Aufweitung von Einengungen der Hals- und Gehirnarterien mit Stents und Ballonangioplastie

stent

Seit Jahrzehnten wird die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)  mithilfe von radiologischen Kathetertechniken behandelt, sog. „perkutane transluminale Angioplastie“ (PTA). In modifizierter Form wird diese auch bei der Behandlung von Hirndurchblutungsstörungen, welche durch verengte Schlagadern verursacht wird, eingesetzt. Üblicherweise wird in diesen Fällen zusätzlich ein feinmaschiges Metallgitterröhrchen, ein sog. Stent eingesetzt. Auf diese Art und Weise kann die Bildung von Blutgerinnseln und hierdurch verursachten Schlaganfällen während und nach dem Eingriff deutlich verringert werden.

Eine Behandlung der Gefäßverengung wird notwendig, wenn Zeichen einer verminderten Durchblutung im Gehirngewebe zu erkennen sind, zum Beispiel bei (vorübergehender) Halbseitenlähmung, Sprach- oder Sehstörungen. Die Behandlung wirkt gleichsam vorbeugend (prophylaktisch) gegen einen Schlaganfall. In seltenen Fällen kann es auch sinnvoll sein, eine Gefäßenge zu behandeln, bevor sie Schlaganfallsymptome verursacht (asymptomatische Stenose), z.B. bei höchstgradiger oder zunehmender Verengung der Halsschlagader. Grundsätzlich stehen drei Behandlungsverfahren zur Verfügung:


1. Ein rein konservatives Vorgehen, also durch Medikamente und sog. „liefstyle-management“ (Ernährungsumstellung, Bewegung, Nikotinabstinenz…).
2. Eine offene, chirurgische Operation durch die Spezialisten der Gefäßchirurgie [zusammen mit 1.].
3. Die „minimalinvasive“ Katheterbehandlung [zusammen mit 1.].

Welcher Behandlung Vorrang gegeben wird, muss im Einzelfall festgestellt werden, da ganz unterschiedliche Faktoren eine Rolle spielen: Die Experten von Neurologie, Gefäßchirurgie und Neuroradiologie erarbeiten jeweils einen individuellen Therapievorschlag, wobei vor allem die klinische Symptomatik, Vorerkrankungen, das Alter und die individuelle Gefäßsituation der gehirnversorgenden Arterien mit einbezogen werden.

Bei erneuter Einengung bereits behandelter Stenosen (Rezidivstenosen) können wir endovaskulär nachbehandeln, dies gilt sowohl nach offenen chirurgischen Eingriffen, als auch nach einer Stentbehandlung. Nach einer vorangegangenen Stentbehandlung kann die erneute Einengung mit neuartigen Ballons behandelt werden, die mit einem Medikament beschichtet sind (Drug eluting balloon). Der Wirkstoff wird an die Ader abgegeben, um einer erneuten Einengung vorzubeugen.

Unter bestimmten Voraussetzungen werden auch Einengungen der Adern im Gehirn mit sog. Mikrostents behandelt. Ob diese oder eine andere Behandlung für die jeweilige Patientin/den jeweiligen Patienten in Frage kommt, wird anhand spezifischer Diagnostik und bisheriger Krankheitsgeschichte von Experten der Neurologie, Neurochirurgie und Neuroradiologie abgewogen. Diese Eingriffe erfolgen in Vollnarkose mit einem Zugang über die Leistenschlagader.

Seit 2005 sind mehrere hundert solcher Behandlungen bei uns erfolgreich durchgeführt worden.

Einen Sonderfall stellt die Ballon-Angioplastie bei Gefäßkrämpfen nach Hirnblutungen dar: hier wird akut im Notfall üblicherweise nur mit einem sehr weichen Ballon die Schlagaderverengung aufgedehnt; eine zusätzliche Verwendung eines Stents ist in diesem Fall normalerweise nicht notwendig. Mittels dieses relativ neuen Verfahrens konnten Spezialisten unserer Abteilung in schweren Fällen bereits erfolgreich eingreifen.

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