Asklepios Fachklinikum Göttingen

Identitätsstörungen

Alles Wissenswerte über dissoziative Identitätsstörung

Multiplen Persönlichkeit

Die dissoziative Identitätsstörung (DIS) ist eine seltene, aber komplexe psychische Erkrankung. Früher war sie als „multiple Persönlichkeit“ bekannt, der Volksmund spricht gelegentlich auch von einer „gespaltenen Persönlichkeit“. Verkürzt ausgedrückt erleben die Betroffenen die verschiedenen Aspekte ihres Selbst nicht als zusammenhängendes, stimmiges Ich. Stattdessen sind ihre verschiedenen Persönlichkeitszustände mit verschiedenen Identitäten verknüpft, die situationsbedingt wechseln und oftmals nichts voneinander wissen. Damit einher gehen häufig weitere Symptome, etwa Gedächtnislücken und Schlafstörungen, die den Alltag erheblich beeinträchtigen können. Als Auslöser für die DIS gelten traumatische Erlebnisse, vor allem in der Kindheit, wie etwa Missbrauch.
In den folgenden Abschnitten erfahren Sie mehr über die Diagnose, die typischen Beschwerden und die Möglichkeiten der Behandlung dieser Störung.

Wenn Sie oder eine Ihnen nahestehende Person Anzeichen für eine dissoziative Identitätsstörung bemerken, scheuen Sie sich nicht, medizinische Hilfe zu suchen. Die erfahrenen Fachkräfte von Asklepios stehen Ihnen mit Rat und Unterstützung zur Seite.

Welche Symptome treten bei der dissoziativen Identitätsstörung häufig auf?

Da es sich bei der dissoziativen Identitätsstörung (DIS) um eine komplexe psychische Erkrankung handelt, sind auch die Symptome, mit denen sie einhergeht, äußerst komplex. Diese Symptome können sowohl das Erleben als auch das Verhalten der Betroffenen tiefgreifend beeinflussen. Im Folgenden haben wir für Sie eine Übersicht der häufigsten Beschwerden zusammengestellt, die bei einer dissoziativen Identitätsstörung auftreten:

Wechselnde Identitäten

Das Vorhandensein von zwei oder mehr Persönlichkeitszuständen in einem Menschen gehört zu den zentralen Merkmalen der DIS. Diese Persönlichkeitsanteile können abwechselnd die Kontrolle über das Denken, Fühlen und Handeln der Betroffenen übernehmen und sich deutlich in ihrem Verhalten, ihrer Sprache oder ihrem Auftreten unterscheiden. Die Betroffenen selbst haben zumeist keine Kontrolle über diesen Wechsel. Häufig sind sie sich nicht einmal der Existenz dieser anderen Identitäten bewusst, merken aber, dass etwas „nicht stimmt“.

Erinnerungslücken

Ein weiteres häufiges Symptom sind Amnesien, also Gedächtnislücken, die über normale Vergesslichkeit hinausgehen. Betroffene können sich oft nicht an alltägliche Ereignisse, wichtige persönliche Informationen oder traumatische Erlebnisse erinnern. Diese Erinnerungslücken können in den ersten beiden Fällen den Alltag erheblich beeinträchtigen.

Depressive Verstimmungen und Ängste

Depressionen und Angststörungen treten bei vielen Menschen mit DIS auf. Die Betroffenen fühlen sich häufig niedergeschlagen, hilflos oder überfordert. Angstzustände können sich in Form von Panikattacken, ständiger Nervosität oder einem Gefühl der Bedrohung äußern. Diese emotionalen Belastungen verstärken oft das allgemeine Leidensgefühl.

Dissoziative Symptome

Neben den wechselnden Identitäten erleben viele Betroffene weitere dissoziative Symptome. Mit dem Begriff „dissoziativ“ ist gemeint, dass Wahrnehmung, Denken, Handeln und Fühlen voneinander getrennt sind. Zu den dissoziativen Symptomen gehören Depersonalisation (das Gefühl, sich selbst fremd zu sein) und Derealisation (das Gefühl, die Umwelt sei unwirklich). Diese Zustände können Betroffene stark verunsichern und das Gefühl von Kontrolle über das eigene Leben mindern.

Selbstverletzendes Verhalten

Selbstverletzungen und suizidale Gedanken sind bei Menschen mit DIS keine Seltenheit. Viele Betroffene versuchen, durch selbstschädigendes Verhalten mit den intensiven inneren Konflikten und Emotionen umzugehen. Dies stellt eine ernsthafte Gefährdung dar und erfordert besondere Aufmerksamkeit in der therapeutischen Begleitung.

Schlafstörungen

Probleme mit dem Schlaf, wie Einschlaf- oder Durchschlafstörungen, sind ebenfalls häufig. Albträume oder nächtliche Panikattacken können auftreten, insbesondere wenn traumatische Erinnerungen unbewusst verarbeitet werden. Der Schlafmangel verstärkt häufig die anderen Symptome und erschwert den Alltag zusätzlich.

Schwierigkeiten in sozialen Beziehungen

Die DIS wirkt sich oft negativ auf zwischenmenschliche Beziehungen aus. Die wechselnden Identitäten und die damit verbundenen Verhaltensänderungen können für das Umfeld der Betroffenen schwer nachvollziehbar sein. Dies führt häufig zu Missverständnissen, Konflikten oder sozialer Isolation.

Dies sind die häufigsten Symptome der dissoziativen Identitätsstörung. Sie können je nach Person unterschiedlich stark ausgeprägt sein und sich im Verlauf der Erkrankung verändern. Betroffene sollten sich bei Verdacht auf eine DIS  immer medizinische Hilfe suchen, um die Beschwerden besser zu verstehen und passende Unterstützung zu erhalten. In den medizinischen Einrichtungen von Asklepios stehen Ihnen oder Ihrer Angehörigen oder Ihrem Angehörigen qualifizierte Fachkräfte zur Seite, um auf diesem Weg zu begleiten.

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Wie wird die dissoziative Identitätsstörung diagnostiziert?

Die Diagnose der dissoziativen Identitätsstörung (DIS) ist oft ein komplexer Prozess, da Betroffene ihre Symptome häufig nicht klar benennen können oder die Symptome durch andere psychische Erkrankungen überlagert sind. Daher erfordert die Diagnostik von Psychotherapeut:innen und Psychiater:innen viel Erfahrung und Feingefühl.

Anamnese und klinisches Gespräch

Der erste Schritt zur Diagnose ist ein ausführliches Gespräch, bei dem die Lebensgeschichte und die aktuellen Beschwerden der Patient:innen im Mittelpunkt stehen. Dabei fragen die Mediziner:innen gezielt nach typischen Symptomen der DIS, also Gedächtnislücken, Identitätswechsel, das Hören innerer Stimmen oder das Gefühl, von außen gesteuert zu werden. Auch posttraumatische Symptome wie Flashbacks oder emotionale Überwältigung können auf eine DIS hinweisen.

Ausschluss anderer Erkrankungen

Da Symptome der DIS auch bei anderen psychischen Störungen wie der Borderline-Persönlichkeitsstörung, Schizophrenie oder einer posttraumatischen Belastungsstörung auftreten können, ist eine sogenannte Differenzialdiagnose notwendig: Die Therapeut:innen prüfen, ob die vorliegenden Symptome tatsächlich von einer DIS hervorgerufen werden, indem sie andere Krankheiten mit ähnlichen Symptomen systematisch ausschließen.

Weitere Werkzeuge zur Diagnoseerstellung

Um die Diagnose dissoziative Identitätsstörung zu stützen, nehmen Mediziner:innen auch strukturierte Fragebögen und Interviews zu Hilfe. Dazu gehören die „Dissociative Experiences Scale“ (DES) oder das „Structured Clinical Interview for DSM-5 Dissociative Disorders“ (SCID-D). Die Betroffenen bewerten ihr dissoziatives Erleben dabei anhand verschiedener Beispiele auf einer Skala zwischen 0 und 100. Diese Befragungen helfen den Expert:innen, dissoziative Symptome systematisch zu erfassen und ein klareres Bild der Störung zu gewinnen.

Zeit und Vertrauen

Die Diagnostik einer DIS erfordert Zeit und eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Therapeut:in und Patient:in. Denn oft zeigen sich die dissoziativen Symptome erst, wenn die Betroffenen sich sicher fühlen und ihre inneren Erfahrungen mitteilen können. In den medizinischen Einrichtungen von Asklepios nehmen sich erfahrene Expert:innen auf dem Gebiet der DIS die Zeit, die notwendig ist, um eine fundierte Diagnose zu stellen und ihren Patient:innen bestmöglich zu helfen.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei der dissoziativen Identitätsstörung?

Es gibt nicht die eine, richtige Behandlung für eine dissoziative Identitätsstörung (DIS). Da die Betroffenen ihre DIS unterschiedlich erleben, haben sie auch unterschiedliche Bedürfnisse. Die Therapie richtet sich deshalb immer individuell nach dem, was die Patientin oder der Patient braucht. In den medizinischen Einrichtungen von Asklepios stehen verschiedene Therapie- und Unterstützungsangebote zur Verfügung, die darauf abzielen, die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern und ihnen ein stabileres Leben zu ermöglichen. Im Folgenden stellen wir Ihnen die häufigsten Behandlungsansätze vor.

Psychotherapie: der Kern der Behandlung

Die Psychotherapie ist die zentrale Maßnahme bei der Behandlung der DIS. Ihr Ziel ist es in erster Linie, eine bessere Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Persönlichkeitsanteilen zu bewirken. Da beiderseitiges Vertrauen eine wesentliche Grundlage für den Erfolg der Therapie darstellt, werden die Therapeutin oder der Therapeut in den Sitzungen zunächst eine stabile Beziehung zu ihrer Patientin oder ihrem Patienten aufbauen. Im nächsten Schritt werden traumatische Erlebnisse, die oft die Ursache der DIS sind, behutsam aufgearbeitet. Dabei kann eine Traumatherapie ebenso zum Einsatz kommen wie die kognitive Verhaltenstherapie, eine Methode, die darauf abzielt, ungesunde Denk- und Verhaltensweisen zu verändern. Die erfahrenen Fachkräfte bei Asklepios begleiten Patient:innen einfühlsam und professionell durch diesen Prozess.

Stabilisierung und Sicherheit schaffen

Zu Beginn der Therapie liegt der Fokus darauf, die Patient:innen zu stabilisieren. Hierbei geht es darum, ihre akuten Belastungen zu reduzieren und ihnen Fähigkeiten zu vermitteln, mit Emotionen und Stress besser umgehen zu können. Unterstützt durch erfahrene und empathische Therapeut:innen lernen Betroffene, mit belastenden Erinnerungen und Gefühlen umzugehen, ohne sich selbst zu gefährden. Diese Phase ist besonders wichtig, um eine Grundlage für die weitere therapeutische Arbeit zu schaffen.

Psychoedukation: Wissen als Schlüssel

Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Behandlung ist die Psychoedukation, also die Vermittlung von Wissen über die Erkrankung. Die Patient:innen lernen wichtige Fakten über die Natur der DIS, ihre Symptome und mögliche Auslöser. Dieses Wissen hilft den Betroffenen, ihre Erkrankung besser zu verstehen und mit den Herausforderungen des Alltags umzugehen. Es kann auch sinnvoll sein, Angehörige in diesen Prozess einzubeziehen, um so für die Patient:innen ein unterstützendes Umfeld zu schaffen.

Gruppentherapie: Austausch und Unterstützung

Die Erfahrung, mit der Erkrankung nicht allein zu sein, ist wichtig und heilsam: Bei Asklepios haben Patient:innen die Möglichkeit, sich in Gruppentherapien mit anderen Betroffenen auszutauschen und gegenseitig zur Seite zu stehen. In einer sicheren Umgebung erarbeiten sie gemeinsam und mit der Unterstützung von Therapeut:innen Strategien, um mit den Symptomen der DIS besser umgehen zu können. Ein solcher Austausch in einer Gruppe kann das Gefühl der Isolation verringern und den Therapieerfolg fördern.

Langfristige Begleitung und Rehabilitation

Die Behandlung der DIS ist oft ein langwieriger Prozess, der von den Betroffenen und ihrem Umfeld viel Geduld erfordert. In den Einrichtungen von Asklepios bieten wir den Patient:innen eine nachhaltige Begleitung an, auf die sie auch nach der intensiven Therapiephase zählen können, etwa in unseren ambulanten Einrichtungen oder Tageskliniken. Ziel ist es, die Patient:innen in ein selbstbestimmtes Leben zu begleiten und ihre Lebensqualität langfristig zu steigern.

Welche Erkrankungen können bei der dissoziativen Identitätsstörung zusätzlich auftreten?

Die dissoziative Identitätsstörung (DIS) geht oft mit anderen psychischen Erkrankungen einher, die entweder als Ursache oder als Folge der DIS auftreten können. Diese Erkrankungen können den Verlauf und die Behandlung der DIS erheblich beeinflussen. Dazu gehören:

Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)

Die PTBS ist eine häufige Ursache der dissoziativen Identitätsstörung, da die dissoziative Identitätsstörung ebenso wie die PTBS durch schwere Traumata ausgelöst wird. Betroffene erleben wiederkehrende Flashbacks, Albträume und ein Gefühl ständiger Bedrohung. Die posttraumatische Belastungsstörung verstärkt die Symptome der DIS, insbesondere die Schwierigkeiten, traumatische Erinnerungen zu verarbeiten.

Depressionen

Depressive Störungen treten bei vielen Menschen mit DIS auf. Sie äußern sich durch anhaltende Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit und das Gefühl von Hoffnungslosigkeit. Diese depressiven Störungen können sowohl eine Folge der Konflikte zwischen den einzelnen Persönlichkeitsanteilen als auch der Belastungen durch traumatische Erinnerungen sein.

Angststörungen

Angststörungen oder Panikattacken sind bei DIS-Betroffenen häufig. Diese Ängste entstehen oft aus der Unsicherheit und dem Kontrollverlust, die durch den Wechsel der Persönlichkeitsanteile ausgelöst werden.

Essstörungen

Essstörungen wie Anorexie oder Bulimie können sowohl als Bewältigungsstrategie für traumatische Erlebnisse als auch als Ausdruck innerer Konflikte auftreten. Diese Störungen erschweren die Stabilisierung der Betroffenen und erfordern eine gezielte Behandlung.

Schlafstörungen

Schlafprobleme wie Insomnie (Schlaflosigkeit) oder Albträume sind häufige Begleiter der DIS. Sie können durch traumatische Erinnerungen oder durch die Aktivität verschiedener Persönlichkeitsanteile während der Nacht verursacht oder verstärkt werden.

In den medizinischen Einrichtungen von Asklepios berücksichtigen die Expert:innen diese begleitenden Erkrankungen, um eine ganzheitliche Behandlung anzubieten. Unsere Therapeut:innen unternehmen ihr Bestmögliches, um die Symptome der Betroffenen zu lindern und die Lebensqualität ihrer Patient:innen zu verbessern.

Kann man der dissoziativen Identitätsstörung vorbeugen?

Die dissoziative Identitätsstörung (DIS) entwickelt sich in der Regel als Folge schwerer Traumata in der Kindheit, wie körperlicher, sexueller oder emotionaler Misshandlung. Während sich die auslösenden Faktoren der Erkrankung nicht unbedingt verhindern lassen, gibt es jedoch Maßnahmen, die helfen können, die negativen Folgen der Traumata einzudämmen.

Frühzeitige Unterstützung bei belastenden Erfahrungen

Wenn Sie oder Ihr Kind schwierige oder traumatische Erlebnisse durchmachen, ist es wichtig, frühzeitig professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Psychotherapeut:innen können helfen, belastende Ereignisse zu verarbeiten, bevor sie sich tief in das Unterbewusstsein eingraben können. Besonders bei Kindern unter fünf Jahren, die laut Studien ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung dissoziativer Symptome haben, ist es wichtig, bei einem Verdacht auf traumatische Erlebnisse schnell einzuschreiten. Achten Sie darauf, dass Kinder in einem sicheren und unterstützenden Umfeld aufwachsen, in dem sie ihre Gefühle ausdrücken können.

Aufbau stabiler sozialer Beziehungen

Ein unterstützendes soziales Netzwerk ist ein wichtiger Schutzfaktor gegen psychische Erkrankungen. Pflegen Sie regelmäßigen Kontakt zu Familie und Freund:innen, und scheuen Sie sich nicht, Hilfe von Vertrauenspersonen anzunehmen. Soziale Bindungen können das Gefühl von Isolation verringern, das bei traumatischen Erlebnissen oft entsteht. Wenden Sie sich an Selbsthilfegruppen: Der Austausch mit anderen Betroffenen kann sehr entlastend wirken.

Stärkung der emotionalen Resilienz

Resilienz, also die Fähigkeit, mit Stress und Krisen umzugehen, kann durch gezielte Maßnahmen gestärkt werden. Dazu gehören regelmäßige Entspannungsübungen wie progressive Muskelentspannung, Yoga oder Atemtechniken. Auch Achtsamkeitstraining kann helfen, die Verbindung zwischen Körper und Geist zu stärken und sich weniger von belastenden Gedanken überwältigen zu lassen.

Verzicht auf Alkohol und Drogen

Da Alkohol und Drogen die Bewältigung von Stress und Traumata negativ beeinflussen können, sollten Sie diese Substanzen vollständig meiden. Alkohol beispielsweise kann dissoziative Symptome wie Amnesien und Identitätskonflikte verstärken.

Förderung eines stabilen Alltagsrhythmus

Ein strukturierter Tagesablauf kann helfen, das Gefühl von Kontrolle und Sicherheit zu stärken. Legen Sie feste Schlafens- und Essenszeiten fest, um Körper und Geist zu stabilisieren. Schlaf ist besonders wichtig, da Schlafmangel dissoziative Symptome verschlimmern kann. Streben Sie mindestens sieben bis acht Stunden Schlaf pro Nacht an und vermeiden Sie es vor dem Zubettgehen, im Internet zu surfen, fernzusehen oder auf Ihr Smartphone zu schauen, um eine erholsame Nachtruhe zu fördern.

Den Körper versorgen

Es ist nicht nur wichtig und gut, den Körper mit ausreichend Schlaf zu versorgen, sondern auch mit ausreichend Flüssigkeit. Trinken Sie mindestens 400 ml Wasser alle zwei Stunden, um den Körper hydriert zu halten und die Konzentration zu fördern. Denn ist der Körper mit Schlaf und Flüssigkeit unterversorgt, kann dies die Wahrscheinlichkeit für dissoziative Störungen erhöhen.

Psychoedukation und Selbstreflexion

Informieren Sie sich über psychische Gesundheit und lernen Sie, Ihre eigenen Emotionen und Bedürfnisse besser wahrzunehmen. Regelmäßiges Führen eines Tagebuchs kann Ihnen helfen, Muster in Ihrem Verhalten und Ihren Gefühlen zu erkennen. Schreiben Sie täglich mindestens fünf Minuten über Ihre Gedanken und Erfahrungen, um sich selbst besser zu verstehen und eventuelle Belastungen frühzeitig zu identifizieren.

Professionelle Unterstützung bei Bedarf

Auch wenn die genannten Maßnahmen hilfreich sind, sollten Sie bei anhaltenden Belastungen oder ersten Anzeichen von dissoziativen Symptomen nicht zögern, professionelle Hilfe zu suchen. In den medizinischen Einrichtungen von Asklepios stehen Ihnen erfahrene Fachkräfte zur Seite, die Sie individuell unterstützen können.

Welche Rolle spielt das Gehirn bei der dissoziativen Identitätsstörung?

Unser Gehirn verarbeitet Emotionen, ordnet Gefühle wie Angst und Freude ein, damit wir entsprechend handeln können, und speichert Erinnerungen ab. Bei Menschen mit einer dissoziativen Identitätsstörung (DIS) weisen bestimmte Hirnregionen strukturelle und funktionelle Veränderungen auf. Besonders betroffen sind der Hippocampus, der für Gedächtnis und emotionale Verarbeitung zuständig ist, und die Amygdala, die eine zentrale Rolle bei der Verarbeitung von Angst und Stress spielt. Beide Gehirnstrukturen sind bei Menschen mit DIS oft verkleinert, was auf die Auswirkungen chronischer Traumata hinweist.

Findet bei DIS-Betroffenen ein Wechsel zwischen den verschiedenen Persönlichkeitszuständen statt, kann man diesen Wechsel mithilfe von bildgebenden Verfahren tatsächlich sichtbar machen, denn die Aktivität im Gehirn unterscheidet sich je nach aktivierter Persönlichkeitsidentität.

Bei der funktionellen Magnetresonanztomografie (fMRT) erstellen die Expert:innen mithilfe von Magnetfeldern Aufnahmen des Gehirns, während sie bestimmte Gehirnareale reizen. Die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) wiederum ist ein nuklearmedizinisches Bildgebungsverfahren, das durch eine radioaktive Substanz Stoffwechselvorgänge im Körper sichtbar macht.

Beide Verfahren haben unter anderem gezeigt, dass bei DIS-Patient:innen die Durchblutung in den Hirnbereichen, die mit emotionaler Verarbeitung und Angstreaktionen verbunden sind, in bestimmten Persönlichkeitszuständen erhöht ist. Gleichzeitig können andere Bereiche, die für rationale Entscheidungen und Alltagsfunktionen zuständig sind, weniger aktiv sein.

Darüber hinaus weisen Betroffene oft eine erhöhte Aktivität in den Leitungsbahnen der sogenannten weißen Substanz auf. Diese Nervenfasern im zentralen Nervensystem sind für die Regulation von Kampf- oder Fluchtreaktionen zuständig. Die Veränderungen in der weißen Substanz könnten erklären, warum Betroffene besonders sensibel auf potenziell bedrohliche Reize reagieren und Schwierigkeiten haben, traumatische Erinnerungen zuzulassen und zu verarbeiten.

Auch wenn bildgebende Untersuchungen der Gehirnareale nicht zu den typischen Diagnosewerkzeugen bei einer dissoziativen Identitätsstörung gehören, so ist es doch für die Betroffenen wichtig zu wissen, dass sich ihre Erkrankung nachweislich im Gehirn abspielt. Die Expert:innen in den Facheinrichtungen von Asklepios setzen sich stets mit den neuesten Erkenntnissen der Forschung im Bereich DIS auseinander. Sie nehmen die Ängste ihrer Patient:innen ernst und werden immer ihr Bestmögliches tun, um den DIS-Betroffenen dabei zu helfen, ihren Alltag zu meistern und ihre Lebensqualität zurückzugewinnen.

Hinweis:

Die in diesem Artikel bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich der allgemeinen Information und werden regelmäßig durch unsere Fachexpert:innen geprüft und aktualisiert. Sie ersetzen dennoch keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung durch Ärzt:innen, Psycholog:innen, Psychiater:innen oder andere medizinische Fachexpert:innen. Bei gesundheitlichen Beschwerden wenden Sie sich jederzeit gerne an eine unserer Asklepios Kliniken, ambulanten Praxen und medizinischen Versorgungszentren in Ihrer Nähe oder an Ihre behandelnde Hausärztin oder Ihren behandelnden Hausarzt.