
Chefärztin
Anja-Maria Drenckhahn
Neurologische Rehabilitation
Eine Rehabilitation ist bei Multipler Sklerose in jeder Krankheitsphase sinnvoll. Neben einer in der Regel auf alltagsbezogene Zielsetzungen ausgerichteten Funktionsverbesserung sind der Erhalt der motorischen und kognitiven Reserven, die Optimierung der symptombezogenen Therapie, ein Erfahrungsaustausch mit Gleichgesinnten, das Erlangen von mehr Wissen über die Erkrankung und das Erlernen von Umgangsstrategien Inhalte der Rehabilitation bei MS. Das Therapieprogramm wird jeweils individuell in Abhängigkeit von den Funktionseinschränkungen und Zielsetzungen erstellt und im Rehabilitationsverlauf regelmäßig reflektiert und angepasst.
Unsere MS-Schwerpunktstation ist seit Oktober 2023 von der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) als MS-Rehabilitationszentrum anerkannt.
Neben der medizinischen und therapeutischen Behandlung spielt auch der Umgang mit der Erkrankung im Alltag eine wichtige Rolle. Auf unserer MS-Spezialstation ermöglichen wir den Austausch mit anderen Betroffenen. Ergänzend bietet unser MS-Gesprächskreis Raum für Information, Erfahrungsaustausch und praktische Impulse für den Alltag.
Das DMSG-Zertifikat ist ein Gütesiegel für eine qualifizierte, fachgerechte und leitliniengestützte Behandlung MS-Erkrankter auf einem qualitativ hohen Niveau. Um das Siegel zu erlangen, müssen strenge Anerkennungskriterien erfüllt sein und regelmäßig nachgewiesen werden. Hierzu gehören u.a. die fachliche Qualifikation der Mitarbeiter, eine Mindestzahl von 120 jährlich in der Klinik behandelten MS-Patienten, die Teilnahme am deutschlandweiten MS-Register und ein auf die besonderen Bedürfnisse MS-Betroffener abgestimmtes Behandlungskonzept. Alle 2 Jahre wird überprüft, ob die Anforderungen auch weiterhin erfüllt sind.

Im Verlauf Ihres Rehabilitationsaufenthaltes erfolgt eine standardisierte ärztliche Untersuchung und Befunderhebung inkl. Erfassung des EDSS. Weiterhin ist eine individuelle Beratung zu diagnostischen oder therapeutischen Fragestellungen, Verhaltensstrategien und verfügbaren Behandlungsoptionen durch ein ärztliches Team mit hoher fachlicher Expertise möglich.
Während Ihres Rehabilitationsaufenthaltes werden Sie durch unsere MS-Nurse mitbetreut, die Ihnen im Rahmen individueller Beratungstermine jederzeit als Ansprechpartnerin zur Verfügung steht.
Die Rehabilitation sehen wir als idealen Zeitpunkt, um die symptombezogene Therapie kritisch zu reflektieren und ggf. zu optimieren. Störende MS-Symptome wie Spastik, Blasen- oder Darmstörungen, neuropathische Schmerzen und Depressionen lassen sich medikamentös sowie durch Training und Verhaltensstrategien zum Teil sehr gut beeinflussen. In unserer Klinik stehen zur Indikationsstellung und zur Verlaufskontrolle verschiedene funktionsdiagnostische Verfahren zur Verfügung. Bei gegebener Indikation besteht die Option der medikamentösen Ein- oder Umstellung der symptombezogenen Therapie, im Falle von Blasen- oder Darmfunktionsstörungen ggf. unter Einbezug von Kooperationspartnern. Die Einstellung von Fampyra oder Sativex kann stationär erfolgen, wenn die Zulassungsvoraussetzungen erfüllt sind. Auch eine Hochdosis-Kortisontherapie ist begleitend zur Rehabilitation z.B. bei Schubsymptomen oder zur Intervallbehandlung möglich.
Auf unserer MS-Spezialstation sind Sie in einem Einzelzimmer mit Balkon und schönem Blick über das Weserbergland untergebracht. Die Station verfügt über eine umfangreiche Ausstattung mit pflegerischen Hilfsmitteln, Kühl-Accessoires und MS-bezogenem Informationsmaterial.
Unser Therapiekonzept für MS-betroffene RehabilitandInnen ist speziell auf ihre besonderen Bedürfnisse abgestimmt und kann jederzeit individuell angepasst werden. Es umfasst neben Physio- und Ergotherapie im Einzel- und Gruppensetting auch Gerätetraining, Übungen im Ganglabor incl. robotergestützten Therapieverfahren, Wasser- und Entspannungstherapie, physikalische Anwendungen, Logopädie und Neuropsychologie. Die möglichst alltagsorientierte Behandlung von Mobilitätseinschränkungen, Sensibilitätsstörungen und Spastik sowie Gleichgewichtsschulung und Kraft-Ausdauertraining stehen im Vordergrund. Hierzu wird in Anlehnung an etablierte Therapiekonzepte z.B. nach Bobath, Vojta, PNF und Perfetti gearbeitet, jedoch werden auch moderne Ansätze integriert, um einen optimalen Behandlungserfolg zu erzielen.
Ein wichtiger Bestandteil unseres Rehabilitationskonzeptes ist das neuropsychologische Screening, um auch die „unsichtbaren“ Symptome der MS wie Fatigue oder kognitive Einschränkungen zu erkennen und behandeln zu können. Auf Wunsch oder bei Bedarf wird in Abhängigkeit von den erhobenen Befunden ein individuelles kognitives Trainingsprogramm erstellt und computergestützt in Kleingruppen beübt.
Im Rahmen Ihres Rehabilitationsaufenthaltes erhalten Sie in einem Einzelgespräch sowie im Rahmen eines Vortrages Tipps zur gesunden Ernährung bei MS. Auch die praktische Umsetzung des gesunden Kochens wird in unserer Lehrküche vermittelt, woran Sie bei Interesse teilnehmen können.
Im Rahmen des wöchentlich stattfindenden MS-Gesprächskreises unter Leitung der Oberärztin und/oder der MS-Nurse haben Sie die Möglichkeit, sich fachlich begleitet mit Gleichgesinnten zu verschiedenen Themen wie dem Fatigue-Management, dem Einsatz von Nahrungsergänzungsmitteln, dem Erkennen von Schubsymptomen etc. auszutauschen und gut verständlich vermittelt aktuelle wissenschaftlich fundierte Informationen zu verschiedenem MS-relevanten Aspekten wie Immuntherapie, MRT-Bildgebung etc. zu erhalten.
Da Blasenstörungen bei MS sehr häufig sind und oftmals eine große Belastung darstellen, erfolgt während des Rehabilitationsaufenthaltes regelhaft ein Blasenfunktionsscreening incl. Miktionsprotokoll und Restharnsonografie. Die Befunde sowie sich ggf. ableitende Konsequenzen werden mit Ihnen besprochen und, wenn gewünscht, eingeleitet.
Wir bieten eine Beratung zur Optimierung der Hilfsmittelversorgung, ggf. unter Einbezug der Angehörigen an. Die erforderlichen Rezepte werden Ihnen ausgestellt. Je nach Wunsch besteht die Möglichkeit, diese über mit der Klinik kooperierende Sanitätshäuser noch während des Aufenthaltes einzulösen oder ein heimatnahes Sanitätshaus zu beauftragen.
Für alle Fragen rund um Sozialrecht, Pflege- und Schwerbehindertengrad, Berentung, Übergangsgeld, häusliche Versorgungsaspekte und Betreuungen steht Ihnen unser Sozialdienst und die Angehörigenberatung im Rahmen von Einzelterminen und einer offenen Sprechstunde zur Verfügung.
Chefärztin Neurologie; Fachärztin für Neurologie und Leiterin des MS-Bereiches
Ihre berufliche Laufbahn begann Frau Drenckhahn 2006 als Assistenzärztin in der Klinik für Neurologie der Charité- Universitätsmedizin Berlin, wo sie die MS-Ambulanz betreute und an klinischen Studien beteiligt war. Ab 2009 wirkte sie im St. Josefs-Krankenhaus Potsdam am Aufbau der dortigen MS-Ambulanz mit. Nach Abschluss ihrer Facharztweiterbildung übernahm sie 2015 die oberärztliche Leitung einer Rehabilitationsstation am Neurologischen Zentrum der Segeberger Kliniken GmbH, wo sie ebenfalls einen MS-Schwerpunkt entwickelte. Parallel begann sie 2020 mit dem berufsbegleitenden Zusatzstudium „Multiple Sklerose Management“. Im Jahr 2021 startete Frau Drenckhahn als Leitende Oberärztin und Leiterin des MS-Bereiches in der Asklepios Weserberglandklinik Höxter und ist seit April 2025 die Chefärztin der Neurologie.
Medizinische Fachangestellte, MS-Nurse
Frau Steinröder begann ihre Ausbildung zur medizinischen Fachangestellten 1991 und war seitdem bis 2022 durchgehend in einer neurologischen Praxis mit MS-Schwerpunkt tätig, zuletzt als leitende medizinische Fachangestellte. Während ihrer langen beruflichen Laufbahn sammelte sie umfangreiche Erfahrung in der Betreuung von MS-Betroffenen und absolvierte parallel zu ihrer Praxistätigkeit viele MS-spezifische Fort- und Weiterbildungen. Seit 2004 ist sie als MS-Nurse tätig und führte von 2004 bis 2010 als MS-Fachberaterin für die Firma Teva Spritzenschulungen durch und begleitete Medikamenteneinstellungen. Seit 2023 unterstützt Frau Steinröder als MS-Nurse den MS-Bereich der Asklepios Weserberglandklinik Höxter.