Schmerztherapie

Schmerzmedizin

Wenn Schmerz zur Krankheit wird

Wir alle kennen Schmerzen: Sie treten nach Operationen oder Verletzungen auf und werden vom betroffenen Körperteil als Warnsignal an das Gehirn gesendet. Dies hat die sinnvolle Funktion, uns vor einer Verschlimmerung der Symptomatik zu schützen und unser Verhalten diesbezüglich anzupassen.
Allerdings können sich Schmerzen auch verselbstständigen und zu einer eigenständigen Erkrankung werden. Es handelt sich dabei um eine chronische Schmerzkrankheit. Der Schmerz „entkoppelt“ sich von seiner physiologischen Aufgabe und besteht sogar dann noch weiter, wenn die ursprüngliche Ursache längst behoben ist.
Schmerzen können aber auch ohne hinreichende oder eindeutige körperliche Ursache auftreten und Ausdruck teilweise lange anhaltender körperlicher, sozialer oder emotionaler (Über)Belastungen sein, z. B. Stress am Arbeitsplatz, existenzielle Krankheiten oder Unfälle, Pflege oder Verluste von nahen Angehörigen, familiäre Konflikte, Doppelbelastungen durch Beruf und Familie etc. Häufig sind es auch gar nicht einzelne, konkrete Lebensereignisse, sondern vielmehr schleichende Prozesse oder schwelende Überforderungen, die das Fass zum Überlaufen bringen. Der sprichwörtlich kleinste Tropfen reicht dann aus, um Schmerzen auszulösen, die oft ihre Ursache in muskulärer Überaktivierung und Daueranspannung haben.
So kann Schmerz in einer klinisch bedeutsamen Weise zu Leiden und Beeinträchtigungen in sozialen, beruflichen und anderen Funktionsbereichen führen. Weil die Entstehung chronischer Schmerzen i. d. R. sehr komplex ist, greifen unimodale Therapieversuche oft zu kurz, stagnieren oder bleiben erfolglos.
Um dem komplexen Schmerzgeschehen gerecht zu werden, ist meist eine koordinierte Diagnostik und interdisziplinäre Schmerztherapie notwendig.

Stationäre interdisziplinäre und multimodale Schmerztherapie

Der Schwerpunkt liegt auf einem multimodalen Therapieansatz. Dies bedeutet, dass neben den Ärzten auch schmerztherapeutisch erfahrene und speziell ausgebildete Co-Therapeuten der einzelnen Fachabteilungen die Patienten in einem aufeinander abgestimmten Therapieprogramm behandeln. Es finden wöchentlich interdisziplinäre Teambesprechungen statt.

Ziel der Behandlung

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Ziel der multimodalen Schmerztherapie ist es, die Auswirkungen des Erkrankungsbildes im Hinblick auf die individuellen Anforderungen und Bedürfnisse der Patienten zu reduzieren und Handlungsanweisungen zum Selbstmanagement der Erkrankungs- oder Verletzungsfolgen zu erläutern, sodass die Funktionsfähigkeit und damit auch die Lebensqualität der Patienten gesteigert werden können.

Die stationäre Behandlung erfolgt in einer Gruppe von bis zu acht Patienten über 16 Tage. Während des Aufenthalts sind die Patienten in modernen Zimmern in unserer Klinik untergebracht.

Therapie

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Die individuell angepasste Therapie für die Patienten setzt sich aus folgenden Bausteinen zusammen:

  • Schmerztherapeutische Gespräche / Interventionen
  • Medikamentöse Therapie
  • Psychotherapie in Einzelgesprächen und verhaltenstherapeutischen Gruppen
  • Physiotherapie in Einzel- und Gruppenbetreuung
  • Ergotherapie im Einzel- und Gruppensetting
  • Entspannungstechniken / Bio-Feedback
  • Medizinisches Geräte- und Ausdauertraining
  • Sozialdienstliche Beratung
  • sonografisch gesteuerte Nervenblockaden bei ausgewählten Krankheitsbildern
  • Medikamentenentzug

Häufige Erkrankungsbilder

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Einige häufige Erkrankungsbilder, bei denen der Schmerz im Vordergrund steht, sollen hier exemplarisch genannt werden:

  • Migräne
  • Spannungskopfschmerzen
  • Chronische Rückenschmerzen
  • Fibromyalgie
  • Chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
  • Komplex regionales Schmerzsyndrom (CRPS)
  • Phantomschmerzen nach Amputation
  • Komplexe Nervenschmerzen mit Funktionseinschränkungen der oberen und unteren Extremität
  • Schmerzen nach Rückenverletzungen und andere zentralnervöse Schmerzen
  • Posttraumatische Kopfschmerzen
  • Verdacht auf Medikamentenfehlgebrauch bzw. Opiatabhängigkeit

Wann sollte eine Anmeldung erfolgen?

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Eine spezielle schmerzmedizinische Diagnostik und ggf. Behandlung sollte immer dann erfolgen, wenn die bisherige unimodale ambulante Therapie nicht ausreichend ist oder eine Zweitmeinung erwünscht ist. Bei bestimmten Krankheitsbildern wie z. B. CRPS oder auch Phantomschmerzen ist eine frühzeitige stationäre schmerzmedizinische Behandlung indiziert, um Chronifizierungsprozessen vorzubeugen bzw. entgegenzuwirken.

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