Asklepios Klinik Altona

Störung des Liquorflusses

Störungen des Liquorflusses

Wenn das Gleichgewicht des Gehirnwassers gestört ist

Erstvorstellung Neurologie

Mahsa Najafi

Praxis für Neurologie (Asklepios MVZ Altona)

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Das Gehirnwasser (Liquor) zirkuliert in einem fein abgestimmten System von Hohlräumen und Kanälen, das Gehirn und Rückenmark schützt. Kommt es dabei zu Abflussstörungen oder Leckagen, gerät das empfindliche Gleichgewicht aus dem Takt – mit teils erheblichen Beschwerden wie Kopfschmerzen, Schwindel oder Sehstörungen.

Unsere Fachärztinnen und Fachärzte setzen modernste bildgebende Diagnostik, minimal-invasive Katheterverfahren und interdisziplinäre Therapiekonzepte ein, um Störungen der Liquorzirkulation präzise zu erkennen und gezielt zu behandeln.

Formen der Liquorflussstörung

Eine häufige Ursache für erhöhten Druck im Schädelinneren (erhöhter Hirndruck) ist eine Störung beim Abfluss des Liquors in die venösen Blutgefäße. Diese Erkrankung wird als Idiopathische Intrakranielle Hypertension (IIH) oder Pseudotumor cerebri bezeichnet, da Symptome eines Hirntumors vorliegen, ohne dass ein Tumor oder eine Blutung ursächlich ist.

Wer ist betroffen?

Ganz überwiegend betrifft IIH jüngere Frauen mit Übergewicht im gebärfähigen Alter. Die Häufigkeit nimmt mit steigenden Übergewichtsraten zu.

Symptome

  • Fast tägliche Kopfschmerzen, die sich oft durch Pressen, Bücken oder Liegen verschlimmern

  • Sekundenschnelle Verdunkelungen oder Verschwommensehen (transiente Visusverdunkelungen)

  • Pulsierendes Ohrgeräusch (pulssynchroner Tinnitus)

  • Nacken- oder Rückenschmerzen sowie gelegentlich Doppelbilder

  • Schwellung des Sehnervenkopfes (Papillenödem), die bei der Augenhintergrunduntersuchung festgestellt wird

Warum eine Früherkennung so wichtig ist?

IIH ist selten, aber ernst zu nehmen, weil sie die Sehkraft dauerhaft schädigen kann. Bis zu einem Viertel der Betroffenen entwickeln ohne ausreichende Behandlung eine bleibende Sehnervenschädigung. Zudem beeinträchtigen chronische Kopfschmerzen die Lebensqualität erheblich. Ein höheres Risiko für Sehverlust besteht bei männlichem Geschlecht, ausgeprägtem Übergewicht, sehr rasch beginnender Erkrankung, Blutarmut oder bereits vorhandenen Gesichtsfeldausfällen bei der Diagnosestellung. Deshalb sind eine frühzeitige Diagnose und eine engmaschige augenärztliche Kontrolle entscheidend.

Beim Liquorverlust-Syndrom tritt Gehirnwasser durch eine kleine Leckage in der Hirnhaut aus.

Charakteristisch sind Kopfschmerzen und Schwindel in aufrechter Haltung, die sich im Liegen deutlich bessern.

Abhängig von der genauen Lage des Defekts kann die Behandlung neurochirurgisch oder endovaskulär über den Katheter erfolgen. Bei der endovaskulären Therapie wird die undichte Stelle mittels Gefäßkleber verschlossen (Embolisation), wodurch sich die Beschwerden meist rasch bessern.

Therapieoptionen im Überblick

Da die Erkrankung komplex ist, arbeiten in unserer Klinik verschiedene Fachrichtungen eng zusammen.

Die Behandlung verfolgt immer zwei Hauptziele: den Erhalt des Sehvermögens und die dauerhafte Linderung der Kopfschmerzen.

Der erste Schritt in der Behandlung ist in den allermeisten Fällen die medikamentöse Therapie. Während wir geleichzeitig mit Ihnen daran arbeiten, das Gewicht zu reduzieren. Ein Kathetereingriff ist nur in ausgewählten Fällen notwendig.

Wir beraten Sie gern.

Konservative und medikamentöse Therapie

  • Gewichtsreduktion: Sie bildet die Basis jeder Therapie. Bereits eine Gewichtsabnahme von 5 bis 10 % kann den Druck im Kopf spürbar senken und zu einer deutlichen Besserung oder vollständigen Rückbildung des Papillenödems führen.

  • Acetazolamid: Verringert die Bildung von Nervenwasser im Gehirn und ist das wichtigste Medikament der ersten Wahl. Es wird meist einschleichend dosiert, um Nebenwirkungen wie Kribbeln in Händen und Füßen zu minimieren.

  • Topiramat: Kann ergänzend oder alternativ eingesetzt werden – besonders bei gleichzeitig bestehender Migräne oder zur Unterstützung der Gewichtsabnahme.

  • Therapeutische Lumbalpunktion: Die gezielte Entnahme von Nervenwasser kann oft sofortige Entlastung bringen. Hierfür können wir Sie in der Klinik stationär aufnehmen. Ihre Praxis kann dafür das entsprechende Anmeldefax ausfüllen.

Minimal-invasive und operative Verfahren

  • Neuroradiologisches Stenting: Zeigt die Bildgebung eine Verengung der venösen Blutleiter im Kopf, kann mittels Mikrokatheter ein Stent eingesetzt werden, um den Abfluss des Gehirnwassers wiederherzustellen und den Druck dauerhaft zu normalisieren.

  • Endovaskuläre Embolisation: Bei Liquorverlust-Syndromen wird die Leckage minimal-invasiv mit Gefäßkleber verschlossen.

  • Neurochirurgische Shunt-Operation: Ableitung von Nervenwasser über ein Schlauchsystem (z. B. lumboperitoneal oder ventrikuloperitoneal) bei fortschreitender Sehverschlechterung.

  • Bariatrische Chirurgie: Magenverkleinerung bei therapierefraktärem Übergewicht zur langfristigen Drucksenkung.

Ablauf eines minimal-invasiven Kathetereingriffs

  • Vorbereitung und Durchführung
    Der Eingriff erfolgt schonend unter Vollnarkose. Über eine kleine Punktionsstelle in den Leistengefäßen führen unsere Fachärztinnen und Fachärzte einen feinen Mikrokatheter bis zu den betroffenen Gefäßen im Kopf-, Hals- oder Wirbelsäulenbereich.

  • Präzise Versorgung
    Vor Ort wird das Gefäßproblem mit Mikromaterialien (wie Stents oder Gefäßkleber) zielgenau behandelt – ganz ohne offene Operation.

  • Aufenthalt
    In der Regel ist nach dem Eingriff nur eine Überwachung über Nacht erforderlich. Die Entlassung erfolgt meist am Folgetag.

  • Wiederholbarkeit
    Sollten im Verlauf erneut Symptome auftreten, kann eine Katheterbehandlung jederzeit sicher wiederholt werden.

Nachsorge, Qualität und Rehabilitation

Da die Erkrankung individuell verläuft – von einer vollständigen Rückbildung innerhalb von Monaten bis hin zu chronischen Verläufen – legen wir großen Wert auf eine strukturierte Nachsorge.

  • Regelmäßige Sehkraftkontrollen: Engmaschige Termine beim Augenarzt sind entscheidend, da sich das äußere Erscheinungsbild des Sehnervs bessern kann, ohne dass die Sehfunktion bereits vollständig wiederhergestellt ist.

  • Nachhaltige Gewichtskontrolle: Eine professionell begleitete Ernährungsumstellung, körperliche Bewegung und verhaltenstherapeutische Unterstützung helfen, den Behandlungserfolg langfristig zu sichern.

  • Rehabilitation und Schulung: Bei bleibenden Seheinschränkungen unterstützen wir mit Low-Vision-Trainings (Sehbehindertentraining). Zudem bieten wir Patientenschulungen an, um den Umgang mit chronischen Kopfschmerzen und die Behandlungsziele im Alltag zu erleichtern.

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