Kinderurologie

Hodenhochstand

Einführung


Die normale Position der Hoden ist im Hodensack, ansonsten liegt ein Hodenhochstand vor. Befindet sich der Hoden dauerhaft außerhalb des Hodensackes, so kann dies zu einer Reihe von Problemen führen. Es werden verschiedene Formen des Hodenhochstandes unterschieden:

  • Leistenhoden (der Hoden befindet sich in der Leiste)
  • Gleithoden (der Hoden befindet sich in der Leiste, kann aber in den Hodensack geschoben werden. Von dort gleitet er aber wieder sofort in die Leiste)
  • Pendelhoden (der Hoden ist meist im Hodensack, aufgrund starker Reflexe aber verlagert er sich immer mal wieder nach oben)
  • Hodenektopie (der Hoden ist während der Schwangerschaft nicht in den Hodensack gewandert, sondern in die Bauchdecke, Oberschenkelinnenseite etc.)
  • Kryptorchismus (der Hoden ist im Hodensack oder in der Leiste weder zu fühlen noch mittels Ultraschall zu finden. Somit gibt es auf der betroffenen Seite entweder keinen Hoden oder er liegt in der Bauchhöhle)


Anzeichen und Symptome

Beim kleinen Kind fällt unter Umständen schon auf, dass die betroffene Seite des Hodensackes kleiner ist. Der Hoden ist im Hodensack nicht fühlbar. Beschwerden bestehen jedoch nicht.

Ca. 3% aller neugeborenen Jungen haben einen Hodenhochstand.

Ursachen

Während der Schwangerschaft entwickeln sich die Hoden zunächst in der Bauchhöhle des ungeborenen Jungen und wandern erst im weiteren Verlauf durch den Einfluss mütterlicher Hormone in den Hodensack ab. Ist dies nicht der Fall, können hormonelle Anomalien der Mutter die Ursache sein (ca. 50% aller Fälle), oder aber es liegen anatomische Gründe beim Kind vor (z. B. ein angeborener Leistenbruch).

Wann sollte ich ärztlichen Rat suchen?

Bei Vorliegen der oben genannten Symptome sollte Ihr Kind spätestens mit 6 Monaten bei einem Arzt vorgestellt werden. Üblicherweise wird ein Hodenhochstand bereits im Rahmen der frühkindlichen Untersuchungen festgestellt.

Untersuchung und Diagnose

Meist reicht eine Tastuntersuchung, ggf. auch unter Zuhilfenahme der Sonographie (Ultraschall). In seltenen Fällen kann sich der Hoden noch in der Bauchhöhle befinden oder tatsächlich nicht vorhanden sein. Hier ermöglicht nur eine Bauchspiegelung eine eindeutige Diagnose.

Mögliche Komplikationen

Besteht ein Hodenhochstand länger als 24 Monate nach der Geburt, so besteht ein erhöhtes Risiko für:

  • Unfruchtbarkeit
  • Hodentumor
  • Hodentorsion (d.h., ein Hoden verdreht sich um die Längsachse und stirbt u. U. ab)
  • Psychische Spätfolgen

Behandlung

Pendelhoden müssen nicht behandelt werden, da bei ihnen die o.g. Komplikationen nicht auftreten. Alle anderen Formen sind behandlungsbedürftig. Nach neuesten Erkenntnissen soll eine Behandlung des Hodenhochstandes in den ersten 12 Monaten abgeschlossen sein.

Die Art der Behandlung ist abhängig von der Form des Hodenhochstandes, die Ihnen der behandelnde Kinderchirurg ausführlich im Rahmen der Operationsvorbereitung erläutern wird.

Phimose (Vorhautverengung)

Einführung

Die Phimose ist in den ersten 24 Lebensmonaten normal. Jenseits des 24. Monats hingegen sollte die Vorhaut vollständig über die Eichel zurückzuziehen sein. Gelingt dieses nicht oder nur teilweise, so gibt es drei Erklärungen:

  • Verklebungen zwischen Vorhaut und Eichel (sog. Präputialadhäsionen)
  • Eine Verengung der Vorhaut
  • Ein zu kurzes Vorhautbändchen auf der Eichelunterseite (sog. Frenulum breve)

Anzeichen und Symptome

Leitsymptom ist immer, dass die Vorhaut nicht oder nur unvollständig zurückzuziehen ist. Oftmals bereitet dieses keine Probleme.

Wann sollte ich ärztlichen Rat suchen?

Phimose innerhalb der ersten 24-36 Lebensmonate (sehr selten):
Probleme beim Wasserlassen, wie Ballonieren (die Vorhaut bläst sich während des Wasserlassens auf), Schreien, Schmerzen, Harnwegsinfekte, urologische Erkrankungen

Phimose nach dem 24. Lebensmonat:
Immer

Untersuchung und Diagnose

Klinische (körperliche) Untersuchung

Mögliche Komplikationen

  • Ballonieren (die Vorhaut bläst sich während des Wasserlassens auf)
  • Balanitis = Entzündung der Vorhaut Paraphimose, sog. "spanischer Kragen": Vorhaut ist zurückgeschoben, kann aber nicht mehr in Normalposition gebracht werden. Vorhaut und Eichel schwellen immer mehr an, das ist sehr schmerzhaft und kann ggf. die Eichel gefährden.
  • Harnverhalt (Kind kann nicht mehr Wasser lassen)
  • In seltenen Fällen Harnweginfekt (aufgrund aufgestauten Urins)
  • Peniskarzinom (unbeschnittene Männer entwickeln selten Peniskarzinome, beschnittene Männer fast nie).

Behandlung

Keine Operation in den ersten 24 Monaten (außer bei Komplikationen). Bei gesunden Kindern kann der Eingriff ambulant durchgeführt werden.

Operationsverfahren bei Vorhautverklebung:

  • Lösung von Verklebungen, ggf. Durchtrennung des Vorhautbändchens

Bei Phimose existiert eine Vielzahl von Operationsverfahren, die abhängig vom klinischen Befund empfohlen werden:

  • Vollständige Beschneidung (die Penisspitze liegt frei)
  • Teilbeschneidung (Penisspitze ist noch teilweise bedeckt)
  • Vorhauterweiterungsplastik ohne Kürzen der Vorhaut

In der Regel empfehlen wir die totale Beschneidung, da im Gegensatz zu den anderen Operationsverfahren keine Rückfallgefahr besteht.

Wassbruch (Hydrozele)

Einführung

Beim ungeborenen Kind besteht immer eine sackartige Ausstülpung des Bauchfells (= Wand der Bauchhöhle) in die Leiste, welche sich am Ende der Schwangerschaft von selbst verschließt. Geschieht dies überhaupt nicht, so liegt ein Leistenbruch vor. Geschieht dies zur Bauchhöhle hin, nicht aber Richtung Hoden, so liegt ein Wasserbruch (Hydrozele) vor. Gelegentlich treten Wasserbruch und Leistenbruch auch kombiniert auf.

Anzeichen und Symptome

Es kommt zu einer Schwellung im Hodensack (seltener in der Leiste), welche fast nie schmerzhaft ist.                 
  

Wann sollte ich ärztlichen Rat suchen?

Ähnliche Symptome wie die bei einem Wasserbruch (Hydrozele) können auch von einem Leistenbruch oder weiteren seltenen Erkrankungen ausgehen. Daher sollte auf jeden Fall ärztlicher Rat eingeholt werden.  

Untersuchung und Diagnose

Ein erfahrener Kinderchirurg erkennt den Wasserbruch (Hydrozele) meist schon durch eine Tastuntersuchung.

Behandlung

Wasserbrüche (Hydrozelen) können sich in den ersten 2-3 Jahren noch selbstständig zurückbilden und bereiten keine weiteren Komplikationen. Bleiben sie jedoch über das 3. Lebensjahr bestehen, sollten sie operiert werden. Dies geschieht mittels eines Schnittes in der Leiste und einer so genannten "Spaltung" oder "Fensterung", d.h. die Wand der sackartigen Ausstülpung wird entfernt. Das übrige Gewebe verbleibt, und kann vom Körper anschließend resorbiert (abgebaut) werden.

In Einzelfällen und bei sogenannten Funiculozelen (Wasserbrüchen entlang des Samenstranges) kann eine frühere operative Therapie erforderlich sein. Ihr Kinderchirurg wird dies ausführlich mit Ihnen besprechen.

Im Gegensatz zu früheren Jahren, ist die Punktion (das Absaugen der Flüssigkeit mit einer Nadel) heute keine Behandlungsalternative mehr.

Fehlbildungen der Harnröhre (Hypospadie)

Einführung

Bei der Hypospadie mündet die Harnröhrenöffnung nicht wie im Regelfall auf der Eichelspitze des Penis, sondern auf der Penisunterseite, ggf. sogar zwischen den Hodensäcken.

Es besteht oft eine sog. Präputialschürze (viel Vorhaut auf der Penisoberseite, wenig Vorhaut auf der Unterseite) und eine Penisabknickung nach unten.

Anzeichen und Symptome

Wie bereits beschrieben, besteht eine klassische Kombination von:

  • Mündung der Harnröhre auf Penisunterseite (statt Eichelspitze)
  • Präputialschürze
  • Penisabknickung

Zuweilen können auch nur ein oder zwei der Symptome vorliegen. Beschwerden liegen fast nie vor, auch die Harnentleerung bereitet nur in Ausnahmefällen Probleme. Die früher verbreitete Annahme, erwachsene Männer mit oder nach Hypospadie seien unfruchtbar, ist falsch. Wir wissen heute, dass bei zu später oder gar nicht erfolgter Operation ein "Minderwertigkeitsgefühl" des Mannes vorliegt und er weit seltener Geschlechtsverkehr hat. Alleine dieser Umstand erklärt die geringere Zahl der Vaterschaften betroffener Männer.                        

Ursachen

Angeborene Fehlbildung. Knapp 1% aller neugeboren Jungen ist von einer Hypospadie betroffen.

Wann sollte ich ärztlichen Rat suchen?

Bei Vorliegen einer Hypospadie sollte das weitere Vorgehen spätestens bei Erreichen des 6. Lebensmonats mit einem Arzt besprochen werden.

Untersuchung und Diagnose

Klinische Untersuchung.

Begleitend sollte immer auch eine Ultraschalluntersuchung der Nieren durchgeführt werden, da bei Kindern mit Hypospadie gehäuft Nierenfehlbildungen vorliegen.

Behandlung

Die Therapie sollte zwischen dem 6. und 24. Lebensmonat erfolgen. Bei späteren Eingriffen kann bereits das Selbstwertgefühl der kleinen Männer leiden.

Es existiert eine Vielzahl von Operationsmethoden, mit dem Ziel der Harnröhrenverlagerung zur Penisspitze und der Begradigung der Penisverkrümmung. 

Ihr behandelnder Kinderchirurg und Kinderurologe wird mit Ihnen ausführlich die bei Ihrem Kind sinnvolle Operationsmethode und die Operationsrisiken erläutern. 

Harnabflusstörungen

Text fehlt

Behandlung der Reflux Krankheit (VUR)

Die Blasenspiegelung zur Behandlung der Blasen Refluxkrankheit

Die Behandlung des vesicoureteralen Reflux (VUR) hat über die letzten Jahrzehnte einen stetigen Wandel erfahren. Bis vor einiger Zeit überwogen die offenen Operationsverfahren.

Seit Ende der 1980er Jahre steht eine Behandlungsform des Refluxes mittels Blasenspiegelung zur Verfügung.

Hierbei wird ein Polysaccharidgel im Bereich der Harnleitermündungsstellen eingespritzt, um den Verlauf des Harnleiters in der Blasenschleimhaut zu stabilisieren. Die Behandlungsmethode eignet sich vor allem für höhergradige VUR und hat hier die besten Erfolgschancen.

Verglichen mit den offenen Verfahren liegt die Heilungsrate mit um 70-80% zwar niedriger als bei den offenen Verfahren (80-99%), das Verfahren geht jedoch mit geringerem Operationsrisiko und kürzerem Klinikaufenthalt einher.

In der kinderurologischen Sprechstunde der Asklepios Kinderklinik Sankt Augustin wählen wir im Allgemeinen das folgende Vorgehen:

  • Bei klinischen oder sonographischen Hinweisen für das Vorliegen eines VUR, empfehlen wir die Durchführung eines Blasenröntgen (Miktionszystourethrografie (MCU) zur weiteren Abklärung.
  • Bei Anhalt für eine Vorschädigung der Nieren oder eine Verengung im Bereich der Harnleiter wird zusätzlich eine Funktions- und Abflussprüfung durchgeführt.

Zeigt sich bei den Untersuchungen ein Reflux ohne weitere Fehlbildungen oder Abflussstörungen empfehlen wir die Durchführung einer vorbeugenden Antibiotikagabe im 1. Lebensjahr.

Bei unproblematischem Verlauf reichen klinische und sonographische Kontrollen in 3 - 6 monatigen Abständen.

Mit einem Jahr wird eine MCU Kontrolle durchgeführt, bei weiterem Nachweis eines Rückflusses in die Nieren ist eine Behandlung mittels Blasenspiegelung angezeigt.

Hierzu werden die Kinder stationär aufgenommen, ergänzende Untersuchungen durchgeführt (Urin- und Blutuntersuchungen) und der Eingriff nochmals eingehend besprochen.

Insbesondere besprechen wir mögliche Komplikationen, wie das Risiko eines Harnwegsinfektes, das Wiederauftreten des Refluxes und die extrem seltene Verstopfung der Harnleiter.

Am Folgetag findet die Operation statt. Am 2. postoperativen Tage führen wir eine sonographische Kontrolle durch, bei unauffälligem Verlauf wird das Kind entlassen.

Wir empfehlen die Durchführung einer Antibiotikaprophylaxe für die ersten 3 Monate nach Unterspritzung.

Die erste sonographische Kontrolle ist nach 3 Monaten vorgesehen, ein Blasenröntgen (MCU) nach einem Jahr über die kinderurologische Sprechstunde.

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