Britta Belter
Chefarztsekretariat
Die Ziele des geriatrischen Teams sind patientenorientiert und individuell. Jede Patientin/jeder Patient soll in ihren/seinen verbliebenen Fähigkeiten gefördert werden und im Rahmen ihrer/seiner Möglichkeiten notwendige Fertigkeiten wiedererlangen, die sie/er braucht, um im gewünschten Wohnumfeld zurechtzukommen. Das können im Einzelfall durchaus kleine Verbesserungen sein, die für die Patientin/den Patienten aber große Vorteile und Lebensqualität bringen.
Alle Mitarbeiter:innen sind geriatrisch und rehabilitativ geschult und arbeiten eng zusammen, um den optimalen Therapieerfolg zu erzielen.
Das geriatrische Team besteht aus Mitarbeiter:innen aus den folgenden Bereichen
Das gesamte Team kommuniziert nicht nur täglich bei der Frühbesprechung über besondere Problemlagen, sondern trifft sich wöchentlich, um jede Patientin/jeden Patienten intensiv zu besprechen und therapeutische Maßnahmen zu planen.
Die interdisziplinäre Arbeit in der Geriatrie ist aufwendig und anspruchsvoll, weil komplexe Krankheitsbilder und unterschiedliche Behinderungen bei vielfach gebrechlichen oder schwierigen Patient:innen umfangreiche Kenntnisse und Kreativität erfordern. Wir legen großen Wert auf die Angehörigengespräche, die direkt bei Aufnahme standardmäßig vereinbart werden. Bei Bedarf bieten wir auch Angehörigenschulungen an oder geben Anleitung in Pflege und Therapie.
„Geriatrisches Assessment“, auf Deutsch „altersheilkundliche Bewertung“, darunter werden verschiedene Tests zusammengefasst, die funktionelle Defizite der Patient:innen identifizieren und quantifizieren.
In der Geriatrie geht es hauptsächlich um die Fähigkeit, den individuellen Alltag zu bewältigen. Das Assessment dient dazu, den verschiedenen Berufsgruppen des geriatrischen Teams anhand von standardisierten Testverfahren eine Einschätzung des aktuellen Status zu geben, gezielte Therapiemaßnahmen zu planen und abschließend den Erfolg zu überprüfen.
Die allgemeinen Alltagsaktivitäten werden von der Pflege über eine umfangreiche Skala eingeschätzt. Zudem werden zusätzlich das Sturzrisiko und die Gefährdung für Druckgeschwüre eingeschätzt.
Die Mobilität wird in der Physiotherapie untersucht. Dazu dienen verschiedene Tests, die prüfen, ob die Patientin/der Patient allein aufstehen und gehen, Treppensteigen kann.
Die Testverfahren (Timedup-and-go, Tinetti und Esslinger Sturzskala) können nicht bei allen Patient:innen angewendet werden, so bleibt es manchmal bei der klinischen Beschreibung.
Kognitive und psychische Fähigkeiten sowie die Funktionen der oberen Extremitäten werden mittels Psychotherapie und Ergotherapie in abgestuften Verfahren untersucht, um allen Patient:innen gerecht zu werden.
Kommunikation und Schlucken werden von Logopäd:innen untersucht. Hier geht es um die Diagnostik von Sprechen, Sprachvermögen und -verständnis sowie um die differenzierte Diagnostik der Schluckfähigkeit. Die klinische Untersuchung des Gesichts, der Mundhöhle und der Schleimhäute mit Funktionen der Zunge und Gesichtsmuskulatur gibt erste Hinweise auf Störungen und Ursachen. Die sehr komplizierten Vorgänge beim Sprechen und Schlucken müssen bei Störungen genau erkannt werden, um eine gezielte Therapie zu gewährleisten. Hier stehen moderne apparative Methoden zur Verfügung (Videofluoroskopie und Videofiberlaryngoskopie). Depressive oder demenzielle Begleiterkrankungen können den Patient:innen Schwierigkeiten bereiten, an den Therapiemaßnahmen teilzunehmen und erschweren diagnostische Maßnahmen.
Die Psychologie kann hier spezielle Testverfahren beitragen und differenzialdiagnostische Hilfestellung bieten.
Gleichzeitig wird festgestellt, ob eine psychologische Gesprächstherapie oder kognitive Therapie angeboten werden muss.
Die sozialen Umstände sind bei vielen Patient:innen entscheidend für die weitere Lebensplanung. Um hier beratend und unterstützend einzugreifen, erstellen Sozialarbeiter:innen anhand einer Sozialanamnese einen umfassenden Bericht, der nicht nur hilft, die richtigen Hilfsmittel zu verordnen, sondern insbesondere die Beratung zu notwendigen Hilfen oder Pflegeangeboten ermöglicht. Dabei sind Informationen zu Bezugspersonen, Patientenverfügungen oder Vollmachten und natürlich die Wünsche der Patient:innen wichtig.
In den ersten 2 Tagen findet das Assessment statt, es gibt aber auch schon Therapiemaßnahmen. In der Regel werden 2-3 halbstündige Therapien täglich durchgeführt, es sei denn, den Patient:innen sind
nur kürzere Übungseinheiten zuzumuten, dann werden die Einheiten angepasst.
Alle Übungen dienen dem Training von alltagsnahen Fertigkeiten, teilweise unterstützt von gezielten Übungen im Kraftraum, an den Ausdauergeräten oder im Hirnleistungstraining. Selbstverständlich werden Patient:innen, die noch nicht in der Lage sind die Aktivitäten mitzumachen, aufgebaut und langsam im Sinne der Frührehabilitation an die Belastungen herangeführt.
Die Entlassung wird ab der Aufnahme geplant und in Absprache mit den Patient:innen und Bezugspersonen terminiert, wenn die Patient:innen in der Lage sind, die Anforderungen in der häuslichen oder anderweitig
gewählten Umgebung zu bewältigen und die klinische Situation stabil genug erscheint.
Nicht alle Patient:innen können erfolgreich therapiert werden oder erlangen die für die Häuslichkeit erforderlichen Fähigkeiten. Dann wird die Therapie abgebrochen und gemeinsam nach Möglichkeiten gesucht, wie es trotz der Behinderungen für die Betroffenen am besten weitergeht. Die meisten unserer Patient:innen
können allerdings wieder zurück nach Hause entlassen werden.
Wir geben allen Patient:innen einen Brief für die weiterbehandelnden Ärzt:innen und einen Plan für die Medikamente mit und bestellen bei Bedarf einen Transport. Notwendige Pflege wird von uns organisiert und Hilfsmittel werden verordnet. Erforderliche Hilfsmittel werden natürlich bereits in der Klinik angepasst und geübt, um die Patient:innen daran zu gewöhnen. Davon hängt es häufig ab, ob der Erfolg auch zu Hause anhält.
Chefarztsekretariat