Erkrankungen der Leber

Die Leber (Hepar) ist das zentrale Stoffwechselorgan des menschlichen Körpers und seine größte Drüse. Sie wiegt zwischen 1.200 und 1.800 Gramm und entspricht etwa 2 % des Körpergewichts eines Erwachsenen. Sie liegt im rechten Oberbauch. Vereinfacht wird sie in einen kleineren linken und einen größeren Lappen unterteilt. Unsere Fachärzte sind auf Erkrankungen der Leber spezialisiert – Sie können sich bei uns in besten Händen fühlen.

Funktion der Leber

Eine körperbauliche (anatomische), funktionsbedingte Besonderheit der Leber ist ihre äußerst starke Blutversorgung. Das gesamte den Verdauungstrakt durchströmende Blut wird in der Pfortader gesammelt und in die Leber geleitet. Nachdem die Leber durchströmt ist, wird das Blut über die drei großen Lebervenen direkt in die untere Hohlvene (Vena Cava) eingeleitet und ist somit direkt vor der rechten Herzkammer angelangt.

Man kann die Funktionsweise der Leber bildlich gesprochen mit der Arbeit eines großen Chemielabors vergleichen. In Zusammenarbeit mit der Gallenblase lassen sich drei Hauptfunktionen unterscheiden:

  • Die Leber verantwortet die Aufrechterhaltung der Energieversorgung im Körper. Alle im Verdauungstrakt ins Blut aufgenommenen Nahrungsbestandteile werden durch die Pfortader der Leber zugeführt. Sie verarbeitet große Teile der aufgenommenen Nährstoffe wie Eiweiße, Kohlenhydrate und Fette. Bei Bedarf gibt sie diese zur Versorgung des Gesamtorganismus ab.
  • Für die Verdauungsfunktion des Magen-Darm-Trakts ist die Produktion und Sekretion, (Bildung und Absonderung) von Galleflüssigkeit sehr bedeutsam. In den Gallenwegszellen wird die hochwirksame Gallenflüssigkeit produziert. Durch sie wird die Aufnahme spezieller Nährstoffe und Fette aus der verdauten Nahrung ermöglicht. Zunächst wird die Galle in der Gallenblase eingelagert und eingedickt. Auf einen chemischen Reiz hin wird sie bedarfsweise über den Gallengang in den Zwölffingerdarm abgegeben.
  • Die Leber ist unverzichtbar für die Entgiftung des menschlichen Körpers. Zahlreiche vom Organismus selbst gebildete Gifte oder von außen zugeführte Fremdstoffe werden mithilfe der Leber ausgeführt. Dank ihres komplexen zellulären (die Zellen betreffenden) Aufbaus und ihrer hervorragenden Durchblutung erfüllt die Leber diese wichtige Aufgabe sehr zuverlässig.

Symptome von Lebererkrankungen

Mögliche Hinweise auf Lebererkrankungen sind ein Druckschmerz im Oberbauch, eine Gelbfärbung der Haut oder Durchfall. Weitere unklare Anzeichen stellen Übelkeit, Appetitlosigkeit, ungewollte Gewichtsabnahme sowie Nachtschweiß dar. Erkrankungen der Leber betreffen zumeist direkt ihre Funktionsweise. Sind die daraus folgenden Schädigungen sehr schwer, kann der Austausch (Transplantation) der Leber nötig sein. Die Leber ist ein lebenswichtiges menschliches Organ. Unsere Experten stehen Ihnen in jedem Fall zur Seite. Wir beraten Sie umfassend und finden gemeinsam mit Ihnen das für Sie am besten geeignete Vorgehen.

Gutartige Krankheitsbilder

Leberzirrhose

Die Leber entgiftet den Körper generell sehr zuverlässig. Ist sie jedoch bestimmten Giften, beispielsweise bei Alkoholmissbrauch, dauerhaft ausgesetzt, reagiert sie empfindlich. Dann verliert die Leber zunehmend ihre fein abgestimmte, ausgeklügelte zelluläre Struktur und vernarbt allmählich. Diese Vernarbung (Zirrhose) kann auch durch bestimmte Viruserkrankungen (Hepatitis B und Hepatitis C) ausgelöst werden, bei der Viren gesunde Leberzellen angreifen und zerstören.

Wir stehen Ihnen zuverlässig zur Seite. Auch wenn Sie Schwierigkeiten damit haben, auf Alkohol zu verzichten, sollten Sie einen Arzt ansprechen. Sie können sich außerdem ausführlicher informieren auf der Seite unser Gastroenterologen.

Leberzysten

Leberzysten sind gutartige, flüssigkeitsgefüllte Hohlräume, die in das Lebergewebe eingebettet sind oder ihm aufsitzen. Meist verursachen sie keine Beschwerden, sodass die Diagnose häufig zufällig erfolgt. Wenn die Zysten jedoch eine gewisse Größe erreichen und entsprechend mehr Raum benötigen, können ziehende Schmerzen im rechten Oberbauch entstehen. Mögliche Einblutungen in die Zyste oder das Platzen einer Zyste führen zu unvermittelten heftigen Bauchschmerzen. Alarmieren Sie bei solchen Beschwerden umgehend einen Notarzt.

Es gibt verschiedene Arten von Leberzysten. Einige wenige Betroffene leiden von Geburt an an einer nahezu vollständig zystisch umgebauten Leber (Zystenleber). Häufig sind zudem andere innere Organe zystisch verändert. Es liegt also eine erbliche Ursache für eine Zystenleber vor. Es gibt weitere Ursachen, wobei Leberzysten überwiegend durch eine Fehlentwicklung bestimmter Gewebe im Mutterleib (dysontogenetische Zysten) entstehen. Diese Zysten treten einzeln oder gehäuft auf.

Kleine, beschwerdefreie Leberzysten können unbehandelt bleiben. Überschreiten sie eine gewisse Größe und verursachen Beschwerden, können unsere Fachärzte operieren und die Zysten dabei entdachen, sodass die Flüssigkeit aus ihnen abfließt.

Sind Zysten durch Parasiten bedingt, so sollten sie stets operativ behandelt und dabei in den meisten Fällen aus der Leber ausgeschnitten werden. Manchmal ist auch die teilweise Entfernung der Leber notwendig. In Deutschland sind parasitär ausgelöste Zysten, meist durch einen Hunde- oder Fuchsbandwurm, allerdings eher selten.

Der Hundebandwurm (Echinococcus granulosus) ist ein weltweit verbreiteter Parasit. Die Erkrankungshäufigkeit schwankt regional erheblich. Besonders häufig tritt die Erkrankung in europäischen Mittelmeerländern, im Nahen Osten, in Nord- und Ostafrika, in Mittel- und Südamerika sowie in Australien auf. Die Übertragung des Hundebandwurms auf Menschen oder andere Tiere kann auf verschiedenen Wegen stattfinden, beispielsweise über den direkten Kontakt mit einem infizierten Hund beziehungsweise seinem Kot oder durch Verunreinigungen auf Gemüse oder im Wasser. Die Infektion erfolgt meist bereits im Kindesalter, dennoch treten Beschwerden generell erst nach mehreren Jahren auf. Die Forschungsliteratur nennt Latenzzeiten (die Zeit zwischen dem Eindringen eines Erregers in den Körper und dem Auftreten erster Symptome) von bis zu 50 Jahren. Durchschnittlich sind die Patienten bei der Diagnosestellung zwischen 30 und 40 Jahren alt.

Infolge einer Infektion mit dem Hundebandwurm (Echinococcus granulosus) bilden sich Zysten in Form flüssigkeitsgefüllter Blasen mit einer oder mehrerer Kammern (Hydatidenzysten). Bei rund 60 % der Infizierten finden sich diese Zysten in der Leber. Die Hydatiden können einen Durchmesser von bis zu 30 cm erreichen. Die Zyste besteht aus einer inneren Schicht, die teilweise infektiöse (ansteckende) Parasitenanteile enthält. Eine Membran (Gewebeschicht) begrenzt die Zyste äußerlich. Der Organismus reagiert, indem er eine Schicht aus Bindegewebe um die Zyste bildet. Anfangs erzeugt eine Infektion keinerlei Symptome bei Betroffenen. Zumeist treten viele Jahre lang keine Beschwerden auf. Die Zysten wachsen allerdings um durchschnittlich 1 bis 5 cm pro Jahr. Folglich entstehen Symptome durch Verdrängung, verminderten Blutfluss oder durch Komplikationen wie das Platzen einer Zyste oder sekundäre (durch die erste Infektion bedingte) bakterielle Infektionen. Die Beschwerden hängen von der Lage und der Größe der Zyste ab: Parasitäre Infektionen der Leber verursachen üblicherweise erst ab einem Zysten-Durchmesser von 10 cm Symptome. Bei großen Zysten können ein Druckschmerz im rechten Oberbauch, Übelkeit und Erbrechen auftreten. Bei Kompression von Gefäßen oder Gallenwegen können neben Gelbsucht Entzündungen der Gallenwege und allergische Reaktionen auftreten.

Bestätigt sich der Verdacht auf eine parasitäre Zyste ist die vollständige chirurgische Entfernung medizinisch angeraten. Dass die Zyste vollständig und unverletzt entfernt wird ist besonders wichtig, damit sich der Erreger durch die Operation nicht verbreitet. Sowohl vor als auch nach der Operation ist eine medikamentöse Therapie mit Albendazol (Medikament gegen Würmer) notwendig.

Bitte wenden Sie sich mit Ihren Fragen jederzeit an uns – wir beantworten diese umfassend und beraten Sie gerne.

Der Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis) tritt in Teilen Europas, Russlands, West-Chinas, Nord-Afrikas und in bestimmten Gebieten Nord-Amerikas auf. Wie häufig Infektionen mit Echinococcus multilocularis auftreten ist nicht genau bekannt. Sie treten jedoch deutlich seltener auf als Hundebandwurm-Infektionen. Die Infektion wird entweder direkt, beispielsweise über Kontakt mit einem Fuchs, oder indirekt über ausgeschiedene Wurmeier auf den Menschen übertragen.

Auf einen Fuchsbandwurm zurückgehende Zysten bestehen aus zystischen (flüssigen, halbfesten sowie hohlen) und soliden (festen sowie nicht hohlen)  Anteilen. Sie wachsen typischerweise langsam, es wird eine Inkubationszeit (Zeit zwischen dem Eindringen eines Erregers in den Körper und dem Auftreten erster Symptome) von 5 bis 15 Jahren angenommen. Das durchschnittliche Alter der Patienten bei der Diagnose beträgt 55 Jahre.
Echinococcus multilocularis kann unbehandelt bei einem Menschen schwerwiegende und sogar tödlich verlaufende Infektionen verursachen. Das befallene Gewebe verhält sich wie ein bösartiger Tumor: Es dringt in umgebendes Gewebe ein und zerstört dieses, es überschreitet Organgrenzen und siedelt  Metastasen in anderen Organen ab. Da die Zysten wachsen, fordern sie zunehmend Raum und üben Druck aus, sodass darüber hinaus Gewebe abstirbt (Nekrose). Der primäre (ursprüngliche) Herd, also der Ausgangsbezirk der Krankheit, ist bei einem Menschen fast immer in der Leber lokalisiert. Andere Organe werden entweder direkt oder über den Blutweg befallen.
Unsere Experten therapieren, indem sie die Zyste vollständig chirurgisch entfernen. Die Ausschälung der Zyste aus ihrer Membran (der sie umgebenden Gewebsschicht) genügt nicht: Als Sicherheitsraum müssen unsere erfahrenen Operateure gesundes Lebergewebe mitentfernen. Wie bei der Behandlung von einem Hundebandwurm schließt sich eine Therapie mit Albendazol (Medikament gegen Würmer) an. Sprechen Sie uns bei Fragen gerne an.

Leberhämangiome (Blutschwamm)

Hämangiome treten meistens einzeln auf. Bei bis zu 40 % der Patienten befinden sie sich beidseitig sowohl im rechten als auch im linken Leberlappen. Die Hämangiome können zwischen wenigen Millimetern und mehr als 20 cm groß sein. Meistens sind sie jedoch kleiner als 5 cm. Geschätzt sind zwischen 0,4 % und 20 % der Bevölkerung von Hämangiomen der Leber betroffen. In 60 % bis 80 % der Fälle sind die Patienten zwischen 30 und 50 Jahren alt. Frauen sind wesentlich häufiger betroffen als Männer.

Bis heute ist nicht vollständig bekannt, wie Leberhämangiome entstehen. Forscher gehen davon aus, dass es sich um Gefäß-Missbildungen oder um sogenannte Harmatome (versprengtes Gewebe aus der Embryonalzeit) handelt. Vermutlich haben Hormone Einfluss auf das Wachstum, da die Größe in der Schwangerschaft zunimmt sowie unter dem Einfluss von Östrogen (weibliches Sexualhormon) und Gestagenen (eine Gruppe weiblicher Keimdrüsenhormone).

Typischerweise werden Hämangiome zufällig diagnostiziert. Größer als 5 cm können sie bei Betroffenen Beschwerden, meist Bauchschmerzen und ein Druckgefühl im rechten Oberbauch, verursachen. Beschwerdefreie Patienten benötigen, insbesondere wenn der Blutschwamm kleiner als 5 cm ist, keine Therapie. Zumeist führen die Hämangiome weder zu Schwierigkeiten noch wachsen sie.

Blutschwämme, die größer als 5 cm sind, wachsen wiederum häufig sehr rasch. Unsere Experten raten eine operative Entfernung an, sofern ein Hämangiom Beschwerden verursacht oder es größer als 10 cm ist. Ohne operativen Eingriff bergen insbesondere große Blutschwämme die Gefahr der Ruptur (Platzen) mit folgender schwerer Blutung. Unsere erfahrenen Chirurgen beherrschen verschiedene Verfahren zur Entfernung von Hämangiomen. Dazu zählen die Enukleation (Herausschälen) und die Leberresektion (teilweise oder vollständige Entfernung). Unsere Fachärzte führen die Leberresektion am häufigsten unter Erhaltung des umgebenden Lebergewebes durch. Wir besprechen mit Ihnen alle notwendigen Schritte ausführlich im Voraus und stimmen diese gemeinsam mit Ihnen ab.

Leberadenome

Hepatozelluläre (die Leberzellen betreffende) Adenome sind gutartige Lebertumore, die mit einem Ungleichgewicht im Hormonhaushalt einhergehen, insbesondere des Östrogenhaushalts (also des Gleichgewichts weiblicher Sexualhormone im Körper). Die Einführung der Antibabypille in den 60er Jahren verursachte einen dramatischen Anstieg von Leberzelladenomen bei jungen Frauen. Da heute die Dosierung und die Zusammensetzung der Hormone der Antibabypille verändert sind, sank die Anzahl der Neuerkrankungen wieder deutlich. Fragen Sie Ihren Frauenarzt oder Ihre Frauenärztin, sollten Sie hierzu Fragen haben. Wir beraten Sie ebenfalls jederzeit gerne.

In 90 % der Fälle sind die Betroffenen weiblich. Ihr Durchschnittsalter liegt zwischen 15 und 45 Jahren. Neben den hormonsensiblen (durch Hormone bedingten) Adenomen treten auch familiäre Häufungen von Adenomerkrankungen auf. Durch die dauerhafte Einnahme oraler (über den Mund eingenommener) Kontrazeptiva (Verhütungsmedikamente) oder anaboler Steroide (Protein aufbauende Substanzen) ist das Risiko für die Entstehung von Leberzelladenomen erhöht.

Patienten können entweder vollständig symptomfrei sein oder ein erhebliches Krankheitsgefühl mit Oberbauchschmerzen und Blässe aufweisen. Rund ein Viertel der Betroffenen klagen infolge eines Adenoms über Schmerzen im rechten Oberbauch. In 30 bis 40 % der Fälle platzt das Adenom (Ruptur), wodurch eine gefährliche Blutung entsteht. Unsere Spezialisten sind sehr erfahren und auch auf diese Situationen eingestellt. Da das Risikos für spontane, lebensbedrohliche Blutungen hoch ist, ist die chirurgische Entfernung, insbesondere größerer Adenomen, die angeratene Therapie.

Bei kleineren Befunden empfehlen unsere Mediziner gegebenenfalls zunächst den Verzicht auf Verhütungsmedikamente oder Steroide. Außerdem beobachten sie genau den weiteren Verlauf. Gegebenenfalls muss jedoch eine Operation erfolgen, da ein gutartiges Leberzelladenom und ein bösartiges Leberzellkarzinom (Krebs) diagnostisch äußerst schwierig voneinander abzugrenzen sind. Im Zweifelsfall ist somit ein operativer Eingriff durch unsere Fachärzte erforderlich. Das Risiko, dass die Zellen des Adenoms sich in einen bösartigen Leberkrebs umwandeln (Transformation), liegt schätzungsweise bei etwa 1 %. Experten diskutieren zurzeit jedoch, ob eine Transformation überhaupt stattfindet.

FNH (Fokal noduläre Hyperplasie)

Die fokal noduläre Hyperplasie (FNH) bezeichnet den häufigsten gutartigen Lebertumor, der nicht von den Gefäßen ausgeht. Die gutartige Wucherung des Lebergewebes betrifft vorrangig Frauen zwischen 20 und 50 Jahren. Meistens handelt es sich um einen einzelnen Herd (Ausgangsbezirk einer Krankheit) mit einem Durchmesser von weniger als 5 cm, der keine Beschwerden verursacht und durch einen Zufallsbefund entdeckt wird.

Eine FNH wächst zumeist nur bei Einnahme oraler (mündlich einzunehmender) Kontrazeptiva (Verhütungsmedikament wie die Antibabypille) oder während einer Schwangerschaft. Da die FNH darüber hinaus weder zur bösartigen Entartung noch zu Blutungen neigt, empfehlen unsere Experten meist eine konservative Behandlung. Das bedeutet, dass Medikamente verschrieben oder abgesetzt (z.B Antibabypille) werden und der Verlauf genau beobachtet wird. Bei Nachuntersuchungen durch unsere Mediziner nach 3 beziehungsweise 6 Monaten werden eine mögliche Größenzunahme und die Abgrenzung zu einem bösartigen Tumor beurteilt. Unsere Patienten sind umfassend versorgt.

Bösartige Krankheitsbilder

Leberkrebs (hepatozelluläres Karzinom, HCC)

Das hepatozelluläre Karzinom (HCC) geht von den Leberzellen selbst aus. Meist geht Leberkrebs mit einer chronischen Virushepatitis (Entzündung der Leber) und einer daraus entstandenen Leberzirrhose (Vernarbung der Leber) einher. Alkoholmissbrauch, seltene angeborene Stoffwechselerkrankungen wie Morbus Wilson (Hämochromatose) oder bestimmte Zellgifte wie Aflatoxine gelten als Risikofaktoren. Diese Faktoren führen zu einer chronischen (dauerhaften) Schädigung der Leber, infolge derer die normale Zellstruktur zerstört wird und vernarbt (Zirrhose). Diese Vernarbung erschwert die operative Entfernung eines Tumors deutlich. Sehen Sie sich Risikofaktoren ausgesetzt, so sprechen Sie bitte einen Arzt Ihres Vertrauens an.

In Europa tritt das hepatozelluläre Karzinom eher selten auf und macht nur wenige Prozent aller bösartigen Tumore aus. Aufgrund der weiten Verbreitung von Hepatitis B und Hepatitis C, insbesondere in Asien und Afrika, ist das HCC weltweit betrachtet allerdings der häufigste Tumor eines Organs. Die Prävention (Vorbeugung) einer Hepatitis-Infektion ist also sehr bedeutsam und kann durch Impfungen gegen Hepatitis B oder die Vermeidung übermäßigen Alkoholkonsums erfolgen. Menschen, die einem hohen Erkrankungsrisiko ausgesetzt sind, beispielsweise aufgrund einer bekannten Lebererkrankung oder einer Hepatitis-Infektion, sollten regelmäßig Kontrolluntersuchungen wahrnehmen, damit ein möglicher Tumor frühestmöglich entdeckt werden kann.

Die meisten von einem primären (aus der Leber selbst entstehenden) Leberkarzinom Betroffenen bleiben lange Zeit vollständig oder fast beschwerdefrei. Unspezifische (unklare) Symptome wie Gelbsucht, Juckreiz, ein schlechter Allgemeinzustand, Müdigkeit, Schwächegefühl, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust und Fieber können auftreten. Bei Verdacht auf eine Krebserkrankung der Leber führen unsere Spezialisten zunächst eine genaue Diagnose durch. Hierfür stehen Ultraschall und insbesondere die Kontrastmittelsonographie auch Computertomographie und Kernspintomographie zur Verfügung. Gewebeproben können wir gegebenenfalls unter Ultraschallkontrolle entnehmen.

Wurde ein hepatozelluläres Karzinom festgestellt, entfernen unsere erfahrenen Operateure den Tumor vollständig chirurgisch mit Sicherheitsabstand. Häufig ist die Leber gleichzeitig von einer Zirrhose (Vernarbung) betroffen, sodass eine Operation riskant ist. Liegt eine schweren Zirrhose vor, kann die Leber den Verlust von Lebergewebe durch eine Operation nicht ausgleichen, sodass eine Operation unmöglich ist. Unsere Experten finden in enger Abstimmung mit Ihnen die für Sie individuell beste Behandlungsmöglichkeit.

Ist eine Entfernung nicht möglich, bieten unsere Mediziner mehrere andere Verfahren an, die das Tumorwachstum begrenzen und aufhalten können. Mithilfe dieser Therapien kann die Wartezeit auf ein Spenderorgan zur Transplantation (Ersatz) überbrückt werden. Auch Patienten, die keinen Organersatz erhalten, können sehr von diesen Therapien profitieren. Vorwiegend wird unsere in der Radiologie (medizinisches Fachgebiet, das Bilder des Körperinneren liefert) durchgeführte Chemoembolisation / TACE eingesetzt. Wir besprechen mit Ihnen alle Behandlungsmöglichkeiten ausführlich und wir beantworten gerne Ihre Fragen.

Bei weit fortgeschrittener Metastasierung von Leberkrebs bieten unsere Fachärzte palliative Therapien zur Linderung von Beschwerden an. Wir begleiten unsere Patienten und ihre Angehörigen mit medizinischer Kompetenz und menschlicher Fürsorge.

Lebermetastasen anderer bösartiger Tumore

Lebermetastasen sind Absiedlungen von Krebszellen, die aus Tumoren anderer Organe, beispielsweise aus einem Darmtumor, in die Leber gelangen. Dort vermehren sie sich weiter. Lebermetastasen entstehen häufig bei Tumoren des Dick- und Enddarms aber auch bei anderen bösartigen Erkrankungen. Unsere Fachärzte sind in bei diesen Diagnosen sehr erfahren.

Grundsätzlich entfernen unsere Fachärzte Lebermetastasen chirurgisch vollständig. Die Leberchirurgie hat in den letzten Jahren riesige Fortschritte erzielt: Unsere Operateure können heute bis zu 70 % des Lebergewebes bei vertretbarem Risiko entfernen. In begrenztem Maße kann die Leber nachwachsen und Teile des entfernten Gewebes ersetzen. Wir sind ein Zentrum für Leberchirurgie, unsere Fachärzte können dank langjähriger Erfahrung Operationen jeden Schwierigkeitsgrads durchführen. Aufgrund unserer Zusammenarbeit mit verschiedenen Institutionen und Forschungseinrichtungen verfügen wir über alle aktuellen Technologien, die wir zum Wohle unserer Patienten nutzen. Wir können beispielsweise jede Resektion (Entfernung) virtuell am dreidimensionalen Computermodell planen – für ein optimales und unseren Patienten schonendes Ergebnis.

Oftmals ist eine Resektion aus technischen Gründen nicht sogleich möglich. Beispielsweise, wenn das nach der Entfernung verbleibende restliche Lebergewebe nicht ausreicht oder die Metastasen (Tochtergeschwulste) diffus, also unregelmäßig, in der gesamten Leber verteilt sind. Deswegen wurden in den letzten Jahren neue Therapieansätze mit vielversprechenden Ergebnissen entwickelt. mit diesen kann auch in solchen Fällen operiert werden. Beispielsweise kann die Restleber vor der Operation gezielt zum Wachsen stimuliert (angeregt) werden. Auch eine Chemotherapie, die die Metastasen verkleinert, ist inzwischen möglich. Außerdem gibt es Ansätze, die eine besonders schonende Operation auch bei ausgeprägter Metastasierung ermöglichen. Zwar ist in diesen Fällen die Wahrscheinlichkeit erneuter Metastasenbildung erhöht, bleibt jedoch genug Gewebe zurück, können Metastasen auch ein zweites und drittes Mal durch eine Operation entfernt werden.

Für Ihre individuelle und bestmögliche Behandlung arbeiten wir eng mit den Fachkollegen anderer Bereiche, insbesondere den Krebsspezialisten, zusammen. In wöchentlich stattfindenden sogenannten Tumorkonferenzen stellen wir einander jeden Fall ausführlich vor und beraten uns, um mit vereinter Fachkompetenz die jeweils bestmögliche Lösung zu finden.

Expertenvideo: Was leistet die moderne Leberchirurgie?

©Asklepios

Lebermetastasen, beispielsweise Darmkrebs, zählen zu den gefürchteten Diagnosen. Modernste Operationsmethoden erhöhen nun die Aussicht auf eine erfolgreiche Behandlung Krebserkrankter. So ermöglicht die virtuelle Operationsplanung in Verbindung mit der 3D-Computersteuerung, selbst winzige, nach der Chemotherapie nahezu unsichtbar gewordene Metastasen zu entfernen und gleichzeitig die Leberfunktion zu erhalten. Lassen Sie sich in diesem Video von Chefarzt Prof. Oldhafer erläutern, wie die neuen Methoden funktionieren, welche Vorteile sie bieten und was sie leisten können.

Wir helfen Ihnen gerne weiter

Sowohl bei allen gutartigen Erkrankungen als auch bei allen Tumorerkrankungen der Leber und der Galle helfen wir Ihnen mit modernsten Behandlungsmethoden und langjähriger Erfahrung. Die chirurgische Behandlung von Erkrankungen der Leber ist ein besonderer Schwerpunkt unserer Spezialisten. Wir wurden zertifiziert als Referenzzentrum für chirurgische Erkrankungen der Leber durch die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie. Bitte kontaktieren Sie uns,  wenn Sie weitere Fragen haben. Wir beraten Sie gerne.

Leber-Sprechstunde

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