Sprechstunde Medizin

Ihr Krankheitsbild - Unser Angebot: "Fortschritte der Wirbelsäulenchirurgie“

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Chronische Rückenschmerzen sind häufig mit Verschleißerscheinungen der Wirbelsäule verbunden. Als eine von mehreren Optionen stehen chirurgische Maßnahmen zur Verfügung.

Wir kennen in der Wirbelsäulenchirurgie vier große Bereiche: Frakturen, Fehlstellungen, Tumoren und degenerative Erkrankungen. Degenerative Verschleißerkrankungen bilden dabei die weitaus größte Gruppe mit unterschiedlichen Ursachen. Wir sehen Veränderungen an den Bandscheiben, an den Wirbelgelenken und natürlich auch den Wirbelkörpern selbst. Da sich diese Strukturen über die Jahre abnutzen, kann die Folge ein chronischer lokaler Rückenschmerz sein. Mittels klassischem Röntgenbild oder Kernspintomografie/MRT lassen sich die anatomischen Verhältnisse beurteilen. Degenerationen sind weniger auf ein einzelnes Ereignis zurückzuführen. Die klassische chronische Degeneration oder Abnützung entwickelt sich über Jahre. Auch die Beschwerden stellen sich ganz anders dar als beim Bandscheibenvorfall. Die Symptome entwickeln sich langsam, der Patient versucht lange Zeit mittels konservativer Methoden, wie Schmerzmittel, Physiotherapie, Akupunktur, die Schmerzen in den Griff zu bekommen. Leider bringt das oftmals keine Besserung mehr, da die Schmerzen auf eine unwiderrufliche Abnutzung zurückzuführen sind.

Sind die konservativen Maßnahmen ausgeschöpft, haben wir gute operative Therapiealternativen. Eine Möglichkeit ist, eine Bandscheibenprothese einzusetzen. In diesem Fall wird die schadhafte Bandscheibe entfernt und an Ihrer Stelle eine Prothese eingesetzt. Die Beweglichkeit im betroffenen Wirbelsäulenabschnitt bleibt erhalten. Sind weitere Abnützungen, z. B. an den Facettengelenken nachweisbar, ist dieser Eingriff nicht zu empfehlen. Dann müssen auch die betroffenen Wirbelgelenke entfernt und die dazwischen liegenden Wirbel vorzugsweise mit körpereigenem Knochen und speziellen Schrauben und Stangen stabilisiert werden. Diese Methode wurde in den letzten Jahren ständig verfeinert. Heute kann man durch kleine Hautzugänge operieren und schont so Weichteilareale wie z. B. Muskeln. Das ist ein großer Fortschritt. Dann werden, je nach Anzahl der von Abnützung betroffenen Wirbelkörper, zwei oder auch mehrere Wirbel miteinander versteift.

Natürlich wird versucht, sowohl die Beweglichkeit als auch möglichst viel eigenes Gewebe zu erhalten. Deshalb ist das erste Ziel, möglichst ein dynamisches Verfahren anzuwenden. Allerdings gibt es auch Fälle, bei denen die Abnutzung zu stark ist und dynamische Operationsmethoden nicht anwendbar sind. Dann hilft nur eine Stabilisierung durch Versteifung. Die Beweglichkeit wird übrigens bei einem solchen Eingriff nicht – wie oft befürchtet – allzu sehr eingeschränkt. Im Gegenteil: Da der Patient weniger Schmerzen hat als vor der Operation, gewinnt er sogar an Beweglichkeit.

Kein anderes chirurgisches Fach hat sich in den letzten Jahren so rasch entwickelt wie die Wirbelsäulenchirurgie. Bereits heute kann man viel komplexer operieren als vor 10 oder 20 Jahren. Das liegt einerseits an den verbesserten Anästhesieverfahren, andererseits auch an den verbesserten Implantaten. Die verwendeten Materialien sind heute gut verträglich, so dass es kaum mehr zu Brüchen oder Abstoßungen kommt. Außerdem haben sich die chirurgischen Verfahren verfeinert. Wir können viel gewebeschonender mit kleinen Schnitten operieren, wir haben Navigationsgeräte, wir können von hinten, von vorne oder von der Seite an die Wirbelsäule gelangen.

Mitentscheidend für den Erfolg einer OP ist jedoch auch die richtige Indikation. Rückenschmerzen sind so vielfältig wie die Patienten! Heute wird nicht mehr jeder, der ein Wirbelsäulenproblem hat, versteift. Ziel muss es sein, für jeden Patienten die für ihn richtige und individuelle Therapie zu wählen.

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