
Oberarzt
Mathias Noll
Innere Medizin
Schlaganfallbehandlung
Pro Jahr erleiden mehr als 250.000 Deutsche einen Schlaganfall. Je früher Betroffene medizinische Hilfe erhalten, umso besser können die Folgen eines Schlaganfalls reduziert werden. Unsere Stroke-Unit ist eine besondere Einheit, die sich auf die Behandlung von Schlaganfallpatient:innen spezialisiert hat.
Bei Schlaganfall-Symptomen sollten Sie SOFORT die Notrufnummer 112 anrufen.
Der Schlaganfall, auch als "Apoplex" bekannt, umfasst eigentlich zwei verschiedene Krankheitsbilder. Zum einen handelt es sich um eine Mangeldurchblutung des Gehirns aufgrund des Verschlusses einer Hirnarterie. Diese Art von Schlaganfall wird als ischämischer Schlaganfall oder Hirninfarkt bezeichnet und macht etwa 80 bis 85% aller Schlaganfälle aus.
Bei den verbleibenden 15 bis 20% der Schlaganfälle handelt es sich um einen Riss in einer Hirnarterie, was zu einer Hirnblutung führt. Dabei tritt Blut in das Hirngewebe aus. Dieser Typ wird als hämorrhagischer Schlaganfall bezeichnet.
Es ist wichtig zu beachten, dass der Schlaganfall immer ein medizinischer Notfall ist. Bei einem hämorrhagischen Schlaganfall besteht die Notwendigkeit, die Gehirnblutung zu stoppen, da das Blutgerinnsel das umliegende Gewebe verdrängt und gesunde Gehirnteile schädigen kann. In einigen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um das Blut zu entfernen und dem Hirngewebe Platz zum Ausweichen zu geben.
Patient:innen mit Verdacht auf einen Schlaganfall werden in der Zentralen Notaufnahme untersucht. Wir führen anhand der Untersuchungsergebnisse eine Computertomographie (CT) und/oder Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns sowie der zugehörigen Blutgefäße durch. Mittels CT erstellte Perfusionskarten erlauben es uns, das Zeitfenster für eine Akutbehandlung über die festgelegte Grenze von 4,5 Stunden hinaus zu erweitern. Mit den daraus gewonnenen Erkenntnissen kann die individuell beste Therapie eingeleitet werden.
Für eine ganzheitliche Betreuung ist ein multiprofessionelles Behandlungsteam, bestehend aus Ärzt:innen, speziell geschulten Pflegekräften, Logopäd:innen, Ergo- und Physiotherapeut:innen rund um die Uhr im Einsatz. Patient:innen mit einem akuten Schlaganfall werden unterstützend durch das Fachpersonal der Neurologie aus der Fachklinik Fürstenhof behandelt. Darüber hinaus besteht eine Anknüpfung an das neurovaskuläre Netzwerk Nordhessen. Als Mitglied im Neuronetzwerk Nordhessen arbeiten wir eng mit anderen medizinischen Einrichtungen zusammen, um eine bestmögliche Versorgung von Schlaganfallpatienten sicherzustellen. Bei Bedarf einer Thrombektomie, der Entfernung eines Blutgerinnsels aus einem Blutgefäß mithilfe eines Katheters, wird der Patient zu einem Maximalversorger verlegt und die Behandlung dort übernommen.
Je nach Schweregrad der Erkrankung kann es einige Tage dauern, bis die betroffenen Patient:innen die Klinik verlassen können. Nach der Akutbehandlung kann eine stationäre Rehabilitation in einer spezialisierten Klinik, wie z.B. die Asklepios Fachklinik Fürstenhof, notwendig sein. In weniger schweren Fällen können diese Rehabilitationsmaßnahmen auch ambulant durchgeführt werden.
Spätestens zum Ende der Rehabilitationsmaßnahmen erfolgt in der Regel eine Bewertung, um festzustellen, wie weit der Patient:innen wieder in der Lage ist, den Alltag eigenständig zu bewältigen. Falls relevante neurologische Einschränkungen für den Alltag bestehen bleiben, erhalten Sie Unterstützung bei der Planung und Organisation der weiteren Alltagsgestaltung.
Ein Schlaganfall ist ein medizinischer Notfall, bei dem es zu einer plötzlichen Unterbrechung der Blutzufuhr zum Gehirn kommt. Die Symptome können je nach Art des Schlaganfalls und den betroffenen Gehirnregionen variieren. Es gibt zwei Haupttypen von Schlaganfällen: den ischämischen Schlaganfall, der durch eine blockierte Blutzufuhr verursacht wird, und den hämorrhagischen Schlaganfall, der durch eine Blutung im Gehirn entsteht.
Die häufigsten Symptome eines Schlaganfalls können durch die Merkhilfe "BE FAST" zusammengefasst werden:
Weitere mögliche Symptome eines Schlaganfalls können sein:
Es ist wichtig zu beachten, dass nicht alle Symptome bei jedem Schlaganfall auftreten, und die Schwere der Symptome kann variieren. Wenn Sie oder jemand in Ihrer Umgebung Anzeichen eines Schlaganfalls bemerken, ist sofortige ärztliche Hilfe erforderlich, um die bestmöglichen Behandlungschancen zu gewährleisten.
Ein Schlaganfall erfordert sofortige medizinische Hilfe. Wenn Sie oder jemand anderes Anzeichen eines Schlaganfalls bemerken, ist es wichtig, sofort den Notruf (112 in Europa, 911 in den USA) zu wählen. Zeit ist entscheidend, um die bestmögliche Behandlung zu erhalten.
Hier sind die wichtigsten Schritte, die Sie im Falle eines Schlaganfalls unternehmen sollten:
Es ist wichtig zu betonen, dass die einzige angemessene Reaktion auf einen Schlaganfall der sofortige Notruf ist. Medizinische Fachleute müssen so schnell wie möglich eine genaue Diagnose stellen und mit der Behandlung beginnen, um die besten Chancen auf eine umfassende Genesung zu gewährleisten.
Es gibt verschiedene Risikofaktoren, die das Risiko für einen Schlaganfall erhöhen können. Menschen, die bestimmten Risikogruppen angehören, haben ein höheres Risiko für einen Schlaganfall. Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen:
Es ist wichtig zu beachten, dass viele Schlaganfälle durch die Kontrolle dieser Risikofaktoren vermieden werden können. Eine gesunde Lebensweise, regelmäßige ärztliche Untersuchungen und die Kontrolle von Risikofaktoren können dazu beitragen, das Schlaganfallrisiko zu minimieren. Wenn Sie Bedenken hinsichtlich Ihres persönlichen Risikos haben, sollten Sie dies mit Ärzt:innen besprechen.
Vielen von Ihnen sind sicher die Grundsätze bekannt, nach denen sich jeder und jede von uns eigenständig bestmöglich vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie einem Herzinfarkt schützen kann. Bei der Ernährung spielt die „mediterrane Diät“ (Fisch, mageres Fleisch, Olivenöl, Gemüse, Obst) eine große Rolle. Man sollte regelmäßig zu Hausärzt:innen gehen, um die behandelbaren Risikofaktoren zu erkennen und einzustellen. Hierzu zählen vor allem Bluthochdruck, Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) und Cholesterinerhöhung. Herzerkrankungen sollten rechtzeitig erkannt und behandelt werden, um sich effektiv vor Schlaganfällen zu schützen, vor allem das sogenannte Vorhofflimmern oder -flattern. Mögliche Verengungen der das Gehirn mit Blut versorgenden Halsschlagadern können durch nebenwirkungsfreie Ultraschalluntersuchungen festgestellt und anschließend medikamentös oder durch Einbringen einer Gefäßstütze (Stent), bzw. operativ behoben werden.
Die Behandlung eines Schlaganfalls gliedert sich in drei Phasen. Hierbei ist stets die seit Beginn der Symptome verstrichene Zeit ein entscheidender Faktor.
1. Phase: Frischer Schlaganfall
Während die behandelnden Ärzte stets anstreben, eine Hirnblutung durch unterschiedliche Maßnahmen zum Stillstand zu bringen, bestehen beim Hirninfarkt durch Verschluss einer hirnversorgenden Ader verschiedene Zeitfenster, in denen jeweils bestimmte Therapien angewendet werden können. Dabei stehen zwei Methoden zur Verfügung, die beide eingesetzt werden, um das verschlossene Blutgefäß wieder zu eröffnen, damit das Gehirn wieder ausreichend Blut und Sauerstoff erhält:
Beide Verfahren können allein oder in Kombination angewendet werden, indem zunächst eine systemische Thrombolyse und anschließend eine mechanische Thrombektomie durchgeführt wird.
2. Phase: Aufbau eines bestmöglichen Schutzes vor weiteren Schlaganfällen
Die sogenannte Sekundärprophylaxe umfasst medikamentöse Maßnahmen, kann aber auch die Behebung konkreter Ursachen von Schlaganfällen umfassen. Hierzu zählt z.B. die Beendigung bestimmter Herzrhythmusstörungen oder die operative Verbesserung des Blutstroms durch eine stark eingeengte Halsschlagader. Diese Behandlungen werden in unserem Krankenhaus von erfahrenen Herz- und Gefäßspezialist:innen vorgenommen.
3. Phase: Frühe Rehabilitation
Für alle unsere Patient:innen steht neben Ärzt:innen und Pflegepersonal ein speziell geschultes Team aus Physiotherapeut:innen, Ergotherapeut:innen und Logopäd:innen zur Verfügung, das sich während des gesamten Aufenthaltes in unserer Klinik um Ihre rasche Genesung kümmert. Alle in die Behandlung involvierten Mitarbeiter:innen stimmen sich in täglichen Besprechungen ab, um gemeinsam die beste Form der Therapie festzulegen. Mit unserem Sozialdienst wird zudem frühzeitig eine Rehabilitationsbehandlung geplant, die optimal zu Ihnen und Ihren Bedürfnissen passt.
Die Folgeschäden nach einem Schlaganfall können je nach Schweregrad, Lokalisation des Schlaganfalls und individuellen Faktoren variieren. Einige häufige Folgeschäden können sein:
Es ist wichtig zu beachten, dass die Rehabilitation und therapeutische Maßnahmen nach einem Schlaganfall dazu beitragen können, die Auswirkungen zu minimieren und die Lebensqualität zu verbessern. Die genaue Prognose hängt von verschiedenen Faktoren ab, einschließlich der Schnelligkeit der medizinischen Versorgung und der individuelle Gewinn durch die Rehabilitation.
Ja, ein Schlaganfall kann sich erheblich auf die Psyche auswirken. Die Auswirkungen können von Person zu Person unterschiedlich sein und hängen oft von der Schwere des Schlaganfalls, den betroffenen Gehirnregionen und anderen individuellen Faktoren ab. Einige der möglichen psychischen Auswirkungen sind:
Es ist wichtig zu beachten, dass die Rehabilitation nach einem Schlaganfall oft nicht nur physische, sondern auch psychologische Unterstützung umfassen sollte. Psycholog:innen, Sozialarbeiter:innen und andere Fachleute können dazu beitragen, die psychologischen Auswirkungen zu bewältigen und den Betroffenen bei der Anpassung an ihre veränderte Lebenssituation zu helfen.
Chefarztsekretariat