Rehabilitation bei Schlaganfall

Einleitung

Die Rehabilitation von Patienten mit Schlaganfall ist seit über 20 Jahren ein Schwerpunkt unserer Klinik; wir bieten diese Behandlung als Anschlussheilmaßnahme (AHB), als medizinisches Heilverfahren oder medizinisch-beruflich orientierte Rehabilitation (MBOR) Stufe B an.

Die Folgen eines Schlaganfalls sind vielfältig; sie reichen von nur minimalen Beeinträchtigungen wie Störungen der Konzentration bis hin zu schweren körperlichen, geistigen oder psychischen Störungen mit Beeinträchtigung von Fähigkeiten im Alltags- und Berufsleben. Aufgrund der Vielgestaltigkeit und Komplexität der Störungen erfordert die Behandlung ein besonders hohes Maß an medizinischen und therapeutischen Kenntnissen des gesamten Behandlungsteams. Um dies zu gewährleisten erfahren unsere Mitarbeiter regelmäßig spezifische interne und externe Weiterbildungen zur Schlaganfall-Behandlung. Unsere Erfahrung haben wir in ein spezielles, interdisziplinäres Rehabilitationskonzept für unsere Patienten mit Schlaganfall eingebracht, das wir regelmäßig dem aktuellen, wissenschaftlichen Erkenntnistand anpassen.

In der Rehabilitation orientieren wir uns am Grundsatz „den Patienten genauso wie die Erkrankung zu behandeln“. Wir stimmen alle Rehabilitationsziele mit unseren Rehabilitanden, bei Bedarf auch mit den Angehörigen ab. Wir arbeiten eng mit den uns zuweisenden ärztlichen Kollegen, medizinischen Einrichtungen und Selbsthilfegruppen zusammen; als Teil des Zentrums für Neurologie stehen uns in Kooperation mit der Klinik für Neurologie alle diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten mit der bei Schlaganfall zur Verfügung.

Krankheit „Schlaganfall“

Unter einem Schlaganfall versteht man umgangssprachlich einen unvermittelt also „schlagartig“ einsetzenden Ausfall bestimmter Funktionen des Gehirns.

Der Begriff "Schlaganfall" oder auch „Apoplex“ wird für eine Vielzahl unterschiedlicher Erkrankungen verwendet. Je nach Ursache sprechen Ärzte heute präziser vom Ein „Hirninfarkt“ entsteht durch Verstopfung eines zum Gehirn führenden Gefäßes und führt zu einer Mangeldurchblutung (Ischämie). Ein Schlaganfall durch eine entsteht dagegen durch plötzlichen Riss eines Blutgefäßes und Austritt von Blut in das Hirngewebe. Die betroffenen Nervenzellen im Gehirn erhalten dann zu wenig Sauerstoff und Nährstoffe. Sie können dann zunächst ihre Funktion nicht mehr ausführen, was die plötzlich auftretenden Krankheitszeichen erklärt. Ein Verlust von Nervenzellen hat bleibende Funktionsstörungen zur Folge.

Pro Jahr ereignen sich etwa 270.000 neue Schlaganfälle in Deutschland, etwa 200.000 davon sind erstmalige Schlaganfälle.Ein Schlaganfall kann jeden treffen - vom Säugling bis zum Greis. Das Risiko einen Schlaganfall zu erleiden steigt  aber mit zunehmendem Alter. Ursache für einen Schlaganfall können beeinflussbare und  nicht beeinflussbare Risikofaktoren sein.

Beeinflussbare Risikofaktoren sind Bluthochdruck, Vorhofflimmern, Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörungen, Bewegungsmangel, Übergewicht, Stress, Rauchen und hoher Alkoholkonsum. Die Gefäßerkrankung („Arteriosklerose“), die zum Schlaganfall führt hat in den meisten Fällen einen unbemerkten Vorlauf über Jahre und Jahrzehnte. Wichtig zu wissen ist, dass sich die verschiedenen  Risikofaktoren für Schlaganfall gegenseitig beeinflussen können. So ein negatives Zusammenspiel zeigt sich in einem erhöhten "globalen" Gesamtrisiko.

Die Folgen eines Schlaganfalls können außerordentlich vielgestaltig sein: neben einseitigen Lähmungen und Gefühlsstörungen der Arme und Beine, können Sprach-, Schluck-, Seh-, und Gleichgewichtsstörungen auftreten. Auch höhere geistige Leistungen wie Konzentration, Gedächtnis, Orientierung, Wahrnehmung und Emotionen können von den Ausfällen betroffen sein. Bei einem Drittel der Betroffenen kann es zur Entwicklung eines anhaltenden depressiven Syndroms kommen, das durch Antriebsarmut oder Niedergeschlagenheit  gekennzeichnet ist.

Die Behandlung eines Schlaganfalls gliedert sich in mehrere Phasen: Zunächst die Notfall- und der Akutbehandlung des Schlaganfalls, die im besten Falle auf einer Stroke Unit einer Neurologischen Klinik stattfinden sollte. Bei fortbestehenden neurologischen Störungen folgt danach eine medizinische Rehabilitation, die sog. „Anschlussheilbehandlung-AHB“. Diese kann je nach Schweregrad ambulant oder stationär erfolgen. In seltenen Fällen werden die Patienten direkt von der Stroke Unit in die Rehabilitationsklinik verlegt. In der Regel liegen dazwischen einige Tage auf der Normalstation, in denen die Schlaganfall-Ursachen untersucht und behandelt werden. Je nach Schlaganfall-Ursache wird dann individuell die optimale Therapie zur Vorbeugung eines neuen Schlaganfalls festgelegt (z. B. Blutdrucksenkung, Hemmung der Blutplättchen-Aggregation wie ASS oder Hemmung der Blutgerinnung, sog. Antikoagulation).

Unser Behandlungsangebot

In der Schlaganfall-Rehabilitation behandeln wir die Gefäßerkrankung (Vorbeugung neuer Schlaganfälle, Einstellung der Risikofaktoren) ebenso wie die Erkrankungsfolgen.

Behandlung der Krankheit

Die bereits in der Akutbehandlung begonnene Einstellung der persönlichen Risikofaktoren wird fortgesetzt und durch ein individuelles Programm an Schulungen und Beratungen zum Selbst-Management der Risikofaktoren (z. B. Raucherentwöhnung, Ernährungsberatung, Blutdruck-Messung u. a.) ergänzt. Dabei berücksichtigen wir die aktuellen Leitlinien zur Schlaganfall-Behandlung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (www.dgn.org) bzw. des Kompetenznetzwerkes Schlaganfall (www.kompetenznetz-schlaganfall.de).

Zur Behandlung des wichtigsten Schlaganfall-Risikofaktors „Bluthochdruck“ bieten wir die Diagnostik der Langzeit-Blutdruck-Messung und eines Schlaf-Apnoe-Screenings.

Behandlung der Erkrankungsfolgen

Individuell wird je nach den bestehenden Ausfällen ein Behandlungsplan aufgestellt mit den Therapien aus Physiotherapie, Ergotherapie, Neuropsychologie, Logopädie und Physikalischer Therapie. Die Therapien umfassen Einzel- und Gruppentherapien, gerätegestützte Therapien und Eigenübungen. In der Regel führt eine sofort eingeleitete Therapie auch bei schweren Schlaganfall-Folgen zu einer deutlichen Verbesserung, bei leichteren Störungen meist zu einer vollständigen Behebung vieler Krankheitssymptome. Ziel der Rehabilitation ist es, zum einen die Folgen eines Schlaganfalls soweit möglich zu mindern, zum anderen den Patienten mit bleibender Behinderung zur größtmöglichen Selbstständigkeit zu verhelfen.

Therapie

Die zielorientierte, interdisziplinäre Behandlung aller Erkrankungsfolgen ist der wesentliche Inhalt einer neurologischen Schlaganfall-Rehabilitation. Gemeinsam mit dem Patienten bestimmen wir bei Aufnahme, was für ihn wichtig ist. Was sind die für ihn bedeutsamen Einschränkungen seiner Körperfunktionen, seiner Fähigkeiten und seiner Teilhabe am Alltags- und Berufsleben? Daraus leiten wir abgestimmt realistisch erreichbare Rehabilitationsziele ab. Für alle relevanten Einschränkungen nach Schlaganfall bieten wir eine spezifische Behandlung an:

  • Therapie von Sprach- und Sprechstörungen.   Logopädie mit Intensiv-Therapiekonzept „Aphasiestation“  (Einzel-/Gruppen-Therapien, Sprachlabor)
  • Therapie von Schluckstörungen. Interdisziplinäres Behandlungskonzept von Logopädie, Ergotherapie und Ernährungsberatung
  • Therapie von Störungen der Hirnleistungen.  Neuropsychologie (Einzel-Therapie, Computer-gestützte Therapie von Aufmerksamkeit, Neglect), Ergotherapie (Hirnleistungstraining)
  • Therapie von Sehstörungen und Doppelbildern. Neuroorthoptik (Gesichtsfeldbestimmung, visuelles Explorationstraining, Lesetraining, Sakkadentraining, Prismenausgleich, u.a. )
  • Therapie der Arm-Hand-Funktion. Funktionelle Ergotherapie (u.a. „Forced-use“ bzw. Constraint-induced movement-Therapie, Armlabor, Spiegeltraining)
  • Therapie der Gangstörung. Physiotherapie (u.a. Einzel-/Gruppentherapien, Motomed, Ergometrie, Laufband, Gangtrainer)
  • Therapie spastischer Fehlstellungen (interdisziplinäre Sprechstunde, Orthetik, Botulinum-Neurotoxin)
  • Therapie von Koordinations-/Gleichgewichtsstörungen (störungsspezifische Physiotherapie, SMART Balance Master)
  • Therapie von Gefühlsstörungen und Mißempfindungen. Ergotherapie (sensomotorisch-perzeptive Therapie, Spiegeltraining), Physiotherapie (Gallileo), Physikalische Therapie (Elektrotherapie)
  • Therapie bei Störungen der Selbsthilfefähigkeit (aktivierende Pflege, Anziehtraining, Frühstückstraining, Angehörigenanleitung).
  • Medizinisch-berufliche Rehabilitation (MBOR) Stufe B bei besonderen beruflichen Problemlagen

„Leben mit Schlaganfall – Krankheitsbewältigung und Teilhabe“

Rehabilitation ist ein aktiver Prozess aus Schulung und Befähigung. Die Stärkung unserer Patienten in der Bewältigung ihrer Erkrankung liegt uns besonders am Herzen und ist essenzieller Bestandteil unserer Schlaganfall-Rehabilitation.Der plötzliche Krankheitsbeginn reißt den Betroffenen häufig völlig unvorbereitet aus dem Leben und konfrontiert ihn möglicherweise mit bleibenden Folgen. Zur Bewältigung dieser schwierigen Lebenssituation bieten wir unseren Patienten vielfältige, individuell abgestimmte Möglichkeiten an wie persönliche Beratungsgespräche, ein Schlaganfall-Patientenseminar, Sozialberatung durch unsere Sozialarbeiter, unterstützende Gespräche der Neuropsychologen sowie Anleitungen zu Selbsthilfe, Eigenübungen, Freizeit- und Berufsgestaltung durch die Mitarbeiter des gesamten Rehabilitationsteams.

Zum Abschluss jeder Rehabilitationsbehandlung gehört eine individuell abgestimmte Nachsorge-Planung für die ambulante Weiterbehandlung. Hierzu gehören Kontaktaufnahme mit nachbehandelnden Ärzten und sozialen Diensten, Behandlungsempfehlungen für Heilmittel, Verordnung von Hilfsmitteln und Rehabilitations-Nachsorgemaßnahmen wie Reha-Sport, medizinische Trainingstherapie oder intensivierte Rehabilitations-Nachsorge IRENA. Wir vermitteln Adressen von Selbsthilfegruppen (www.schlaganfallhilfe.de, www.aphasiker.de), wo unsere Rehabilitanden und deren Angehörige praktische oder seelische Unterstützung erhalten können.

Wir empfehlen im weiteren Behandlungsverlauf die Indikation für eine erneute (teil-)stationäre Rehabilitationsmaßnahmen zu prüfen, wenn ambulante Heilbehandlung nicht ausreichend erscheint. Für spezifische Fragestellungen rund um die Schlaganfall-Nachsorge und -Rehabilitation bietet unsere Klinik eine ambulante Sprechstunde an.

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