IORT- Intraoperative Strahlentherapie bei Brustkrebs

Die heutige Behandlung von Brustkrebs ruht auf mehreren Säulen.
Dazu gehören in der Regel die Operation, eine Behandlung mit Medikamenten und die Strahlentherapie. Dabei werden die verschiedenen Therapieformen zunehmend individueller auf die Situation jeder einzelnen Patientin angepasst.

Die konventionelle Strahlenbehandlung bei Brustkrebs

Die Bestrahlung hat zum Ziel, mögliche verbliebene Tumorzellen nach einer operativen Tumorentfernung zu zerstören. Damit wird das Risiko eines Tumorrückfalles (Rezidiv) verringert.

Bei der konventionellen Strahlenbehandlung geschieht das mit einer Bestrahlung der gesamten Brust. Dabei wird auch gesundes Gewebe mitbestrahlt. Die Therapiedauer beträgt 6 Wochen. An jeweils 5 Tagen wöchentlich erfolgt eine Bestrahlung, um die Nebenwirkung der Behandlung so gering wie möglich zu halten.

Zusätzlich zur Ganzbrustbestrahlung erfolgt zum Ende der sechswöchigen Therapie eine sogenannte Boostbestrahlung, das heißt eine zusätzliche Bestrahlung des ehemaligen Tumorbettes. Sie soll das Risiko eines lokalen Tumorrezidivs senken.

Gezielte Intraoperative Strahlentherapie (IORT)

Bei dieser Behandlung erfolgt die Bestrahlung unmittelbar im Anschluss an die Tumorentfernung, das heißt noch im Operationssaal wird das Tumorbett von innen heraus bestrahlt.

Nach Entfernung des Tumors wird eine Bestrahlungskugel, die mit einem speziellen mobilen Bestrahlungsgerät verbunden ist, direkt in die Tumorhöhle eingebracht. Dieses ehemalige Tumorbett wird anschließend mit einer hohen Einmaldosis bestrahlt. Die Bestrahlungsdauer beträgt etwa 30 Minuten. Danach wird die Bestrahlungskugel wieder entfernt, die Operation regulär fortgesetzt und die Wunde am Ende mit einer Naht verschlossen.

Die IORT funktioniert punktgenau. Am Zielort ist die Bestrahlungsdosis sehr hoch, das umliegende Gewebe und die Haut werden aber geschont. Die Bestrahlung erfolgt sozusagen im Hochrisikogebiet für mögliche Rückfälle.

Die IORT ersetzt die sogenannte Boostbestrahlung des ehemaligen Tumorbettes nach einer Operation, bei der in mehreren Behandlungsterminen Bestrahlungen in geringerer Dosis erfolgen. Die Bestrahlung der gesamten Brust entfällt mit der IORT nicht, die Behandlungsdauer wird allerdings um etwa acht Tage verkürzt,eine Erleichterung für die betroffenen Patientinnen. Klinische Untersuchungen konnten bisher nachweisen, dass die Rückfallrate mit der intraoperativen Bestrahlung gesenkt werden konnte.

Vorteile der IORT

  • Verringerung der lokalen Rückfallrate im Vergleichzur konventionellen Strahlentherapie
  • Verkürzung der Behandlungsdauer
  • Hohe biologische Wirksamkeit                                                    (hohe Strahlendosis im Tumorbett und frühestmöglicher Einsatz der Bestrahlung)
  • Behandlungsoption für Patientinnen mit einem erneuten Tumor in der bereits vorbestrahlten Brust, die gleichzeitig eine brusterhaltende Therapie ermöglicht
  • Behandlungsoption für Patientinnen, bei denen eine konventionelle Ganzbrustbestrahlung aufgrund von Vorerkrankungen nicht geeignet ist
  • Gutes kosmetisches Ergebnis

Nachteile der IORT

  • Verlängerung der Operationszeit um die Dauer der Bestrahlung

  • Etwas erhöhtes Risiko einer Ansammlung von Wundwasser im Operationsgebiet (Serom).

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