"Glück gibt´s nicht"

Konstanze B. erhält im Winter 2014 die Diagnose Lungenkrebs und ist damit so etwas wie ein "medizinisches Wunder". Ein Gespräch über die richtige Einstellung, Glück im Unglück und Pläne einer Schwerkranken.

Auf die richtige Einstellung kommt es an

Als Konstanze B. im Winter 2014 die Diagnose Lungenkrebs erhält, hat sie einfach weitergelebt wie vorher. Keine Erfüllung großer Träume,  keine emotionale Achterbahnfahrt. „Ich bin von Natur aus eher pragmatisch“, erklärt die 62-Jährige und ist überzeugt, dass sie nur dank der Wissenschaft noch lebt. Ein Gespräch über die richtige Einstellung, Glück im Unglück und Pläne einer Schwerkranken.

Frau B., Sie leben seit 5 Jahren mit Lungenkrebs. Wie sieht Ihr Alltag aus?

Im Grunde ganz normal, würde ich sagen. Ich bin mobil, erledige also meine Einkäufe und Arztgänge selbständig. Ich koche für mich und treffe regelmäßig meine Tochter, die in meiner Nähe wohnt, zum Kaffee trinken. Natürlich dauert alles länger und ist anstrengender, vor allem weil ich an der Fatigue, der chronischen Erschöpfung, leide. Aber immerhin bin ich seit knapp zwei Jahren wieder vom Sauerstoff weg, was mich sehr freut. Und meine Haushaltshilfe, die ich von der Krankenkasse genehmigt bekommen habe, ist sozusagen mein Luxus.

Die Fünfjahresüberlebensrate bei Lungenkrebs liegt bei unter 5 Prozent – Sie gehören dazu. Haben Sie einfach Glück?

Glück gibt´s nicht. Ich lebe dank der Wissenschaft. Bei einer Untersuchung stellten die Ärzte fest, dass ich ALK-Mutationsträger bin. Diese Mutation trifft von 100 Betroffenen – hauptsächlich Nichtrauchern - drei bis vier Prozent und ist heute mit „Chemotabletten“ behandelbar. Davon nehme ich drei täglich und lebe weitgehend ohne Nebenwirkungen. Das ist großer Fortschritt: Eine Alternative zur klassischen Chemotherapie zu haben, die wirkt und mich als Patienten schont.

Sie gehen alle 8 Wochen zur Kontrolluntersuchung. Ist das nicht belastend? Jedes Mal zu hoffen, dass Ihr Zustand unverändert ist? 

Ach wissen Sie, ich habe keine Angst vor den Ergebnissen. Was kommt, das kommt. Ich fühle mich bestens betreut und vertraue den Ärzten in der Klinik, in der ich mich seit meiner Diagnose behandeln lasse.

Das klingt bewundernswert stark. Ist es ein Schutzmechanismus, oder Ihr Naturell?

Ich bin einfach so. Außerdem habe ich viel gesehen, viel erlebt und bin zufrieden mit meinem Leben. Dieses „das und das noch machen“ ist für mein Empfinden künstlich hochgepuscht. Auf die richtige Einstellung kommt es an: Das Beste aus den Gegebenheiten machen und seinen Humor zu behalten.

Ihr Optimismus ist ansteckend! Gibt es auch etwas, das Sie nervt?

Natürlich habe ich auch Sachen, die mich nerven. Früher habe ich viel Weltliteratur gelesen, war Dauergast in der Bibliothek in meinem Wohnort Fürstenfeldbruck, habe gestrickt und bin wahnsinnig gerne in Konzerte gegangen. Für all das fehlt mir im Moment die Kraft. Aber ich habe mir jetzt Reha-Sport verschreiben lassen und nehme mir fest vor, dorthin zu gehen. Seit einem Jahr bewege ich mich nämlich aufgrund der Fatigue wie ein altes Mütterchen und das will ich unbedingt wieder ändern. Vielleicht knüpfe ich da ja auch ein paar soziale Kontakte, das wäre schön.

Das sagt der Spezialist

„Bei unserer Patientin stellten wir 2015 eine ALK-Mutation fest. Dabei handelt es sich um eine von mehreren gut erforschten Veränderungen in den Krebszellgenen, die sich mit Medikamenten in Form von Tabletten gezielt behandeln lassen. Für die ALK-Mutation stehen eine ganze Reihe von sehr gut verträglichen und wirksamen Medikamenten zur Verfügung, so dass sich Patienten mit dieser Genmutation oft sehr erfolgreich und über Jahre hinweg gut behandeln lassen. Ihre Lebensqualität ist gut oder zumindest befriedigend – was ja das eigentliche Ziel einer guten Behandlung einer Krebserkrankung im fortgeschrittenen Stadium ist. Es gibt noch weitere Genmutationen, für die zielgerichtete Therapien zur Verfügung stehen. Aber auch für Patienten ohne behandelbare Krebsgenmutationen gibt es heutzutage hochwirksame Behandlungsformen, wie z.B. die Immuntherapie.“ Dr. Thomas Duell ist Leitender Oberarzt der pneumologischen Onkologie an unserer Klinik.

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