Vortrag zu Rückenschmerzen in der Wiesbadener Paulinen-Klinik

Rückenschmerzen hat wohl jeder irgendwann. Oft sind sie unspezifisch und können deshalb nur schwer behandelt werden. Tabletten sind keine Dauerlösung.

Haben eigentlich auch Hochleistungssportler „Rücken“? Diese Frage beantworteten zwei Weltmeister auf der „Medizin bürgernah“-Veranstaltung der Asklepios-Paulinen-Klinik (APK) zum Thema „Fit ins neue Jahr – Prävention und Rückengesundheit“. Die Schwimmerin Angela Maurer, zweifache Welt- und Europameisterin, leidet unter keinen diesbezüglichen Problemen, während der APK-Wirbelsäulenspezialist Dr. Peer Joechel, in den 90er Jahren Welt- und Europameister im Zweierbob, im Laufe seiner zehnjährigen Mitgliedschaft im Nationalkader regelmäßig Kreuzschmerzen hatte.

In vielen Fällen sind Operationen unnötig

Das legte sich erst bei der Vorbereitung auf einen besonderen bayerischen Brauch: In Garmisch-Partenkirchen war er zur Teilnahme am „Steinheben“ aufgefordert worden, bei dem es gilt, einen 254- Kilo-Brocken so hoch wie möglich zu heben. Darauf bereitete er, der bis dahin überwiegend seine Bauchmuskulatur trainiert hatte, sich dreimal in der Woche auf einem Lumbaltrainer vor. Mit dem lasse sich sehr effektiv die Rückenstreckmuskulatur trainieren – seitdem hätten seine Beschwerden ein Ende. Das erklärte Joechel vor zahlreichen Zuhörern nach seinen Informationen über die operativen Eingriffe in der APK mit neuester Technologie bei Skoliose, Wirbelfraktur und Bandscheibenvorfällen. Bei Letzteren ist in nur fünf bis zehn Prozent eine OP erforderlich, bei sehr viel mehr Menschen dagegen Hilfe gegen ihre chronischen Rückenschmerzen. Welche Möglichkeiten es für sie gibt, erläuterte der Facharzt für Anästhesiologie und Schmerztherapie Dr. Matthias Deller.

Die in fast 90 Prozent unspezifischen Beschwerden sind „bio-psycho-sozial determiniert“, haben also biologische, somatische und soziale Ursachen und Auswirkungen. So könne beispielsweise auch Ungewissheit über die Rente entsprechende Auswirkungen haben. Folglich gilt es, so Deller, aus einem großen Pool von Behandlungsmöglichkeiten die individuelle multimodale Therapie zusammenzustellen. Bei Medikamenten, mit denen sich im akuten Fall eine möglichst schmerzfreie Bewegung ermöglichen und Schonhaltung vermeiden lässt, ist langfristig Vorsicht geboten. Es drohen Nebenwirkungen wie Magen- oder Darm-Blutungen, Herz-Kreislauf-Probleme, Nieren- oder Leberinsuffizienz, Abhängigkeit oder eine erhöhte Mortalitätsrate im Alter. Nichtmedikamentöse Verfahren beispielsweise mit Kälte, Wärme, Ultraschall oder TENS können möglicherweise helfen, Akupunktur ist nur bei Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule angesagt und verspricht keinen Erfolg bei der Halswirbelsäule.

Experten raten zu regelmäßigem Sport

Alternative Therapien und Naturheilkunde soll man laut Deller sehr kritisch sehen. Gegen chronische Rückenschmerzen, die infolge der Veränderungen im Rückenmark und Gehirn nicht schnell abzuschalten seien, befürwortete er insbesondere die psychotherapeutische Bewältigungsstrategie als Basistherapie und „eine komplexe motorische Aktivität weg von der alten Rückenschule“. Die physiotherapeutischen Möglichkeiten zeigten Patrick Veith und Helena Brueckner aus dem Therapiezentrum Auromed und schlossen mit der Empfehlung, mindestens dreimal pro Woche 30 Minuten sportlich aktiv zu sein und das mit zweimal 20 Minuten Krafttraining zu ergänzen. Wie wenig man sich damit fordert, wurde spätestens bei dem sachlichen Vortrag von Angela Maurer deutlich, die 3200 bis 3500 Kilometer pro Jahr schwimmt und im Laufe ihrer bisherigen Trainingsjahre rund zweimal die Erde umrundet hat. „Heute habe ich 16 Kilometer hinter mir.“

Ein Artikel aus dem Wiesbadener Kurier von Frau Eder

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