Gallensteine

Wir spucken „Gift und Galle“, sind „grün oder gelb vor Neid“ oder benehmen uns wie ein Choleriker: Das altgriechische Wort „chole“ bedeutet Galle. Zwar besteht tatsächlich möglicherweise ein Zusammenhang zwischen der Seele und Erkrankungen der Gallenblase, die Therapie jedoch ist und bleibt eine klassisch chirurgische Behandlung.

Im Gegensatz zur landläufigen Meinung wird die Gallenflüssigkeit nicht in der Gallenblase, sondern in der Leber gebildet. Die Gallenblase ist für die Speicherung und Eindickung der Gallenflüssigkeit zuständig. Die Leber leitet den circa einen Liter Gallenflüssigkeit pro Tag kontinuierlich über den Lebergallengang in den Gallenblasengang und in die Gallenblase. Nehmen wir fettreiche Nahrung zu uns, entleert sich die Gallenblase. In der Vorzeit, als die Menschen nicht regelmäßig aßen, sondern nach tagelangem Fasten und erfolgreicher Jagd plötzlich große fettreiche Mahlzeiten zu sich nahmen, wurde dieses zusätzliche Gallenreservoir benötigt. Durch die veränderten Nahrungsgewohnheiten heutiger Zeit kann man ohne Gallenblase problemlos leben. Die Gallenflüssigkeit entleert sich dann direkt in den Darm.

Förderlich für Gallensteine sind neben zu geringer Bewegung Übergewicht und eine cholesterinhaltige, ballaststoffarme Ernährung, beispielsweise mit vielen gesättigten Fettsäuren. Aber auch starke Gewichtsabnahme, Schwangerschaft, familiäre Vorbelastung und ein weibliches Geschlecht sind prädisponierend. Frauen bildeten hormonell bedingt doppelt so häufig Gallensteine aus wie Männer. Anzeichen sind diffuse oder auch vernichtende Schmerzen im rechten Teil des Bauches, die sogenannten Gallenkoliken. Diese entstehen dadurch, dass sich die Gallenblase zusammenziehen will, dies aber wegen der den Ausgang verstopfenden Steine nicht mehr kann. Im schlimmsten Fall entstehen akute oder sogar chronische Entzündungen, die sich bis zur Gelbsucht und Bauchspeicheldrüsenentzündung entwickeln können. Jeder fünfte Deutsche hat Gallensteine, die aber in den meisten Fällen symptomlos bleiben und keiner Therapie bedürfen. Erst bei Beschwerden besteht eine Behandlungsnotwendigkeit.

Diese besteht ausnahmslos in der Entfernung der Gallenblase, einer Routineoperation, die mit rund 190.000 Operationen im Jahr zu den häufigsten Eingriffen in Deutschland gehört.

Der Eingriff erfolgt bei uns grundsätzlich minimalinvasiv, also in Schlüssellochtechnik mit kleinsten Schnitten. Andere Therapieformen, wie Stoßwellenbehandlung oder „Leberkuren“ sind nicht erfolgversprechend.

Kommen Sie geplant zur Gallenblasenentfernung, wird die Operation in unserer Sprechstunde geplant. Sie kommen dann am Morgen des Operationstages wieder und werden bei normalem Verlauf nach einem Aufenthalt von 2 Nächten wieder entlassen. Sie sind noch am Operationstag normalerweise wieder mobil und dürfen bereits essen und trinken. Weitere Nachuntersuchungen nach der Operation sind in der Regel nicht erforderlich. Wenn Sie wegen eines Notfalls der Gallenblase über unsere Zentrale Notaufnahme zu uns kommen, ist der Eingriff möglicherweise schwerer, und der Verlauf kann etwas länger sein. Dennoch wird bei uns auch im Notfall die Gallenblase fast immer in Schlüssellochtechnik operiert.

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