Chronisch entzündliche Darmerkrankungen

Etwa 300.000 Menschen in Deutschland leiden an einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung (CED). Meist tritt die Erkrankung zwischen dem 20. und dem 30. Lebensjahr auf, aber auch Kinder und Jugendliche sowie ältere Erwachsene sind betroffen.

Zu den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen gehören vor allem der Morbus Crohn und die Colitis ulcerosa. Beides sind entzündliche Erkrankungen der Darmschleimhaut, deren vielfältige Ursachen  noch nicht vollständig aufgeklärt sind. Neben einer genetischen Veranlagung spielt das angeborene Immunsystem des Darms eine wesentliche Rolle. Bei einer Erkrankung ist die natürliche Barrierefunktion, die der Darm gegenüber Bakterien und anderen Eindringlingen darstellt, gestört. Durch die gestörte Abwehrfunktion bei einer Entzündung des Darms, der mehr als zwei Drittel aller menschlichen Immunzellen beherbergt, können Bakterien und Eiweiße in die Darmwand eindringen und eine Abwehrreaktion auslösen. Es kommt zu einer Entzündung, die nicht nur den Darm, sondern den gesamten Organismus betrifft. Sie lässt sich von körpereigenen Regulationsmechanismen nicht mehr stoppen und wird dadurch chronisch.

Der erste Schritt: Die richtige Diagnostik

Morbus Crohn

Beim Morbus Crohn kann die Entzündung den gesamten Verdauungstrakt betreffen. Die entzündlichen Prozesse treten aber meist im Dünn- und Dickdarm auf und befallen sämtliche Schichten des Darms. Dabei können sich Gänge (Fisteln) ausbilden, die in benachbartes Gewebe ziehen und Eiteransammlungen (Abszesse) verursachen. Fisteln erreichen in manchen Fällen auch benachbarte Organe oder bilden Kurzschlussverbindungen zu anderen Darmabschnitten. Zudem kann es sein, dass sich infolge der chronisch vernarbenden Entzündung Verengungen (Stenosen) ausbilden, die wiederum Passagenprobleme verursachen.

Colitis ulcerosa

Im Gegensatz zur Morbus Crohn-Erkrankung ist die Colitis ulcerosa in über 95 % der Fälle auf den Bereich des Dickdarms begrenzt. Die Entzündung geht vom Enddarm aus und betrifft, anders als beim Morbus Crohn, ausschließlich die Schleimhaut als oberste Darmschicht. Da die Symptome beider Krankheitsbilder sehr ähnlich sind, ist eine eindeutige Unterscheidung in manchen Fällen nicht möglich. Auch kann sich die Diagnose im Laufe der Zeit ändern.

Bei beiden Erkrankungen kann die Entzündung auch Körperteile außerhalb des Darms befallen (extraintestinale Manifestationen). Sie kann an Gelenken, Bändern, Muskeln, Haut, Augen und an der Leber auftreten. Die chronische  Darmentzündung stellt zudem einen Risikofaktor für die Entwicklung von Darmkrebs dar, was je nach Ausdehnung und Dauer der Erkrankung regelmäßige endoskopische Untersuchungen erforderlich macht.

Die klinische Symptomatik ist oft uncharakteristisch. Bei der Colitis ulcerosa treten (blutige) Durchfälle auf. Zudem stehen krampfartige Oberbauchschmerzen, die vor allem nachts und nach dem Essen einsetzen, im Vordergrund sowie das Gefühl der inkompletten Stuhlentleerung. Beim Morbus Crohn leiden die Patienten vor allem unter Bauchschmerzen und Durchfällen, die fast nie blutig sind. Je nach Schwere und Dauer der Erkrankung können allgemeine Symptome wie Fieber, Gewichtsverlust, Blutarmut und Ausbildung von Wasseransammlungen in den Beinen, infolge eines Eiweißmangels, hinzukommen.

Die Diagnose der Erkrankungen zeichnet sich durch verschiedene Bausteine aus: Wir erkundigen uns nach der Krankheits- und Familiengeschichte, führen körperliche und apparative Untersuchungen sowie Laborbestimmungen durch (unter anderem Entzündungswerte, Leberwerte, Elektrolyte, Eiweißgehalt, Stuhluntersuchungen auf pathogene Keime und Calprotectin).

Unsere Abteilung verfügt über eine moderne Endoskopie mit hochauflösender Bildgebung (i-scan) und hochwertigen Ultraschallgeräten. Zudem setzen wir die Endosonografie (von innen durchgeführte Ultraschalluntersuchung), zum Beispiel im Rahmen einer Morbus-Crohn-Erkrankung, zur Beurteilung von Fisteln und Abszessen im Bereich des Enddarms ein. Die Beurteilung des Dünndarms erfolgt durch die Videokapsel-Endoskopie, beziehungsweise in Kooperation mit unserer radiologischen Abteilung durch eine spezielle Kernspintomografie (MR-Sellink). Im Rahmen der endoskopischen Diagnostik bieten wir auch die Behandlung von Komplikationen einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung an, wie zum Beispiel die Dilatation (Erweiterung) von Darmstenosen (Verengungen des Darms).

Unsere Behandlungsziele sind:

  • die Eindämmung eines akuten Entzündungsschubs
  • das Abklingen chronischer Entzündungen
  • den möglichst langfristigen Erhalt beschwerdefreier Intervalle (Remissionserhalt)
  • die Kontrolle etwaiger Begleiterkrankungen (extraintestinale Manifestationen, Ernährungsdefizite, Fisteln)

Die chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen erfordern eine interdisziplinäre, also fachübergreifende, Zusammenarbeit von Gastroenterologen und Viszeralchirurgen. Wir beraten Sie als internistisch-chirurgisches Behandlungsteam und erarbeiten ein individuelles Behandlungskonzept. In einer akuten Phase und zum Remissionserhalt setzen wir vor allem eine medikamentöse Therapie ein, die sich  nach der Art und Schwere der Erkrankung, nach vorhandenen Komplikationen und nach individuellen Unverträglichkeiten richtet. Kortison ist bei einer akuten Entzündung gut wirksam, aber aufgrund seiner Nebenwirkung keine gute Option für eine Dauerbehandlung. Diese wird typischerweise mit Modulatoren des Immunsystems durchgeführt. In manchen Fällen lässt sich eine Operation nicht vermeiden. Wir verfügen über die notwendige Erfahrung bei einer totalen oder subtotalen (unvollständigen) Dickdarmentfernung mit Anlage eines Dünndarmpouches (Dünndarmersatzmagen). Bei der Versorgung eines vorübergehend notwendigen künstlichen Darmausgangs (Stoma) steht Ihnen unser sogenanntes Stoma-Team auch nach der Entlassung zur Verfügung.

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