Zwerchfelllähmung und -hochstand
Alles über die Lähmung des Atemmuskels
Zwerchfelllähmung und -hochstand
Das Zwerchfell ist weit mehr als nur eine Trennwand zwischen Brust- und Bauchraum – es ist unser wichtigster Atemmuskel, der bei jedem Atemzug Schwerstarbeit leistet. Wenn dieser Muskel jedoch durch eine Zwerchfellähmung (Parese) geschwächt wird oder es zu einem Zwerchfellhochstand kommt, verliert er seine Spannkraft und drängt nach oben in Richtung der Lunge. Wir erläutern im Folgenden, wie diese Veränderungen entstehen, welche Ursachen dahinterstecken können und mit welchen modernen Behandlungsmöglichkeiten wir Ihre Atemfreiheit und Lebensqualität gemeinsam verbessern können.
Was ist eine Zwerchfelllähmung?
Von einer Zwerchfelllähmung spricht man, wenn sich eine oder beide Hälften des Zwerchfells nicht mehr ausreichend bewegen. In den meisten Fällen ist nur eine Seite betroffen (einseitige Zwerchfelllähmung). Ursache ist in der Regel eine Schädigung des Nervs, der das Zwerchfell steuert (Nervus phrenicus). Dieser ist auf jeder Brustkorbseite separat angelegt und entspringt auf Höhe des dritten bis fünften Halswirbels.
Ist dieser Nerv gestört, kann das Zwerchfell sich nicht mehr aktiv kontrahieren und nach unten bewegen. Die betroffene Seite steht dann dauerhaft höher im Brustraum und bewegt sich kaum noch (Zwerchfellhochstand). Dadurch kann sich die daran angrenzende Lunge nicht vollständig entfalten und wird teilweise komprimiert. Die Folge ist eine verminderte Belüftung auf dieser Seite. Im Verlauf gehen die Muskelzellen des Zwerchfells zurück (Muskelatrophie) und das Zwerchfell dünnt aus. Durch den Druck der Bauchorgane und die Bewegung des gegenseitigen funktionierenden Zwerchfells kann der Zwerchfellhochstand auf der betroffenen Seite langsam zunehmen.
Ursachen einer Zwerchfelllähmung
Die Gründe für eine Lähmung sind vielfältig. Häufig tritt sie nach Operationen im Brust- oder Halsbereich auf, beispielsweise nach Herz- oder Lungeneingriffen oder nach Schilddrüsenoperationen. Auch Unfälle oder Verletzungen der Wirbelsäule können den Zwerchfellnerv beeinträchtigen. Ursächlich hierfür ist der anatomische Verlauf des N. phrenicus in direkter Nachbarschaft zu den o.g. Organen und Strukturen.
Tumorerkrankungen im Brustraum z.B. Lungenkarzinom oder Mediastinaltumore können durch Druck oder Einwachsen in den Nervus phrenicus ebenfalls eine Lähmung verursachen. Darüber hinaus kommen entzündliche oder neurologische Erkrankungen in Betracht. In einem Teil der Fälle lässt sich trotz umfassender Diagnostik keine eindeutige Ursache (idiopathisch) feststellen. Diskutiert werden in diesen Fällen als Ursache z.B. Virusinfektionen, ein eindeutiger Zusammenhang konnte bisher jedoch nicht bewiesen werden.
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Welche Beschwerden treten auf?
Im Normalfall arbeitet das Zwerchfell wie eine kraftvolle Pumpe: Wenn Sie einatmen, zieht es sich zusammen und bewegt sich nach unten, um der Lunge Platz für frische Luft zu schaffen. Bei einer einseitigen Lähmung passiert jedoch genau das Gegenteil – man spricht von einer „paradoxen Bewegung“. Da der gelähmte Muskel keine eigene Kraft mehr hat, gibt er dem Druck aus dem Bauchraum einfach nach. Während die gesunde Seite nach unten geht, wird die gelähmte Seite wie ein Segel im Wind nach oben in den Brustkorb gedrückt. Das hat Folgen: Die Lunge auf dieser Seite kann sich nicht mehr richtig entfalten. Da sie dadurch schlechter belüftet wird, haben es Krankheitserreger leichter, was das Risiko für Entzündungen erhöht.
Besonders typisch sind Sxmptome wie eine Verschlechterung der Atmung im Liegen im Vergleich zum Sitzen oder Stehen; auch Bücken oder Schwimmen kann als unangenehm empfunden werden, da hierbei der Druck durch die Bauchorgane auf die Lunge zunimmt. Bei ausgeprägten Befunden gehen außerdem Luftnot bei körperlicher Belastung, beim Treppensteigen oder beim schnellen Gehen sowie eine generelle verminderte Belastbarkeit mit der Erkrankung einher.
Bestehen zusätzlich Erkrankungen der Lunge (COPD, Lungenfibrose etc.), des Herzens (Herzinsuffizienz) oder Übergewicht, können die Symptome deutlicher ausgeprägt sein.
Wie wird eine Zwerchfelllähmung diagnostiziert?
Am Anfang der Diagnostik steht ein ausführliches ärztliches Gespräch über frühere Operationen, Unfälle, Infektionen oder Vorerkrankungen. In der körperlichen Untersuchung kann eine verminderte Atembewegung auffallen.
Ein Röntgenbild des Brustkorbs zeigt häufig einen Hochstand einer Zwerchfellhälfte (einseitiger Zwerchfelllähmung). Mit einer Ultraschalluntersuchung lässt sich die Beweglichkeit des Zwerchfells und die Dicke des Muskels direkt beurteilen. Ergänzend werden Lungenfunktionstests (Spirometrie) durchgeführt, sowohl im Sitzen als auch im Liegen, um die Einschränkung besser beurteilen zu können.
Zur weiteren Eingrenzung werden ergänzende radiologische Untersuchungen (Computertomografie des Thorax und Kernspintomografie der Wirbelsäule) angefertigt, um mögliche Ursachen im Brustraum oder der Wirbelsäule abzuklären.
Wie wird eine Zwerchfelllähmung behandelt?
Bestehen anhaltende und belastende Beschwerden ohne Aussicht auf spontane Besserung, kann eine operative Therapie sinnvoll sein. Ziel der sogenannten Zwerchfellraffung ist es, das erschlaffte und hochstehende Zwerchfell zu straffen und dauerhaft in eine günstigere, flachere Position zu bringen.
Bei der Lähmung bewegt sich das Zwerchfell bei der Einatmung teilweise paradox nach oben, anstatt sich nach unten zu senken. Durch die Raffungsoperation wird dieser Effekt aufgehoben: Das Zwerchfell wird mit speziellen Nähten gefaltet und gestrafft und oft durch ein Netz verstärkt, sodass es stabil in flacher Position verbleibt und der Lunge wieder mehr Raum zur Ausdehnung gibt. Die gesunden Atemmuskeln können dadurch besser arbeiten und die Atmungsmechanik wird effizienter.
Der Eingriff erfolgt heute in den meisten Fällen minimal-invasiv über kleine Hautschnitte zwischen den Rippen (Schlüssellochtechnik per Videothorakoskopie). Dabei werden eine Kamera und feine Instrumente in den Brustraum eingebracht. Dieses Verfahren ist für die Patientinnen und Patienten deutlich schonender als eine offene Operation, da es weniger Schmerzen verursacht und die Erholungszeit verkürzt.
In unserem spezialisierten Zentrum wird die Zwerchfellraffung robotisch assistiert durchgeführt. Hierbei kommt das hochmoderne Da Vinci Robotiksystem zum Einsatz, die der Operateur von einer Konsole aus steuert. Das robotische System ermöglicht eine besonders präzise Nahtführung, eine verbesserte dreidimensionale Sicht und sehr feine Instrumentenbeweglichkeit. Gerade bei anatomisch anspruchsvollen Situationen kann dies zusätzliche Sicherheit und Genauigkeit bieten. Für die Patientinnen und Patienten bedeutet dies in der Regel ein ebenso schonendes Vorgehen mit sehr guten funktionellen Ergebnissen.
Der stationäre Aufenthalt beträgt meist wenige Tage postoperativ und wird durch die Dauer der einliegenden Thoraxdrainagen und der Schmerzsituation bestimmt. Um die Erholung günstig zu beeinflussen ist es entscheidend so frühzeitig wie möglich mit Atemübungen und Krankengymnastik zu beginnen. Schwere körperliche Belastungen sollten für mehrere Wochen vermieden werden, um die Einheilung der flachen Zwerchfellposition zu fördern.
Häufige gestellte Fragen zur Behandlung einer Zwerfelllähmung
Nicht in jedem Fall ist eine sofortige Therapie erforderlich. Wenn die Beschwerden gering sind und eine mögliche Erholung des Nervs zu erwarten ist z.B. nach Virusinfektion, kann zunächst abgewartet werden. In dieser Zeit unterstützen Atemphysiotherapie und gezieltes Training der Atemmuskulatur die Stabilisierung der Atmung.
Entscheidend für die weitere Therapie ist nicht ausschließlich das Ausmaß des einseitigen Zwerchfellhochstandes, sondern vielmehr die Ausprägung der Belastungseinschränkung und die resultierende Luftnot (Dyspnoe).
Komplikationen im Rahmen der Operation sind selten. Jedoch birgt jede Operation Risiken und es kann zu Komplikationen kommen. Neben den allgemeinen operativen Risiken durch Wundinfektion, anhaltende Schmerzen, Pleuraergussbildung, Blutung und Thrombose, kann durch die Raffung des gelähmten Zwerchfells umgebende Strukturen und Organe (Lungen, Leber und Milz) verletzt werden. Durch die minimal-invasive und robotische Technik können diese Risiken minimiert werden. Der genaue Ablauf der Operation und die assoziierten Risiken werden vor jeder Operation ausführlich mit dem Patienten besprochen.
Die Prognose hängt wesentlich von der Ursache der Lähmung und vom allgemeinen Gesundheitszustand ab. Bei einseitiger Zwerchfelllähmung ohne fortschreitende Grunderkrankung sind die Aussichten sehr gut. Viele Patientinnen und Patienten berichten nach der Operation über eine deutliche Verbesserung der Belastbarkeit, weniger Atemnot und eine spürbar gesteigerte Lebensqualität. Auch messbare Verbesserungen in der Lungenfunktion sind häufig nachweisbar.
Ist die Lähmung Folge einer vorübergehenden Nervenschädigung, kann sich die Funktion in manchen Fällen auch ohne Operation teilweise oder vollständig erholen. Die Therapieentscheidung erfolgt in der der Regel individuell und interdisziplinär. Ziel ist es, für jede Patientin und jeden Patienten die optimale Behandlungsstrategie zu wählen und die Atemfunktion nachhaltig zu verbessern.
Eine Zwerchfelllähmung ist somit eine ernstzunehmende, aber in vielen Fällen gut behandelbare Ursache von Atemnot. Dank moderner Diagnostik, minimal-invasiver Chirurgie und robotischer Unterstützung kann heute eine sichere und effektive Therapie angeboten werden.
Was ist das Zwerchfell und welche Funktion hat es?
Das Zwerchfell ist der wichtigste Atemmuskel des Menschen. Es handelt sich um eine kuppelförmige Muskel-Sehnen-Platte, die den Brustkorb vom Bauchraum trennt. Bei jedem Atemzug spielt es eine zentrale Rolle: Beim Einatmen zieht es sich zusammen und senkt sich nach unten. Dadurch entsteht im Brustkorb ein Unterdruck, sodass Luft in die Lungen strömt. Beim Ausatmen entspannt sich der Muskel wieder und hebt sich an.
Im Ruhezustand übernimmt das Zwerchfell den größten Teil der Atemarbeit ca. 30-50%. Bei körperlicher Belastung steigt der Anteil auf bis zu 80%, andere Atemmuskeln kommen unterstützend hinzu. Ist die Funktion des Zwerchfells eingeschränkt, muss der Körper vermehrt auf diese Hilfsmuskulatur zurückgreifen – die Atmung wird anstrengender und weniger effizient.