Darmerkrankungen

Darmerkrankungen sind ein häufiger Anlass für eine stationäre Krankenhausbehandlung.
Im Vordergrund stehen dabei die Erkrankungen des Dickdarmes (Colon).
Dieser gliedert sich anatomisch in einen aufsteigenden (Colon ascendens), querverlaufenden (Colon transversum) sowie einen absteigenden Anteil (Colon descendens) und geht mit einem schleifenförmig verlaufenden letzten Abschnitt (Colon sigmoideum, Sigma) in den Mastdarm (Rektum) über.
Wir unterscheiden dabei zwischen gutartigen, meist entzündlichen Erkrankungen und bösartigen Darmerkrankungen (Darmkrebs).

Wir helfen Ihnen bei

Gutartigen Darmerkrankungen

  • Divertikelentzündung (Divertikulitis)
  • Endoskopisch nicht abtragbaren Polypen
  • Chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen

Bösartigen Darmerkrankungen

  • Darmkrebs

Der erste Schritt: Die richtige Diagnostik

Darmkrebs (Kolonkarzinom) ist sowohl bei Männern (nach dem Protatakrebs) als auch bei Frauen (nach dem Brustkrebs) die zweithäufigste Krebserkrankung in Deutschland.

Mehr als die Hälfte davon tritt im letzten Darmabschnitt auf (Mastdarm und Sigma). Hierbei entstehen etwa 70 % der Krebsneuerkrankungen sporadisch, wobei vielfach Polypen als Vorstufe der Krebsentstehung angesehen werden. In ca. 30 % liegt eine genetische, familiäre Belastung vor (8 % erblich, 20-25 % familiäre Häufung).

Die gesetzliche Krebsvorsorge bietet daher allen Menschen ab dem 50. Lebensjahr eine Untersuchung zur Darmkrebsfrüherkennung an (Vorsorgekoloskopie). Bei familiärer Belastung kann diese Untersuchung auch schon früher durchgeführt werden.

Folgende Alarmzeichen sollten Sie veranlassen, einen Arzt aufzusuchen:

  • Blut im Stuhl
  • Veränderung der Verdauung mit Wechsel zwischen Durchfall und Verstopfung
  • Bleistiftdünner Stuhl
  • Unbeabsichtigter Gewichtsverlust
  • Übelkeit, Völlegefühl, Appetitlosigkeit
  • Öfter krampfartige Bauchschmerzen
  • Blässe/Blutarmut
  • Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Leistungsabfall

Bei Nachweis eines bösartigen Darmtumors erfolgt umgehend eine weitere diagnostische Abklärung im Hinblick auf das Tumorstadium (Untersuchung der Umgebung des Tumors gemäß der aktuellen Leitlinien) sowie das individuelle Operations- und Narkoserisiko der Patienten unter Berücksichtigung der Vor- und Begleiterkrankungen.

Nach Abschluss dieser Untersuchungen wird die Erkrankung in unserer gemeinsamen interdisziplinären Tumorkonferenz besprochen und das für den individuellen Fall optimale Behandlungskonzept festgelegt.

Unser Behandlungsangebot bei Darmkrebs

Im Zentrum der Behandlung steht in den allermeisten Fällen der operative Eingriff.
Hierbei wird der befallene Darmabschnitt mit einem ausreichenden Sicherheitsabstand einschließlich der umgebenden Lymphknoten sowie der Lymph- und Blutgefäße vollständig entfernt. Anschließend werden die Darmenden wieder miteinander verbunden und so die Kontinuität des Darmes wiederhergestellt.

Bei geplanten Eingriffen kann somit in aller Regel auf einen künstlichen Darmausgang (Stoma) verzichtet werden. In bestimmten Situationen jedoch wie z. B. anlässlich einer Notfalloperation wegen eines akuten Darmverschlusses (Ileus) oder eines Darmdurchbruches (Perforation) kann eine solche Maßnahme sinnvoll sein. Meist kann der künstliche Darmausgang nach Erholung des Patienten aber wieder zurückverlegt werden. Nur beim Mastdarmkrebs besteht die Notwendigkeit eines endgültigen künstlichen Ausganges, sofern sich der Tumor nahe am Schließmuskel befindet oder dieser in das Tumorgeschehen einbezogen ist.

Die weitere Behandlung des Patienten nach der Operation hängt unmittelbar von der histologischen Untersuchung des Gewebes und insbesondere auch der Lymphknoten durch den Pathologen ab. Diese ermöglicht die genaue Bestimmung des Tumorstadiums, von dem wiederum die Notwendigkeit z. B. einer Chemotherapie abhängt. Die Besonderheit des Mastdarmkrebses besteht darin, dass es in bestimmten Fällen sinnvoll sein kann, eine kombinierte Strahlen- und Chemotherapie bereits vor der Operation vorzunehmen. Hiervon erwartet sich der Chirurg eine Verkleinerung des Tumors, was die Operation im Becken und damit in einer besonderen anatomischen Situation erleichtert und die Prognose des Patienten verbessert.

Viele der wegen Darmkrebs erforderlichen Operationen können heutzutage an spezialisierten Einrichtungen in minimal-invasiver Technik (laparoskopische Operationen) durchgeführt werden. Diese für die Patienten schonenderen Operationsverfahren führen in der Regel zu einer rascheren Erholung nach dem Eingriff, bedürfen aber bestimmter Voraussetzungen im Hinblick auf Begleiterkrankungen und Tumorausdehnung, die präoperativ mit den Patienten ausführlich besprochen werden.

Eine Chemotherapie bei Darmkrebs kann mit verschiedenen Absichten durchgeführt werden:

  • vor der Operation zur Tumorverkleinerung bei Mastdarmkrebs (neoadjuvant),
  • nach der Operation zur Vermeidung eines Wiederauftretens des Tumors (adjuvant) oder aber
  • zur Linderung in Fällen, in denen der Tumor nicht mehr operabel ist (palliativ).

Grundsätzlich werden zellzerstörende Medikamente (Zytostatika) verabreicht, die sich gegen Zellen mit einer hohen Zellteilungsrate richten (z. B. Krebszellen). Hierbei werden häufig Kombinationen verschiedener Substanzen eingesetzt. Da sich diese allerdings auch gegen gesunde Zellen des Körpers richten können (systemische Wirkung), werden die Präparate meist in Zyklen verabreicht mit Therapiepausen, die der Erholung dienen.

Neben der „klassischen“ Chemotherapie wird heute in geeigneten Fällen zunehmend die Möglichkeit einer zielgerichteten Therapie durch Wachstumsblockade von Tumorzellen überprüft. Hierbei werden durch bestimmte Antikörper Rezeptoren an der Oberfläche der Krebszellen blockiert, die für die Wirkung von Botenstoffen (Wachstumsfaktoren) sowie die Aufnahme von Nährstoffen in die Zelle verantwortlich sind. Hierdurch wird das Tumorwachstum behindert. Voraussetzung für eine derartige Therapie ist ein Biomarker-Test (RAS-Test), der Auskunft gibt über den Genstatus des Tumors und die damit verbundenen Erfolgsaussichten einer zielgerichteten Therapie.

Unser Behandlungsangebot bei Divertikulitis

Als „Divertikulitis“ bezeichnet man eine Erkrankung des Dickdarms, bei der sich in Ausstülpungen der Schleimhaut (Divertikel) durch Lücken in der muskulären Darmwand eine Entzündung bildet.
Das Vorhandensein solcher Ausstülpungen heißt „Divertikulose“, findet sich in ca. 95 % im Colon sigmoideum (Sigma) und kommt in westlichen Industrienationen häufig vor. Hierbei besteht eine altersabhängige Zunahme (ca. 30 % bei 60-Jährigen).

Bei folgenden Symptomen sollten Sie einen Arzt aufsuchen:

  • plötzlich auftretende Schmerzen, vor allem im linken Unterbauch
  • Fieber, Übelkeit, Erbrechen
  • wechselndes Stuhlverhalten von Durchfall bis Verstopfung

Zur Stellung der richtigen Diagnose werden folgende Maßnahmen eingesetzt:

  • persönliche Krankheitsgeschichte (Anamnese)
  • körperliche Untersuchung
  • Labor (Entzündungswerte)
  • Ultraschall, CT
  • Darmspiegelung im Intervall zum Ausschluss anderer Ursachen, insbesondere Darmkrebs

Die Behandlung verfolgt in den allermeisten Fällen zunächst das Ziel, die Entzündung zu bekämpfen. Hierzu erfolgt eine Antibiotikatherapie in Verbinding mit einer initialen „Ruhigstellung“ des Darmes durch parenterale (Infusionen) oder flüssige Ernährung.
Nur in der Notfallsituation bei Darmdurchbruch (Perforation) mit Stuhlaustritt in die Bauchhöhle und begleitender Bauchfellentzündung (Peritonitis) ist eine sofortige Operation erforderlich.
In allen anderen Fällen wird in Abhängigkeit vom individuellen Risiko des Patienten, erneut einen schweren Entzündungsschub zu erleiden, eine Empfehlung zur Operation im „entzündungsfreien Intervall“ ausgesprochen. Der dann geplante Eingriff zur Entfernung des betroffenen Darmabschnittes kann in den meisten Fällen unter Vermeidung eines größeren Bauchschnittes in minimal-invasiver Technik (laparoskopisch) durchgeführt werden. Vorteil dieser Methode ist die raschere Erholung des Patienten mit kürzerer Aufenthaltsdauer im Krankenhaus.

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