MH Kinaesthetics Infant Handling

MH Kinaesthetic Infant Handling lehrt Erwachsene, sich Kindern gegenüber so zu verhalten, dass die Lern- und Entwicklungsbedingungen nach der Geburt nahezu ebenso entwicklungsfördernd sind wie vor der Geburt im Mutterleib.

Eltern und Pflegekräfte unterstützen insbesondere Früh- oder krankgeborene Kinder in sämtlichen alltäglichen Aktivitäten, z. B. beim Atmen, Schlafen, Trinken, Essen, Ausscheiden, Einnehmen einer Position oder bei der Fortbewegung. Alle diese Aktivitäten sind an eigenaktive Bewegungen gebunden, also an die Kompetenz, die eigene Bewegung angepasst steuern zu können. Eine auf diesem Wissen basierende pflegerische Unterstützung kann einen großen Einfluss darauf haben, wie die Kinder lernen, ihre Vitalfunktion zu regulieren und sich als wirksam und fähig zu erfahren.

"Nicht ich bewege das Kind, sondern ich unterstütze das Kind dabei, die eigene Bewegung zu finden."

Bild: Kinaesthetics Infant Handling Baby im Inkubator
© Lena Dülberg

Das ungeborene Kind ist im Mutterleib ständig in der Interaktion und im Austausch mit der Mutter. Das Kind kann sich im Fruchtwasser schwerelos bewegen, mit den Bewegungen der Mutter mitgehen und lernen.

Nach der Geburt ist das Kind der Schwerkraft ausgesetzt. Das bedeutet eine Unterbrechung der sanften, fließenden Lernerfahrung während der Schwangerschaft – das Kind muss den Umgang mit dem eigenen Gewicht und damit alle Bewegungskompetenzen neu lernen. Zu Beginn ist es stark mit  Haltungsbewegung beschäftigt. Mit dem Wiedererlernen der Bewegungskompetenzen kann das Kind die anfangs nur für Haltebewegung benötigten Ressourcen zum Atmen, Ausscheiden, für die Aufnahme von Nahrung und für die allgemeine Entwicklung nutzen.

Durch Kinaesthetics Infant Handling wird dieser Lernprozess gefördert: Das Kind soll die Möglichkeiten bekommen, Bewegung zu erlernen, Bewegungen zu erfahren, seine Muskeln zu stärken und das eigene Gewicht in der Schwerkraft zu koordinieren. Kinder können durchaus einige Bewegungen selber durchführen, bzw. Impulsen folgen, sie brauchen aber Zeit und müssen sich bewegen dürfen. Gleichzeitig sensibilisiert Kinaesthetics uns Erwachsene, was die Bewegungswahrnehmung bei uns und dem Kind betrifft, so dass wir das Kind auch nicht überfordern.
 

Praktische Umsetzung

Alle Mitarbeiter unserer neonatologischen Abteilung absolvieren den Grundkurs MH Kinaesthetics Infant Handling, um ein Grundverständnis für die eigene Bewegung und die Bewegungsunterstützung unserer Früh- und kranken Neugeborenen zu schaffen. Dieses Wissen nutzen wir im Stationsalltag. Dabei gilt: MH Kinaesthetics Infant Handling ist kein Pflegestandard, sondern ein Werkzeugkoffer, mit dessen Hilfe wir jedes Kind da abholen wo es sich individuell befindet.

Außerdem geben wir unser Wissen an Sie als Eltern weiter – schließlich sind Sie der wichtigste Bestandteil der entwicklungsfördernden Betreuung. Dabei stehen praktische Beispiele im Mittelpunkt. Wir unterstützen Sie als Eltern dabei, die eigenen Bewegungen bewusster wahrzunehmen und dieses Wissen für die Förderung Ihres Kindes zu nutzen. Gleichzeitig steigt so Ihre Sicherheit im Umgang mit dem Kind, da Sie in der Lage sind, die Bewegungsentwicklung Ihres Kindes positiv zu beeinflussen.

Praktisches Beispiel Wickeln

Viele Mütter oder Väter heben das Kind zum Wickeln an den Beinen hoch und bewegen die Füße Richtung Kopf, so dass der Po des Kindes den Kontakt zur Auflage verliert. Legt man sich selbst auf den Boden, macht eine Kerze und lässt von einer zweiten Person die Beine in Richtung Kopf drücken, bemerkt man schnell, dass diese Position sehr unangenehm ist, zu Atemproblemen und Druck in Kopf und Nacken führt. Dieses praktisch erfahrene Wissen können die Eltern in der Pflege ihres Kindes nutzen und zum Kind passende Alternativen gestalten.

Unsere Trainerin auf Station

Als einzige Hamburger Klinik arbeitet in unserer neonatologischen Abteilung eine MH Kinaesthetics Infant Handling Trainerin. Lena Dülberg ist Fachgesundheits- und Kinderkrankenpflegerin für Intensivpflege und Anästhesie, Entwicklungsfördernde Neonatalbegleiterin (EFNB)®, Ausgebildete DGBM e. V. Babymassage-Kursleiterin und Zertifizierte MH Kinaesthetics ® Grundkurs Trainerin Infant Handling.

Neben der regulären Tätigkeit auf Station begleitet Lena Dülberg Kollegen und Eltern am Kind, gibt praktische Anleitungen und unterstützt Erfahrungen zur eigenen Bewegungswahrnehmung.  Außerdem bietet sie regelmäßig Kurse und Workshops für Gesundheits- und Kinderkrankenpflegende sowie Pädiater, Gynäkologen, Hebammen, Pflegende der Wochenbettstation, Erzieher und Physiotherapeuten an. Termine auf Anfrage.
 

Das Konzept Kinaesthetics

Kinaesthetics ist ein Kunstwort und setzt sich aus den Begriffen

  • Kinesis = Bewegung
  • Aesthetics = Wahrnehmung

zusammen.

Gemeint ist also die sensorische Erfahrung von Bewegung bzw. der eigenen Bewegung. Das Konzept wurde in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts von Dr. Lenny Maietta und Dr. Frank Hatch entwickelt.

Weitere Informationen: www.kinaesthetics.com

 

Termine

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