
Gabriele John
Anmeldung & Auskunft

Wenn bei Blasenkrebs die vollständige Entfernung der Harnblase empfohlen wird, entstehen viele Fragen: Wie läuft die Operation ab? Wie wird der Urin danach abgeleitet? Und was bedeutet das für meinen Alltag? In der Klinik für Urologie der Asklepios Stadtklinik Bad Tölz erklären wir Ihnen die Möglichkeiten und planen die Behandlung gemeinsam mit Ihnen.
Wir führen die Blasenentfernung mit Unterstützung des da Vinci Operationssystems durch. Auch die anschließende Harnableitung legen wir während derselben Operation vollständig im Körper ohne Bauchschnitt an. Hier erfahren Sie, wann der Eingriff infrage kommt und welche Möglichkeiten es für das Leben ohne eigene Harnblase gibt.
Die meisten Blasentumore lassen sich nach Erstdiagnose zunächst durch die Harnröhre entfernen. In manchen Situationen können Harnblasenkarzinome aber nicht mehr endoskopisch durch die Harnröhre behandelt werden. Dann kann es sein, dass eine komplette Entfernung (radikale Zystektomie) der Harnblase notwendig ist. Dies ist der Fall, wenn Harnblasenkarzinome in die Muskelschicht der Harnblase eingewachsen sind, wenn ein Carcinoma in situ nach intravesikaler Immuntherapie (BCG) wieder auftritt oder eine besonders aggressive Tumorsituation bei Erstdiagnose vorliegt. Dann sprechen wir von einer radikalen Zystektomie.
Ziel ist immer, den Tumor möglichst vollständig zu entfernen. Welche Behandlung für Sie geeignet ist und ob eine blasenerhaltende Therapie infrage kommt, hängt unter anderem von der Ausbreitung des Tumors, der Aggressivität und Ihrem allgemeinen Gesundheitszustand ab. Wir erläutern Ihnen die Empfehlung und mögliche Alternativen im persönlichen Gespräch.
Die Operation erfolgt über mehrere kleine Hautschnitte. Eine Kamera erzeugt vom Operationsgebiet ein vergrößertes und dreidimensionales Bild. Die fein beweglichen Instrumente werden vom Operateur an einer Konsole gesteuert. Das System führt keine eigenständigen Operationsschritte aus.

Wie die Literatur belegt haben die Patienten im Vergleich zur offen chirurgischen Methode im Durchschnitt einen wesentlich geringeren Blutverlust und weniger Komplikationen und können das Krankenhaus meist deutlich früher verlassen, da sie schneller wieder fit sind.
Wie rasch Sie sich erholen, hängt jedoch von Ihrer persönlichen Situation und dem Verlauf der Behandlung ab. Die Blasenentfernung bleibt ein großer Eingriff, bei dem Komplikationen auftreten können.
Neben der Harnblase werden Lymphknoten im Becken entfernt. Bei Männern gehören auch die Prostata und die Samenblasen dazu. Bei Frauen werden in der Regel die Gebärmutter, die Eierstöcke und der vordere Teil der Scheide mit entfernt. Ob die Harnröhre erhalten werden kann, richtet sich insbesondere nach der Lage und Ausbreitung des Tumors.
Welche Organe und Nerven erhalten werden können, prüfen wir individuell. Vor dem Eingriff besprechen wir auch mögliche Folgen für die Sexualität, die Fruchtbarkeit und das Halten des Urins. Ihre Fragen und persönlichen Wünsche sind dabei ein wichtiger Teil der Behandlungsplanung.
Nach der Entfernung der Blase benötigt der Urin einen neuen Weg aus dem Körper. Dafür verwenden wir einen Abschnitt des Dünndarms. In unserer Klinik bieten wir das Ileum-Conduit und die Neoblase an. Beide Arten legen wir in gleicher Operation mit dem da Vinci System vollständig innerhalb des Körpers an. Dies wird als intrakorporale Harnableitung bezeichnet.
Ileum Conduit mit einem Stoma
Beim Ileum-Conduit werden die beiden Harnleiter mit einem kurzen, vom übrigen Darm getrennten Dünndarmabschnitt verbunden. Dieser leitet den Urin zu einer kleinen Öffnung in der Bauchdecke, meist im rechten Unterbauch. Diese Öffnung heißt Stoma. Darüber fließt der Urin kontinuierlich in einen Beutel, der auf der Haut haftet und regelmäßig über ein Ventil entleert wird.
Ein Ileum-Conduit ist die weltweit am häufigsten durchgeführte Form der Harnableitung und kommt für Menschen unterschiedlichen Alters infrage. Den Umgang mit dem Stoma und dem Beutel erlernen Sie mit fachlicher Anleitung. Mit einer passenden Versorgung sind viele gewohnte Aktivitäten weiterhin möglich.

Neoblase als Ersatzblase
Bei einer Neoblase formen wir aus einem längeren Dünndarmabschnitt eine Ersatzblase. Sie wird mit den Harnleitern und der erhaltenen Harnröhre verbunden. Ein dauerhafter Urinbeutel an der Bauchdecke ist dafür in der Regel nicht erforderlich.
Eine Neoblase funktioniert anders als die ursprüngliche Harnblase. Sie muss zu festen Zeiten entleert werden; die Technik dafür wird nach der Operation erlernt. Urinverlust ist möglich, besonders anfangs und nachts. Wir erklären Ihnen vorab, welche Anforderungen damit verbunden sind.

Die Entscheidung richtet sich nach der Tumorerkrankung, Ihrer Nieren- und Leberfunktion, möglichen Vorerkrankungen und Ihren persönlichen Bedürfnissen. Auch die Fähigkeit, die neue Harnableitung im Alltag selbst zu versorgen, spielt eine Rolle. Das Lebensalter allein entscheidet darüber nicht.
Eine Neoblase kann auch für Frauen infrage kommen. Voraussetzung ist unter anderem, dass die Harnröhre aus onkologischer Sicht erhalten werden kann und der Schließmuskel ausreichend funktioniert. Die Lage des Tumors innerhalb der Blase, Voroperationen oder eine frühere Bestrahlung des Beckens fließen ebenfalls in die Beurteilung ein. Gemeinsam besprechen wir, welche Versorgung für Sie medizinisch geeignet und im Alltag gut handhabbar ist.
Je nach Tumorstadium und gesundheitlicher Situation kann eine medikamentöse Behandlung vor oder nach der Operation sinnvoll sein. Sie soll das Risiko eines Rückfalls senken und die Heilungschancen verbessern. Hierbei kommen neben klassischen Chemotherapeutika auch hochwirksame Kombinationstherapien aus Chemotherapie, Immuntherapie und sog. Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten zum Einsatz.
Die begleitende medikamentöse Therapie führen wir mit hoher Spezialisierung auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft in der eigenen Klinik durch. Ob eine begleitende Systemtherapie für Sie in Frage kommt und ob diese ggf. bei größerer Entfernung zu uns heimatnah durchgeführt werden sollte besprechen wir in unserer interdisziplinären Tumorkonferenz.
Nach der Operation stehen zunächst Ihre Erholung, die Wundheilung und die Darmfunktion im Mittelpunkt. Schrittweise lernen Sie den Umgang mit Ihrer Harnableitung. Wie lange der Krankenhausaufenthalt dauert, richtet sich nach Ihrem individuellen Verlauf.
Zu den möglichen Risiken zählen unter anderem Blutungen, Infektionen, Thrombosen und Probleme an den Verbindungen von Darm oder Harnleitern. Auch längerfristige Veränderungen der Nierenfunktion oder des Stoffwechsels sind möglich. Deshalb sind regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen wichtig. Wir besprechen mit Ihnen, worauf Sie achten sollten und wie die weitere Betreuung organisiert wird.
Sie möchten wissen, ob eine roboterassistierte Blasenentfernung für Sie infrage kommt, oder haben Fragen zur Harnableitung? Vereinbaren Sie einen Termin in unserer Klinik für Urologie.

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