Invasive präntale Diagnostik

Unter „invasiver Diagnostik“ versteht man Eingriffe, bei denen Gewebe vom Mutterkuchen (Chorionzottenbiopsie), Fruchtwasser (Amniozentese) oder Blut aus der Nabelschnur des Kindes (Cordozentese) entnommen wird. Das Gewebe, Fruchtwasser und das kindliche Blut werden untersucht und der Chromosomensatz bestimmt. Dadurch kann festgestellt werden, ob beim Kind eine Erkrankung besteht, die mit einer Chromosomenauffälligkeit in Zusammenhang steht, wie z. B. einer Trisomie 21 (Down-Sydrom) oder auch bestimmte Stoffwechselerkrankungen.

Amniozentese (Fruchtwasserentnahme, Abkürzung: AC)

Bei der Amniozentese wird über eine dünne Nadel (Außendurchmesser 0,34 mm) durch die Bauchdecke Fruchtwasser (15ml) aus der Fruchthöhle entnommen. Die optimale Stelle zur Entnahme des Fruchtwassers wird vorher durch Ultraschall bestimmt. Auch der Moment des Einstechens der Nadel wird durch den Ultraschall kontrolliert. Wenn die Nadel wieder herausgezogen wird, verschließt sich die Fruchthöhle in aller Regel sofort wieder. In sehr seltenen Fällen (etwa 0,5-1% der Fälle) kann es zu Komplikationen (Infektion, Blasensprung mit möglicher nachfolgender Fehlgeburt) kommen. Eine Amniozentese kann ab 15+0 Schwangerschaftswochen durchgeführt werden. Die Chromosomenuntersuchung dauert etwa 10-14 Tage. In dringenden Fällen ist ein Schnelltest innerhalb eines Tages möglich (FISH). Die Kosten des Schnelltests werden jedoch in der Regel nicht von den Krankenkassen übernommen.

Chorionzottenbiopsie (Abkürzung CVS)

Eine Chorionzottenbiopsie (auch CVS genannt für „chonon villi sampling“) ist eine Gewebe-Entnahme im Bereich der Plazenta (Fachausdruck für Mutterkuchen). Zu Beginn der Schwangerschaft nennt man dieses Gewebe Chorion. Das Vorgehen ist ähnlich wie bei der Amniozentese, nur dass anstelle des Fruchtwassers etwas Gewebe vom Chorion entnommen wird. Die Einstellung und die Kontrolle erfolgt wie bei der Amniozentese über den Ultraschall. Die Punktionsstelle wird betäubt. Die Komplikationsrate liegt bei etwa 1-2 %. Eine Chorionzottenbiopsie kann ab der 11+0 Schwangerschaftswoche durchgeführt werden, die Chromosomenuntersuchung in der Kurzzeitkultur dauert etwa 2 Tage, das endgültige Ergebnis ist nach 7-10 Tagen erhältlich.

Amniondrainage

Als Amniondrainage bezeichnet man eine Fruchtwasserentnahme aus therapeutischen Zwecken. Diese kann notwendig werden, wenn es aufgrund einer fetalen Erkrankung zu extremer Bildung von Fruchtwasser kommt, welches die Schwangere sehr belastet. Bei der Durchführung wird wie bei der Amniozentese über eine dünne Nadel durch die Bauchdecke Fruchtwasser aus der Fruchthöhle entnommen. Die optimale Stelle zur Entnahme des Fruchtwassers wird vorher durch Ultraschall bestimmt.

Seite teilen: