen des Unfalls habe ich immer noch zu tun.“
Die Veranstaltung steht unter der Schirmherrschaft des Landrats Dr. Alexander Saipa, Landkreis Goslar, der zusammen mit Dr. med. Larissa Henze, Ärztliche Direktorin der Asklepios Harzkliniken, den diesjährigen Aktionstag eröffnete. Dr. Saipa lobte die Bedeutung der bundesweit einzigartigen Veranstaltung, wie wichtig es sei, gerade junge Menschen eindringlich vor den Risiken durch Alkohol, Drogen und Handybrauch am Steuer, im Straßenverkehr zu warnen.
Die Zielgruppe der Veranstaltung: Schülerinnen und Schüler ab 10. Schulklasse, also junge Erwachsene ab ca. 16 Jahre, die kurz vor der Fahrprüfung stehen, denn sie sind statistisch hochgradig gefährdete Fahrer. „Wir möchten junge Menschen sensibilisieren für die Gefahren durch Alkohol, Drogen und Handy am Steuer, und das geht am besten mit drastischen Beispielen, in denen man ihnen knallhart die Konsequenzen vor Augen führt“, sagte Projektleiter und Notfallmanager Stefan Kruse von den Asklepios Harzkliniken, der die Veranstaltung federführend mit organisiert. Er fügte hinzu: „Wenn wir dadurch nur ein einziges Leben retten, dann hat sich der Präventionstag schon gelohnt.“ Das Projekt „Stay alive“ möchte mit sehr realitätsnahen Simulationen im Sinne des Lernens durch Erfahrungen erreichen, dass die Jugendlichen nach dem Projekttag erkennen, wie ein einfaches „Nein“ zu Fahren unter Alkohol- Drogeneinfluss, zum Handygebrauch während der Fahrt, ihr Leben retten kann! Kruse: „Es ist besonders wichtig, gerade junge Menschen bei dem Thema emotional zu erreichen, bevor sie Autofahren lernen.“ Das Fazit: viele Teilnehmer:innen waren emotional berührt, die Botschaft kam bei ihnen an, war zu hören.
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