Asklepios Klinik Nord - Ochsenzoll

Geschichte unserer Klinik

Geschichte unserer Klinik

Über 130 Jahre Psychiatriegeschichte

Die Geschichte der Asklepios Klinik Nord – Ochsenzoll beginnt am 1. April 1893. Damals ziehen die ersten Patient:innen in die „Landwirtschaftliche Colonie für Geisteskranke Langenhorn“ ein. Was zunächst als Außenstelle der überfüllten psychiatrischen Anstalt Friedrichsberg entsteht, entwickelt sich über die folgenden Jahrzehnte zu einem der bedeutendsten Standorte der psychiatrischen Versorgung in Hamburg.

Die Geschichte Ochsenzolls spiegelt zugleich den Wandel der Psychiatrie wider: von der Unterbringung in großen Anstalten über die nationalsozialistischen Medizinverbrechen bis zur Entwicklung spezialisierter psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlungsangebote. Heute gehört Ochsenzoll gemeinsam mit der Psychiatrie Wandsbek zu den größten psychiatrisch-psychotherapeutischen Einrichtungen Deutschlands.

Von der landwirtschaftlichen Kolonie zur modernen Fachklinik

1893: Die ersten Patient:innen kommen nach Langenhorn

Weit vor den Toren Hamburgs wird auf rund 130 Hektar Waldgelände die „Landwirtschaftliche Colonie für Geisteskranke Langenhorn“ gegründet. Sie dient zunächst als Außenstelle der psychiatrischen Anstalt Friedrichsberg, deren Kapazitäten erschöpft sind.

Die ersten vier Krankenpavillons bieten Platz für 200 Patient:innen. Das Gelände wird bewusst dörflich gestaltet, mit kleinen Gebäuden, Wegen und landwirtschaftlichen Nutzflächen. Aufgenommen werden zunächst vor allem chronisch erkrankte Menschen, die nach damaligen Vorstellungen als ruhig und arbeitsfähig gelten. Landwirtschaftliche Tätigkeiten sollen zur Beschäftigung der Patient:innen beitragen und zugleich die Versorgung der Einrichtung unterstützen.

1897: Aus der Kolonie wird eine eigenständige Anstalt

Vier Jahre nach der Gründung wird die Kolonie zu einer eigenständigen Heil- und Pflegeanstalt ausgebaut. In den folgenden Jahrzehnten wächst der Standort erheblich.

Die Landwirtschaft bleibt lange ein prägender Bestandteil des Anstaltslebens. Noch heute erinnern einzelne historische Gebäude und die parkartige Gestaltung des Geländes an diese Anfangszeit.

1933 bis 1945: Die nationalsozialistischen Medizinverbrechen

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten beginnt auch in Langenhorn die systematische Verfolgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen und Behinderungen. Patient:innen werden zwangssterilisiert und später in großer Zahl deportiert. Ärzt:innen und weitere Verantwortliche der damaligen Anstalt sind an diesen Verbrechen beteiligt.

Ab 1940 werden im Rahmen des nationalsozialistischen Krankenmordprogramms 4.097 Patient:innen aus der damaligen Heil- und Pflegeanstalt Langenhorn in Tötungs- und Verwahranstalten deportiert. 3.755 von ihnen, darunter zahlreiche jüdische Frauen und Männer, kommen dabei ums Leben.

Auch Kinder werden Opfer der nationalsozialistischen Medizinverbrechen. In der sogenannten Kinderfachabteilung der Anstalt werden mindestens 23 Kinder im Zusammenhang mit medizinischen Versuchen und gezielten Tötungen ermordet.

Die Verbrechen sind ein untrennbarer Teil der Geschichte des Standorts. Heute erinnern mehrere Gedenkorte auf dem Klinikgelände an die Opfer und an die Verantwortung der damals handelnden Menschen.

1945 bis 1953: Ein Krankenhaus nach dem Krieg

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erhält die Einrichtung den Namen „Allgemeines Krankenhaus Langenhorn“. Neben der psychiatrischen Versorgung gibt es zahlreiche somatische Behandlungsplätze.

1945 verfügt das Krankenhaus über 1.191 psychiatrische und 1.717 somatische Betten. Bis 1947 ist zudem das ausgebombte Bernhard-Nocht-Institut für Tropenkrankheiten vorübergehend auf dem Gelände untergebracht.

Am 1. April 1953 wird das Krankenhaus in „Allgemeines Krankenhaus Ochsenzoll“ umbenannt. Damit erhält es den Namen, unter dem der Standort über Jahrzehnte in Hamburg bekannt sein wird.

1960er- bis 1980er-Jahre: Der Wandel der Psychiatrie beginnt

In den 1960er-Jahren verfügt das Allgemeine Krankenhaus Ochsenzoll über fünf psychiatrische Abteilungen, in den 1970er-Jahren sind es bereits acht.

Mit der Psychiatrie-Enquete des Deutschen Bundestages von 1975 beginnt bundesweit ein grundlegender Reformprozess. Die bis dahin häufig von langfristiger Unterbringung in großen Anstalten geprägte Versorgung soll durch bessere therapeutische Angebote und eine stärkere Einbindung in das gesellschaftliche Leben verändert werden.

1974 gründen Mitarbeitende des Krankenhauses und Angehörige von Patient:innen den Freundeskreis Ochsenzoll. Ziel ist es, die Lebensbedingungen psychisch erkrankter Menschen zu verbessern und Unterstützung über den Krankenhausaufenthalt hinaus zu ermöglichen. Daraus entwickelt sich die heutige Stiftung Freundeskreis Ochsenzoll.

Auch die Behandlung innerhalb der Klinik wird zunehmend differenzierter. 1989 entstehen erste eigene Behandlungsangebote für Menschen mit Persönlichkeits- und Traumafolgestörungen.

1998 bis 2004: Aus Heidberg und Ochsenzoll wird NORD

1998 werden die Allgemeinen Krankenhäuser Heidberg und Ochsenzoll zum Klinikum Nord zusammengeführt. Damit entsteht die organisatorische Verbindung zwischen dem somatischen und dem psychiatrischen Standort.

Mit der Übernahme des Hamburger Landesbetriebs Krankenhäuser durch Asklepios ab 2004 beginnt ein weiterer Abschnitt der Klinikgeschichte.

Ab 2006: Spezialisierung der psychiatrischen Versorgung

Ab 2006 wird die psychiatrische Versorgung in Ochsenzoll umfassend neu strukturiert. Anstelle einer überwiegend allgemeinpsychiatrischen Organisation entstehen spezialisierte Fachabteilungen, die sich an unterschiedlichen Erkrankungsbildern und therapeutischen Anforderungen orientieren.

Die Behandlung von Depressionen, Psychosen, Abhängigkeitserkrankungen oder Persönlichkeits- und Traumafolgestörungen wird zunehmend in eigenen Schwerpunktbereichen organisiert. Gleichzeitig werden tagesklinische und ambulante Angebote ausgebaut.

2011 wird die Psychiatrie Wandsbek Teil der Asklepios Klinik Nord. Mit weiteren ambulanten und tagesklinischen Einrichtungen entwickelt sich die psychiatrische Versorgung zunehmend über das ursprüngliche Klinikgelände hinaus.

2023: 130 Jahre Ochsenzoll

Am 1. April 2023 feiert Ochsenzoll sein 130-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass öffnet die Klinik mit verschiedenen Veranstaltungen ihre Türen für die Hamburger Öffentlichkeit.

Ein wichtiges Anliegen des Jubiläums ist es, über psychische Erkrankungen und moderne Behandlungsmöglichkeiten aufzuklären und Vorurteile gegenüber Betroffenen abzubauen. Zugleich bietet das Jubiläum Anlass, auf die wechselvolle Geschichte des Standorts zurückzublicken.

Erinnern und Verantwortung übernehmen

Die nationalsozialistischen Krankenmorde gehören zu den dunkelsten Kapiteln der Geschichte Ochsenzolls. Die Auseinandersetzung mit den Verbrechen, ihren Opfern und der Verantwortung der damaligen Mitarbeitenden ist bis heute Teil der Erinnerungskultur am Standort. Mehrere Gedenkorte auf dem Klinikgelände erinnern an die Menschen, die verfolgt, deportiert und ermordet wurden. Sie machen ihre Schicksale sichtbar und mahnen zu einem würdevollen Umgang mit Menschen mit psychischen Erkrankungen und Behinderungen.

Gedenkorte auf dem Klinikgelände

Gedenkort für die Opfer der nationalsozialistischen Krankenmorde

 

Vor Haus 25 befindet sich der zentrale Gedenkort für die Opfer der nationalsozialistischen Krankenmorde. Am 8. Mai 2009 wurde hier eine Gedenktafel eingeweiht, die an die 4.097 deportierten Patient:innen und die 3.755 Todesopfer erinnert.

Am 2. Mai 2018 wurde der Gedenkort durch drei Glasstelen erweitert. Sie informieren über die Verbrechen der damaligen Heil- und Pflegeanstalt Langenhorn und erinnern an das Schicksal der Opfer.

Stolpersteine für die Opfer

Vor Haus 25 erinnern Stolpersteine an Kinder, die Opfer der nationalsozialistischen Krankenmorde wurden. Am 25. Oktober 2017 wurden dort 25 Stolpersteine verlegt, die namentlich an 24 Kinder erinnern.

Weitere Stolpersteine befinden sich am ehemaligen Pförtnerhaus. Sie holen die Erinnerung an die Opfer aus der anonymen Statistik zurück und machen einzelne Lebensgeschichten sichtbar.

Gedenktafel für John F. Rittmeister

Vor dem Eingang von Haus 5 erinnert eine Gedenktafel an den Nervenarzt und Psychoanalytiker John F. Rittmeister.

Rittmeister gehörte zum Widerstand gegen das nationalsozialistische Regime. Er stand in Verbindung mit der Widerstandsgruppe, die von der Gestapo als „Rote Kapelle“ bezeichnet wurde. 1943 wurde er von den Nationalsozialisten hingerichtet.

Die Gedenktafel erinnert an sein Leben, seine Arbeit und seinen Widerstand.

Das Ochsenzoller Gedenken

Die Erinnerung an die Opfer der nationalsozialistischen Krankenmorde wird am Standort Ochsenzoll auch durch regelmäßige Gedenkveranstaltungen wachgehalten.

Beim Ochsenzoller Gedenken kommen Vertreter:innen der Klinik, Angehörige, Initiativen und weitere Interessierte zusammen, um der Opfer zu gedenken und sich mit der historischen Verantwortung auseinanderzusetzen.

Die Veranstaltungen verbinden das Gedenken an die Vergangenheit mit Fragen an die Gegenwart: Wie gehen wir heute mit Menschen mit psychischen Erkrankungen und Behinderungen um? Wie können ihre Rechte geschützt und Ausgrenzung verhindert werden?

Der 8. Mai, der Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs in Europa, ist dabei ein wichtiger Bezugspunkt. Das Ochsenzoller Gedenken wird gemeinsam mit Partner:innen aus der Hamburger Erinnerungskultur gestaltet.