10. ACH Ringvorlesung: Bedeutung der Darmkrebszentren

Prof. Dr. med. Jürgen Weitz, Chefarzt für Allgemein- und Viszeralchirurgie an der Asklepios-ASB Klinik Radeberg bei Dresden sowie Direktor der Klinik und Poliklinik für Viszeral-, Thorax- u. Gefäßchirurgie, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus an der Technischen Universität Dresden, und Geschäftsführender Direktor, Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Dresden, stellte am 13.12. im Rahmen der Ringvorlesung Asklepios Centers of Excellence am Asklepios Campus Hamburg (ACH) die Bedeutung der Darmkrebszentren vor.

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Begrüßung durch Prof. Dr. med. Karl Jürgen Oldhafer

In seiner Begrüßung kündigte Prof. Dr. med. Karl J. Oldhafer, Repräsentant des Dekans der medizinischen Fakultät der Semmelweis Universität und akademischer Leiter am ACH, seinen Kollegen aus Dresden den Studierenden mit den Worten an: „Es erwartet Sie ein Feuerwerk der Chirurgie, bei dem der Funke überspringen wird“. Dass er nicht zu viel versprochen hatte, merkten die Zuhörer bereits nach wenigen Sätzen: Von Anfang bis Ende war der tempo-, informations- und bildreiche Vortrag voll mit Ratschlägen aus dem beruflichen Erfahrungsschatz des Chirurgen an die angehenden Ärztinnen und Ärzte. Botschaft Nr. 1: „Suchen Sie sich nicht irgendeine Klinik für den Start aus – suchen Sie sich einen Mentor, der Spaß daran hat, mit Ihnen gemeinsam etwas zu entwickeln. Das ist der Schlüssel zu Ihrem beruflichen Erfolg.“ Botschaft Nr. 2: „Unsere Verantwortung ist es, Sie gut auszubilden. Ihre Verantwortung ist es, begeistert zu sein und sich einzusetzen.“ 

Perfekte Chirurgische Behandlung ist entscheidend

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Prof. Dr. med. Jürgen Weitz vom Darmkrebszentrum Radeberg

Warum gerade die Tumorchirurgie für jeden Mediziner von großem Interesse sein müsse, erläutert Prof. Weitz in seinem Vortrag über sein Exzellenzgebiet: „Jeder von Ihnen wird in seinem Leben mindestens einmal mit dem Thema Krebs in der Familie konfrontiert werden.“ In Deutschland erhalten jährlich eine halbe Million Menschen die Diagnose Krebs – und machen sich auf die Suche nach dem bestmöglichen Behandlungsort. Eine Neuerkrankung mit Darmkrebs, der zu den häufigsten bösartigen Tumorerkrankungen in Deutschland zählt, trifft jährlich rund 60.000 meist ältere Patienten; die Mortalitätsrate liegt aktuell bei ca. 40 Prozent. Die positive Nachricht des Abends lautet aber: Die Vorsorgeuntersuchungen (insbesondere Darmspiegelungen) greifen, die Inzidenzrate (also die Anzahl der Neuerkrankungen) sinkt. Über die Überlebenschance entscheide laut Prof. Weitz dabei wesentlich die Qualität des behandelnden Chirurgen: „Eine Chemotherapie nach einer Operation verbessert die Prognose des Patienten zwar, aber der Effekt ist deutlich geringer als der Effekt einer qualitativ hochwertigen  Chirurgie. Eine perfekte chirurgische Leistung bietet dem Patienten die beste Chance auf Heilung.“ Künftig stünden dem Operateur auch die robotische Chirurgie sowie der Einsatz von virtueller und augmentierter Realität zur Verfügung, um beispielsweise Tumore oder andere anatomisch relevante Zielstrukturen besser erkennbar zu machen. Diese Entwicklung mache den Fachbereich Chirurgie künftig nur noch spannender.

Metastasen sind kein Todesurteil

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ACH Studierende bei der 10. Ringvorlesung

Sogar die Behandlung von Tochtergeschwülsten (Metastasen) in der Leber oder auch des örtlichen Wiederauftretens von Tumoren (sog. Lokalrezidiv) als häufige Folge einer Darmkrebserkrankung seien heute bei vielen Patienten gut möglich: „Die Aussage ‚Das kann man nicht operieren‘ sagt in vielen Fällen auch etwas über den Operateur aus. Metastasen oder Lokalrezidive an sich sind primär erstmal kein Todesurteil. Es müsste manchmal eher heißen ‚Das kann ich nicht operieren‘.“ Anhand zahlreicher kurzer Filmausschnitte von Operationen kolorektaler Karzinome wurde den Studierenden die Glaubwürdigkeit dieser Aussage deutlich: Je präziser dort im Laufe der OPs das bösartige Geschwür sowie die dazu gehörigen Lymphknoten entfernt und umliegende Nerven geschont werden, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, den Krebs zu besiegen und z.B. eine Inkontinenz als Folge des Eingriffs abzuwenden. „Chirurgen“, so erklärt Prof. Weitz,“ „müssen täglich in jedem Einzelfall entscheiden, ob eine Operation technisch möglich und gleichzeitig biologisch – also mit Blick auf das Alter und den Gesundheitszustand des Patienten sowie der Ausdehnung der Krebserkrankung – sinnvoll ist.“ Er und sein Team würden dabei über das zentrale Patientenmanagement klären, ob der Patient in der Asklepios-ASB Klinik Radeberg oder bei schweren Fällen an der Uniklinik behandelt werden solle. 

Ein Chef, ein Team, zwei Häuser

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Prof. Weitz leitet in Doppelfunktion zwei Abteilungen

Die Asklepios-ASB Klinik Radeberg ist ein Krankenhaus der Regelversorgung mit 145 Betten in unmittelbarer Nähe zur Elbmetropole Dresden. In der Focus-Klinik-Liste, in der herausragende Kliniken gelistet werden, rangiert das Universitätsklinikum Dresden seit diesem Jahr deutschlandweit auf Platz 2. Die Asklepios-ASB Klinik Radeberg ist Lehrkrankenhaus des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus der Technischen Universität Dresden. Seit 2015 sind die Kliniken für Allgemein- und Viszeralchirurgie beider Häuser durch einen Chef sowie ein gemeinsames Team eng vernetzt. Dies garantiert nicht nur eine optimale Behandlung der Patienten, sondern auch eine erstklassige Ausbildung von Studenten und Assistenzärzten durch eine Rotation an beide Häuser. Durch diese Doppelfunktion des Referenten klang das abschließende Angebot an die ACH Studierenden entsprechend direkt und vielversprechend: „Wenn Sie bei mir famulieren oder promovieren wollen, schicken Sie mir einfach eine Mail.“ 

Nächste Ringvorlesung:

14.2. mit Prof. Dr. Martin Fleck aus Bad Abbach zum Thema Rheumatologie

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